Multi-Cloud-Sourcing

Die Vielfalt von Cloud Computing richtig nutzen

| Autor / Redakteur: Achim Weiss * / Florian Karlstetter

Best Practices für den schrittweisen Aufbau einer funktionierenden Multi-Cloud-Infrastruktur.
Best Practices für den schrittweisen Aufbau einer funktionierenden Multi-Cloud-Infrastruktur. (Bild: gemeinfrei (pixabay- stokpic) / CC0)

Viele Unternehmen benutzen mehr als nur einen Cloud-Service - zwangsläufig, weil sie damit unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Das Multi-Cloud-Szenario wird sich verbreiten und sollte aktiv geplant werden, doch ist die Umsetzung in der Praxis nicht ganz trivial. Einige Tipps helfen auf den ersten Schritten zum richtigen Sourcing.

Cloud Computing hat die deutschen Unternehmen erobert: Nach aktuellen Zahlen aus dem „Cloud Monitor 2016“ des IT-Branchenverbandes Bitkom nutzt ungefähr jedes zweite deutsche Unternehmen bereits Services aus der Wolke. Vor wenigen Jahren war es nur jedes vierte. Damit hat sich Cloud Computing auch hierzulande endgültig als zählenswerter Markt etabliert.

Und die Liste der Anbieter von Cloud-Services ist lang. Der aktuelle Cloud Vendor Benchmark 2016 der Experton Group verzeichnet etwa 450 Anbieter von Cloud-Technologien oder -Services. Dazu gehören Provider von Infrastrukturen (IaaS) und Plattformen (PaaS) ebenso wie zahlreiche große und kleine SaaS-Anbieter.

Vorteile des Multi-Cloud-Szenarios

Der Cloud-Markt zeichnet sich also durch eine enorme Vielfalt aus. Diese hat auf Seiten der Unternehmen dazu geführt, dass viele nicht nur einen, sondern gleich mehrere Cloud-Services von unterschiedlichen Anbietern buchen, um ganz individuelle Aufgabenstellungen damit zu erledigen. Dabei reichen die Szenarien von Office-Programmen für virtuelle Desktops oder Spezialanwendungen aus der Cloud über das Abdecken von kurzfristigen Lastspitzen bis hin zum Betrieb ganzer virtueller Rechenzentren auf den Ressourcen eines Cloud-Dienstleisters.

Multi-Cloud-Szenarien verbinden mehrere Cloud-Infrastrukturen miteinander, um von den Vorteilen der jeweiligen Angebote zu profitieren. Im Unterschied zur Hybrid Cloud geht das Konzept über die Verbindung einer On-Premise-Infrastruktur mit einer Public Cloud hinaus. Vielmehr steht hier die Integration von Cloud-Services verschiedener Anbieter im Vordergrund.

Dies scheint im ersten Moment ein Widerspruch zum großen Versprechen des Cloud Computing zu sein, den IT-Aufwand zu senken. Durch die Multi-Cloud steigt der Aufwand scheinbar wieder. Doch es gibt eine Reihe von Gründen, diesen scheinbaren Rückschritt positiv zu sehen:

  • Gerade die Vielfalt des Cloud-Marktes, vor allem im Bereich von Software-as-a-Service, ist ein wichtiger Grund, ein Multi-Cloud-Szenario in Betracht zu ziehen. Nicht jeder Anbieter hat genau die Anwendungen, die ein Unternehmen benötigt. Darüber hinaus können Unternehmen durch die Buchung unterschiedlicher Dienstleister ihr Risiko streuen und vermeiden einen Vendor Lock-In.
  • Ein weiterer Grund sind Compliance-Anforderungen. So ist es sinnvoll, bestimmte Dienste ausschließlich bei Anbietern in Deutschland zu buchen, um unter die hiesigen Datenschutzregeln zu fallen.
  • Ein dritter Grund sind die Kosten: Die einzelnen Cloud-Anbieter haben sehr unterschiedliche Kostenstrukturen, die nach Bedarf und Tageszeit schwanken können. Einige Unternehmen nutzen Cloud-Marktplätze und Cloud-Broker, um ihre Workloads immer zum jeweils günstigsten Anbieter zu verschieben.

Durch ein solches Multi-Cloud-Szenario wird das Management der IT-Ressourcen flexibler, aber auch schwieriger. Sicher: Die Multi-Cloud ist oft weniger aufwändig zu betreiben als On-Premise-Ressourcen der gleichen Güte. Doch die Integration der einzelnen Cloud-Anwendungen untereinander und in die interne IT entpuppt sich mitunter als eine anspruchsvolle Aufgabe.

Die Multi-Cloud schrittweise aufbauen

Die folgenden Best Practices helfen beim schrittweisen Aufbau einer funktionierenden Multi-Cloud-Infrastruktur.

1. Analyse des Bedarfs: Zunächst muss ein Unternehmen genau festlegen, welche Workloads oder Anwendungen in der Cloud verwirklicht werden sollen und welche bei der eigenen, internen IT. Dafür muss das Management die fachlichen Anforderungen und den aktuellen Stand der Vorhaben in der IT ermitteln. Wichtig ist auch eine Analyse eventuell bereits genutzter Cloud-Dienste. Hier sollte vor allem die Eignung der Dienste für die geplanten Einsatzbereiche geprüft werden.

