ERP-Lösung für Personalwesen noch länger on-premise verfügbar

SAP gibt Anwendern mehr Zeit für den Umstieg in die Cloud

| Autor: Elke Witmer-Goßner

SAP-Anwender erhalten mehr Bedenkzeit, um über den künftigen Betrieb der Software für die Personalverwaltung zu entscheiden.
SAP-Anwender erhalten mehr Bedenkzeit, um über den künftigen Betrieb der Software für die Personalverwaltung zu entscheiden. (Bild: © beermedia - stock.adobe.com)

2025 sollte mit der stationären ERP-Lösung für das Personalwesen (SAP Human Capital Management – HCM) eigentlich Schluss sein. Danach wollte SAP nur noch die Cloud- bzw. SaaS-Lösung SuccessFactors anbieten.

Eindeutig zu früh, kritisierte die Interessenvertretung Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG): Viele Unternehmen hätten strategisch noch gar nicht entschieden, wie sie ihre Prozesse im Personalwesen künftig abbilden sollen, ob on-premise, in der Cloud oder als hybride Lösung. Die DSAG forderte daher eine klare Aussage für die Zukunft des Personalwesens.

Anwender bevorzugen eigenen Softwarebetrieb

Untermauert wurde die DSAG-Kritik durch die Ergebnisse einer Umfrage unter einem Teil der mehr als 3.000 Mitgliedspersonen umfassenden DSAG-Arbeitskreises Personalwesen. Laut Umfrage (Mehrfachauswahl war möglich) haben noch etwa 97 Prozent der Befragten die Personalwesen-Lösung SAP HCM im Einsatz. Ein Viertel setzt SuccessFactors ein, jene Cloud-Applikation, die SAP als zukünftige Heimat des IT-gestützten Personalwesens auserkoren hat. 9 Prozent der Mitglieder nutzen Concur für das Reisemanagement.

SAP-Strategie im Personalwesen: Ergebnisse der Umfrage unter 667 DSAG-Mitgliedern aus ebenso vielen Unternehmen und Behörden von November 2017.
SAP-Strategie im Personalwesen: Ergebnisse der Umfrage unter 667 DSAG-Mitgliedern aus ebenso vielen Unternehmen und Behörden von November 2017. (Bild: DSAG e.V.)

Auf die Frage, welches Betriebsmodell für SAP-Software im Personalwesen ihr Unternehmen strategisch in den nächsten Jahren voraussichtlich realisiert, gaben 41 Prozent der Befragten an, dass sie ihr Betriebsmodell ausschließlich oder überwiegend on-premise sehen. 42 Prozent der Befragten gaben an, eine hybride Lösung bestehend aus On-Premise-Betrieb und privater oder public Cloud zu bevorzugen, während nur rund 7 Prozent eine Cloud-Only-Lösung in Erwägung ziehen. Diese zögerliche Haltung gegenüber der von SAP präferierten Cloud-Lösung begründete mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) damit, dass die funktionalen Anforderungen des Personalwesen in den neuen, cloud-basierten Lösungen noch nicht ausreichend erfüllt seien.

Das große Zaudern

Etwa 26 Prozent der befragten Unternehmen begründeten ihre Zurückhaltung in Bezug auf die Cloud-Lösungen mit der Befürchtung, die Kontrolle über die Software zu verlieren, insbesondere über die individuellen Teile. Mit knapp 27 Prozent spielt auch die Unsicherheit bei der Einhaltung von Regulatorik, Compliance und Security eine signifikante Rolle. Insbesondere die Fragen „Wo liegen die Daten? Wo gehen die Daten hin? Wie gehen wir mit Verträgen um? Wer zahlt, wenn das Rechenzentrum von SAP streikt und die Lösung nicht verfügbar ist?“ erschweren den Anwendern die Entscheidung für ein Personalwesen aus der Cloud.

