Budgetbetrachtungen, kostenlose Dienste und Freemium-Falle

Was kostet die Cloud?

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Beim Freemium-Geschäftsmodell werden Basisdienste kostenlos (free) angeboten, der volle Funktionsumfang geht dann aber doch wieder ins Geld (premium).
Beim Freemium-Geschäftsmodell werden Basisdienste kostenlos (free) angeboten, der volle Funktionsumfang geht dann aber doch wieder ins Geld (premium). (Bild: © – v.poth – Fotolia.com)

Während die einen noch trefflich über die Rentabilität von Cloudlösungen streiten, nutzen andere Angebote aus der Cloud bereits komplett kostenlos.

Was haben Lunch und Cloud gemeinsam? Wirtschaftlich denkende Anbieter können beides eigentlich nicht wirklich kostenlos anbieten. Tun sie es doch, versprechen sie sich Einnahmen durch zusätzlich verkaufte Getränke oder Dienste. Cloudanbieter betreten mit gratis bereitgestellten Services also kein Neuland, sondern kopieren in gewisser Weise nur ein Geschäftsmodell US-amerikanischer Saloons des späten 19. Jahrhunderts. Und auch in der IT ist Ähnliches schon seit Jahrzehnten gang und gäbe.

Der traditionelle Shareware-Begriff wird heute jedoch zunehmend durch einen Freemium-Ansatz abgelöst. Wenngleich beide Ansätze letztendlich auf den Verkauf eines Produktes abzielen, unterscheiden sich die Nuancen beider Geschäftsmodelle. Shareware muss nicht zwingend in ihrer Nutzbarkeit eingeschränkt sein, darf vom Nutzer jedoch in der Regel nur über einen beschränkten Zeitraum ausprobiert werden. Unter dem Begriff Freemium angebotene Lösungen dürfen derweil meist dauerhaft genutzt werden – sind aber oft so stark beschnitten, dass ernsthafte Nutzer praktisch nicht um einen Kauf herumkommen. Zu möglichen Einschränkungen zählen Werbeeinblendungen, geringer Funktionsumfang oder die Beschränkung auf private Nutzung. Die Demoversionen klassischer Software finden ihre Entsprechung in kostenlosen Testzeiträumen.

Schneller Einstieg für Sparfüchse

Naturgemäß eignet sich die Cloud sehr oft, um rasch auf IT-Ressourcen zuzugreifen – ohne diese erst langwierig und teuer selbst zu installieren. Flexibel nutzbare oder mitunter dauerhaft kostenlose Angebote senken die Einstiegsschwelle und erlauben es, Dienste kurzfristig auszuprobieren.

Kostenlose Angebote gibt es dabei unabhängig von Distributionsmodell und Anwendungsszenarien. Anbei folgen einige prominente Beispiele ohne jedweden Anspruch auf Vollständigkeit.

AWS zu Spot(t)-Preisen fast gratis nutzen

Kostengünstige Nutzung von Amazon Web Services

AWS zu Spot(t)-Preisen fast gratis nutzen

30.07.18 - Auf dem AWS Summit 2018, der Anfang Juni in Berlin stattfand, erzählte Glenn Gore, der Chief Architect von Amazon Web Services, dass über 60 AWS-Services kostenlos zur Verfügung stünden und es zahlreiche Möglichkeiten gebe, die Abo-Gebühr für Services wie EC2 auf ein Zehntel des „Normalpreises“ zu senken. Diese verlockende Aussicht ist, wie eine Analyse zeigt, kein potentielles PR-Geflunker, sondern auf Euro und Cent nachprüfbar. lesen

Guthaben und dauerhaft freie PaaS-Angebote

  • Amazon Web Services (AWS) erleichtert Neu- und Bestandskunden das Ausprobieren neuer Dienste mit kostenlosen Kontingenten. Für ein Jahr lang können Interessenten beispielsweise monatlich 750 Stunden Elastic Load Balancing nutzen, 250.000 Nachrichten per AWS IoT veröffentlichen oder liefern sowie zehn Knoten mit AWS OpsWorks for Chef Automate verwalten. Als „immer kostenlos“ offeriert der Anbieter unter anderem 25 GByte Speicher für DynamoDB, eine Million kostenlose Anforderungen monatlich bei AWS Lambda oder 250 Geräteminuten bei der AWS Device Farm. Eine komplette Übersicht gibt es direkt bei AWS.
  • Auch Google lässt sich nicht lumpen. Gegen eine Registrierung vergibt der Anbieter ein Guthaben über 300 US-Dollar, das Nutzer zwölf Monate lang auf der Google Cloud Platform ausgeben dürfen.
  • Auch bei der Microsoft Azure-Plattform können Nutzer kostenlos einsteigen: Der Dienstleister verspricht neben einer Gutschrift von 170 Euro die dauerhaft unentgeltliche Nutzung verschiedener Azure-Dienste, wie App Service für bis zu zehn mobile oder Web-basierte Anwendungen, Azure Active Directory für bis zu 500.000 Verzeichnisobjekte und einmaliges Anmelden von maximal zehn Apps pro Benutzer oder den kostenlosen monatlichen Versand von bis zu einer Million Pushnachrichten.

