Der OpenStack Summit Vancouver 2018, Teil 2

Über bisheriges offenes Cloud-Computing hinaus

| Autor: Ludger Schmitz

Es geht OpenStack nicht mehr nur um offenes Cloud-Computing, sondern insgesamt um offene IT-Infrastrukturen
Es geht OpenStack nicht mehr nur um offenes Cloud-Computing, sondern insgesamt um offene IT-Infrastrukturen (Bild: / Ludger Schmitz / CC BY 3.0)

Im Zentrum der OpenStack-Entwicklungsarbeiten stehen jetzt Container und kontinuierliche Verbesserungen von Private Clouds. Hinzugekommen ist ein neues Thema: Edge Computing. Dieses Arbeitsfeld dürfte das unverändert schnelle Wachstum von OpenStack weiter unterstützen.

So schnell geht das bei OpenStack: Vor drei Monaten noch hatte Jonathan Bryce, President der OpenStack Foundation, in einem Gespräch mit DataCenter-Insider die Services „Zun“, „Loci“ und „Helm“ als große Neuerungen hervorgehoben. Auf dem OpenStack Summit Vancouver 2018 (Teil 1 des Berichts gestern) schob die OpenStack Foundation neben Edge Computing zwei andere Produkte in den Vordergrund: „Kata Containers“ und „Zuul“.

Kata Containers und Zuul sind die aktuell wichtigsten Neuheiten

Von Kata Containers ist die Version 1 erschienen. Dieses Projekt war im Dezember 2017 gestartet worden; seine Codebasis ist Clear Containers von Intel und runV von Hyper.sh. Beide Hersteller haben ihre Anwender aufgefordert, auf Kata Containers umzusteigen. Denn jetzt steht eine breite Community mit allen großen Namen der OpenStack-Szene dahinter. Kata bietet laut OpenStack Foundation eine Isolierung von IT-Lasten, wie es sonst nur mit virtuellen Maschinen erreichbar ist, zieht aber nicht deren Leistungseinbußen nach sich. Hier kann also ungeprüfter Code ebenso laufen wie Anwendungen mit Daten, die hohen Sicherheitsanforderungen genügen müssen, zum Beispiel besonders zu schützende persönliche Daten.

Zweitens sorgte die dritte Version von Zuul – nicht zu verwechseln mit dem Container-Dienst „Zun“ – für Aufsehen. Zuul ist eine Lösung für Continuous Integration/Continuous Delivery (CI/CD) und sorgt dafür, Anwendungen über mehrere Systeme und Speicher zu schleusen. Das Projekt, an dem unter anderem BMW beteiligt war, hat zuletzt die Lösung von OpenStack-spezifischen Systemen entkoppelt. Sie soll sich also auch für andere Cloud- und On-premise-Umgebungen nutzen lassen.

OpenStack-Zukunft jenseits von Open Cloud Computing?

Genau das ist auch das Ziel bei Kata, und das hat überraschende Folgen. Denn Kata und Zuul stehen zwar unter Leitung der OpenStack Foundation, sind aber unabhängig. Wie das in der Praxis laufen soll, ließ sich in Vancouver nicht in Erfahrung bringen. Die eigenartige Konstruktion sorgte doch bei einigen Beobachtern für Irritationen.

Auf jeden Fall scheint OpenStack in Zukunft über Cloud Computing hinaus aktiv werden zu wollen. Im Kongresszentrum von Vancouver fanden sich mehrere Plakate mit der Aufforderung: "Let's Build Open Infrastructure". Dort gab es einen Vortrag vom Entwicklungschef der Foundation, Thierry Charrez: "Beyond Datacenter Cloud: The Future of the OpenStack Foundation". Ein Video des Vortrags hier, ein zusammenfassender Artikel zum Thema von Charrez hier.

Akraino – das Kernprojekt für Open Edge Computing

Ganz sicher wird künftig ein neues Projekt in der Foundation vor allem Schlagzeilen machen: Edge Computing. Mit rund 40 Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden war es auf dem Summit in Vancouver schon enorm präsent. Dabei besteht das Edge-Projekt erst seit gut einem halben Jahr, hat aber schon einiges vorzuweisen. Nach überraschend viel Zuspruch entstand Ende Februar 2018 ein – übrigens sehr lesenswertes – Whitepaper „Cloud Edge Computing: Beyond the Data Center“ (PDF-Download ohne Registrierung hier; Zusammenfassung von DataCenter-Insider hier.

OpenStack: Kritik? War da was?

OpenStack Summit 2018 in Vancouver, Teil 1

OpenStack: Kritik? War da was?

07.06.18 - Wer auf deutliche Verbesserungen an kritisierten Punkten gesetzt hatte, könnte enttäuscht sein. Das Open-Source-Projekt OpenStack hat anders reagiert und macht davon wenig Aufheben. Es bleiben allerdings offene Fragen, auf die die Organisation noch keine Antwort gefunden hat. lesen

Inzwischen gibt es zwar noch kein Produkt, aber einen Namen dafür: „Akraino“. Eine Woche vor dem Vancouver-Summit fand in Portland eine überlaufene Konferenz statt, auf der die groben Entwicklungsleitlinien und -phasen festgezurrt wurden. Demnach geht es in der ersten Phase um die Entwicklung eines voll integrierten „Open Edge Stacks“. Neben dem Kern der Edge-Umgebung sind dabei auch gleich Basis-Tools für den Edge Stack Lifecycle, CI/CD und die Umgebungsverwaltung vorgesehen.

