Deutscher Colocation-Markt KI-Boom trifft auf Stromengpässe und Nachhaltigkeitspflicht

Von Dr. Jakob Jung 3 min Lesedauer

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Eine aktuelle ISG-Provider-Lens-Studie zeigt, wie steigende KI-Workloads, knappe Stromkapazitäten und verschärfte Souveränitätsanforderungen die deutsche Colocation-Landschaft verändern. Während Deutschland zum größten Markt Europas wächst, werden Energieeffizienz und ESG-Nachhaltigkeit von der Kür zur Pflicht.

Deutschlands Colocation-Markt wächst rasant, die Anbieter stehen aber zunehmend unter Druck. Der aktuelle ISG-Provider-Lens „Private/Hybrid Cloud - Data Center Services“ zeigt die Positionierung der Colocation-Anbieter im deutschen Mittelstandsmarkt.(Bild:  ISG-Provider-Lens 2026)
Deutschlands Colocation-Markt wächst rasant, die Anbieter stehen aber zunehmend unter Druck. Der aktuelle ISG-Provider-Lens „Private/Hybrid Cloud - Data Center Services“ zeigt die Positionierung der Colocation-Anbieter im deutschen Mittelstandsmarkt.
(Bild: ISG-Provider-Lens 2026)

Der deutsche Colocation-Markt durchläuft einen massiven Umbruch. Laut der ISG-Provider-Lens-Studie „Private/Hybrid Cloud – Data Center Services“ (veröffentlicht Juni 2026) ist Deutschland mit rund 470 Rechenzentren mittlerweile der größte Colocation-Markt Europas. Frankfurt am Main bleibt mit 55 Rechenzentren der dominierende Hotspot, während neue Cluster in Berlin, München und dem Rhein-Ruhr-Gebiet entstehen.

Allerdings stößt der Ausbau in Frankfurt an physische Grenzen: Nicht die Fläche, sondern die Stromkapazität ist der limitierende Faktor. Laut dem Energieversorger Mainova sind vor 2030 keine Neuanschlüsse zu erwarten, obwohl noch 13 bereits genehmigte Rechenzentren gebaut werden können.

Nachfrage boomt, Nachhaltigkeit wird Pflicht

Die Nachfrage nach Colocation-Kapazitäten steigt getrieben durch Cloud-Nutzung, KI-Workloads und den Trend zur digitalen Infrastruktur ungebrochen. Hyperscaler mieten vermehrt Flächen an, während Public-Cloud-Anbieter, Verwaltungen und das Gesundheitswesen auf hohe Verfügbarkeit und geringe Latenzen angewiesen sind. Viele Unternehmen geben eigene Rechenzentren auf, da Modernisierungskosten, Compliance-Hürden oder der Fachkräftemangel den Eigenbetrieb unrentabel machen.

Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, rüsten Betreiber kontinuierlich auf Flüssigkeitskühlung für hochdichte KI-Racks um. Gleichzeitig hat sich Nachhaltigkeit von einer freiwilligen Zusage zu einer harten Marktanforderung gewandelt. Kunden fordern messbare Umweltleistungen wie Ökostrombezug, niedrige PUE-Werte, Wärmerückgewinnung und maschinenlesbare ESG-Daten. Zertifizierungen wie KRITIS-Konformität, ISO 27001, ISO 50001 und ISAE 3402 bilden zusammen mit der Anbindung an Internetknoten wie den DE-CIX das Vertrauensfundament.

Leader im Mittelstandssegment

Im Rahmen der Untersuchung analysierte ISG 105 Anbieter und qualifizierte 31 Unternehmen für den Quadranten Sustainable Colocation Services – Midmarket. Colocation-Anbieter bieten standardisierte und sichere Rechenzentrumseinrichtungen zur Miete für die Computerhardware von Unternehmen an. Sie müssen zudem diverse Carrier-Anbindungen, niedrige Latenzzeiten und hohe Bandbreiten für einen nahtlosen Betrieb offerieren.

„In diesem Quadranten werden Colocation Service Provider bewertet, die mit ihren Leistungen mit stabilen Netzwerk-Optionen, Professional und Remote Hands Services hauptsächlich den Mittelstand, Managed Service Provider und Systemhäuser bedienen“, erklärt Wolfgang Heinhaus, einer der Autoren der Studie.

Zwölf Anbieter sicherten sich eine Positionierung als „Leader“:

  • Akquinet: Der Anbieter bietet ein Colocation-Portfolio mit Standorten in Hamburg, Norderstedt und Itzehoe sowie KI-Beratung und -Integration. akquinet nutzt nach eigenen Angaben ausschließlich Ökostrom, nutzt Abwärme und bietet Racks bis 15 kW Leistungsdichte. ISG merkt an, dass die KI-Unterstützung des Anbieters aktuell noch stark projektbezogen ist.
  • DARZ: Das Unternehmen punktet mit einem Hochsicherheits-Rechenzentrum in Darmstadt, das früher von der Hessischen Landeszentralbank genutzt wurde.
  • Itenos: Positioniert sich mit sieben Rechenzentren als starker Infrastrukturpartner für den Mittelstand.
  • nLighten: Ist mit zehn deutschen Standorten in ein breiteres europäisches Netzwerk eingebettet.
  • Plusserver: Bietet moderne, nachhaltige Standorte in Köln, Düsseldorf und Hamburg.
  • Pfalzkom: Punktet als regionaler Betreiber mit einer eigenen Glasfaser-Infrastruktur.
  • Weitere Leader: Auch Grass-Merkur, Kamp, Qbeyond, Stackit, Telemaxx und Wiit erreichten den Leader-Status. Sie differenzieren sich vor allem durch regionale Tiefe, eigene Glasfasernetze oder hohe Sicherheitsstandards.

Als „Rising Stars“ zeichnete ISG die Unternehmen Portus Data Centers (Fokus auf Sicherheit und digitale Souveränität) sowie X-Ion/DataR (Fokus auf hohe Leistungsdichten und Energieeffizienz) aus.

Der Konsolidierungsdruck steigt

Die Studienautoren von ISG (Ulrich Meister und Wolfgang Heinhaus) warnen, dass Anbieter ohne klare KI- bzw. Edge-Strategie oder verifizierte Nachhaltigkeitsnachweise im Zuge der Markt-Konsolidierung unter Druck geraten. Künftig werden vermehrt integrierte Ökosysteme aus Colocation-Betreibern, Managed-Service-Providern, Telkos und Softwarehäusern entstehen. Dieser Trend dürfte sich angesichts strengerer Regulierungen wie dem EU AI Act und NIS2 in den kommenden zwölf bis 24 Monaten weiter beschleunigen.

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