Rackspace-Studie untersucht Status quo der Cloud-Nutzung

Komplexität und Datenintegration in der Multi-Cloud fordern Unternehmen heraus

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Cloud Computing ist inzwischen fester Bestandteil des IT-Betriebs der produzierenden Industrie.
Cloud Computing ist inzwischen fester Bestandteil des IT-Betriebs der produzierenden Industrie. (Bild: © industrieblick - stock.adobe.com)

Die Cloud macht den IT-Betrieb einfacher, ist billiger, flexibler, skalierbarer, sicherer. Diese Botschaft ist definitiv angekommen, wie viele Studienergebnisse bezeugen, und cloud-basierte Systeme werden inzwischen von sehr vielen Unternehmen eingesetzt.

Doch ganz so einfach, wie es sich anhört, ist die Nutzung der Cloud-Services aber nicht. Die andere Seite der Medaille zeigt: Die Mehrheit der Unternehmen kämpft heute mit der großen Komplexität von Multi-Cloud-Umgebungen und hat Probleme mit der Datenintegration. Im Auftrag der Rackspace GmbH hat sich das Marktforschungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) von Februar bis März 2018 etwas eingehender mit der Cloud-Nutzung in deutschen und schweizerischen Unternehmen beschäftigt und insgesamt 120 IT- und Fachbereichsverantwortliche mit 250 und mehr Mitarbeitern aus dem verarbeitenden Gewerbe deutscher und schweizerischer Fertigungsunternehmen um ihre Meinung und Erfahrung gebeten. Vor allem den Fragen „Teilen Unternehmen der Schlüsselbranche Manufacturing den Wunsch nach Multi-Cloud-Lösungen?“ und „Was erwarten fachliche Entscheider von Multi-Cloud und -Dienstleistern in diesem Umfeld?“ wollte man nachgehen.

Die Studie „Multi-Cloud und Cloud Managed Services im Manufacturing-Umfeld“ kommt dabei zu interessanten Antworten und Einschätzungen. Wenig überraschend sieht die Industrie einen großen Wertbeitrag von Cloud-Lösungen vor allem bei den geschäftlichen Herausforderungen Kosten- und Effizienzdruck im IT-Betrieb, Erschließung neuer Kundengruppen und Märkte sowie die Erschließung neuer Märkte und Regionen. Positiv wird die Cloud-Nutzung auch bei der Erweiterung des Produkt- und Service-Portfolios und der Erschließung neuer Geschäftspartnerschaften bewertet. Die Lösung dieser kaufmännischen und strategischen Herausforderungen hat aber keinen so hohen Stellenwert, wie gemeinhin vermutet wird. Tatsächlich haben es zwei klassische IT-Themen an die Spitze geschafft: Am wichtigsten erscheint Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes die Umsetzung von IoT- und Industrie-4.0-Projekten, gefolgt von der IT-Sicherheit. Für Wolfgang Schwab, für die Studie verantwortlicher Analyst bei PAC, manifestiert dieses so nicht erwartete Ergebnis die massive Bedeutung von IT in der Fertigungsindustrie.

Cloud-Betrieb schreckt nicht mehr ab

Weiter stellt PAC fest, dass Bedenken gegen eine Cloud-Nutzung insgesamt in den letzten zwölf Monaten deutlich abgenommen hat. Die größten Hemmnisse sehen viele Befragte vor allem in Multi-Cloud-Architekturen mit hoher technologischer Komplexität und Problemen bei der Datenintegration sowie der End-to-End-Security. Unsicher ist man sich auch immer noch, wenn es um Verfügbarkeit, Performance, aber auch Compliance geht. Trotzdem zeigt sich insgesamt eine deutliche Veränderung innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre zum Positiven: Die Cloud ist kein Schreckgespenst mehr, sondern wird mit weitaus mehr Professionalität betrachtet und diskutiert. Die mit der Cloud-Nutzung einhergehende erhöhte Komplexität durch notwendige hybride Architekturen sowie der Integration, Verwaltung und Überwachung multipler Cloud-Lösungen werden heute als durchaus lösbare Probleme begriffen und nicht als Hindernisse.

Laut Umfrage sind die Cloud-Strategien der produzierenden Unternehmen durchaus differenziert.
Laut Umfrage sind die Cloud-Strategien der produzierenden Unternehmen durchaus differenziert. (Bild: PAC)

Das verarbeitende Gewerbe ist, was die Cloud-Nutzung angeht, ein der führenden Branchen. 59 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits Cloud-Lösungen im IoT-Umfeld im Einsatz, 57 Prozent nutzen bereits Server- und Storage-Kapazitäten für Eigenentwicklungen in der Cloud und die Hälfte nutzt Office oder andere Produktivitätswerkzeuge aus der Cloud – allerdings bezieht sich diese Cloud-Nutzung immer noch nur auf Teile der betrieblichen IT-Infrastruktur und Unternehmensanwendungen. Analyst Schwab geht davon aus, dass vielleicht nur ein Prozent der Unternehmen in Deutschland ihre gesamte IT aus der Cloud beziehen.

Zurückhaltender ist man bei der Cloud-Nutzung in den Bereichen Analytics und Big Data, Systeme für Anwendungsentwicklung bzw. Testing, aber auch als Basis für strategische Plattformen wie ERP (nur 36 %). Schwab rechnet aber hier in den kommenden zwei bis drei Jahren mit einer signifikanten Entwicklung, da alle Anbieter diesen Bereich zurzeit massiv pushen. Beispielsweise SAP, die mit der ab 2025 angekündigten Einschränkung des Supports für alte ERP-Versionen den Umstieg auf das cloud-basierte SAP HANA ihren Kunden quasi aufzwingt.

