Cloud-Strategien im Wandel der KI-Industrialisierung Neoclouds: Spezialisierte KI-Infrastrukturen definieren Hyperscaler neu

Ein Gastbeitrag von Mike Dorosh* 4 min Lesedauer

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Durch den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in produktiven Umgebungen geraten Cloud-Strategien unter Druck. Während Hyperscaler weiterhin als universelle Plattformen für viele IT-Workloads fungieren, entstehen neue Anforderungen, die mit klassischen Architekturen nur bedingt erfüllbar sind.

Mit der Industrialisierung von KI stoßen klassische Cloud-Modelle an ihre Grenzen, weshalb sich Neoclouds sich als spezialisierte Ergänzung etablieren mit Vorteilen hinsichtlich Performance, Kosten und Souveränität.(Bild: ©  jamesteohart - stock.adobe.com)
Mit der Industrialisierung von KI stoßen klassische Cloud-Modelle an ihre Grenzen, weshalb sich Neoclouds sich als spezialisierte Ergänzung etablieren mit Vorteilen hinsichtlich Performance, Kosten und Souveränität.
(Bild: © jamesteohart - stock.adobe.com)

Vor allem rechenintensive KI-Workloads wie das Training großer Sprachmodelle, Inferenzprozesse oder auch agentische Systeme stellen hohe Anforderungen an Performance, Energieeffizienz und Infrastrukturdesign. In diesem Kontext gewinnen spezialisierte Anbieter, sogenannte Neoclouds, an Bedeutung. Diese sind kein Ersatz für Hyperscaler, sondern eine spezialisierte Ergänzung innerhalb bestehender Cloud-Umgebungen.

Neoclouds als neue Ebene in der Multicloud-Architektur

Neoclouds sind eine Form spezialisierter Cloud-Anbieter, die sich auf GPU-basierte Infrastruktur und KI-optimierte Umgebungen fokussieren. Im Gegensatz zu Hyperscalern, deren Rechenzentren historisch auf CPU-zentrierte Workloads ausgelegt sind, bauen Neoclouds ihre Infrastruktur gezielt für die physikalischen Anforderungen von KI.

Das Ergebnis: eine zunehmend mehrschichtige Cloud-Landschaft, in der Hyperscaler die Allzweckplattform bleiben, und spezialisierte Anbieter gezielt Anforderungen wie Lokalisierung, Latenz oder Regulierung abdecken.

Was das für IT-Leader bedeutet? Statt „One-size-fits-all“ rückt die gezielte Platzierung von Workloads in den Fokus – abhängig von Anforderungen, Standort und Wirtschaftlichkeit.

Wo Neoclouds messbare Vorteile bieten

Die Stärken von Neoclouds liegen insbesondere in diesen drei Bereichen:

1. Performance und Effizienz
Neoclouds greifen direkt auf die Hardware zu und verzichten auf zusätzliche Zwischenschichten, wie sie in klassischen Cloud-Umgebungen üblich sind. Dadurch wird die verfügbare Rechenleistung besser ausgeschöpft – Trainings laufen schneller und Energie sowie Kosten werden effizienter genutzt.

2. Schneller Zugang zu GPU-Kapazitäten
Während Hyperscaler ihre bestehenden Rechenzentren erst schrittweise auf KI-Anforderungen ausrichten, sind Neoclouds von Anfang an darauf ausgelegt. Sie bauen gezielt Infrastruktur für KI-Workloads auf und können dadurch schneller zusätzliche Kapazitäten bereitstellen.

3. Kostenoptimierung
Da Infrastruktur und Betrieb konsequent auf KI-Workloads ausgelegt sind, lassen sich insbesondere bei Training und Inferenz deutliche Kostenvorteile erzielen. In geeigneten Szenarien sind Einsparungen von 30 bis 70 Prozent möglich.

Zusammenarbeit statt Verdrängung

Eine Besonderheit bei der aktuellen Marktentwicklung ist die zunehmende Zusammenarbeit zwischen Hyperscalern und Neoclouds. Große Cloud-Anbieter und KI-Unternehmen treten dabei gleichzeitig als Kunden und Wettbewerber auf.

