IFS World Conference 2016

IFS geht mit neuem Schwung ins Internet der Dinge

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

IFS World 2016 in Göteborg: in der Ausstellung waren zahlreiche Softwareprodukte des schwedischen Unternehmens zu sehen.
IFS World 2016 in Göteborg: in der Ausstellung waren zahlreiche Softwareprodukte des schwedischen Unternehmens zu sehen. (Bild: © IFS)

In Göteborg zeigte der schwedische ERP-Anbieter IFS neue Anwendungen für Corporate Performance Management und Product Estimate Management. Rund 1000 Konferenzbesucher zeigten Interesse für die Innovationen für das Internet of Things (IoT), darunter eine umfangreiche IoT-Schnittstelle und die Unterstützung durch Drohnen.

IFS ein weltweit führender Anbieter von Business Software in den Bereichen Enterprise Resource Planning (ERP), Enterprise Asset Management (EAM), Enterprise Service Management (ESM) und Enterprise Operational Intelligence (EOI) ist kürzlich „für eine Milliarde Euro“, wie CEO Alastair Sorbie angab, von der schwedischen Investmentfirma EQT aufgekauft worden. EQT hat nach Angaben seines Sprechers Per Franzén große Pläne mit IFS.

Den Blick auf organisches Wachstum gerichtet, soll vor allem das Geschäft in Nordamerika kräftig ausgebaut werden, wo laut Sorbie bereits rund 400 Kunden gewonnen werden konnten. Dort dürfte der Ausbau des Vertriebs Vorrang haben, und dass IFS bereits mit Microsoft Azure über einen bedeutenden Cloud-Partner als On-demand-Plattform verfügt, ist im US-Markt, der alles in der Cloud haben will, sicher kein Manko. Mit dem Einstieg in die Formel 1 – das Sauber-Team aus der Schweiz wird gesponsert – dürften die Schweden für PR, Marketing und Aufmerksamkeit sorgen. Als internationaler Projektpartner steht der Systemintegrator Accenture bereit.

Die rund tausend Besucher im Konferenzzentrum an den Gothia Towers wollten aber vor allem erfahren, was der ERP-Spezialist Neues an Produkten zu bieten hatte. Im Vorjahr wusste IFS mit Applications 9 eine völlig überarbeitete Architektur seiner Suite zu präsentieren. Sie soll mittlerweile bei fast jedem fünften der rund eine Million Kunden eingeführt worden sein, ein Wachstum, das den CEO durchaus zufriedenstellt. „Manche Kunden warten eben noch, bis alle ihre Fachbereiche oder Niederlassungen und Töchter auf dem gleichen Stand sind, etwa Version 8, bevor dann alle den Schritt zu Version 9 machen“, sagte er.

Besonders gut angenommen werde IFS Lobby, also die Möglichkeit, dass der Benutzer seine grafische Bedienoberfläche wie ein BI-Dashboard völlig individuell zusammenstellt. Dafür gebe es auch schon branchenspezifische Templates, wie CTO Dan Matthews sagte. Er kündigte für IFS Applications 9 einen Cloud-ähnlichen Update-Zyklus von jeweils einem Vierteljahr an. Das soll die Nutzung der Neuerungen beschleunigen und die Betriebskosten weiter senken.

IFS Product Estimate Management

Zudem bietet IFS Applications 9 nun die Möglichkeit, mit dem „IFS Product Estimate Management“ die Preise für ein Produkt so zu kalkulieren, dass die Chance den Zuschlag zu erhalten, maximiert wird. „Diese Funktion für Gebote ist jedoch nicht mit der Funktion Configure, Price, Quote zu verwechseln“, gab der Analyst Predrag Jakovljevic von Technology Evaluation Centers (TEC) zu bedenken. „Das von Salesforce kürzlich aufgekaufte Produkt CPQ dient der individuellen Konfiguration eines anzubietenden Endverbraucher-Produkts, nicht jedoch dem eines Gebots.“

IFS Enterprise Operational Intelligence

Wilfried Gschneidinger ist CEO, IFS Europe Central
Wilfried Gschneidinger ist CEO, IFS Europe Central (Bild: © IFS)

Ein wirklich innovatives Produkt ist „IFS Enterprise Operational Intelligence“, kurz EOI, in der völlig überarbeiteten Version 8.1. Wie Charles Brans vom IFS EOI Global Competence Center demonstrierte, kann EOI zwar ebenso vielfältige Daten aus dem IT-Betrieb sammeln wie etwa der US-Hersteller Splunk. Doch sein Ansatz setzt die Prozesse an den Anfang statt an den Schluss. Erst wenn der Kunde eine projektbasierte Business Map erstellt hat, kann er zu jedem einzelnen Projektschritt auch die jeweils nötigen Datenquellen einbinden. „EOI zeigt die Performance des Business in Real-time an, etwa bei der ING Bank im Reklamationsmanagement“, sagte Wilfried Gschneidinger, CEO für IFS Central Europe. „Diese ganzheitliche Sicht bietet Business Intelligence nicht.“

Automatisch zeigt die Lösung kritische Stellen an, an denen die jeweilige KPI (Key Performance Indicator) verfehlt wird. Zudem lassen sich Diagramme sowie Grundrisse oder Konstruktionspläne integrieren und editieren. Die durch die Übernahme der niederländischen Firma Visionwaves ins IFS Portfolio integrierte Software-Lösung hat somit gegenüber Rivalen wie Splunk Enterprise ein paar Vorteile, die gerade in Prozessen denkende ERP-Nutzer zu schätzen wissen dürften. Hier wie dort setzt man auf Machine Learning, doch EOI 8.1 soll laut Alfred Godeke, dem Strategy Director für EOI, noch weiter Richtung „Prescriptive Analytics“ entwickelt werden, um dem Anwender schon die nächsten Schritte zu empfehlen.

