KI-Piloten scheitern reihenweise, doch der Rückzug in manuelle Prozesse ist keine Option. Ein hybrides Service-Modell verbindet KI-Geschwindigkeit mit menschlicher Expertise und gibt Unternehmen die Sicherheit, die sie für den nächsten Schritt brauchen.
Managed Services 2.5 nutzt die Geschwindigkeit und Skalierbarkeit von KI, wo sie bereits zuverlässig funktioniert, und schalltet für kritische Entscheidungen menschliche Expertise dazwischen.
Die Erwartungen an generative künstliche Intelligenz (KI) in der Unternehmens-IT waren gewaltig. Milliarden flossen in Pilotprojekte, in neue Plattformen, in das Versprechen einer umfassenden Automatisierung. Doch die Ernüchterung folgte schneller als erwartet. Ein überwältigender Anteil generativer KI-Piloten schafft den Sprung in die produktive Breite nicht.
Was als technologischer Befreiungsschlag gedacht war, gerät in vielen Organisationen zum Bumerang: fehlerhafte Analysen, generische Texte und automatisierte Prozesse, deren Korrekturaufwand den versprochenen Effizienzgewinn wieder auffrisst.
Gleichzeitig wäre es fahrlässig, die Technologie pauschal abzuschreiben. Die Fortschritte im Bereich der KI-Modelle sind real, die Leistungsfähigkeit wächst in beispiellosem Tempo. Unternehmen, die jetzt aus Frustration den Rückzug zu den alten Prozessen antreten, riskieren innerhalb weniger Jahre den Anschluss an ihre Wettbewerber zu verlieren.
Die Frage lautet also nicht, ob KI im IT-Betrieb eine Rolle spielen wird, sondern wie sich ihr Einsatz so gestalten lässt, dass Nutzen und Risiko in einem verantwortbaren Verhältnis stehen.
Die Zwickmühle der Entscheider
Für CIOs und IT-Leiter ergibt sich daraus eine unbequeme Situation. Viele Dienstleister stellen sie vor eine binäre Wahl, die wenig Raum für Nuancen lässt. Entweder entscheidet man sich für die klassische Welt der Managed Services 2.0, die zwar zuverlässig, aber auch kostenintensiv ist und sich auf manuelle Arbeit stützt. Oder man wagt den ungesicherten Sprung in eine vollständig KI-basierte Automatisierung, bei der Prozesssicherheit gegen ein hohes Innovationsrisiko getauscht wird.
Beide Extreme haben offensichtliche Schwächen. Die rein manuelle Variante stößt an die Grenzen des demografischen Wandels, denn die Erfahrung langjähriger Administratoren droht mit deren Renteneintritt verloren zu gehen. Die rein automatisierte Variante hingegen liefert in vielen Anwendungsfällen noch nicht die Zuverlässigkeit, die Unternehmen aus gewachsenen Service-Strukturen gewohnt sind. Was fehlt, ist ein Modell, das beide Welten verbindet.
Managed Services 2.5 – Das Hybridmodell
Genau hier setzt das Konzept der Managed Services 2.5 an. Die Grundidee ist pragmatisch: Man nutzt die Geschwindigkeit und Skalierbarkeit von KI überall dort, wo sie bereits zuverlässig funktioniert, und schaltet an kritischen Entscheidungspunkten menschliche Expertise dazwischen. Das Ergebnis ist ein Service-Modell, das Kostenvorteile und Skalierbarkeit moderner Automatisierung erschließt, ohne den Kunden dem Risiko unreifer Technologie auszusetzen.
Dieses Prinzip hat einen Namen bekommen: „Designed Friction". Also so etwas wie gewollte Reibung an den richtigen Stellen. Der Gedanke orientiert sich an einem Konzept aus der Kognitionspsychologie: Aktuelle KI-Modelle arbeiten extrem schnell und intuitiv, vergleichbar mit dem, was Psychologen als „System 1“ bezeichnen. Ihnen fehlt jedoch oft die logische Tiefe und die Sicherheitsbremse des „Systems 2“, also des langsamen, analytischen Denkens. In Managed Services 2.5 übernimmt der spezialisierte Dienstleister die Rolle dieses Systems 2 – als Korrektiv, als Qualitätsfilter und als Sicherheitsnetz.
Der IT-Betrieb als sicherster Innovationsort
Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, dass die IT-Infrastruktur ein besonders riskanter Ort für KI-Experimente sei. Tatsächlich verhält es sich genau umgekehrt. Bereiche wie Marketing oder Vertrieb sind subjektive Felder, in denen die Reputation leidet, wenn eine KI halluziniert. Die IT-Infrastruktur hingegen ist ein Ort der deterministischen Wahrheit. Ein Service ist verfügbar oder nicht, ein Deployment ist erfolgreich oder gescheitert.
