Kunden- und Umsatzwachstum im Mittelstand Zwischen Rekordzahlen und Zukunftsplänen: Datev zieht Bilanz

Von Agnes Panjas 5 min Lesedauer

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60 Jahre Datev und die Bilanz überzeugt: 881 Millionen Euro Umsatz und über eine Million Kunden. Doch blickt CTO Robert Mayr nicht nur zurück, sondern nach vorn – mit klaren Plänen für die Zukunft und deutlichen Forderungen an die Politik.

Im Jubiläumsjahr geht es für Datev steil bergauf: Der Umsatz stieg bis zum 30. Juni 2026 auf 881 Millionen Euro, während die Kundenbasis mit monatlich rund 10.000 Neukunden erstmals die Millionen-Marke knackte.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Im Jubiläumsjahr geht es für Datev steil bergauf: Der Umsatz stieg bis zum 30. Juni 2026 auf 881 Millionen Euro, während die Kundenbasis mit monatlich rund 10.000 Neukunden erstmals die Millionen-Marke knackte.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Auch im Jubiläumsjahr – Datev feiert 60-jähriges Bestehen – läuft es für den IT-Dienstleister rund: Zum 30. Juni 2026 stieg der Umsatz auf 881 Millionen Euro. Zudem knackte das Unternehmen bei der Kundenbasis im Juni erstmals die Millionen-Marke. Jeden Monat werden durchschnittlich rund 10.000 Neukunden aus unterschiedlichen Branchen in die Datev-Systeme integriert. Neben den Mitgliedern der Genossenschaft der steuerberatenden Berufe sind vor allem deren mittelständische Mandanten Datev-Kunden. Angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen stünden mittelständische Unternehmen unter Veränderungsdruck und suchten nach effizienteren, kostensparenden Arbeitsweisen.

Das starke Umsatz- und Kundenwachstum wertete CEO Prof. Dr. Robert Mayr als Zeichen des Vertrauens. Gleichzeitig betonte er die damit verbundene Verantwortung: „Die entscheidende Frage ist nicht, wie Datev heute dasteht. Die entscheidende Frage ist, wie wir unsere Mitglieder und Kunden so unterstützen, dass sie auch morgen und übermorgen erfolgreich arbeiten können.“

Datev Kanzleimanagement in der Cloud

Derzeit beantwortet Datev diese Frage mit einer Cloud und einer entsprechenden Weiterentwicklung des Produktportfolios. Entsprechend bewertete Mayr die Cloud-Lösung Datev Kanzleimanagement als eine der Kernanwendungen des Unternehmens. Anwender werden ab Oktober auf diese migrieren. Die Cloud-Lösung soll Steuerberatungskanzleien dabei unterstützen, ihre internen Abläufe effizient und auftragsbasiert zu steuern – von der Mandatsanbahnung über die Organisation der Leistungserstellung bis hin zur Rechnungsstellung mit begleitendem Controlling.

Datev setzt auf Cloud-native Rechenzentren

Eng verknüpft mit der Cloud ist die aktuelle Diskussion um das Thema Digitale Souveränität. Im Dreiklang von technologischer Souveränität, operativer Souveränität und Datensouveränität möchte Datev mit einer Reihe von Maßnahmen, auch im Cloud-Umfeld so selbstbestimmt wie möglich agieren. „Datev hat sich für eine klare Strategie entschieden und betreibt eigene Cloud-native Rechenzentren. Damit schaffen wir die Grundlage, zentrale Teile der Infrastruktur selbst zu steuern und weiterzuentwickeln. Elementar ist für uns dabei das eindeutige Bekenntnis zum Standort Deutschland und zur Metropolregion Nürnberg“, erklärt Christian Bär, CTO bei Datev.

Auch wenn gerade im technologischen Bereich derzeit keine vollständige Unabhängigkeit realisierbar ist, sei Datev gut aufgestellt, um sich Datenhoheit und größtmögliche Kontrolle beim Betrieb der Anwendungen zu sichern.

Digitale Souveränität bedeutet für uns nicht vollständige Unabhängigkeit. Sie bedeutet, jederzeit selbst entscheiden und auch unter veränderten Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben zu können.

Christian Bär, CTO bei Datev

KI in der Softwareentwicklung und im Kundeneinsatz

Eine wachsende Bedeutung erfährt auch KI bei Datev. Um schnell qualitativ hochwertige Softwarelösungen auf den Markt zu bringen, ist sie bereits heute ein fester Bestandteil der Softwareentwicklung des Unternehmens. Von der Durchführung einzelner Entwicklungsschritte (etwa bei Konzepten), Coding, Reviews, Tests, Dokumentation, Analysen und Modernisierung der Codebasis bis hin zu KI-Agenten, die Entwicklungsaufgaben eigenständig vorbereiten und ausführen können, unterstützt KI über die gesamte Prozesskette. Wichtig ist für Datev dabei, dass KI-Werkzeuge immer als Assistenz- und Unterstützungssysteme agieren. Verantwortlich für Architektur, Qualität, Sicherheit und fachliche Entscheidungen bleiben aber stets die menschlichen Entwicklerinnen und Entwickler.

