Willkommen im Privacy Paradox!
Warum wir Datenkraken füttern, obwohl wir es besser wissen sollten

Von Elke Witmer-Goßner 10 min Lesedauer

Wir misstrauen Big Tech, kennen die Risiken und machen trotzdem weiter. Eine Spurensuche zwischen Verhaltens­psychologie, manipulativem Design und der Frage, ob Europa als echte Alternative überhaupt gewollt wird.

Die Datenkrake kennt unsere Vorlieben, Gewohnheiten und Kontakte – und lässt uns trotzdem glauben, wir hätten alles unter Kontrolle. Doch warum vertrauen wir ihr?(Bild: ©  3dkombinat - stock.adobe.com)
Die Datenkrake kennt unsere Vorlieben, Gewohnheiten und Kontakte – und lässt uns trotzdem glauben, wir hätten alles unter Kontrolle. Doch warum vertrauen wir ihr?
(Bild: © 3dkombinat - stock.adobe.com)

Der Wecker klingelt am Morgen auf einem iPhone. Der erste Blick geht auf WhatsApp, dann auf Gmail. Auf dem Weg zur Arbeit navigiert Google Maps, im Büro öffnet sich Microsoft Teams. Abends läuft Netflix, bezahlt wird über PayPal. Zwischendurch: Instagram, YouTube, Amazon, TikTok. Wer diesen Tagesablauf wiedererkennt, gehört zur überwältigenden Mehrheit. Und wer dabei ein ungutes Gefühl hat, ebenfalls. Schon 2015 hat der Bitkom evaluiert: 80 Prozent der Deutschen misstrauen der Internetwirtschaft. Und dennoch nutzen 87 Prozent Dienste, deren Datenschutzpraktiken sie nicht vertrauen. Diese Zahl dokumentiert keinen Widerspruch, sie ist Ausdruck eines Symptoms.

Der Widerspruch, der keiner sein müsste

Der Hewlett-Packard-Mitarbeiter Barry Brown verwendete den Begriff „Privacy Paradox“ 2001 in einer Studie. Schon damals war ihm aufgefallen, dass Kunden in Supermärkten bereitwillig an Bonuskartenprogrammen teilnahmen, obwohl sie gleichzeitig erhebliche Bedenken hinsichtlich ihrer Privatsphäre äußerten.