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Wer alles entscheiden darf

Wenn es um die Auswahl des Betriebsmodells geht, so liegt der Auswahlprozess klar in der Hand der IT-Abteilung und der betroffenen Fachbereiche. Die Geschäftsleitung hat in vielen Fällen noch einen gewissen Einfluss, ebenso wie externe Berater. Mitarbeiter sind dagegen nicht stark in den Prozess involviert. Interessant ist, dass sehr oft auch die Fachbereiche aufgefordert sind, über die Wahl geeigneter Dienstleister zu entscheiden und nicht nur, wie eigentlich zu erwarten wäre, ausschließlich über die benötigten Cloud-Dienste. Und auch das Top-Management beteiligt sich erstaunlich intensiv an der Entscheidungsfindung. Dies zeigt aber einerseits, dass das Thema Cloud, und andererseits das Thema IT insgesamt einen besonderen Stellenwert im verarbeitenden Gewerbe haben.

Der Betrieb einer Multi-Cloud stellt Unternehmen vor große Herausforderungen in den Bereichen technologische Komplexität, kaufmännische Komplexität, Datenintegration und End-to-End-Security.
Der Betrieb einer Multi-Cloud stellt Unternehmen vor große Herausforderungen in den Bereichen technologische Komplexität, kaufmännische Komplexität, Datenintegration und End-to-End-Security. (Bild: PAC)

Dies wird auch deutlich an der derzeitigen oder geplanten Cloud-Strategie. Favorisiert wird der Best-of-Breed-Ansatz, also die Auswahl der jeweils optimal passenden Lösung, auch wenn dies zu hybriden bzw. Multi-Cloud-Lösungen führen kann, die die Komplexität des Betriebs und auch den Bedarf nach externer Unterstützung erhöht. Auch eine Auslagerung des Cloud-Betriebs in einem größeren Outsourcing-Konstrukt ist für viele Unternehmen eine wichtige Option und in diesen Verträgen geht es nicht nur um Infrastruktur, sondern insbesondere auch um Applikationen. Trotzdem bevorzugen viele Unternehmen immer noch bei der Nutzung von Cloud-Lösungen das klassische Software-Deployment. Für PAC-Experte Schwab zeigt sich hier noch am deutlichsten die Diskrepanz zwischen „wir hätten gerne“ und der tatsächlichen Entscheidung „wir machen aber“.

Bei Betrachtung der genutzten Deployment-Modelle für die unterschiedlichen Lösungsbereiche fällt auf, dass Public-Cloud-Lösungen einen relativ hohen Anteil haben, aber auch eine Präferenz für Private Cloud ist erkennbar. Entsprechend werden Multi-Cloud-Lösungen in Zukunft das Gros der Betriebsmodi ausmachen. Da die angestrebten Multi-Cloud-Lösungen komplex sind und ihr Betrieb nicht trivial ist, nutzen (45 %), planen (37 %) oder diskutieren (18 %) alle Befragten eine Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern. Keines der befragten Unternehmen lehnt eine solche Zusammenarbeit auch nicht mehr kategorisch ab. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass mit der Zeit der Bedarf an passenden Lösungen für die unterschiedlichen IT-Bereiche steigt, so dass das Thema Multi-Cloud und die damit verbundenen Dienstleistungen immer wichtiger werden. Diese Herausforderung können die Unternehmen zugegebenermaßen nicht mehr alleine stemmen.

Paradigmenwechsel im Unternehmen

Jens Puhle (li.), seit kurzem neuer Vertriebsdirektor für Deutschland bei Rackspace, und Wolfgang Schwab, Principal Consultant Pierre Audoin Consultants (PAC).
Jens Puhle (li.), seit kurzem neuer Vertriebsdirektor für Deutschland bei Rackspace, und Wolfgang Schwab, Principal Consultant Pierre Audoin Consultants (PAC). (Bild: Rackspace)

Anhand der Studienergebnisse geben PAC und Rackspace die Handlungsempfehlung, nicht nur eine dedizierte Multi-Cloud-Strategie zu formulieren, sondern auch die Anwendungslandschaft zu prüfen und zu konsolidieren sowie die technischen Grundlagen für den Betrieb einer Multi-Cloud zu schaffen. Und da Cloud-Services und deren Management sowie die Einrichtung einer umfassenden Multi-Cloud-Architektur nicht trivial sind, ist ein sinnvoller Einsatz nur mit Hilfe von Dienstleistern möglich.

Da die am Markt angebotenen Dienstleistungen und Lösungen jedoch sehr unterschiedlich sind, passt auch nicht jedes Angebot zu jedem Kunden. Unternehmen sollten daher die Use Cases und Best Practices sowie die Referenzen der potenziellen Partner im Detail prüfen und ggf. auch durch Referenzbesuche erfahren, ob der potenzielle Partner tatsächlich über die notwendigen Erfahrungen mit ähnlichen Architekturen und Technologien verfügt. Für Jens Puhle, Sales Director Germany bei Rackspace, bedeutet das auch, sich als Anbieter künftig verstärkt Branchen-Know-how aufzubauen, um stärker in den vertikalen Märkten passende Lösungen für die unterschiedlichen IT-Bereiche parat zu haben.

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