Geopolitische Spannungen stellen deutsche Unternehmen vor technologische Herausforderungen: Agilität und Innovationskraft der Public Cloud sind unverzichtbar, um effizient zu arbeiten und KI-Vorteile zu nutzen. Was muss eine zukunftsfähige, souveräne Cloud-Lösung bieten und worauf sollten IT-Entscheider bei der Cloud-Strategie achten?
Wie können Unternehmen die absolute Kontrolle und digitale Souveränität über Daten und Technologie behalten, ohne auf Cloud-Flexibilität verzichten zu müssen?
Digitale Souveränität steht für viele europäische Unternehmen an erster Stelle bei der Neuausrichtung ihrer IT-Strategie. Die Rahmenbedingungen für souveräne Cloud‑Strategien verändern sich 2026 rasant und zwingen CIOs dazu, ihre Workloads auf den Prüfstand zu stellen.
Souveränität vs. Flexibilität: Multicloud und Hybrid Cloud im Trend
Dabei zeichnet sich allerdings kein klarer Trend ab: Während reine „Mono‑Cloud‑Modelle“ (also: „alles in die Public Cloud“ versus „alles in die Private Cloud“) laut Bitkom Cloud Report bei deutschen Unternehmen immer mehr an Bedeutung verlieren, wird die Nutzung von Multicloud-Szenarien (Einsatz mehrerer unterschiedlicher Public-Cloud-Anbieter) und auch der Einsatz von Hybrid-Cloud (Mix aus Private- und Public-Cloud-Bereitstellung) laut aktuellen Trend-Umfragen zunehmend relevanter.
Vier Leitlinien für die eigene Cloud-Strategie
Um digitale Souveränität sicherzustellen und gleichzeitig die Innovationskraft von KI-Lösungen nutzen zu können, benötigen Unternehmen klare Leitlinien für ihre Cloud‑Roadmap. Folgende vier Eckpfeiler helfen dabei, die richtige Cloud-Strategie zu finden:
1. Souveräne Cloud-Lösungen richtig einsetzen
Eine „Sovereign Cloud“ bezeichnet die Souveränität von Cloud-Diensten auf drei verschiedenen Ebenen: Datenhoheit, technologische Kontrolle und operative Autonomie. Es geht also dabei nicht allein um die Datensouveränität, welche regelt, dass Daten vor extraterritorialen Zugriffen (wie dem US CLOUD Act) geschützt sind, beispielsweise dadurch, dass sie bei einem europäischen Cloud-Anbieter gehostet werden und der europäischen Jurisdiktion unterliegen.
Ein wichtiger Schlüsselfaktor ist auch die technologische Souveränität, denn sie entscheidet darüber, wie viel Kontrolle man über seine eingesetzten Technologien behält. Hierzu gehört im Wesentlichen die Wahlfreiheit der Infrastruktur und eine Vermeidung von Vendor-Lock-in-Effekten, z.B. durch den Einsatz von Open-Source-Technologie.
Die operative Souveränität umfasst zuletzt den Betriebsbereich: nicht nur, wo die Daten verarbeitet werden, sondern auch, ob die Support-Mitarbeiter beispielsweise in der EU ansässig sind und es einen transparenten Audit Trail bei Incidents gibt, ist wichtig, um die vollständige Souveränität einer Cloud-Lösung zu gewährleisten.
In der Praxis empfiehlt es sich zu analysieren, für welche Daten ein besonders hoher Grad an digitaler Souveränität erreicht werden muss. Hierfür hat die EU ein „Cloud Sovereignty Framework“ erarbeitet, das eine Einstufung der Anwendungsfälle in SEAL (Sovereignty Effectiveness Assurance Level) ermöglicht: von 0 = keine Souveränität bis zu 5 = vollständige digitale Souveränität.
Eine Multicloud‑Strategie reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter und nutzt die Stärken verschiedener Plattformen. Sie ermöglicht, Workloads je nach Preis‑Leistungs‑Verhältnis, geografischer Nähe oder speziellen Service‑Features zu verschieben. Legen Sie hierfür Ihre Business- und IT-Ziele in einem Plan fest und starten Sie danach eine Workload-Analyse, in der Sie die Anwendungen nach Anforderungen kategorisieren. Diese sind zum Beispiel die Rechenintensität, Datenlokalität, Latenz, Sicherheitsbedarf etc.