Diese Eigenschaft macht den IT-Betrieb zum idealen Testfeld – gewissermaßen zum „Lighthouse Labor“ für kontrollierte Innovation. Wer es nicht schafft, einen Incident-Management-Prozess sicher zu automatisieren, wird an komplexen Geschäftsprozessen erst recht scheitern. Der IT-Betrieb ist robust genug, um Fehler zu verkraften, und gleichzeitig klar genug strukturiert, um Erfolge messbar zu machen. Unternehmen, die diese kontrollierte Umgebung nutzen, bereiten sich gleichzeitig auf die sogenannte „Agentic AI“ vor – handelnde KI-Systeme, die nicht mehr nur Texte erzeugen, sondern eigenständig Prozesse ausführen.
Stand: 08.12.2025
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Vom Erfahrungswissen zur skalierbaren Intelligenz
Das Hybridmodell verändert auch die ökonomische Logik des Outsourcings grundlegend. Managed Services 2.0 basierten jahrzehntelang auf der sogenannten Labor-Arbitrage – der Suche nach immer günstigeren Arbeitskräften, um Tickets abzuarbeiten. Managed Services 2.5 vollziehen den Wechsel zur Intelligence-Arbitrage. Es geht nicht mehr darum, billige Hände zu finden, sondern wertvolles Wissen zu konservieren und skalierbar zu machen.
In der Praxis bedeutet das: Bevor automatisiert wird, extrahiert der Dienstleister das implizite „Kopfwissen“ erfahrener Administratoren und überführt es in strukturierte, maschinenlesbare Formate. Entscheidungswege werden dokumentiert und in Wissensbausteine überführt. Automatisierte Pipelines lesen unstrukturierte Rohdaten aus bestehenden Silos wie Wikis, Handbüchern oder Ticket-Systemen aus, bereinigen sie mithilfe von KI und indizieren sie datenschutzkonform. Dadurch werden Unternehmen unabhängig von einzelnen Wissensträgern. Das ist ein entscheidender Faktor angesichts des Fachkräftemangels.
Was Managed Services 2.5 konkret leisten
Human-in-the-Loop-Architektur: KI übernimmt Routineaufgaben und Erstanalysen. An definierten Entscheidungspunkten validieren menschliche Experten die Ergebnisse, bevor sie in den produktiven Betrieb übergehen.
Wissenskonservierung: Implizites Erfahrungswissen wird durch strukturierte Begleitung erfahrener Administratoren extrahiert und in maschinenlesbare Formate überführt – als Schutz gegen Wissensabfluss durch Fluktuation und Renteneintritt.
Flexible Gewichtung: Das Verhältnis zwischen KI-gestützten und manuell erbrachten Leistungen lässt sich über die Vertragslaufzeit dynamisch anpassen, sodass der Automatisierungsgrad mit der technologischen Reife mitwächst.
XLA-basierte Erfolgsmessung: Neben klassischen SLAs rücken Experience Level Agreements in den Fokus, die nicht nur technische Verfügbarkeit, sondern die tatsächliche Wirkung auf Geschäftsprozesse und Anwender messen.
Regulatorische Compliance: Die Human-in-the-Loop-Komponente unterstützt gleichzeitig die Anforderungen des EU AI Act, der für kritische Anwendungen eine menschliche Überwachung vorsieht.
Risikotransfer statt Experimentierrisiko
Für Finanzverantwortliche dürfte ein weiterer Aspekt besonders relevant sein. Wer KI heute experimentell in Eigenregie einführt, trägt die volle Verantwortung für jeden Fehler. Bei Managed Services 2.5 wird dieses Risiko kontrolliert übertragen. Der Provider steht für das Ergebnis gerade und lässt sich an SLAs sowie zunehmend an XLAs (Experience Level Agreements) messen, die nicht mehr nur technische Verfügbarkeit, sondern den tatsächlichen Geschäftswert abbilden.
Ob eine Lösung durch einen Algorithmus oder einen Ingenieur erbracht wurde, ist für den Kunden zweitrangig, solange die vereinbarte Qualität stimmt. Der Dienstleister übernimmt die Aufgabe, das nötige Sicherheitsgerüst zu bauen und zu pflegen – einschließlich laufender Qualitätssicherung, Feedback-Schleifen und dem kontinuierlichen Nachführen von Wissensbasis und Trainingsdaten.
Die nächste Welle der künstlichen Intelligenz wird nicht mehr nur Chatboxen befüllen, sondern konkrete Handlungen ausführen. Wer dann noch auf rein manuelle Prozesse setzt, wird von Wettbewerbern überholt, die ihre Betriebskosten durch Automatisierung erheblich gesenkt haben. Doch Automatisierung ohne messbare Ziele und ohne tragfähiges Sicherheitskonzept ist keine Strategie.
Die Zukunft der Unternehmens-IT liegt nicht in der vollständigen Ersetzung des Menschen und nicht in der Abwertung manueller Arbeit. Sie liegt in einer intelligenten Arbeitsteilung, bei der ein spezialisierter Dienstleister die Rolle des Filters und des doppelten Bodens übernimmt. Das ermöglicht es Unternehmen, Innovation dort zu wagen, wo sie am sichersten ist – im Fundament ihrer IT.
* Über die Autoren Silvio Kleesattel (l.) ist Technology und Innovation Lead, Helmut Weiss Cloud Achitect – beide bei Skaylink.