AWS Transformation Day 2019

Die Public Cloud wird Teil der Unternehmensstrategie zu Agilität und Innovation

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

Am AWS Transformation Day gingen die Besucher nicht nur in Vorträge und Keynotes, sondern netzwerkten auch fleißig, wie hier auf dem AWS-Stand.
Am AWS Transformation Day gingen die Besucher nicht nur in Vorträge und Keynotes, sondern netzwerkten auch fleißig, wie hier auf dem AWS-Stand. (Bild: AWS)

Auf dem AWS Transformation Day 2019, der wieder in München stattfand, erläuterte Miriam McLemore, Direktorin für Unternehmensstrategie bei Amazon Web Services (AWS), die zahlreichen Stationen und Voraussetzungen für die digitale Transformation. Die Testimonial-Kunden VW und Zalando skizzierten ihre Pläne mit AWS.

Klaus Bürg, Managing Director für die DACH-Region, kündigte für Oktober den ersten AWS Summit für die Schweiz an. Offenbar findet diese Veranstaltung großen Anklang, wie auch dieser Transformation Day zeigte: Zahlreiche Besucher strömten in die insgesamt 36 Präsentationen, Workshops und in die Keynote. Bürg präsentierte aktuelle Geschäftszahlen, um die ihn derzeit so mancher DAX-notierte Konzern beneiden würde: Nach Berechnung auf Basis des ersten Vierteljahres 2019 beläuft sich der projizierte Jahresumsatz auf 31 Mrd. US-Dollar. Die Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahresquartal lag bei satten 41 Prozent. „Über 80 Prozent der Dax30-Unternehmen nutzen bereits AWS“, gab Bürg kund und zu wissen.

Cloud und Spaß – das passt zusammen

Klaus Bürg, Managing Director DACH, AWS.
Klaus Bürg, Managing Director DACH, AWS. (Bild: AWS)

Inzwischen scheint sich die Cloud-Akzeptanz auch im skeptischen deutschen Mittelstand zu erhöhen. Bekanntlich herrschen erhebliche Sicherheitsbedenken vor, doch sie sollten sich seit Aktivierung der DSGVO zum 25. Mai 2018 gelegt haben. Bürg zitierte aus dem „KPMG Cloud Monitor 2019“. Demnach bestätigen 54 Prozent eine Erhöhung des Sicherheitsniveau in der Public Cloud, also auch bei AWS. Bürg versicherte, dass seit März 2018 alle Services, die AWS anbiete, DSGVO-konform seien. AWS könne zudem zahlreiche sicherheitsrelevante Zertifikate vorweisen.

Dass AWS auch unter Angehörigen der jungen Generation Interesse für seine Services wecken möchte, belegt der Trend zur Gamification, den Bürg ausgemacht hat. Die Nutzung der Cloud sollte Spaß machen und unterhaltend sein. „AWS DeepRacer“, biete erlebbare Kundenerfahrung mit einer virtuellen Simulation: Sie trainieren in der Cloud einen virtuellen Rennwagen. Das Besondere: Der virtuelle Racer lernt aus der Interaktion mit seiner Umgebung durch Reinforcement Learning – es ist also eine Art von KI am Werk. Der Trainer kann sich innerhalb einer „Racing-Liga“ mit anderen Trainern der DeepRacer-Community messen und Lorbeeren ernten. Mit der DeepRacer-Hardware kann das gelernte Modell auch auf einem echten Track Rennen fahren.

