Projekt ECO:DIGIT CO₂-Transparenz in Cloud-Umgebungen

Von Ira Zahorsky 2 min Lesedauer

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Mehr als zwei Prozent der globalen CO₂-Emissionen gehen auf den ITK-Sektor zurück. Dennoch fehlen belastbare Methoden, um Cloud-Umgebungen ganzheitlich zu bewerten. Im Projekt ECO:DIGIT wurden offene Werkzeuge für messbare Nachhaltigkeit entwickelt.

Im Rahmen des Projekts ECO:DIGIT forschten und entwickelten die teilnehmenden Unternehmen drei Jahre lang offene Werkzeuge für messbare Nachhaltigkeit.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Im Rahmen des Projekts ECO:DIGIT forschten und entwickelten die teilnehmenden Unternehmen drei Jahre lang offene Werkzeuge für messbare Nachhaltigkeit.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Über zwei Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen entstehen im Informations- und Kommunikationssektor (ITK), der damit mit dem globalen Flugverkehr gleich zieht. Gleichzeitig bleibt die ökologische Bewertung von Cloud-Diensten oft vage. Weder Anbieter noch Anwender können Emissionen konsistent erfassen oder vergleichen. Genau diese Lücke adressierte das Projekt ECO:DIGIT.

Was ist das Projekt ECO:DIGIT?

Das Projekt „Enabling green COmputing and DIGItal Transformation“ (ECO:DIGIT) startete am 1. Juni 2023 und wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte. In diesem Projekt wurden die zentralen Grundlagen für eine objektive Bewertung des ökologischen Fußabdrucks von Softwarelösungen erarbeitet. Gemeinsam mit Adesso SE, dem Öko-Institut, Siemens, der Gesellschaft für Informatik sowie den OSBA‑Mitgliedern ScaleUp Technologies und Plusserver war die Open Source Business Alliance (OSBA) Teil dieses Verbunds. ECO:DIGIT wurde am 31. Mai 2026 abgeschlossen.
Vor dem Hintergrund wachsender regulatorischer Anforderungen und der zunehmenden Bedeutung Digitaler Souveränität sollen die im Projekt entstandenen Ergebnisse als Grundlage für die nachhaltige Weiterentwicklung souveräner Cloud-Infrastrukturen dienen.

Ziel des Projekts, das Ende Mai abgeschlossen wurde, war es, Transparenz und Vergleichbarkeit in die Nachhaltigkeitsbewertung digitaler Infrastrukturen zu bringen. Das soll eine Grundlage für regulatorische Anforderungen, fundierte Beschaffungsentscheidungen und belastbare Nachhaltigkeitsberichte schaffen.

Zwischen Messlücke und Regulatorik

Die Herausforderung ist strukturell: Verteilte Softwaresysteme bestehen aus vielen Ebenen – Hardware, Virtualisierung, Workloads. Ohne standardisierte Messverfahren lassen sich ökologische Auswirkungen kaum aggregieren.

Im Rahmen von ECO:DIGIT hat die Open Source Business Alliance (OSBA) gemeinsam mit ScaleUp Technologies und Plusserver das Arbeitspaket „Messverfahren Cloud“ umgesetzt. Im Fokus standen zwei Kernfragen:

  • 1. Wie lassen sich Cloud-Umgebungen in einem zentralen Prüfstand für Ökobilanzen modellieren?
  • 2. Wie kann ein Echtzeit-Nachhaltigkeitsmonitoring direkt in Cloud-Plattformen integriert werden?

Als technische Basis diente der Sovereign Cloud Stack (SCS), der als Referenzarchitektur für transparente und nachvollziehbare Cloud-Infrastrukturen fungiert.

Open-Source-Werkzeuge für messbare Nachhaltigkeit

Das Projekt hat mehrere quelloffene Werkzeuge hervorgebracht, die unterschiedliche Aspekte der Nachhaltigkeitsmessung abdecken:

  • Leaf (Lifecycle based Environmental Assessment of Footprints): Eine Referenzimplementierung für Nachhaltigkeitsmonitoring auf SCS-konformen Plattformen. Das System kombiniert Emissionen aus der Hardwareherstellung mit den operativen Emissionen im Betrieb. Bewertet werden vier Kategorien: Treibhauspotenzial, Ressourcenverbrauch, Energieaufwand und Wasserverbrauch – jeweils aggregiert auf verschiedenen Ebenen wie VM, Projekt oder Provider.
  • Energy-Profiler: Erfasst Energieprofile auf Bare-Metal-Servern und liefert die Datengrundlage für präzisere Analysen.
  • Lumos und Rosserts: Werkzeuge zur reproduzierbaren Lastgenerierung in OpenStack-Umgebungen, um realistische Betriebsszenarien abzubilden.

Ergänzt wird dies durch einen SCS-Standardentwurf, der bewusst technologieoffen bleibt und damit auch außerhalb konkreter Implementierungen nutzbar ist.

Standardisierung als Voraussetzung für Vergleichbarkeit

Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Erkenntnis, dass ohne standardisierte Modelle keine belastbaren Aussagen möglich sind. Einzelne Messwerte reichen nicht aus, wenn Systemgrenzen, Datengrundlagen und Bewertungsmethoden variieren.

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