2. Definition der Anforderungen: Wegen der großen Zahl an Cloud-Services ist es unerlässlich, zunächst die Anforderungen des Unternehmens festzulegen. Wichtige Stichworte hier sind: Performance, Verfügbarkeit, Skalierbarkeit, Konnektivität und Sicherheit. Sehr wichtig sind auch die Compliance-Anforderungen, die in vielen Fällen zum Knackpunkt beim Einsatz der Public Cloud werden.

3. Vergleich der Anbieter: Bei der Anbieteranalyse sollte es nicht nur darum gehen, die einzelnen Cloudprovider untereinander zu vergleichen. Wichtig ist auch der Abgleich der Kosten und Funktionen der externen Anbieter mit dem internen Aufwand.

4. Kosten/Nutzen-Analyse: Multi-Cloud-Sourcing erhöht die Komplexität der IT-Infrastruktur. Deshalb sollten Unternehmen nach der Auswahl der Wunschanbieter genau prüfen, ob die mit den Services erzielbaren Vorteile auch den Aufwand für die Implementierung rechtfertigen. Manche Anbieter lassen sehr individuell gestaltbare Szenarien zu und garantieren einen unkomplizierten Wechsel bei Bedarf. So kann es sich ergeben, dass mehrere ganz unterschiedliche Anforderungen doch von einem Anbieter abgedeckt werden können. Je weniger Anbieter integriert werden müssen, desto besser.

5. Exit-Strategie formulieren: Es gibt viele Gründe dafür, dass ein Unternehmen einen bestimmten Cloud-Service nicht mehr nutzen will oder kann. In diesem Fall sollten die Daten ohne großen Aufwand aus dem Service extrahiert und an einen anderen Dienst oder die interne IT übertragen werden können. Gut möglich, dass in diesem Schritt weitere Anbieter wegfallen müssen.

6. Service-Katalog entwickeln: Sobald Anzahl und Art der notwendigen Cloud-Services feststehen, sollte das Unternehmen einen Service-Katalog entwickeln. Er ist für die Fachbereiche inklusive der IT-Organisation ein einfaches Mittel, bestimmte Dienste „auf Mausklick“ oder per API Call zu buchen und auch wieder zu deaktivieren. Die Nutzung der Dienste und der Wechsel zwischen ihnen sollte so einfach wie möglich sein, damit die Multi-Cloud auch von den Mitarbeitern angenommen wird.

7. Die Multi-Cloud managen: Auch die Multi-Cloud muss verwaltet werden. Einerseits gibt es hierfür spezielle Cloud-Management-Tools wie OpenStack, ManageIQ oder RightScale, andererseits können Unternehmen das Multi-Cloud-Management an einen Dienstleister auslagern.

Hürden bei der Einführung der Multi-Cloud

Gerade der letzte Schritt hält noch einige Herausforderungen bereit. Die größte Hürde bei der Verwaltung von Multi-Cloud-Umgebungen sind die Authentifizierung und einheitliche Vergabe von Zugriffsrechten, möglichst mit Single-Sign-On. Ein Quasi-Standard sind im Moment die Directory Services von Microsoft. Hierfür gibt es glücklicherweise eine Vielzahl an Konnektoren, mit denen die Benutzerdaten und Rechte an viele verschiedene Cloud-Dienstleister übertragen werden können.

Eine zweite große Hürde sind unterschiedliche Datenformate. Workloads lassen sich nicht immer ohne weiteres übertragen, es sind Konnektoren und Konverter notwendig. Sehr komplex sind in dieser Hinsicht virtuelle Maschinen. Wenn sie von einem IaaS-Provider zu einem anderen übertragen werden, müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden.

Eine dritte und gerne übersehene Hürde ist der Support für die Endanwender. Üblicherweise müssen Anwender, aber auch Entwickler und Admins Probleme mit dem jeweiligen Provider klären. Wenn die IT-Organisation ein eigenes Support-Team hat, ist es überlegenswert, den gesamten Support intern zu erledigen und nur dann „weiterzuverbinden“, wenn sich die Fragen nicht ohne weiteres klären lassen.

Achim Weiss, Gründer und CTO von ProfitBricks.
Achim Weiss, Gründer und CTO von ProfitBricks. (Bild: Profitbricks)

Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Multi-Cloud-Sourcing ist trotz seiner unbestreitbaren Vorteile nicht einfach. Es erfordert eine überlegte Strategie und eine gute Vorbereitung der internen IT. Dabei sollte der CIO möglichst frühzeitig und deutlich die Kommunikation mit den Fachbereichen aufnehmen und klarmachen, dass nicht jeder Wunschservice auch tatsächlich gebucht werden kann. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann die Multi-Cloud ein Modell werden, das besondere Anforderungen an die Cloud-Dienste, Flexibilität und Kosten unter einen Hut bringt.

* Achim Weiss, Gründer und CTO von ProfitBricks

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