To Cloud or Not to Cloud

CMS aus der Cloud oder lokal? Eine Entscheidungshilfe

| Autor / Redakteur: Boris Kraft* / Florian Karlstetter

Das CMS in die Cloud migrieren: So richtig abheben oder doch nur heiße Luft? Eine Orientierungshilfe von Boris Kraft, Chief Visionary Office bei Magnolia.
Das CMS in die Cloud migrieren: So richtig abheben oder doch nur heiße Luft? Eine Orientierungshilfe von Boris Kraft, Chief Visionary Office bei Magnolia. (Bild: gemeinfrei (Jeremy Perkins / Unsplash) / CC0)

Content-Management-Systeme (CMS) steuern in Richtung „Wolke“ (Cloud) - dort soll es schneller, besser und preiswerter zugehen. Aber wie kann man evaluieren, ob die Cloud das richtige für ein Enterprise-CMS ist? Und welche Cloud-Ressourcen sind sinnvoll?

Das Lager der Befürworter der “Wolke” sieht folgende Vorteile:

  • Mit der Cloud kann Kapazität skaliert werden, um Traffic-Peaks besser zu regulieren
  • Das Verwalten einer Serverumgebung fällt weg
  • Eine hohe Verfügbarkeit kann in der Cloud einfacher und preiswerter garantiert werden.

Diejenigen, die nicht in die Wolke können oder wollen, haben folgende Gründe:

  • Sie befinden sich in einer Branche, die stark reguliert, was und wo gehostet wird
  • Die Wolke wird als langsam und instabil angesehen und On-Premise bietet einen direkteren Zugriff
  • Es werden zu viele Integrationen zu Legacy Software benötigt und/oder man hat sich daran gewöhnt, nur mit dem bestehenden System zu arbeiten.

Alle anderen wählen den hybriden Mittelweg mit Wolke und On-Premises. Beispielsweise hosten sie ihre Haupt-Webseite auf einem sicheren, privaten, On-Premises System und Microsites werden schnell in einer Cloud-Infrastruktur aufgestellt.

Die Cloud vereinfacht Customisation und Integrationen

Manche Leute wissen gar nicht, was die Cloud alles bietet: Im Grunde kann Customisation außerhalb eines CMS stattfinden. Die Customisation kann mit einem anderen Code oder einer anderen Technologie geschrieben werden und mithilfe der APIs eines Cloud-CMS können diese an das System angekoppelt und individualisiert werden.

Stellen Sie sich einfach vor, sie wollen schwarzen Kaffee zu Milchkaffee ‘umprogrammieren’. Sie müssten die Funktionen der Kaffeemaschine hacken, um das Outcome zu ändern. So ist Ihre Maschine zwar nach Ihren Vorlieben personalisiert aber weitere Änderungen oder Updates werden schwieriger.

Wäre es nicht besser, die Kaffeemaschine so zu lassen wie sie ist und stattdessen das Milchmixgerät daneben zu stellen und ‘anzukoppeln’. Der Vorteil ist, dass beide Geräte unabhängig voneinander gewartet werden können, solange Sie APIs haben.

Cloud-Umgebungen ermöglichen die Customisation und Integration auf ähnliche Weise. Statt direkt im CMS zu coden, wird ein unabhängiges Stück Software-Code verwendet, um die verschiedenen Services miteinander zu verbinden. Etwa wie eine Black Box, auf die nur durch public APIs zugegriffen werden kann.

Und schließlich verbinden Sie von Ihrem Front-End (z.B. eine Webpage oder Mobile App) auf dieses unabhängige Stück Code, um die Daten geliefert zu bekommen, die Sie benötigen - via representational state transfer (REST), die JavaScript Object Notation (JSON) liefern. Mit Javascript kann die Experience geschaffen werden, die Sie wünschen. Oder erreichen Sie Gleiches, indem Sie die Templating-Funktionen Ihres CMS nutzen.

Die Unterschiede zwischen Cloud-Modellen

Oft sprechen Leute von unterschiedlichen Dingen, wenn es um die Cloud geht. Content-Management-Systeme kommen in unterschiedlichen Varianten. Hier eine kurze Übersicht in einem sich ständig weiterentwickelnden Umfeld:

Es gibt das klassische, Managed-Hosting-Modell. Sie kaufen eine Lizenz und der Anbieter sorgt für den Support. Eine Art ‘Mietrecht’ mit einer hohen Support-Ebene und Benefits für Customisation und Accessibility. Am Ende ist das aber noch immer eine klassische Software, die sich in einer Cloud-Umgebung befindet - also keine refaktorisierte native Cloud-Lösung.

Weiterhin gibt es Platform-as-a-Service (PaaS)-Modelle. Diese werden direkt für die Cloud programmiert und erlauben größeres Refactoring. Sie können Workloads, spezifische Instanzen oder Stand-by-Umgebungen als Single- oder Multi-Tenant entsprechend zuteilen. Wenn Beispielsweise Ihre Authoring-Umgebung und Ihr Asset-Management-Repository Multi-Tenant sind aber Ihre Produktionsumgebung Single-Tenant ist, können Sie Workloads aufteilen, um diese individuell besser zu optimieren.