Wie das in der Praxis aussieht? Hyperscaler lagern interne Workloads gezielt an Neoclouds aus, um eigene Kapazitäten für Kundenanwendungen freizuhalten. Gleichzeitig profitieren Neocloud-Anbieter von langfristigen Verträgen und stabilen Einnahmequellen. Eine Entwicklung, die unterstreicht: Neoclouds sind keine kurzfristige Erscheinung, sondern ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil der zukünftigen KI-Infrastruktur.

Energie und Souveränität als strategische Faktoren

Neben Performance und Kosten gewinnen zwei weitere Faktoren an Bedeutung: Energieverfügbarkeit und regulatorische Anforderungen. So verlagert sich die zentrale Wachstumsgrenze für KI aktuell von der Chip-Verfügbarkeit hin zum Zugang zu Energie. Neoclouds differenzieren sich hier, indem sie sich direkten Zugriff auf Energiequellen sichern und so Engpässe beim Ausbau von Rechenkapazitäten umgehen.

Gleichzeitig steigt mit strengeren regulatorischen Vorgaben – etwa durch europäische Initiativen – der Bedarf an lokalisierten Infrastrukturen. Neoclouds reagieren darauf mit sogenannten „Sovereign Mesh“-Architekturen, die Datenresidenz und Compliance gezielt unterstützen.

Konsolidierung als nächster Entwicklungsschritt

Trotz des dynamischen Wachstums steht der Markt vor einer Konsolidierungsphase. Der Grund: Der hohe Kapitalbedarf, schnelle Innovationszyklen bei Hardware und die starke Wertminderung von GPUs setzen insbesondere kleinere Anbieter unter Druck. In den kommenden 18 Monaten ist daher mit einer Marktbereinigung zu rechnen, bei der sich kapitalstarke und strategisch gut positionierte Anbieter durchsetzen werden.

Leitplanken für IT-Entscheider

Vor diesem Hintergrund sollten IT-Leader ihre Cloud-Strategie neu ausrichten. KI-Infrastruktur ist zunehmend als mehrschichtige Hybrid-Cloud zu verstehen, in der Workloads je nach Anforderung gezielt platziert werden.

Gleichzeitig empfiehlt es sich, das Portfolio breiter aufzustellen und Neoclouds als festen Bestandteil zu integrieren. Bei der Auswahl von Anbietern rücken Kriterien wie finanzielle Stabilität, Skalierungsfähigkeit und Innovationskraft in den Fokus.

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Dabei ebenso wichtig: Transparenz. Direkter Zugriff auf Hardware und nachvollziehbare Leistungsmetriken sind entscheidend, um Effizienz und Performance bewerten zu können.

Fazit: Der richtige Workload am richtigen Ort

Cloud-Infrastrukturen entwickeln sich zunehmend in Richtung stärkerer Spezialisierung. Hyperscaler bleiben dabei zentrale Plattformen, doch für KI-Workloads entsteht ein erweitertes Ökosystem mit neuen, darauf ausgerichteten Anbietern.

Neoclouds übernehmen darin eine wichtige Rolle: als leistungsfähige und effiziente Ergänzung, die es Unternehmen ermöglicht, KI wirtschaftlich und skalierbar zu betreiben. Für IT-Organisationen bedeutet das, dass es künftig weniger entscheidend ist, alles auf einer Plattform abzubilden, sondern Workloads gezielt dort zu betreiben, wo sie technisch und wirtschaftlich am sinnvollsten sind.


* Der Autor Mike Dorosh ist Senior Analyst und Advisor in der Technology and Service Provider Group bei Gartner. Er beschäftigt sich mit Cloud Computing, IT- und Cloud-Services, Managed Services sowie digitaler Transformation und legt dabei einen besonderen Fokus auf die wirtschaftlichen Aspekte von Technologie. Zu seinen weiteren Schwerpunkten zählen Go-to-Market-Strategien, Ökosysteme und Marktplätze, Service- und Produktentwicklung, Offering Management sowie Start-ups. Darüber hinaus verfügt er über umfassende Expertise in strategischem Outsourcing, Cloud-Migration und -Deployment-Technologien sowie Cloud-Management-Plattformen.

Bildquelle: Gartner

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