Ransomware-resiliente Backups: So schützen Unternehmen ihre Datenhoheit Datenkontrolle ist eine Überlebensfrage

Ein Gastbeitrag von Dr. Lennart Gaida* 5 min Lesedauer

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Ein Cyberangriff darf nicht automatisch zum Verlust der Sicherungskopien führen. Warum klassische Backup-Strategien allein heute nicht mehr ausreichen und wie Unternehmen mit Object Lock, Customer Managed Keys, starker Konsistenz und einer isolierten Speicherarchitektur ihre Wiederherstellungsfähigkeit verbessern.

Cyberangriffe machen grundlegende Schwächen in der digitalen Infrastruktur sichtbar, weshalb Cloud-Architektur heute untrennbar mit Cybersicherheit verbunden sein sollte.(Bild: ©  ImageFlow - stock.adobe.com)
Cyberangriffe machen grundlegende Schwächen in der digitalen Infrastruktur sichtbar, weshalb Cloud-Architektur heute untrennbar mit Cybersicherheit verbunden sein sollte.
(Bild: © ImageFlow - stock.adobe.com)

Ein Ransomware-Angriff legt Systeme lahm und stoppt Produktionsprozesse, Kommunikation funktioniert nur noch eingeschränkt. Kurz darauf zeigt sich, dass auch die Sicherungskopien nicht helfen, weil sie in derselben Umgebung liegen wie die Primärdaten, mit denselben Berechtigungen und unter derselben administrativen Kontrolle.

Deutschland zählt laut aktuellen Erhebungen des Bundeskriminalamts und internationaler Sicherheitsbehörden zu den besonders stark von Cyberangriffen betroffenen Ländern. Die Zahl der Vorfälle steigt und die Methoden werden gezielter. Für betroffene Unternehmen geht es um weit mehr als um ein vorübergehendes IT-Problem. Entscheidend ist, ob der Betrieb nach einem Angriff wieder anlaufen kann.

Warum Backups alleine nicht genügen

Die 3-2-1-Regel für Backups hat weiterhin ihren Platz: drei Kopien, zwei unterschiedliche Medien, eine Kopie außerhalb des Unternehmens. Als Grundprinzip ist das nach wie vor sinnvoll. Die Schwachstelle liegt heute meist an anderer Stelle, nämlich in der konkreten Ausgestaltung. In vielen Umgebungen liegen die Offsite-Kopien beim selben Cloud-Anbieter wie die produktiven Daten. Häufig laufen Verwaltung, Identitäten und Rechte über dieselbe Ebene. Wird diese Umgebung kompromittiert, geraten damit auch die Backups in Reichweite.

Angreifer kalkulieren das längst ein. Ransomware-Gruppen verschlüsseln nicht einfach nur Datenbestände. Sie suchen gezielt nach Sicherungssystemen, löschen Kopien, manipulieren Aufbewahrungsstände oder machen Wiederherstellungspfade unbrauchbar. Damit verlängert sich der Ausfall, und der Druck auf das betroffene Unternehmen steigt.

Wer belastbare Resilienz aufbauen will, muss deshalb früher ansetzen: bei der Zugriffsverwaltung, dem Speichermodell und der technischen Frage, welche Daten sich im Angriffsfall überhaupt noch verändern lassen.

Object Lock macht Backups unveränderlich

Ein zentraler Baustein ist Unveränderlichkeit, also Immutability. In Cloud-Speichersystemen wird sie typischerweise über Object Lock umgesetzt. Die Funktion sorgt dafür, dass gespeicherte Daten für einen festgelegten Zeitraum weder gelöscht noch überschrieben werden können. Das gilt auch dann, wenn ein Angreifer weitreichende Rechte erlangt hat, ein Administrator einen Fehler macht oder ein automatisierter Prozess missbraucht wird.

Gerade darin liegt der Unterschied zu klassischen Schutzmechanismen. Der Schutz hängt nicht allein daran, ob Berechtigungen sauber gesetzt wurden und im Krisenfall halten, er ist im Speicher selbst verankert. Daten bleiben unverändert, weil das System Änderungen technisch unterbindet.

Für Backup-Szenarien ist das unmittelbar relevant. Sind Sicherungskopien mit Object Lock abgelegt, lassen sie sich auch dann noch für eine Wiederherstellung nutzen, wenn andere Teile der Infrastruktur bereits kompromittiert wurden. Die Integrität der Daten beruht nicht auf Annahmen, sondern auf einer erzwungenen Eigenschaft des Systems. Wer mit S3-kompatiblen Speicherlösungen arbeitet, kann diese Funktion in vielen Fällen direkt über bestehende Backup-Tools nutzen, da Object Lock hier zum Standard gehört.

Schlüsselhoheit – doch wer kontrolliert die Verschlüsselung?