Dann gibt es noch Software-as-a-Service (SaaS), auch bekannt als "Software on Demand." In diesem Fall ist alles bis zu einem bestimmten Punkt in sich geschlossen und das CMS erlaubt nur einen geringen Grad an Customisation. Es mag einige Elemente wie Database-Struktur und Search-Index-Funktionen geben, die nicht personalisiert werden können, da sie die Verwaltung der Multi-Tenant-Umgebung behindern könnten. Dieses Modell ist oft streng an eine einzige Cloud gebunden.

Eine eher düstere ‘Cloud-Landschaft’ in der die Erwartungen zurückgeschraubt werden müssen. Aber das ist schwierig, insbesondere wenn Ihr aktuelles digitales Ökosystem gut mit Customisations umgehen kann und auf Point-to-point Custom Integrationen aufgebaut ist. In der Cloud bekommen Sie nicht das gleiche Mass an Customisation.

Das beste aus dem Cloud-Deployment herausholen

Wenn Sie sich für die Cloud entscheiden, dann sollten Sie sich fragen: Wie adaptiere ich das neue Extensibility-Environment und wie ändere ich Legacy-Applikationen und Erweiterungen, die On-Premise gebaut sind und dort laufen?

Wenn Sie Antworten auf diese Fragen finden, wird es Ihnen helfen, die Cloud bestens zu nutzen.

Ein traditionelles CMS einfach in die Cloud zu migrieren ist kurzsichtig. Ein CMS-as-a-Service vom Hersteller, in der Cloud verwaltet, hat wenig Nutzen. Wir müssen die Cloud-Umgebungen eingehend untersuchen und Erweiterungen in ein neues Modell umarbeiten.

Wie würden Sie ein CMS von Grund auf für die Cloud programmieren? Man könnte Operational Processes in die Software einarbeiten. Mit anderen Worten, Sie könnten Teile Ihrer traditionellen Software, mit der Sie unzufrieden sind, so umschreiben, dass sie mit Cloud-Capabilities gelöst werden; zum Beispiel Rapid-Deployment, Dynamic Scaling oder automatisierte Updates.

Automatisierte Backups und Continuous Delivery vereinfachen Migrationen und Updates. Das Warten auf neue ‘Releases’ entfällt, Sie haben immer das neue Sicherheits-Update und die neuesten Funktionen. Es kommt noch besser: Sie können den Zeitpunkt für Updates selbst wählen und sogar frühere Versionen laden, wenn Sie diese bevorzugen.

Sie arbeiten mit Live-Inhalten in separaten und dennoch synchronisierten Umgebungen für Development, Authoring und Testing. Verschiedene Teams müssen nicht mehr auf Codes und Content warten, die von anderen Umgebungen kopiert werden. Diese Art von parallelem Arbeiten spart Zeit und Mühe.

Die Balance zwischen Flexibilität und Funktionalität zu finden ist das A und O. Was Sie an Flexibilität in der Cloud einbüßen, gewinnen Sie an Publishing Speed und einfacheren Upgrades. Oder nutzen Sie das beste von beiden Seiten und isolieren Sie Use Cases nach Szenarien. Beispielsweise mit einem CRM Inhouse und dem E-Commerce in der Cloud.

Einfach gesagt, machen Sie Ihr On-Premise zum SUV, das die Schwerlast trägt - nicht sonderlich schnell oder agil aber sehr nützlich und robust. Das Cloud-Modell ist das Elektroauto, schnell und wendig.

Checkliste für eine einfachere Entscheidung

Boris Kraft ist Chief Visionary Officer bei Magnolia.
Boris Kraft ist Chief Visionary Officer bei Magnolia. (Bild: Magnolia)

Sollten Sie Ihr CMS in die Cloud zu migrieren? Evaluieren Sie die Expertise Ihres Unternehmens wenn es um Cloud-Applikationen geht, sowie die Infrastruktur und das Budget, das zur Verfügung steht. Datensicherheit (z.B. kann Ihr Unternehmen in der Cloud legal operieren?) ist ein weiterer wichtiger Faktor im Zeitalter von Re-Regulations und Compliance.

Schließlich, sind Sie bereit Ihre Geschäftsprozesse zu überdenken und neu zu gestalten, um das beste aus der Cloud herauszuholen? Wenn Ihr Unternehmen viel customisiert und strenge Workflows hat, können Prozesse angepasst werden, indem Sie Best-Practice-Operations via den Out-of-the-box-Funktionen Ihres CMS nutzen.

Checklist: Wollen Sie in die Wolke, um Kosten zu senken, schneller Innovationen zu ermöglichen, Operationen robuster zu gestalten oder Infrastruktur-Ressourcen besser zu nutzen? Haben Sie die Auswirkungen auf Sicherheit und Legalitäten genau geprüft? Was ist Ihr ROI und der Time-to-market-Vorteil?

Die Cloud kann vielversprechend sein – schauen Sie sich jedoch genau an, welche Prozesse erforderlich sind und wer involviert ist, um genau zu verstehen, welche Nutzen sie für Ihr Unternehmen bringen kann.

Der Autor: Boris Kraft ist Chief Visionary Officer bei Magnolia CMS.

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