Über den Einsatz im eigenen Haus hinaus erschließt Datev die Vorteile von KI auch in anderen Bereichen. Neben einem KI-Angebot mit Lösungen wie Automatisierungsservices im Rechnungswesen, dem Liquiditätsmonitor online, dem Einspruchsgenerator oder dem Datev Copilot wird der IT-Dienstleister KI in allen angebotenen Anwendungen überall dort verfügbar machen, wo sie einen Nutzen stiften kann.

Wir nennen diesen Ansatz ‚AI-integrated‘. Unsere Kunden sollen KI einfach anwenden können, ohne selbst erst zu Experten zu werden.

Christian Bär, CTO bei Datev

„Datevs Rolle sieht der CTO darin „Komplexität für die Anwender zu reduzieren und ihnen Sicherheit“ zu geben. Dass der Bedarf dafür existiert, zeige die stark zunehmende Nutzung bei den Mitgliedern der Genossenschaft. In einer Datev-Digitalisierungsumfrage aus dem Frühjahr 2026 gab gut die Hälfte der Kanzleien an, KI bereits regelmäßig zu nutzen – im vergangenen Jahr war es noch ein knappes Drittel. Bei großen Kanzleien ist dieser Anteil sogar auf fast drei Viertel gestiegen – von gut der Hälfte im Vorjahr.

E-Rechnungspflicht: Datev mahnt frühe Umstellung an

Als weiteres Mittel, um Effizienz in den Unternehmen durch schlankere, teilautomatisierte Prozesse zu steigern, gilt die E-Rechnung. Bei deren Aufkommen stellt Datev bereits eine zunehmende Dynamik fest. Über Datev-Systeme liefen bereits im ersten Halbjahr 2026 mehr als 51 Millionen E-Rechnungen. Im gesamten Jahr 2025 waren es gut 64 Millionen. In der Gesamtbetrachtung sei dies allerdings immer noch ein geringer Anteil am Rechnungsaufkommen in Deutschland, so Mayr.

„Bei einem Großteil insbesondere der kleineren Mittelständler steht das Thema nach wie vor nicht im Fokus. Von vielen Steuerberatern wissen wir, dass ihre Mandanten die Übergangsfrist ausreizen wollen.“ Vor diesem Hintergrund appellierte er ein weiteres Mal an die Unternehmen, sich die Vorteile der E-Rechnung frühzeitig zu erschließen und nicht bis zum Auslaufen der Übergangsfristen zu warten. Für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 800.000 Euro werde die Ausstellung einer E-Rechnung sowieso bereits ab dem 1. Januar 2027 verpflichtend.

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Datev-CTO fordert Entlastung für den Mittelstand

Verantwortung für den steuerberatenden Berufsstand wie auch für den von ihm betreuten Mittelstand übernimmt Datev unter anderem mit dem Datev Mittelstandsindex. Dieser liefert einen datenbasierten Blick auf die aktuelle Lage des Mittelstands. Die Datengrundlage stammt aus der Arbeit zehntausender Steuerberatungskanzleien. Diese Daten fließen anonymisiert und aggregiert in ein Instrument, das über die Wirtschaft hinaus auch eine Basis für evidenzbasierte Wirtschaftspolitik liefert.

Aus den Werten lasse sich ablesen, dass der Mittelstand bereits seit drei Jahren mit einer Umsatzschwäche zu kämpfen hat und seine Lage durch vielfältige Herausforderungen geprägt bleibt. „Wo Kosten – insbesondere für Löhne und Gehälter – nach wie vor stärker steigen als Umsatzerlöse, lässt sich die Situation bestenfalls als Stillstand unter Druck beschreiben“, konstatiert CTO Mayr. Der Mittelstand brauche mehr politische Verlässlichkeit und schlankere staatliche Strukturen. In einer aktuellen Befragung nennen die steuerlichen Berater Überregulierung und Bürokratie an der Spitze der Problemfelder, die Unternehmen in ihrem Erfolg beeinträchtigen. 83 Prozent der Berater sehen ihre Mandanten davon betroffen. „Wir brauchen einfachere Verfahren, verständliche Regeln und digitale Prozesse, ohne zusätzliche Komplexität zu schaffen”, so Mayr.

Wenn der Mittelstand wieder in bessere Zeiten kommen soll, müssen wir ihn entlasten.

Christian Bär, CTO bei Datev

In diesem Kontext warf der Datev-CEO auch einen Blick auf die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur Einkommensteuerreform und wies darauf hin, welche Folgen diese Vorhaben für den Mittelstand haben könnten. Vor dem Hintergrund der Diskussion um eine Erhöhung oder eine Absenkung der Einstiegsschwelle für die sogenannte Reichensteuer mahnte er: „Es darf nicht vergessen werden, dass Personengesellschaften und Einzelunternehmen etwa 73 Prozent der Unternehmen in Deutschland ausmachen. Viele davon würde eine solche Mehrbelastung treffen, denn ihre Unternehmensteuer ist die Einkommensteuer.“ Für die Betriebe werde dann der Spielraum für die dringend notwendigen privatwirtschaftlichen Investitionen weiter eingeengt.

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