Digitale Transformation als kulturelle Veränderung

Die Keynote von Miriam McLemore, Director Enterprise Strategy, AWS.
Die Keynote von Miriam McLemore, Director Enterprise Strategy, AWS. (Bild: AWS)

Miriam McLemore, die Direktorin für Unternehmensstrategie bei AWS, kommt aus dem strategischen Marketing von Coca-Cola. Anno 2013 musste sie miterleben, wie während des Super Bowls, des werbewirksamsten Sport-Ereignisses der USA, der Strom ausfiel, der das Stadion in tiefe Finsternis tauchte. Natürlich wollten alle Besucher sofort ihren Lieben darüber Bescheid geben, u.a. über die Coca-Cola-App. Deren Internet-Server hielten dem Ansturm nicht stand und quittierten den Dienst. McLemore forderte den Einsatz skalierbarer Cloud-Ressourcen, rechnete aber nicht damit, welche Weiterungen und Konsequenzen sich daraus für die interne Kultur ihres Unternehmens ergaben. Von diesen Erlebnissen und den daraus gezogenen Lehren erzählte sie in ihrem Vortrag. Heute schafft es beispielsweise McDonald's, binnen lediglich vier Monaten eine App für einen neuen Heimlieferservice zu entwickeln, zu testen, die IT-Infrastruktur bei AWS einzurichten und sie in Betrieb zu nehmen. „Die Voraussetzungen für Transformation sind Agilität und Innovation“, fasste die Managerin zusammen.

Automatisierte Automobilfertigung und Logistikprozesse: Volkswagen Industrial Cloud nutzt die Infrastruktur von AWS.
Automatisierte Automobilfertigung und Logistikprozesse: Volkswagen Industrial Cloud nutzt die Infrastruktur von AWS. (Bild: Volkswagen AG)

Dr. Roy Sauer, Head of Group IT Architecture and Platforms bei der Volkswagen AG, stellte vor, welche Ziele sein Unternehmen für die AWS-gestützte „Volkswagen Industrial Cloud“ hat: Aus einem Hersteller von Fahrzeugen soll ein Softwarehersteller von Mobilitätsdiensten werden. Zusammen haben AWS und VW bereits in Berlin ein Joint Development Center eingerichtet. Ebenso wie McLemore verwies Sauer auf das AWS Cloud Adoption Framework, die Cloud Journey Simulation und vor allem den Ansatz „Working Backwards from the Customer“. Letzterer dient dazu, die Ziele und Schritte der Transformation in verständlicher Sprache zu formulieren und zu einer Entscheidungsvorlage zu formen.

Vier Phasen der Transformation in Industrie 4.0

Claus Friedl, Principal Director Productions & Operations Industry X.0 bei Accenture, wies in seinem Vortrag über „Smart Manufacturing in Industry 4.0“ auf die vielen Lücken hin, die zwischen den Insellösungen von Operational Technology (OT) bestehen, die immer noch bei den meisten Fertigern betrieben werden. Zu dieser Fragmentierung kommt das Manko hinzu, dass es keine standardisierte Datenerfassung gibt, geschweige denn einheitliche Protokolle. Und eine Integrationsschicht für solche Daten müsse man mit der Lupe suchen. Notwendig sei also eine Konvergenz dieser OT-Landschaft mit einer IT-Plattform. Drei Schichten müssten eingerichtet werden: Die Geräteschicht mit Maschinen und Geräten, die Integrationsschicht (für ERP- und andere Business-Anwendungen) und die Wissensschicht (für Analytik, Planung und Steuerung). Alles zusammen bilde eine Industrial IoT Platform. Die sei dann auch in der Lage, Edge-Geräte mit Analytikfunktionen und „Intelligenz“ (Machine Learning inkl. Deep Learning) einzubinden, zu nutzen und abzusichern.