Kostenlos speichern und synchronisieren

Einzelne Anwender können kostenlos bei Synchronisations- und Cloudspeicherdiensten, wie Dropbox, Box, Microsoft OneDrive oder Google Drive registrieren und erhalten dann einige GByte kostenlosen Speicherplatz. Um höhere Kapazitäten zu nutzen, Uploadbeschränkungen zu umgehen und das komplette Portfolio professioneller Features für den Kollaboration, Sicherheit und Administration freizuschalten sind allerdings kostenpflichtige Abos notwendig. Je nach Anbieter können Interessierte aber auch diese aber auch gratis für einen Testzeitraum ausprobieren.

MagentaCloud – Kostenloser Datenspeicher der Telekom

Daten sicher in Deutschland speichern

MagentaCloud – Kostenloser Datenspeicher der Telekom

24.07.17 - Die Deutsche Telekom bietet mit MagentaCloud einen kostenlosen Datenspeicher an, mit 10 GB Speicherplatz. Kunden der Telekom erhalten sogar 25 GB Cloudspeicher. Es lohnt sich also den Speicher in die Planung mit einzubeziehen, wenn auf Datenspeicher in der Cloud gesetzt werden soll. lesen

1.000 GByte E-Mail gratis

Ganz gleich ob Google Mail, GMX oder Microsoft Outlook.de – Freemailer gehören zu den Klassikern kostenloser Internet- und Clouddienste. Yahoo Mail wirbt dabei mit üppigen 1.000 GByte Speicherplatz.

Der Preis ist nicht alles

Nichtsdestotrotz sollten Unternehmen bei der Auswahl ihrer Dienste nicht ausschließlich mit kostenlosen Diensten liebäugeln. Welchen Mehrwert kostenpflichtige Dienste gegenüber ihren gratis verfügbaren, aber beschnittenen und mitunter werbefinanzierten Geschwistern bieten, lässt sich leicht den jeweiligen Featurelisten der Anbieter entnehmen – denn die wollen meist nicht den Altruisten mimen, sondern mit Abos den wirtschaftlichen Bestand ihrer eigenen Unternehmen sichern.

Kommen kostenpflichtige Lösungen infrage, müssen Kunden nicht nur die offensichtlichen Ausgaben für eigene Hard- und Software abwägen, sondern auch strategische Entscheidungen treffen und versteckte Faktoren einbeziehen. Mögliche Fragen lauten dabei:

  • Inwieweit wiegen möglicherweise höhere Gesamtbetriebskosten (TCO) einer Cloud hohe Startinvestionen auf?
  • Wieviel Kosten lassen sich durch eingesparte Fachkräfte und den flexiblen Ein- und Ausstieg aus einer Cloud sparen?
  • Was würden physische Zugangsschutz, Energieversorgung und Klimatisierung eigener Systeme kosten?
  • Wie stark binden sich Kunden an einen Anbieter und welche Migrationsoptionen gibt es?
Aufgedeckt: Versteckte Kosten in der Cloud

Unmanaged vs. Managed Cloud

Aufgedeckt: Versteckte Kosten in der Cloud

28.09.15 - Viele Wege führen in die Cloud. Um von ihren Vorteilen wie Skalierbarkeit und Verfügbarkeit zu profitieren, haben Unternehmen im Wesentlichen die Wahl zwischen Unmanaged und Managed Services, die eine Vielzahl an Aufgaben in Bezug auf die operative Mechanik und die unterstützten Services der in Frage kommenden Cloud abbilden und enthalten. lesen

Kalkulatoren und eigene Infrastrukturen

Weitere – nicht immer ganz unparteiische – Anhaltspunkte für die Rentabilität einer Cloudlösung können überdies verschiedene Webtools liefern. Genannt seien an dieser Stelle der von AWS präsentierte TCO Calculator sowie der von Experton und Pironet entwickelte Cloud Workplace Kalkulator.

Und schließlich ist auch nicht auszuschließen, dass Unternehmen in einer Private Cloud ihr Heil finden. So rechnete Nokia vor einiger Zeit vor, wie große Unternehmen allein durch die Umstrukturierung ihrer traditionellen IT mindestens ein Viertel ihrer bisherigen Kosten sparen.

Private Clouds billiger als klassische IT

„Nokia Enterprise Private Cloud TCO Model“ vorgestellt

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03.02.17 - Eine Private Cloud kommt große Unternehmen mindestens 25 Prozent billiger als eine traditionelle IT-Umgebung – behauptet Nokia mit dem jetzt vorgestellten „Nokia Enterprise Private Cloud TCO Model“. lesen

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