Definition: Der Service Provider als IT-Dienstleister

Was sind Managed Services?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Florian Karlstetter

Managed Services - auf Basis von Service Level Agreements definierte IT-Leistungen.
Managed Services - auf Basis von Service Level Agreements definierte IT-Leistungen. (Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

Managed Services sind IT-Dienstleistungen, die ein Service Provider für ein Unternehmen oder eine Organisation erbringt. Es handelt sich um wiederkehrende Services, die hinsichtlich Umfang und Verfügbarkeit genau definiert sind. Zu erbringende Services können beispielsweise Anwendungen, Netzleistungen, Speicherplatz, Security oder das Monitoring von IT-Infrastrukturen sein.

Bei den Managed Services handelt es sich um Dienstleistungen aus dem IT-Bereich, die im Auftrag eines Unternehmens von einem Managed Services Provider (MSP) erbracht werden. Das Unternehmen überträgt dem Provider wiederkehrende IT-Services, um selbst effizienter und wirtschaftlicher zu arbeiten. Mögliche Services können Netzwerkdienstleistungen, Anwendungen, Monitoring, Storage oder Security-Services sein. Umfang, Art und Qualität der zu erbringenden Leistungen sind im Vorfeld exakt definiert und zwischen dem Unternehmen und Provider mit Hilfe von Service Level Agreements (SLAs) genau abgestimmt.

Die SLAs werden gemeinsam vor dem Vertragsabschluss vereinbart und stellen die Basis zur Messung und Bewertung der Leistungserbringung dar. Dank den Managed Services können sich Unternehmen stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und müssen selbst keine Ressourcen für die Bereitstellung der IT-Leistungen aufbringen. Gegenüber dem Outsourcing grenzen sich die Managed Services ab, indem nur Teilbereiche und keine kompletten IT-Verantwortlichkeiten und -Infrastrukturen an einen Service Provider ausgelagert sind. Die Abrechnung der Managed Services erfolgt in der Regel auf zeitlicher Basis beispielsweise monatlich. Die Nichteinhaltung von SLAs hat unter Umständen Vertragsstrafen zur Folge.

Eine Abgrenzung zwischen Managed Services und Outsourcing

Managed Services unterscheiden sich vom klassischen Outsourcing. Während es beim Outsourcing um die Auslagerung kompletter IT-Aufgaben oder -Bereiche geht und häufig auch Personal oder komplette IT-Abteilungen von den Outsourcing-Maßnahmen betroffen sind, geht es bei den Managed Services und die Übertragung konkreter einzelner Teilbereiche und IT-Services. Diese Services sind im Vorfeld genau definiert und wiederkehrend auf Basis der Service Level Agreements zu erbringen. Die Hoheit über die IT-Gesamtstruktur und IT-Prozesse liegt weiterhin beim Auftraggeber.

Managed Services und Service Level Agreements (SLAs)

Service Level Agreements, abgekürzt SLAs, sind eine Vereinbarung zwischen dem Serviceerbringer und dem Auftraggeber. Sie stellen die Schnittstelle zwischen den beiden Parteien dar. Mithilfe der SLAs lassen sich Umfang, Qualität und Art der übertragenen Services genau definieren und transparent kontrollieren. Wichtige Bestandteile der SLAs sind beispielsweise Verfügbarkeiten der Services, Reaktionszeiten, Prozessbeschreibungen für Änderungen oder Störungsbehebungen, Eskalationsmanagement, Vertragslaufzeiten, Abgrenzungen von Verantwortlichkeiten und mögliche Vertragsstrafen bei Nichterbringung von Leistungen.

Die typischen Leistungen der Managed Services im IT-Umfeld

Managed Services decken einen großen Bereich an IT-Dienstleistungen ab. Typische Leistungen können sein:

  • Storage-Services (Bereitstellung und Wartung von Speicherplatz, Backupservices)
  • Anwendungen (Bereitstellung von Server-Anwendungen)
  • Infrastruktur-Services
  • Netzleistungen (Übertragungsbandbreite, Konnektivität)
  • Security-Leistungen (Antiviren, Antispam und Firewalling)
  • Überwachungsleistungen (Netzwerk- und Server-Monitoring)
  • Disaster Recovery
  • Desktop-Services (virtuelle Desktops)
  • Anwender-Support
  • Authentifizierungsleistungen
  • Datenbankservices

Der Managed Services Provider als Leistungserbringer

Der Managed Services Provider (MSP) erbringt die Dienstleistungen. Der Begriff lässt sich mit Betreiberlösungsanbieter oder Betreibermodellanbieter ins Deutsche übersetzen. Der IT-Dienstleister übernimmt die Verantwortung für die Bereitstellung der Dienstleistungen und verwaltet die Services im Auftrag des Kunden. In der Regel sind die Services des Providers per privatem oder öffentlichem Netzwerk (Internet) erreichbar und abrufbar.

