Digitale Souveränität gewinnt zunehmend an Bedeutung – unter anderem durch den wachsenden Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Laut Ionos-CTO Markus Noga bieten sich Anwendern aber gute Alternativen. Und auch die Belastung der Infrastruktur durch KI könne abgefedert werden.
Digitale Souveränität als Unternehmensaufgabe: europäische Rechenzentren, Open-Source-KI-Modelle und flexible Cloud-Infrastruktur machen Unternehmen unabhängig von außereuropäischen Anbietern.
(Bild: WWW.CHRISTOFMATTES.COM)
„Wie kann ich es schaffen, dass mein Betrieb in allen Bereichen funktioniert – unabhängig davon, was draußen in der Welt politisch geschehen mag?“ Diese Frage stellten sich derzeit viele Unternehmen in Deutschland, berichtet Markus Noga, Technikchef beim Hosting- und Cloud-Anbieter Ionos, im Gespräch mit CloudComputing-Insider auf der Hannover Messe. Ionos verzeichne zunehmend mehr Anfragen von mittleren und großen Firmen, für die digitale Souveränität verstärkt an Bedeutung gewinne. „Wir leben in Zeiten, die durch höhere Volatilität und größere Unsicherheit gekennzeichnet sind, als wir es vor fünf oder zehn Jahren für möglich gehalten hätten“, so Noga. „Darauf müssen Unternehmen reagieren.“
Markus Noga, CTO von Ionos: „Vier Zutaten müssen zusammenkommen, um von echter Souveränität sprechen zu können. Alles andere ist eine Schein-Souveränität.“
(Bild: Ionos SE)
Für eine wirkliche Souveränität müssen die Firmen laut Noga mehrere Faktoren beachten. „Das Rechenzentrum sollte deutsch oder europäisch sein.“ Das Gleiche gelte für die Mannschaft im Rechenzentrum und in der Softwareentwicklung. „Außerdem braucht man eine deutsche oder europäische Mutter-Entität juristischer Art, die nicht außereuropäischer Gesetzgebung unterliegt.“ Hinzu komme ein Technologie-Stack, der vom Anbieter selbst gebaut wurde oder auf Open Source basiert. „Wenn diese vier Zutaten zusammenkommen, kann man von echter Souveränität sprechen. Alles andere ist eine Schein-Souveränität“, sagt Noga. Auf der Hannover Messe präsentierte Ionos die entsprechenden Lösungen dafür. Das Thema stand im Mittelpunkt des dortigen Auftritts. Doch der Cloud-Spezialist war damit nicht allein.
Souveränität auf mehreren Ebenen
Auf der Industrie-Messe, die mit ihrem starken Fokus auf IT ein bisschen an vergangene Cebit-Zeiten erinnerte und auf der sich US-Anbieter wie AWS und Microsoft mit großen Ständen präsentierten, waren Diskussionen über digitale Souveränität allgegenwärtig.
Auch Telekom-CEO Tim Höttges wies in seiner Keynote zum Auftakt der Messe auf die Komplexität des Themas hin: Souveränität zeige sich auf mehreren Ebenen und könne von Unternehmen auf unterschiedliche Weise und mit verschiedenen Partnern umgesetzt werden. Die erste Stufe ist laut Höttges Datensouveränität, bei der es darum geht, dass Unternehmen die Hoheit über ihre Daten behalten und diese nach europäischen Regeln verarbeitet werden. Als zweite Ebene nennt er die Betriebssouveräntität, die sich auf den Standort des Rechenzentrums – nämlich in Europa – und entsprechend zertifizierte Prozesse bezieht. So sei gewährleistet, dass kritische Systeme zuverlässig laufen. Die dritte Stufe ist laut Höttges Technologiesouveränität. Dabei gehe es darum, Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu verringern.
Um Unternehmen in ihren Bemühungen um mehr Souveränität zu unterstützen, hat IT-Dienstleister Schwarz Digits ein Reifegrad-Modell entwickelt, das in Hannover vorgestellt wurde. Mit dem European Sovereign Stack Standard (ES³) lässt sich die digitale Souveränität von IT-Services in vier Stufen bewerten. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO hat laut Anbieter das Modell als unabhängige Instanz verifiziert.
Die aktuelle Studie zur Digitalisierung von Ionos zeigt: Deutsche KMU wollen KI, misstrauen aber Anbietern aus Übersee. Die Sorge vor Datendiebstahl ist aber kein deutsches Phänomen. Jedes zweite Unternehmen in Europa fürchtet um seine Daten.
