Die Open Source Business Alliance hat auf dem Sovereign Cloud Stack Summit die ersten Zertifikate verliehen. Ausgezeichnet wurden Anbieter, deren Cloud-Lösungen die SCS-Standards erfüllen sowie Dienstleister, die Cloud-Lösungen nach SCS-Standards aufbauen und betreiben können.
Von links nach rechts: Christian Berendt, OSISM; Christian Schwaller, Artcodix; Freerk-Ole Zakfeld, ScaleUp Technologies; Ralph Dehner, B1 Systems; Matthias Haag, UhuruTec; Enrico Kern, StackXperts.
(Bild: OSBA)
Der Sovereign Cloud Stack (SCS) ist eine von einer Community aus Unternehmen und Einzelpersonen getragene europäische Open-Source-Initiative, die offene Standards für moderne Cloud-Infrastrukturen entwickelt – mit dem Ziel, digitale Souveränität in Europa und darüber hinaus zu stärken. Im Zentrum steht eine Cloud, die den Nutzern echte Wahlfreiheit ermöglichen soll: rechtlich sicher, technisch kompatibel, anbieterunabhängig und optimal geeignet für cloud-native Anwendungen.
SCS ist ein Projekt der Open Source Business Alliance (OSBA) im europäischen Gaia-X-Kontext und wurde von 2021 bis 2024 durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. Die Weiterentwicklung der Standards wird heute durch das Forum SCS-Standards im Rahmen der OSBA gesteuert. Die Softwareentwicklung wird von Open-Source-Unternehmen innerhalb der SCS-Community fortgeführt.
SCS-Standards für Interoperabilität und digitale Souveränität
Laut OSBA handelt es sich bei den SCS-Standards um nachvollziehbare Anforderungen, die Interoperabilität und Qualität sicherstellen sollen – auf dieser Basis könnten Cloud-Lösungen zertifiziert werden, um ihre digitale Souveränität nachweisbar zu machen. Ein Kunde könne so also sicherstellen, dass er bei einem SCS-zertifizierten Anbieter nicht in einer Abhängigkeit landet, sondern jederzeit ohne Schwierigkeiten zu einem anderen, ebenfalls SCS-zertifizierten Anbieter wechseln könnte, da beide Anbieter dieselben offenen Standards nutzen.
In einem offenen, partizipativen Prozess möchte das Forum SCS-Standards sicherstellen, dass die Standards und Zertifizierungsrichtlinien kontinuierlich weiterentwickelt werden – getragen von der Community, abgestimmt mit ihren Bedürfnissen und Anforderungen. So könne ein stabiler, verlässlicher Rahmen für souveräne Cloud-Infrastrukturen entstehen.
Zertifizierung „SCS-Compatible“
Cloud-Anbieter können ihre Einhaltung der SCS-Standards durch automatisierte Tests und transparente Prozesse nachweisen. Bei Erfolg erhalten sie die Zertifizierung als „SCS-compatible“ – ob mit der Referenzimplementierung oder eigenen offenen Lösungen.
Die Zertifizierung als „Certified SCS-compatible IaaS“ (Infrastructure as a Service) bestätigt, dass eine Infrastruktur den IaaS-Standards des Sovereign Cloud Stack entspricht – darunter Protokolle und Spezifikationen für virtuelle Maschinen, Speicher, Netzwerke und weitere grundlegende Komponenten – und damit einen sicheren, kompatiblen und effizienten Cloud-Betrieb ermöglicht.
Auf dem Sovereign Cloud Stack Summit am 24. September 2025 in Berlin wurden folgende Unternehmen mit dem Zertifikat „SCS-compatible IaaS v5.1“ ausgezeichnet: Artcodix mit der „CNDS Public Cloud“, OSISM mit der „REGIO.cloud“ und ScaleUp Technologies mit der „ScaleUp Open Cloud“.
SCS-Integrator-Zertifizierungen bestätigen, dass Dienstleister Cloud-Umgebungen gemäß den IaaS- oder KaaS-Standards fachgerecht aufbauen und betreiben können – mit geprüftem Know-how und etablierten Prozessen.
Zertifizierung „Certified SCS IaaS Integrator“
Die Zertifizierung als „Certified SCS IaaS Integrator“ weist nach, dass ein Dienstleister IaaS-Umgebungen gemäß den offiziellen SCS-Standards fachgerecht umsetzen kann – von der Konfiguration bis zum Betrieb. Er kennt die Anforderungen und Testverfahren der IaaS-Standards und sorgt dafür, dass alle Komponenten korrekt integriert und regelkonform betrieben werden.
Auf dem SCS Summit wurden die Unternehmen B1 Systems, StackXperts, OSISM und UhuruTec mit dem Zertifikat „Certified SCS IaaS Integrator“ ausgezeichnet.
Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance – Bundesverband für digitale Souveränität e.V.: „Die Verleihung der ersten Zertifikate markiert einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung des Werteversprechens der SCS-Standards und des stetig wachsendem Ökosystems. Das Projekt steht nach der Förderung durch die Bundesregierung inzwischen auf stabilen eigenen Füßen und setzt sich immer neue ehrgeizige Ziele. So sollen Unternehmen zukünftig auch mit Zertifikaten im Bereich Kubernetes-as-a-Service (KaaS) ausgezeichnet werden können. Die Zertifizierung als „Certified SCS-compatible KaaS“ bestätigt, dass ein Kubernetes-Dienst den SCS-Standards entspricht und eine einheitliche, sichere sowie plattformübergreifende Container-Orchestrierung ermöglicht. Die Zertifizierung als „Certified SCS KaaS Integrator“ weist nach, dass ein Integrator sicherstellen kann, dass die Container-Orchestrierung sicher, interoperabel und standardisiert erfolgt.“
Stand: 08.12.2025
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