Wachstumsfeld Internet of Things

Schon im Vorjahr deutete IFS ein erstes Engagement im Markt für IoT an. Kein Wunder, denn damit lassen sich in allen sensorbestückten Bereichen nicht nur Prozesse unterstützen, sondern Analytik-Lösungen wie etwa Predictive Maintenance und Qualitätssicherung realisieren. Die Stadtbahn von Oslo nutzt beispielsweise IFS IoT, um die Verfügbarkeit ihrer Züge und Wagen zu optimieren und die Wartungskosten zu senken.

Die IoT Suite von Cloud-Partner Microsoft Azure bildet den Kern des IoT-Angebots von IFS. Hier liegen das Microsoft IoT Hub, das Ereignisse verarbeitet, zudem eine Komponente für die Erfassung von Datenströmen sowie eine Analytik-Suite, die mit PowerBI über ein leistungsfähiges und bedienfreundliches Werkzeug verfügt. Die Schnittstellen zu Excel und Office 365 sind für viele Nutzer von Vorteil, die in den Fachabteilungen sitzen und nun IoT-Anwendungen entwickeln und mit ihren Prozessen verknüpfen wollen.

Der ab Anfang 2017 verfügbare „IoT Business Connector“ gewährt ihnen Zugriff auf alle Arten von Daten des MS IoT Hubs auf MS Azure. Die Schnittstelle ermöglicht es, die in Microsoft Azure gewonnenen Erkenntnisse, etwa dass eine vorbeugende Instandhaltung angebracht ist, in IFS Applications ERP oder FSM zu operationalisieren, d.h. in diesem Beispiel, einen Reparaturauftrag zu generieren.

Zur Schnittstelle gehören ein Controller, ein Gateway und ein Discovery Manager, wie CTO Matthews demonstrierte: Der Controller bildet mit seiner Rules Engine die Schnittstelle zu den Business-Applikationen, das Gateway sichert die Kommunikation zwischen Analytik und Fachbereich, der Discovery Manager stellt Management- und Monitoring-Funktionen bereit. Die große Menge an Daten, die Sensoren liefern, verbleibt in der Microsoft Azure Cloud und bloß die gewonnenen Erkenntnisse werden im ERP operationalisiert.

Beispiele aus der Praxis

Die ersten Anwender sind die schwedische Offshore-Firma Songa, der US-amerikanische Anbieter von Werkinstandhaltungs- und IT-Services ATS, der Schädlingsbekämpfer Anticimex sowie das US-amerikanische Bergbauunternehmen Hecla Mining. „Sensorbestückte Rattenfallen reduzieren die Kosten für den Einsatz der Schädlingsbekämpfer erheblich, denn die Techniker müssen nicht mehr jede Falle überprüfen, sondern nur jene, die Alarm ausgelöst haben“, sagte CEO Sorbie.

Wie rasch Servicetechniker einer Gebäudeverwaltung einen Stromausfall beheben können, demonstrierte IFS auf anschauliche Weise (mit Knalleffekt) ein fingierter Stromausfall im Auditorium. Hierbei kamen Funktionen von IoT-Software und Field Service Management (FSM) sowie Workforce Automation (WA) im Zusammenspiel zum Einsatz.

Die kleine IoT-Drohne schwebt über dem Modell einer Landschaft, die Nordschweden symbolisieren soll.
Die kleine IoT-Drohne schwebt über dem Modell einer Landschaft, die Nordschweden symbolisieren soll. (Bild: © IFS)

Von intelligenten Drohnen als IoT-Komponente profitieren Anwender der FSM-Applikation als auch der ERP-Suite. Bas de Vos, Leiter der IFS Labs, demonstrierte die Erfassung von Schäden an schwedischen Überland-Stromleitungen per Drohne. Die Drohne beziehungsweise der bildempfangende Computer muss u.a. in der Mustererkennung intelligent genug sein, um einen Baum als Hindernis zu erkennen, der auf die Leitung gefallen ist und sie unterbrochen hat.

Der Drohnen-Kontrolleur kann anhand dieser erfassten Bilder ein Techniker-Team mit einem Auftrag einteilen, terminieren und mit der nötigen Ausrüstung ausstatten. Der Einsatz großer Drohnen, die eine Akkulaufzeit von bis zu fünf Stunden haben, ist zwar derzeit noch nicht rechtens, gab de Vos zu, doch die Gesetzgebung dürfte nicht allzu lange auf sich warten lassen. In Deutschland gibt es dazu bereits ein Gesetz.

Die digitale Transformation war das durchgehende Hauptthema der Konferenz, auch in den Diskussionen mit Analysten, Anwendern und Journalisten. Das Internet der Dinge ist nur eines von vielen Spielfeldern, auf denen die digitale Transformation geschäftliche Vorteile bieten kann, so der Tenor des Gedankenaustauschs. In der Ausstellung – siehe die Bilder – nahm die kommende neue Welt der intelligenten Dinge konkrete Gestalt an.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44361836 / ERP)