(Bild: Ionos SE)
Wenn von Souveränität die Rede ist, kommt man am Thema künstliche Intelligenz nicht vorbei. „Wo KI und Souveränität zusammenkommen, entsteht Fortschritt“, sagte Höttges ebenfalls in seiner Keynote. Deutschland und Europa brächten alle Voraussetzungen mit, um in der physischen KI – also der Anwendung von KI im industriellen Umfeld – eine führende Rolle einzunehmen. Alle Unternehmen sollten die neuen Möglichkeiten nun auch nutzen.
Noch ist nichts verloren
Doch noch spielt die Musik in Sachen KI auf anderen Kontinenten. Das sieht auch Ionos-CTO Noga. Die Forschung für KI finde schwerpunktmäßig natürlich in den USA statt. Und auch China sei sehr stark mit entsprechenden Modellen vertreten. Aber: „Europa hält mit Mistral weiterhin die Fahne hoch. Und dessen Modelle halte ich für sehr spannend.“
Außerdem hebt er hervor, dass sich gewichtsoffene oder Open-Weights-Modelle in der Entwicklung stets nur wenige Monate hinter den führenden kommerziellen Modellen befinden. Gemeint sind damit KI-Modelle, die zum Teil proprietär sind und zum Teil auf Open Source basieren. „Das heißt, dass sich immer mehr Aufgaben auch mit solchen gewichtsoffenen Modellen umsetzen lassen“, sagt Noga. „Daher bieten wir einen AI Model Hub an, der die führenden gewichtsoffenen Modelle auf souveräner Infrastruktur ausführt.“
KI-Agenten, die für ihre Tätigkeit ja immer mit einem Large-Language-Modell interagieren, gebe es laut Noga ebenfalls als Open-Source-Varianten. Somit ließen sich also Lösungen entwickeln, die auf Open-Source-Modellen, Open-Source-Agenten und einer souveränen Cloud-Umgebung beruhen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Noga weiß aber auch, dass mit dem verstärkten Einsatz von KI auch die Belastung der Infrastruktur wächst. Das zeige sich etwa bei der Nutzung von KI-Agenten. „Eine typische Mensch-Chatbot-Interaktion hat vielleicht fünf oder sechs Frage-Antwort-Paare“, erklärt der CTO. „Bei einer Agenten-Interaktion sind dies eher fünfzig.“ Denn ein KI-Agent führe in der Regel immer mehr Schritte aus. „Und dadurch steigen natürlich die Rechenanforderungen ganz erheblich.“
Grundsätzlich sorge KI laut Noga außerdem dafür, dass die Prozesse in den Firmen schneller und mit mehr Durchsatz ablaufen. „Wenn aber im Unternehmen Abläufe zehn Mal schneller werden als vorher, belastet dies die Infrastruktur ebenfalls. Dann entstehen neue Engpässe.“
Als Cloud-Anbieter müsse man darauf vorbereitet sein. „Wir haben zum Beispiel Autoscaler eingeführt, mit denen man die verwendeten Computer-Ressourcen flexibel mit der Nachfrage erweitern kann“, so Noga. Und Load Balancer würden die Last auf so viele virtuelle Rechner wie möglich verteilen. „Es ist ja schließlich auch das zentrale Versprechen der Cloud, dass man als Anwender viel stärker skalieren kann als mit der IT im eigenen Keller.“
Und der Energieverbrauch?
Mit der Rechenpower frisst die KI natürlich auch Energieressourcen. Auch diese Herausforderung muss ein Cloud-Anbieter bewältigen. In diesem Zusammenhang verweist Noga auf mehrere Aspekte. Zum einen habe man durch eine bessere Hardware-Ansteuerung in den vergangenen Jahren die Energieeffizienz in den eigenen Rechenzentren deutlich steigern können. „Wir sind zwar in unseren Workloads stark gewachsen, aber unser Stromverbrauch ist nicht in gleichem Maße gestiegen.“
Zum anderen nutzt Ionos laut Noga für seine Rechenzentren zu 100 Prozent Ökostrom und produziert diesen sogar teilweise selbst. Neben dem im französischen Niederlauterbach beispielsweise stehe eine fußballfeldgroße Photovoltaik-Anlage. So macht sich Ionos also unabhängig von fossilen Energien – auch eine Art von Souveränität.