Digitale Souveränität im Fokus Europäische Software auf dem Vormarsch

Von Mihriban Dincel 3 min Lesedauer

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Eine Studie von Myra Security zeigt: 39,7 Prozent der deutschen Unternehmen führen europäische Software ein; nur 4,6 Prozent schließen sie aus. Besonders für Staat und kritische Infrastrukturen wächst die Unterstützung in allen untersuchten Regionen deutlich.

Die Ergebnisse der Studie wurden beim Event Bots & Brews vorgestellt; hier beim Medienstammtisch Cybersicherheit (Bild:  Nicolas Armer/Arctic Narratives)
Die Ergebnisse der Studie wurden beim Event Bots & Brews vorgestellt; hier beim Medienstammtisch Cybersicherheit
(Bild: Nicolas Armer/Arctic Narratives)

Deutsche Unternehmen richten ihre Softwarestrategien zunehmend auf europäische Lösungen aus. Das verdeutlicht die Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters“ von Myra Security, die beim Tech-Event „Bots & Brews“ vorgestellt wurde. Demnach schließen nur noch 4,6 Prozent der IT-Entscheider in Deutschland deren Einführung aus. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 47,7 Prozent. Gleichzeitig geben 39,7 Prozent der Befragten an, aktuell europäische Software einzuführen. 2025 waren es 20,4 Prozent. Beim Anteil der Unternehmen, die europäische Software einführen, liegt Deutschland damit knapp vor Frankreich mit 38,5 Prozent und den nordischen Ländern mit 35,5 Prozent.

Hohe Zustimmung für kritische Infrastrukturen

Europäische Digitalprodukte für Staat und Betreiber kritischer Infrastrukturen stoßen in allen untersuchten Regionen auf hohe Unterstützung. Frankreich erreicht mit 93,6 Prozent den höchsten Wert, gefolgt von den nordischen Ländern mit 88,9 Prozent und Deutschland mit 87,5 Prozent. In Deutschland ist die Zustimmung gegenüber dem Vorjahr gestiegen: 2025 lag sie bei 84,4 Prozent.

Andrea Lindholz, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Vorsitzende der Kommission zu Digitaler Souveränität, erklärt: „Unsere Daten sind das Gold der Gegenwart und der Zukunft. Insbesondere der Deutsche Bundestag sitzt auf dem größten Datenschatz des ganzen Landes. Wenn der Deutsche Bundestag bei Digitaler Souveränität Vorbild sein will, braucht es den Mut, stärker auf deutsche und europäische Lösungen zu setzen.“

Cybersicherheit, KI und Cloud besonders relevant

Digitale Souveränität ist für die Befragten vor allem in den Bereichen Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste relevant. Cybersicherheit nennen 57,6 Prozent der Befragten in Deutschland, 57,1 Prozent in Frankreich und 68,4 Prozent in den nordischen Ländern. Bei KI sind es 50,1 Prozent in Deutschland, 52,4 Prozent in Frankreich und 48,6 Prozent in den nordischen Ländern.

„Die Ergebnisse der Studie bestätigen, was wir in der Praxis täglich erleben: Der Bedarf an Digitaler Souveränität ist groß. Jetzt geht es darum, diese umzusetzen und echte Wahlfreiheit zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass wir alles selbst entwickeln müssen. Wir brauchen aber auf jeder Ebene europäische Alternativen. Sprich, einen souveränen German-Stack“, sagt Leonhard Kugler, Geschäftsführer Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDis).

Bots & Brews mit (v. l.) Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker (Cyberintelligence Institute), Alexandre Vulic (Französischer Generalkonsul), Andrea Lindholz (CSU), Leonhard Kugler (Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung) und Paul Kaffsack (Myra Security) (Bild:  Nicolas Armer/Arctic Narratives)
Bots & Brews mit (v. l.) Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker (Cyberintelligence Institute), Alexandre Vulic (Französischer Generalkonsul), Andrea Lindholz (CSU), Leonhard Kugler (Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung) und Paul Kaffsack (Myra Security)
(Bild: Nicolas Armer/Arctic Narratives)

Geopolitik erhöht den Druck

Im Durchschnitt gibt die Hälfte der europäischen Entscheider an, ihren Fokus auf Digitale Souveränität infolge aktueller geopolitischer Entwicklungen verstärkt zu haben. Dies führt jedoch nicht durchgehend zu einer Abkehr von US-Technologie. 24,8 Prozent der französischen IT-Entscheider setzen infolge geopolitischer Ereignisse stärker auf US-Software. In Deutschland liegt dieser Wert bei 19,8 Prozent, in den nordischen Ländern bei 16,9 Prozent.

Über die Studie

Die Studie basiert auf einer Civey-Online-Umfrage im Auftrag von Myra Security. Dafür wurden 1.818 IT-Entscheider befragt – darunter 1.007 aus Deutschland, 504 aus Frankreich sowie 307 aus Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Die Erhebung erfolgte vom 25. Februar bis zum 5. März 2026. Hier finden Sie die vollständige Studie.

Kosten und fehlende Informationen bremsen Migration

Der Umstieg auf europäische Technologien bleibt laut Studie anspruchsvoll. Hohe Migrationskosten nennen 34,6 Prozent der deutschen IT-Entscheider als Hürde. Zudem bewerten die Befragten fehlende Informationen über europäische Alternativen als Migrationshemmnis.

Trotzdem wächst die Zuversicht: 54,6 Prozent der deutschen IT-Entscheider halten es für realistisch, dass Europa bis 2035 strukturelle digitale Unabhängigkeit erreichen kann. In den nordischen Ländern liegt der Wert etwas höher bei 64,5 Prozent, in Frankreich hingegen sind es nur 46,4 Prozent.

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