Integriertes Management aller Infrastrukturen

Das Multi-Cloud-Edge-Rechenzentrum

| Autor / Redakteur: Uwe Müller * / Florian Karlstetter

Flexibilität, Skalierbarkeit, geringere Kosten: auf diesen drei Säulen basieren die wesentlichen Vorteile von Cloud Computing.
Flexibilität, Skalierbarkeit, geringere Kosten: auf diesen drei Säulen basieren die wesentlichen Vorteile von Cloud Computing. (Bild: © viperagp - stock.adobe.com)

Mehr zum Thema

Die Zahl der in Unternehmen genutzten Cloud-Angebote steigen immer weiter an. Sie ersetzen damit zwar meist nicht die vorhandenen Rechenzentren, aber ergänzen sie um neue zusätzliche Funktionen. Dies erhöht die Komplexität für das Management. Mit geeigneten Lösungen lässt sich diese in den Griff bekommen.

Flexibilität, Skalierbarkeit, geringere Kosten: Das sind drei wichtige Gründe für Unternehmen, um Cloud-basierte Services zu nutzen. Doch die unbestrittenen Vorteile werden häufig durch einen erheblichen Nachteil erkauft: Durch die zusätzlichen Angebote erhöht sich die Komplexität des Managements. Denn häufig muss die IT-Abteilung neben den bisherigen Steuer-Konsolen für das eigene Rechenzentrum weitere Lösungen der jeweiligen Cloud-Anbieter nutzen.

Setzt das Unternehmen im Rahmen einer Multi-Cloud-Strategie auf mehrere Provider, erhöht sich die Komplexität und damit der laufende Aufwand weiter. Dann werden für eine Anwendung, die im eigenen Rechenzentrum und parallel in diversen Clouds läuft, mehrere Konsolen benötigt. Dies führt möglicherweise sogar dazu, dass die geplanten Kostenvorteile wieder aufgehoben werden. Zudem geht damit häufig die Transparenz verloren und durch den mangelnden Überblick sowie den zusätzlichen Zeitdruck steigt die Gefahr von falschen Konfigurationen und Sicherheitslücken.

Neuer Management-Ansatz

Damit wird klar, dass mit zunehmender Cloud-Nutzung bisherige Einzellösungen nicht mehr praktikabel sind. So sollte das Management nicht mehr vom Provider oder dem Installationsort abhängig sein, sondern nur noch von der Anwendung. Eine solche Applikations-zentrierte Infrastruktur automatisiert dann Netzwerk- und Sicherheitsprozesse für Workloads innerhalb und zwischen heterogenen Domains.

Bislang war eine solche Lösung nur für Unternehmensnetzwerke verfügbar, wenn auch für mehrere Standorte. Doch heute laufen immer mehr Anwendungen entweder komplett in der Cloud – wie E-Mail und Kommunikationslösungen – oder teilweise. Zum Beispiel befinden sich Backup-Systeme traditionell im eigenen Rechenzentrum. Aber mit zunehmender Datenflut werden unkritische Informationen immer häufiger in der Cloud gesichert, um on-Premises Platz zu sparen und die Skalierbarkeit zu erhöhen. Sensible Daten bleiben häufig im Rechenzentrum. Auch zum Abfedern von Spitzenzeiten bietet sich eine teilweise Auslagerung in die Cloud an, etwa zur Transaktionsabwicklung bei einem Online-Shop.

Für diese und ähnliche Szenarien lässt sich die Applikations-zentrierte Infrastruktur nun mit Public Clouds wie AWS oder Microsoft Azure verbinden. Das geschieht über einen offenen Ansatz, der sich in alle Hypervisor- und Container-Frameworks integriert. So lassen sich Funktionen und Richtlinien für die Automatisierung, Verwaltung und Sicherheit der Anwendungen auf einer Konsole konsistent für das eigene Rechenzentrum, AWS und Microsoft Azure nutzen. Dabei integrieren sich diese Funktionen vollständig in die Infrastructure as a Service (IaaS)-Umgebungen der Hyperscaler. Dies vereinfacht deutlich den Betrieb und erhöht die Agilität und Sicherheit.

Verwaltung über den gesamten Lebenszyklus

Unternehmen müssen dabei berücksichtigen, dass sich die aktuelle Situation gerade in Cloud- und Multi-Cloud-Umgebungen sehr schnell ändern kann. Neue Anwendungen oder Cloud-Provider müssen an Bord geholt, aktuelle Lizenzen erneuert oder durch steigenden Bedarf erweitert werden. Nicht mehr benötigte Lösungen sind zu entfernen sowie die entsprechenden Verträge zu kündigen.

Eine Verwaltung von Anwendungen in Multi-Clouds und on-Premises – inklusive virtuellen Maschinen, Bare-Metal-Servern und Containern – über den gesamten Lebenszyklus hinweg ermöglicht eine umfassende CloudCenter Suite. Neben Application Lifecycle Management bietet sie Workflow-Automatisierung und Governance. Mit Hilfe von Software-Modulen können Unternehmen die Bereitstellung von Infrastrukturen sowie Anwendungen in Private und Public Clouds optimieren und steuern, um ihre Kosten- und Compliance-Ziele zu erreichen. So profitieren sie von den spezifischen Vorteilen jedes Providers, vereinfachen das Multi-Cloud-Management und reduzieren Kosten durch eine Kontrolle der Nutzung.