Cloud-Daten sind heute in der Regel verschlüsselt. Wirklich interessant ist aber nicht die Frage, ob verschlüsselt wird, sondern wer die Schlüssel verwaltet. Bei großen Anbietern liegt diese Verwaltung standardmäßig beim Provider. Damit bleibt der Anbieter in einer Position, aus der heraus Datenzugriffe möglich sind. Bei außereuropäischen Anbietern kommt eine zweite Ebene hinzu: nationale Gesetze wie der US CLOUD Act können Behörden Zugriffe eröffnen, ohne dass betroffene Unternehmen davon zwangsläufig Kenntnis erhalten.

Für stark regulierte Bereiche wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen oder die öffentliche Verwaltung ist das essenziell. Es berührt die Frage, ob sich die Datenhoheit technisch nachweisen lässt oder nur vertraglich zugesichert wird.

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Deshalb gewinnen Customer Managed Keys an Bedeutung. In diesem Modell verwaltet das Unternehmen die Schlüssel selbst, üblicherweise über ein eigenes Key Management System. Der Speicheranbieter hält zwar die verschlüsselten Daten, hat aber keinen Zugriff auf deren Inhalt.

Starke Konsistenz sichert die Wiederherstellung

Ein Punkt, der in vielen Projekten erst spät auf den Tisch kommt, ist das Konsistenzmodell des Speichersystems. Gemeint ist die Frage, wie zuverlässig ein System nach einem Schreibvorgang sofort die aktuelle Version der Daten bereitstellt. Viele verteilte Speicher arbeiten mit eventueller Konsistenz. Das ist für manche Anwendungen ausreichend. Für Backup- und Recovery-Szenarien kann es jedoch kritisch werden, wenn verschiedene Systemteile für kurze Zeit unterschiedliche Datenstände sehen.

Im Wiederherstellungsfall zählt eben dieser Moment. Wer Daten zurückspielt, muss sich darauf verlassen können, dass der letzte gesicherte Stand vollständig und konsistent lesbar ist. Starke Konsistenz stellt das sicher. Nach einem erfolgreichen Schreibvorgang liefert jeder nachfolgende Lesezugriff die aktuelle Version.

Speicherarchitektur wird zur Sicherheitsstrategie

Object Lock, Customer Managed Keys und starke Konsistenz stehen heute zur Verfügung und lassen sie sich in vorhandene Backup- und Storage-Umgebungen integrieren, ohne die gesamte IT-Landschaft neu aufzubauen.

Hier fehlt es nicht an technologischen Möglichkeiten, sondern an einer klaren Priorisierung. Resilienz wird noch zu häufig als Compliance-Thema behandelt, obwohl sie in Wahrheit an Architekturentscheidungen hängt, die deutlich früher getroffen werden.

Diese fünf Punkte sollten IT-Verantwortliche jetzt prüfen

  • Backup-Isolation prüfen: Sicherungskopien sollten technisch von der Primärumgebung getrennt sein. Entscheidend sind getrennte Zugriffsebenen, getrennte Verwaltungsstrukturen und im besten Fall auch ein anderer Anbieter.
  • Object Lock aktivieren: Geschäftskritische Backup-Daten sollten mit einer klar definierten Aufbewahrungsfrist unveränderlich abgelegt werden. Moderne Backup-Lösungen unterstützen das in der Regel über S3-kompatible Schnittstellen.
  • Schlüsselhoheit klären: Unternehmen sollten genau wissen, wer ihre Verschlüsselungsschlüssel kontrolliert. In regulierten Umgebungen spricht vieles dafür, Customer Managed Keys als Standard zu setzen.
  • Recovery real und regelmäßig testen: Ein Backup-Konzept ist erst dann belastbar, wenn Wiederherstellungen unter realistischen Bedingungen geprobt wurden. Dazu gehören feste Testintervalle, Dokumentation und ein Datenvolumen, das der tatsächlichen Praxis entspricht.
  • Jurisdiktion und Anbieterstandort bewerten: Wo die Infrastruktur betrieben wird und welchem Recht der Anbieter unterliegt, gehört in jede Risikoanalyse. Gerade bei sensiblen Daten entscheidet dieser Punkt mit darüber, wie viel Kontrolle ein Unternehmen tatsächlich behält.

Cyberresilienz beginnt mit Datenkontrolle

Angriffe laufen professioneller ab, Abhängigkeiten von digitaler Infrastruktur wachsen und Ausfälle ziehen schneller operative und wirtschaftliche Folgen nach sich. Unternehmen brauchen deshalb mehr als Prävention und mehr als die Hoffnung, dass vorhandene Backups schon ausreichen werden.

Resilienz entsteht dort, wo Kontrolle nicht abgegeben wird: bei den Schlüsseln, bei der Speicherlogik und bei der Trennung von produktiven Daten und Sicherungskopien. Die technischen Mittel dafür sind verfügbar, standardisiert und in vielen Umgebungen längst anschlussfähig. Jetzt kommt es darauf an, sie konsequent in die eigene Cloud-Strategie einzubauen.


* Der Autor Dr. Lennart Gaida ist Director Strategy & Innovation bei Impossible Cloud.

Bildquelle: Impossible Cloud

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