Für jede dieser Anforderungen sollten Sie prüfen, welcher Anbieter die besten Services, SLAs und Preismodelle bietet und danach entscheiden, ob ein Public-, Private- oder Edge-Ansatz sinnvoller ist. Im Sinne eines ausgewogenen Risikomanagements und um digitale Souveränität sicherzustellen, sollten Workloads zudem gleichmäßig auf europäische Cloud-Anbieter und Hyperscaler verteilt sein.
Wichtig für den erfolgreichen Einsatz einer Multicloud-Strategie ist zudem die effiziente Orchestrierung und das Management der oft komplexen Infrastruktur. Dazu zählen einheitliche Regelungen, IAM, Monitoring und CI/CD‑Pipelines, um eine nahtlose Verwaltung über alle Cloud-Modelle zu gewährleisten.
3. Eine neue Cloud-Ära: Vorteile von On-Premises-Cloud-Plattformen nutzen
Die Jahre 2021 bis 2024 standen im Zeichen von Cloud-Native: Micro‑Services, containerisierte Deployments, automatisierte Orchestrierung (z. B. mithilfe von Kubernetes) und DevOps‑Prozesse sorgten für hohe Agilität, Resilienz und schnelle Skalierbarkeit. Die kommenden Jahre versprechen technologische Weiterentwicklungen mit völlig neuen Cloud-Modell-Ansätzen, hin zu einer „Specialized Cloud“, sprich: stärker individualisierten, maßgeschneiderten Cloud-Lösungen.
Stand: 08.12.2025
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Diese nächste Evolutions-Stufe der Cloud fokussiert sich besonders auf Hybrid‑Umgebungen, die Sicherheit und Performance von On‑Premises‑Systemen mit der Flexibilität der Cloud verbinden. Sie ermöglichen, regulatorisch sensible Workloads lokal in einem mobilen Serverschrank mit vorkonfigurierten Hardware-Modulen im eigenen Rechenzentrum oder auch im Bürogebäude zu betreiben, während weniger kritische Anwendungen in die Cloud migriert werden können. Ein Beispiel dafür ist die „On Premise Cloud Platform“ (OPCP) von OVHcloud, die drei verschiedene Cloud-Layer miteinander verbindet: die Betriebs-Ebene mit vorkonfigurierten Hardware-Komponenten, die Software-Ebene mit Cloud-Management Tools und Applikationen sowie die Landing-Zone-Ebene mit einem User-Interface für das Deployment der Applikations-Umgebung.
Künstliche Intelligenz (KI) ist einer der wichtigsten Treiber für mehr Effizienz und bereits zum strategischen Kern für viele Unternehmer geworden. Trotzdem scheitern laut Beam AI 95 Prozent der KI-Projekte bereits in der Pilotphase, aufgrund des fehlenden ROI. Damit AI Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Omisimo ihr volles Potenzial im Arbeitsalltag entfalten können, müssen sie über Schnittstellen und intelligente Integrationen in die Workflows der Beschäftigten eingebunden sein.
Agentic AI kann hier eine gute Lösung sein: Autonome KI-Agenten können komplette Workflows eigenständig ausführen und damit komplexere Anfragen eigenständig bearbeiten. Enterprise-fähige AI-Services ermöglichen es zudem, skalierbare Modelle bereitzustellen, bei denen Agentic-AI-Layer mitbedacht werden und ihre Stärken ausspielen können.
Weiterbildungen und kreative Trainings-Sessions (z. B. in Form von Vibe-Coding-Sessions und Hackathons), können helfen, mit den Möglichkeiten von AI spielerisch umzugehen und neue Ideen zu entwickeln, wie man die eigenen KI-Services im Unternehmen weiterentwickeln und in bestehende Anwendungen integrieren kann.
* Der Autor Andreas Grigull ist Sales Director Central Europe bei OVHcloud und verantwortet in seiner Rolle die Leitung des strategischen Corporate-Kundenvertriebs für den deutschsprachigen Raum. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der IT und Cloud-Industrie bringt er Kenntnisse in den Bereichen strategische Partnerschaften, Business Development, und Key Accountmanagement mit sowie umfangreiches Fachwissen zu den Themen digitale Souveränität, Multi-Cloud-Management, KI und mehr.