Amazons Referenzarchitektur für Manufacturing.
Amazons Referenzarchitektur für Manufacturing. (Bild: AWS)

Der industrielle Transformationsprozess durchläuft nach den Accenture-Vorstellungen mindestens vier Phasen, bis nach drei bis fünf Jahren die modulare End-to-End-Architektur in Betrieb genommen werden kann: Digital Foundation, Digital Manufacturing, Digital Factory und schließlich, als Krönung, Digital Enterprise. Dass der gesamte Prozess klare Zielvorgaben, bereinigte Daten, kenntnisreiche Mitarbeiter und konsequent führende Entscheidungsträger voraussetzt, müsse in der Vorbereitungsphase unbedingt festgelegt und sichergestellt werden. Das Schicke an dieser schrittweisen Vorgehensweise: Jede abgeschlossene Phase erzielt Leistungsvorteile, die wiederum die nächste Phase finanzieren. So soll laut Roy Sauer VWs erste Phase bereits den TCO um 30 Prozent senken, was wiederum Phase zwei zugutekomme. Der Haken, den Friedl nennt: Sobald von Transformation die Rede ist, denken die Arbeitnehmer an Stellenabbau. Es ist daher vordringlich, sie mit auf die Reise zu nehmen. Sonst könnten sie u.U. sie den Prozess boykottieren oder gar sabotieren.

Impressionen vom AWS Transformation Day in München in der Bildergalerie:

Unterstützung von Seiten Amazons

Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei AWS, berichtete, dass Großkunden häufig Services, die sie in eine Industrielösung wie die von Volkswagen aufnehmen wollen, zuvor einen Ausleseprozess durchführen. „Manche Dienste wie AWS Lambda sind ja aus bestehenden Services wie zum Beispiel Amazon EC2 zusammengesetzt, die alle reibungslos zusammenarbeiten. Das macht es Sicherheitsbeauftragten leicht, solche Services in ihr Portfolio aufzunehmen“, sagte er. Den Bedarf bestimme die anvisierte Architektur des Kunden: „Wir erstellen Best Practices, die dem Kunden einen Startvorteil verschaffen.“

Als Blaupause sei beispielsweise der neue Service „AWS Lake Formation“ anzusehen. Er schafft mithilfe von Amazon S3 und AWS Glue einen Data Lake – einen einheitlichen, transparenten Datenpool. Diesen könne der Nutzer mithilfe von Analytik-Diensten und Machine Learning auf vielfältige Weise bewirtschaften. Der häufigste Use Case, den wir derzeit vorfinden, ist „Predictive Maintenance and Planning“, berichtete der Experte. Für die Industrie verfüge AWS über eine Referenzarchitektur. Einen wichtigen Vorteil biete AWS seinen Kunden inzwischen mit „AWS Outposts“ an. Darüber bestünden einige Irrtümer. Es handle sich nicht um AWS on-premises, sondern um ein Stück der AWS-Cloud, die nahtlos beim Kunden betrieben werde und im Falle eines Netzwerksausfalls auch weiter ihren Dienst versehe.

Kubernetes Explorer von New Relic

Microservices werden in Containern verwaltet, aber in einer Unternehmensarchitektur können sie eine extrem hohe Anzahl erreichen. Um in einem Kubernetes-gestützten Cluster alle Container auf den verschiedenen Nodes verwalten und bei Problemen warten zu können, demonstrierte der Hersteller New Relic seinen Kubernetes Explorer eine SaaS-Lösung, auf seinem Stand in der Ausstellung. Kubernetes Cluster Explorer ist eine Komponente von New Relic One, der ersten objektorientierten Beobachtungsplattform. In ihr sind diverse Services vereint, darunter Application Performance Management (APM), Synthetics für Performance Monitoring & Testing sowie Module für Mobile, Browser und Infrastruktur. Einer der Hauptvorteile von New Relic One sei die globale Suchfunktion, sagte Gregory Ouillon, der CTO für die Region EMEA bei New Relic.

Channel Guide AWS

Die Cloud ist mehr als ein Bereitstellungsmodell

Channel Guide AWS

02.07.19 - IT wie Strom aus der Steckdose, so lautete die Vision, als Amazon Web Services (AWS) im Jahr 2006 erstmals Speicherkapazität und Rechenleistung in der Cloud bereitstellte. Die Vorzüge des Modells, das bald Nachahmer fand, sind mittlerweile praktisch jedem in der Branche geläufig. lesen

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