Nachhaltigkeit und Digitale Souveränität Greenpeace fordert Ethikregeln für Cloud-Anbieter

Von Heidi Schuster 2 min Lesedauer

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Rechenzentren wachsen rasant, der Energiebedarf steigt massiv: Greenpeace will deshalb klare Regeln für die Cloud-Branche etablieren. Eine neue Richtlinie definiert ökologische und ethische Mindeststandards für KI- und Cloud-Infrastrukturen.

Greenpeace fordert von Cloud- und KI-Anbietern verbindliche ethische Mindeststandards – vom Energieverbrauch der Rechenzentren bis hin zu Ausschlussregeln für problematische Geschäftsfelder.(Bild:  ChatGPT / KI-generiert)
Greenpeace fordert von Cloud- und KI-Anbietern verbindliche ethische Mindeststandards – vom Energieverbrauch der Rechenzentren bis hin zu Ausschlussregeln für problematische Geschäftsfelder.
(Bild: ChatGPT / KI-generiert)

Greenpeace fordert von großen Cloud-Anbietern wie AWS, Microsoft und Google verbindliche ethische Mindeststandards. Mit einer neuen Richtlinie definiert die Umweltorganisation erstmals ökologische und gesellschaftliche Anforderungen für Betreiber kritischer digitaler Infrastruktur – vergleichbar mit Ausschlusskriterien, wie sie bereits im Finanzsektor üblich sind.

Die Richtlinie richtet sich insbesondere an weltweit dominierende Cloud- und KI-Anbieter. Diese sollen laut Greenpeace künftig Verantwortung dafür übernehmen, welche Unternehmen ihre Infrastruktur nutzen und wofür diese eingesetzt wird.

Ausschlussregeln für problematische Geschäftspraktiken

Kern der Richtlinie sind konkrete Ausschlussregeln für Kunden, die Cloud-Services für umstrittene oder schädliche Zwecke einsetzen. Dazu zählen laut Greenpeace unter anderem:

  • Öl- und Gaskonzerne mit Expansionsplänen
  • Unternehmen, die Regenwaldrodung betreiben
  • Hersteller autonomer Waffensysteme
  • Anbieter von Überwachungstechnologien wie Echtzeit-Gesichtserkennung oder Predictive Policing

„Big Tech macht sich mit der Ausbeutung fossiler Rohstoffe, der Abholzung von Regenwäldern, umstrittenen Waffensystemen und Massenüberwachung die Taschen voll”, erklärt Linda Klapdor, Greenpeace-Expertin für KI und Big Tech. Wer die digitale Zukunft gestalten wolle, müsse „die Zerstörung der Gegenwart konsequent von seinen Servern verbannen“.

Verantwortung für Rechenzentren und Lieferketten

Neben den Ausschlussregeln fordert Greenpeace strengere Vorgaben für den Betrieb von Rechenzentren und globale Lieferketten. Neue Rechenzentren sollen ausschließlich mit „echtem Ökostrom“ betrieben werden. Zudem verlangt die Organisation Transparenz beim Wasserverbrauch, streng überwachte Hardware-Lieferketten und faire Arbeitsbedingungen für Clickworker.

Hintergrund ist auch der massive Ausbau der Cloud-Infrastruktur in Deutschland. Die Bundesregierung hatte im März 2026 beschlossen, die Kapazitäten für Rechenzentren bis 2030 zu verdoppeln. Die Anschlussleistung für Cloud-Computing und KI soll sich mindestens vervierfachen.

Ethikstandards als Wettbewerbsfaktor

Laut Greenpeace könnten einheitliche Branchenstandards nicht nur ökologische und gesellschaftliche Risiken reduzieren, sondern langfristig auch zum Wettbewerbsvorteil werden. Der Finanzsektor zeige bereits, dass Ausschlusskriterien für kontroverse Geschäftsfelder funktionieren können.

Gleichzeitig treiben internationale Tech-Konzerne ihre Investitionen in Europa weiter voran. So investiert Amazon Web Services laut Greenpeace allein in Deutschland 7,8 Milliarden Euro. Parallel bauen auch Google, Microsoft und Oracle ihre Infrastruktur aus.

„Globale Akteure wie Amazon, Microsoft oder Google müssen erforderliche ethische Mindeststandards respektieren, damit technologischer Fortschritt nicht weiter auf dem Rücken von Mensch und Umwelt ausgetragen wird”, sagt Klapdor.

Nach Angaben von Greenpeace liegt die Richtlinie bereits als unterschriftsreife Selbstverpflichtung vor und könnte von den Cloud-Anbietern unmittelbar übernommen werden.

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