Studie: Unternehmen hinterfragen KI-Versprechen IT-Entscheider fürchten Anbieterabhängigkeit

Von Elke Witmer-Goßner 4 min Lesedauer

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Die neueste „2026 State of Cloud Computing Survey“ von Parallels zeigt ein deutliches Umdenken bei deutschen Unternehmen: Sehr viele IT-Entscheider äußern Bedenken hinsichtlich einer zu starken Abhängigkeit von Cloud-Anbietern. Flexibilität, Automatisierung und hybride Modelle stehen im Fokus, während künstliche Intelligenz pragmatischer eingesetzt wird.

Die aktuelle Parallels-Studie zeigt ein tiefgreifendes Umdenken in der Cloud-Strategie deutscher Unternehmen, die zunehmend Flexibilität und strategische Weitsicht priorisieren, während sie traditionelle Anbieterabhängigkeiten hinterfragen.(Bild:  frei lizenziert Gerd Altmann /  Pixabay)
Die aktuelle Parallels-Studie zeigt ein tiefgreifendes Umdenken in der Cloud-Strategie deutscher Unternehmen, die zunehmend Flexibilität und strategische Weitsicht priorisieren, während sie traditionelle Anbieterabhängigkeiten hinterfragen.
(Bild: frei lizenziert Gerd Altmann / Pixabay)

In einer Welt, in der digitale Transformation und Cloud-Strategien zunehmend an Bedeutung gewinnen, zeigen die Ergebnisse der Parallels Cloud-Studie 2026, dass deutsche Unternehmen kritisch auf die Risiken einer Anbieterabhängigkeit (Vendor Lock-in) blicken. Mit 94 Prozent der Befragten, die sich Sorgen über eine langfristige Bindung an einen einzigen EUC-, VDI- oder DaaS-Anbieter machen, manifestiert sich eine klare Tendenz weg von der einseitigen Abhängigkeit. 26 Prozent äußern gar starke Bedenken, während 68 Prozent zumindest eine deutliche Besorgnis anmelden.

„Im letzten Jahr war der Kostendruck der Hauptfaktor“, erklärt Prashant Ketkar, Chief Technology and Product Officer bei Parallels. „Jetzt geht es um strategische Entscheidungen und die Vermeidung langfristiger Bindungen.“ Die IT-Teams suchen Lösungen, die nicht nur Automatisierung, sondern auch die Freiheit zur Anpassung bieten.

KI: Vom Hype zur Praxis

Ähnlich kritisch blicken die deutschen Unternehmen auf das Potenzial von künstlicher Intelligenz (KI). In der Umfrage betonen die Befragten den Wunsch nach praktischen Anwendungen und messbaren Effizienzgewinnen, anstelle von zusätzlichen Komplexitäten.

Dabei sind die wichtigsten Einsatzmöglichkeiten:

  • automatisierte Fehler- und Problemerkennung,
  • automatische Updates und Patches für Anwendungen,
  • Reduzierung des administrativen Aufwands.

Allerdings zeigt sich die Zahlungsbereitschaft der Entscheider skeptisch: Nur knapp ein Drittel ist bereit, für KI-Funktionen einen Aufpreis zu zahlen. Dies deutet auf einen entscheidenden Wandel hin zu konkreten, nutzbaren Lösungen.

VDI-Betrieb als Ressourcenschoner

Ein auffälliges Ergebnis der Studie ist der hohe Zeitaufwand, der für den Betrieb von VDI- und DaaS-Umgebungen erforderlich ist. 95 Prozent der Unternehmen verbringen wöchentlich zwischen ein bis zehn Stunden mit der reinen VDI-Administration; fast die Hälfte benötigt sogar sechs bis zehn Stunden. Diese versteckten Kosten setzen sich zusammen aus: Security- und Compliance-Aufwand (52 %), Schulungen und Einarbeitung von Fachpersonal (44 %) und Support- und Helpdesk-Aufwände (45 %).

Diese Faktoren beeinflussen die strategischen Entscheidungen und treiben 55 Prozent der Unternehmen dazu, aktiv nach neuen Lösungen im DaaS- oder VDI-Bereich zu suchen, mit Plänen zur Umsetzung innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate.

Hybrid- und Multicloud-Modelle im Vormarsch

94 % deutscher IT-Entscheider fürchten Anbieterabhängigkeit bei EUC- und Cloud-Strategien.(Bild:  Parallels)
94 % deutscher IT-Entscheider fürchten Anbieterabhängigkeit bei EUC- und Cloud-Strategien.
(Bild: Parallels)

Die Zeiten reiner Cloud-First-Strategien scheinen für die Mehrheit der Unternehmen vorbei zu sein. Heute setzen 42 Prozent auf Multicloud-Umgebungen und 31 Prozent experimentieren mit hybriden Modellen. Insbesondere 59 Prozent denken ernsthaft darüber nach, Workloads teilweise aus der Public Cloud zurückzuführen. Der Hauptgrund dafür sind Faktoren wie Kostenkontrolle, Planbarkeit und Datensouveränität.