Je nach bereitgestelltem Service existieren unterschiedliche Abrechnungsmodelle und Preisstrukturen. Häufigstes Abrechnungsmodell der Managed Services Provider ist die zeitabhängige Abrechnung der Leistungen. Aber auch Modelle wie Preis pro Anwendung, Desktop oder Netzwerkanschluss sind möglich. Die Services stellt der Provider mit einer zugesicherten Verfügbarkeit bereit. Um diese Verfügbarkeiten einzuhalten, führt der MSP das Monitoring der Services durch und stellt Redundanzen zur Verfügung. Die Leistungen werden in der Regel in professionellen Rechenzentren der MSPs erbracht.

Die verschiedenen Vor- und Nachteile der Managed Services

Überträgt ein Unternehmen Services an einen MSP, ergeben sich zahlreiche Vorteile. Firmen reduzieren ihre wirtschaftlichen und technischen Risiken und gewinnen freie Ressourcen, um sich um das eigentliche Kerngeschäft zu kümmern. Die Kosten für die verschiedenen IT-Services werden durch die genau definierten Tarifmodelle transparent und leicht kalkulierbar. Durch die Vereinbarung von Service Level Agreements sind die Qualität und Bereitstellung der Services garantiert und messbar. Da die Managed Services Provider als IT-Dienstleister großes Know-how besitzen, erhalten Unternehmen moderne und leistungsfähige Services auf dem aktuellsten Stand der Technik. Die Leistungen werden vom MSP in einem oder mehreren professionell betriebenen Rechenzentren bereitgestellt und haben aufgrund von implementierten Redundanzen eine hohe Verfügbarkeit. Unternehmen können durch das Hinzubuchen weiterer Leistungen ihres Providers die IT-Services flexibel und ohne eigene Investitionen erweitern. Werden Dienstleistungen nicht mehr benötigt, lassen sie sich unter Beachtung der vereinbarten Vertragslaufzeiten einfach kündigen.

Als Nachteil lässt sich aufführen, dass die Verlagerung von IT-Services eine Abhängigkeit vom Service Provider erzeugen kann. Insbesondere bei unternehmenskritischen Applikationen und Dienstleistungen kann dies ein gewisses Risiko darstellen, wenn der Dienstleister die Services nicht wie vereinbart erbringt. Aufgrund eventuell langer Vertragslaufzeiten ist das Unternehmen gezwungen, die Leistungen weiter vom Anbieter zu beziehen oder die Kosten trotz Beauftragung eines anderen Providers weiter zu tragen.

Office 365 als Beispiel für eine Anwendung der Managed Services

Ein Beispiel für einen Managed Service im Bereich der Anwendungen ist Office 365 von Microsoft. Bei Office 365 handelt es sich um ein Abo-Modell, bei dem Office-Anwendungen als Leistung aus der Cloud bezogen werden. Unternehmen können die aktuellste Version der Microsoft Office Software verwenden, ohne hierfür eigene IT-Infrastruktur betreiben oder bereitstellen zu müssen. Zu den Leistungen von Office 365 zählen auch E-Mail-Services (Exchange), Kommunikationsservices (Skype for Business) oder Lösungen für die Zusammenarbeit im Unternehmen wie SharePoint.

Microsoft stellt die Anwendungen zentral in einem Microsoft Rechenzentrum bereit. In Europa betreibt das Unternehmen beispielsweise Rechenzentren in Dublin und in Amsterdam. Sie sind nach DIN ISO 27001 zertifiziert und durch moderne und aktuelle Sicherheitsmaßnahmen wie Firewalls und Virenscanner geschützt. Office 365 lässt sich als externe Dienstleistung einfach in die lokale Arbeitsumgebung des Unternehmens integrieren und erfordert lediglich Internetzugang und lokale Arbeitsplatzrechner. Microsoft übernimmt die komplette Betreuung und Wartung der Server und Software. Gleichzeitig garantiert Microsoft den Kunden eine Verfügbarkeit der Anwendungen von 99,9 Prozent.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

Google Cloud auf Aufholjagd

OK Google, what´s Next?