Entfernte Standorte einbinden

Diese Management-Lösungen müssen aber nicht nur die Anforderungen der Zentrale abdecken, sondern auch der Niederlassungen und entfernten Standorte. Gerade bei einem weit verbreiteten Filialnetz, wie einer Einzelhandelskette, stellen Anbindung und Konfiguration der zahlreichen Standorte erhebliche Herausforderungen dar. Hier müssen einerseits unternehmensweit einheitliche Richtlinien – etwa für Zugriff, Datenschutz und Sicherheit – durchgesetzt, aber auch lokale Besonderheiten berücksichtigt werden. So besitzen zum Beispiel größere Standorte einen eigenen Serverraum, kleine Niederlassungen oder Büros sind dagegen ausschließlich über das Internet angebunden.

Mit einer einheitlichen Management-Lösung lassen sich Server- und Speicher-Bereitstellung nahtlos von den zentralen Rechenzentren bis an die Grenzen des Netzwerks erweitern. Dies kann mit der flexiblen Skalierbarkeit und einfachen Nutzung eines Cloud-basierten Systemmanagements geschehen. Zudem ermöglicht die Lösung HyperFlex in Niederlassungen und entfernten Standorten eine Anwendungsleistung auf Rechenzentrumsniveau. Damit können Unternehmen eine einheitliche hyperkonvergente Infrastruktur über Rechenzentrum, Hybrid-Cloud und zahlreiche Standorte am Rand (Edge) des Netzwerks hinweg bereitstellen. Sie profitieren dabei von einfachem Betrieb, geringen Kosten und hoher Datensicherheit.

Beispiele aus der Praxis

T-Systems nutzt zum Beispiel die Cisco Application Centric Infrastructure (ACI), um mittelständischen Kunden individuell angepasste Infrastrukturen, Plattformen und Software zu bieten. „Auf Basis offener Schnittstellen und einer anwendungsbasierten Sicht auf unsere Landschaft können wir die Vorlaufzeiten während des Onboarding-Prozesses für neue Kunden verkürzen und schnell weitere Dienstleistungen zu unserem Portfolio hinzufügen“, erklärt Andreas Schwall, Head of Production Midmarket bei T-Systems. Im Vergleich zur bisherigen Lösung sind neue Installationen nicht mehr erst nach mehreren Tagen oder Wochen, sondern bereits in wenigen Stunden fertiggestellt. Dabei steuert jetzt der Datenverkehr von Anwendungen das Netzwerk – und nicht umgekehrt. Dies verbessert die Erfüllung individueller Anforderungen. Die Optimierung Software-definierter Automatisierungsprozesse reduzierte die manuellen Aufgaben um 90 Prozent. Das entspricht einem Produktivitätsgewinn von drei Vollzeit-Kräften.

Das IT-Systemhaus Bechtle AG war auf der Suche nach einer offenen Plattform, die Produkte von Drittanbietern integrieren kann, um die Komplexität des Netzwerk-Managements zu reduzieren. Es entschied sich für ACI aufgrund der hohen Verfügbarkeit und Redundanz sowie den zahlreichen Automatisierungsfunktionen. Das Unternehmen profitiert nun von einfacherem Firewall-Management durch konsistente Netzwerkrichtlinien, umfassender Sicherheit, hoher Zuverlässigkeit und effizienterer Service-Bereitstellung: „Cisco ACI ermöglicht es uns, neue Services schneller – innerhalb eines Tages – einzuführen, bei hoher Netzwerkverfügbarkeit und -redundanz“, so Jan Cornelius, Network Engineer bei Bechtle.

Fazit

Uwe Müller, Head of Sales & PreSales Datacenter bei Cisco.
Uwe Müller, Head of Sales & PreSales Datacenter bei Cisco. (Bild: Cisco)

Daten entstehen heute überall – on-Premises, in Clouds und am Edge. Auch Anwendungen werden nicht mehr nur von entsprechenden Servern im Rechenzentrum bereitgestellt, sondern auch von verschiedenen Providern in der Multi-Cloud. Entsprechend ist heute ein umfassender Ansatz nötig, der die Anwendungen in den Mittelpunkt stellt – unabhängig von deren Installationsort. Mit einer solchen Applikations-zentrierten Infrastruktur lässt sich auch das Management über Rechenzentrum, Multi-Cloud und Edge hinweg vereinheitlichen. So können Unternehmen die jeweiligen Vorteile nutzen – etwa strenger Datenschutz im Rechenzentrum, flexible Skalierbarkeit der Cloud und hohe Performance am Edge –, ohne verschiedene Konsolen zu benötigen oder die Bedienung und Geschwindigkeit von Anwendungen zu beeinträchtigen.

Der Autor: Uwe Müller, Head of Sales & PreSales Datacenter bei Cisco.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45887961 / Technologien)