Ein weiterer kritischer Aspekt ist die rechtliche und regulatorische Compliance, die sich als strategischer Treiber für hybrides Arbeiten entpuppt. Überraschenderweise nutzen derzeit nur 11 Prozent der Firmen Technologien wie Browser Isolation, obwohl die Nutzerzahlen und Zugriffe auf Web- und SaaS-Services steigen – hier könnten sich potenzielle Sicherheitslücken auftun.

Fazit: Flexibilität über Alles

Die Daten der Parallels Cloud-Studie verdeutlichen: Deutsche Unternehmen sind auf der Suche nach Lösungen, die offen, flexibel und nachhaltig sind. Die „Alles-aus-einer-Hand“-Versprechen bezeichnen viele als überholt, und die Nachfrage nach hybriden Architekturen nimmt zu. Automatisierung wird gefordert, ohne dass neue Abhängigkeiten geschaffen werden.

10 zentrale Erkenntnisse zum Cloud Computing 2026

Die Parallels Cloud Survey 2026 zeigt klare Muster und Trends für IT-Verantwortliche weltweit im kommenden Jahr:

1. Hohe Wechselbereitschaft bei DaaS- und VDI-Lösungen: Rund zwei Drittel (66 %) der IT-Profis suchen aktuell aktiv nach einer neuen DaaS-/VDI-Lösung – ein deutlicher Anstieg gegenüber 58 % im Jahr 2025.

2. Kurze Entscheidungs- und Implementierungszyklen: Wer einen Wechsel plant, will schnell umsetzen: 53,3 % rechnen mit einer Einführung innerhalb von vier bis sechs Monaten (2025: 50 %), weitere 17,2 % sogar innerhalb von drei Monaten.

3. Betriebskosten als größter Schmerzpunkt: 53,5 % sehen in ihren bestehenden DaaS-/VDI-Umgebungen einen zu hohen IT-Ressourcenbedarf. 68,2 % nennen Personalaufwand und Administration als größte versteckte Kosten – noch vor Lizenzgebühren.

4. Große Sorge vor Vendor Lock-in: 94 % der Befragten befürchten eine zu starke Abhängigkeit von einem einzelnen EUC-/VDI-/DaaS-Anbieter.

5. Hybrides Arbeiten bleibt Standard: Rund 80 % der Unternehmen setzen weiterhin auf Remote-Arbeit. 44,2 % beschreiben ihre Organisation als hybrid, 33,5 % als überwiegend remote.

6. Multi- und Hybrid-Cloud als Regelfall: 42,9 % betreiben Workloads in mehreren Cloud-Umgebungen, 33 % kombinieren On-Premises- mit Cloud-Ressourcen. Insgesamt arbeiten damit drei von vier Unternehmen in gemischten Cloud-Strukturen.

7. Public-Cloud-Strategien werden neu bewertet: 87 % planen 2026 zumindest teilweise Workloads aus der Public Cloud zu verlagern. 36 % streben ein hybrides Modell an, 13,4 % wollen vollständig On-Premises bleiben. 37,5 % prüfen aktuell Optionen für eine teilweise Rückverlagerung.

8. Zunahme von Sicherheitsvorfällen: 48,9 % berichten von mindestens einer Sicherheitsverletzung im vergangenen Jahr – ein Anstieg gegenüber 41,8 % in 2025.

9. Datensouveränität als zentrale Herausforderung: 84,2 % äußern Bedenken hinsichtlich Compliance, Datenresidenz und Risiken durch ausländische Rechenzentren.

10. KI wird praxisorientierter eingesetzt: Künstliche Intelligenz findet zunehmend konkrete Anwendungsfelder im End-User-Computing. Prioritäten sind Security Monitoring (58,1 %), Kostenoptimierung (49,5 %) sowie Fehlererkennung und -behebung (46,8 %). Gleichzeitig bleibt die Investitionsbereitschaft zurückhaltend: Nur 28,5 % planen höhere Budgets für KI-Funktionen.

Über die Umfrage: Die „2026 State of Cloud Computing Survey“ von Parallels (Link zu den vollständigen Ergebnissen der Studie) basiert auf einer umfassenden internationalen Befragung von IT-Entscheidern aus den USA, Großbritannien und Deutschland. Die im Text skizzierten Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die deutsche Teilstichprobe, in der sich über 500 IT-Profis aus mittelgroßen bis großen Unternehmen präsentierten.

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