Google Cloud auf Aufholjagd

Die letzten Monate war es still um die Google Cloud, bis letzte Woche. Da präsentierte die Alphabet-Tochter auf der jährlichen Google Cloud Next-Konferenz in San Francisco allerhand Weiterentwicklungen, neue, gewichtige Kooperationen und mit Currents gar einen neuen (alten) Nachfolger von Google+ für Unternehmen. Neuer Anlauf also, in vielerlei Hinsicht. lesen

Projekt Eirini bringt Cloud Foundry Apps in Kubernetes-Cluster

Ankündigungen des Cloud Foundry North American Summit 2019

Projekt Eirini bringt Cloud Foundry Apps in Kubernetes-Cluster

Zum North American Summit 2019 haben zahlreiche Mitglieder der Cloud Foundry Foundation ihre Neuerungen angekündigt, darunter auch Technologievorschauen für das Projekt Eirini. Mit Accenture und HCL wurden zudem erste zertifizierte Systemintegratoren vorgestellt. lesen

Aus Comparex wird SoftwareONE

Leipziger IT-Dienstleister wurde übernommen

Aus Comparex wird SoftwareONE

Mit der Übernahme durch den Schweizer Plattform-, Lösungs- und Dienstleistungsanbieter SoftwareONE verschwindet die Marke Comparex vom Markt. Die insgesamt 35 Gesellschaften durchlaufen jetzt einen Rebranding-Prozess und agieren künftig nur noch unter dem Namen SoftwareONE am Markt. lesen

F5 bietet Managed Cloud Services im AWS Marketplace

Dienste für Anwendungsentwickler und DevOps-Teams

F5 bietet Managed Cloud Services im AWS Marketplace

F5 Networks, eigentlich bekannt für seine Appliances aus dem Netzwerk- und Security-Umfeld bietet Kunden ab sofort Wahlfreiheit beim Deployment von F5-Lösungen. So erweitert der Anbieter sein Portfolio um hochverfügbare Managed Services über ein Pay-as-you-go-Modell, zunächst über den Marketplace von Amazon Web Services. lesen

Die Cloud wächst mit dem Channel

Channel Fokus: Cloud Infrastructure Services

Die Cloud wächst mit dem Channel

Partner der Hyperscaler partizipieren am stark wachsenden Cloud-Infrastruktur-Markt. Denn viele Anwender nehmen beim Einstieg in die IaaS-Nutzung externe Hilfe in Anspruch. Auch beim Betrieb ihrer Cloud-Szenarien lassen sich Unternehmen immer häufiger unterstützen. lesen

VMware Cloud Foundation 3.7 angekündigt

Hyperkonvergente Plattform als Grundlage für hybride Cloud

VMware Cloud Foundation 3.7 angekündigt

Mit Cloud Foundation 3.7 verspricht VMware eine eng mit Dell EMC VxRail verzahnte „Hybrid Cloud-Infrastrukturlösung“. Zudem präsentiert der Anbieter Updates für vCloud sowie CloudHealth und macht die VMware Cloud on AWS in weiteren Regionen verfügbar, darunter AWS EU (Paris). lesen

Hyperscaler und Service Provider in friedlicher Koexistenz?

Hosting & Service Provider Summit 2019

Hyperscaler und Service Provider in friedlicher Koexistenz?

Am 23. und 24. Mai 2019 treffen sich führende Top-Manager auf dem 8. Hosting & Service Provider Summit in der Villa Kennedy in Frankfurt am Main, um sich über das Cloud- und Managed-Services-Geschäft auszutauschen. Als Keynote-Speaker mit dabei ist auch Dr. Jörg Gottschlich, Geschäftsführer von meshcloud und Experte in Sachen Multi-Cloud-Management. lesen

Opentext mag es seriös

Enterprise Information Management

Opentext mag es seriös

In der vergangenen Woche hielt der kanadische Experte für Enterprise Information Management (EIM) Opentext seine „Enterprise World Europe“ in Wien ab. Über 1.200 Kunden, Partner und Manager aus 56 Ländern kamen, um zu erfahren, wie man das Öl der 4. Industriellen Revolution – die Daten – am schnellsten und sichersten findet. Dies ist angesichts der Vielzahl an Dokumenten strukturierter und unstrukturierter Art, die sich oft in entlegenen Winkeln des Unternehmens finden, eine große Herausforderung. lesen

Umsatzbringer Managed Services

SolarWinds-MSP-Studie

Umsatzbringer Managed Services

SolarWinds hat eine Studie zur Nutzung von Managed Services in Europa und Nordamerika durchgeführt. Demnach sind Managed Services auch zukünftig rentabel für IT-Dienstleister und bieten vielfältige Wachstumschancen. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45295821 / Definitionen)