Weitere Hindernisse auf dem Weg zur SuccessFactors-Lösung sahen knapp 23 Prozent der Befragten beim Thema Lizenzen, knapp 21 Prozent fehlten Informationen hinsichtlich der Migration, etwa 13 Prozent der Befragten kritisierten zudem den fehlenden Einfluss auf Verfügbarkeit und Support der neuen Lösung. Und etwa 20 Prozent hielten die Integrationsfähigkeit in andere Software-Module für nicht ausreichend. „Eine Umstellung auf SuccessFactors würde den Einsatz von Schnittstellen in die ERP-Lösung notwendig machen und das widerspricht dem bisherigen Integrationsansatz von SAP. Als Anwender-Gemeinschaft vermissen wir diesen in der Zukunftsstrategie von SAP“, erklärt Jean-Claude Flury, DSAG-Vorstand Business Networks Integration.

SAP kommt Anwendern entgegen

Der Walldorfer Konzern reagierte jetzt positiv auf die Umfrageergebnisse und kündigte an, dass 2023 eine neue On-Premise-Lösung für das Personalwesen angeboten werden soll, deren Wartung der Softwarehersteller bis 2030 zusichert. Mit der Zwischenlösung kommt SAP somit insbesondere jenen 41 Prozent der Befragten entgegen, die weiter strategisch auf lokalen Softwarebetrieb setzen. Die neue Lösung soll ausschließlich auf der HANA-Datenbank laufen. Für die Migration sollen entsprechende Services und Tools zur Verfügung gestellt werden. Zudem soll es für die neue Lösung im Personalwesen eine eigene Wartungsstrategie geben, da sie unabhängig neben S/4HANA laufen wird. Bestandskunden sollen eine Lizenzkonvertierung nach den bestehenden S/4HANA-Konvertierungsregeln erhalten. Details hat SAP in einem Statement veröffentlicht.

Die DSAG begrüßt diesen ersten Schritt als Zeitgewinn, um noch entscheidende Details klären zu können. Daher will man auch weiter kritisch beobachten, wie die neue Lösung im Hinblick auf die Kundenanforderungen konkretisiert wird. Dazu zählen u.a. ein geeignetes Lizenzmodell, benötigte Funktionalitäten, die Abdeckung gesetzlicher Anforderungen, die kontinuierliche Weiterentwicklung und die Integrationsfähigkeit. Denn gerade beim Thema Lohn- und Gehaltsabrechnung (Payroll) bestehe erhöhter Handlungs- und Informationsbedarf: „SAP arbeitet laut eigenen Aussagen zurzeit an einer komplett neuen Lösung für die Abrechnung, die durch Micro-Services verstärkt automatisiert ablaufen und beispielsweise auch Elemente des maschinellen Lernens enthalten. Hier wird sich noch herauskristallisieren müssen, wie diese Micro-Services konkret zusammenspielen sollen“, hinterfragt Flury die Vorgehensweise. Generell sei es jedoch erfreulich, dass SAP hier an einer langfristigen Lösung für die Anwender arbeite: „Es ist gut, dass SAP jetzt zumindest bis 2030 eine On-Premise-Lösung bietet und vielen unserer Mitgliedsunternehmen damit erst einmal Optionen ermöglicht.“

Weiterhin Gesprächsbedarf

Prinzipiell begrüßt die DSAG das Ergebnis, hält die drei Jahre jedoch für ambitioniert, die SAP ihren Kunden für die Migration gibt. Zudem seien wichtige Detailfragen noch zu klären. So müssten beispielsweise noch konkretere Informationen zum Pricing und eine tragfähige Aussage zu einzelnen Komponenten, beziehungsweise Modulen wie das Reisemanagement, getroffen werden. Die DSAG und SAP befinden sich bereits seit einiger Zeit im Austausch zu diesen Themen, um von SAP eine Aussage mit einem Zeithorizont nach 2026 zu erhalten. „Es wird derzeit zwar gar keine Wartungsverlängerung der bestehenden ERP-HCM-Lösung nach 2025 geben, doch durch die Einführung der neuen On-Premise-Lösung erhalten unsere Mitglieder zumindest für die Zeit nach 2025 und bis 2030 erst einmal eine Alternative zu den reinen Cloud-Lösungen, die die Funktionalitäten des HCM abdecken soll“, erläutert Flury.

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