Am Rande der IT-Welt wird‘s kompliziert

Das ist schon eine Herausforderung. Denn es geht darum, eine OpenStack-Kernumgebung für sehr kleine Rechner nahe an den Edge-Endpunkten zu entwickeln – das könnten zum Beispiel Raspberry-artige Systeme sein. Hier wird nicht alles gebraucht, was für OpenStack im DataCenter notwendig ist, aber bei den Raspberrry-Pi sind eben alle Leistungsdaten vergleichsweise winzig. Gleichzeitig wird die Mini-OpenStack-Software neue Sicherheitsvorkehrungen benötigen, um Manipulationen an den Systemen vorzubeugen und zu erkennen.

In Phase 2 soll es um die Entwicklung von Edge-Middleware, APIs und Entwicklungs-Tools (SDKs) gehen. Explizit ist hier auch von Cross-Platform-Interoperabilität mit Nicht-OpenStack-Clouds die Rede. In der dritten Stufe schließlich steht die Entwicklung von Edge-Anwendungen und NFV (Network Function Virtualization) im Edge Computing an.

Über den OpenStack-Horizont hinaus

Das Edge-Projekt verfolgt eine abgestimmte Entwicklung unter anderem mit AcumosAI, Kubernetes, Kata Containers, Ceph, EdgeXFoundry, ONAP und DANOS (Disaggregated Networking Whitbox Operating Systems). Die Linux Foundation hat schon angekündigt, Akraino zu unterstützen, ebenso wie Docker, Intel, AT&T, Windriver sowie eine ganze Reihe vor allem chinesischer Hardware-, Communications- und Cloud-Anbieter. Zu Akraino gehören bereits zwei Teilprojekte: Airship zur Containerkapselung und StarlingX für das Industrial Internet of Things (IIOT).

Unter den Beteiligten im Edge-Projekt ist die Zuversicht groß, eine ähnlich rasante Entwicklung zu erleben wie OpenStack in den ersten Jahren. Beth Cohen von Verizon erklärte: Wir sind den proprietären Anbietern weit voraus. Niemand hat eine so breit angelegte Architektur und so viele Telco-Erfahrungen mit Embedded Systems. Da werden die proprietären Anbieter von Edge-Lösungen noch viel lernen müssen.“

Proprietären Edge-Anbietern voraus

Kandan Kathirvel von AT&T verbindet seinen Optimismus mit einer Warnung: „Proprietäre Anbieter werden Produkte auf den Markt werfen – und Probleme bekommen. Denn sie haben kein so umfassendes Angebot für verschiedene Edge-Umgebungen und bieten weit weniger Interoperabilität als wir.“ Der Embedded-Spezialist Kontron hat sich auf die OpenStack-Seite geschlagen hat. Das Ergebnis war, dass der Stand des Unternehmens auf dem Marketplace dauernd sehr regen Besuch fand.

Edge Computing ist ein Aspekt davon, dass sich OpenStack insgesamt in neue Dimensionen begibt. „Wir werden mehr arbeiten in Richtung Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Container und Serverless Computing“ erklärt Mark Collier, COO der OpenStack Foundation. Deren President Jonathan Bryce beschreibt die weiteren aktuellen Herausforderungen so: „Neue Workloads und Architekturen stellen neue Anforderungen. Haufenweise Open-Source-Projekte machen ihre Integration erforderlich. Und wir müssen uns um Lifecycle-Management und Upgrades kümmern.“

Die Aussichten stimmen optimistisch

Die Leitung des Open-Cloud-Projekts zeigt sich unverändert optimistisch. Weltweit ist die Zahl der OpenStack-Umgebungen 2016 bis 2017 um 95 Prozent gestiegen. Es laufen jetzt zehn Millionen Prozessor-Cores mit der Plattform. In diesem Jahr werden die Anwender 6,1 Milliarden Dollar in die Open-Cloud-Umgebung investieren. Analysten gehen von einem durchschnittlichen jährlichen Marktwachstum von 9,7 Prozent in den nächsten zehn Jahren aus.

„Die meisten Anwender sind noch am Anfang dieser Reise“, meint Bryce. Und für die Reiseveranstalter, die an OpenStack beteiligten IT-Anbieter, bringt das erfreuliche Geschäftsaussichten mit sich. Denn 90 Prozent der Anwender, so Bryce, nehmen sich einen Partner, um OpenStack einzurichten.

Wer sich über OpenStack aus erster Hand informieren möchte oder direkten Kontakt zu den Machern sucht, hat im Herbst eine sehr günstige Gelegenheit dazu: Der nächste OpenStack Summit findet am 13. bis 15. November 2018 in Berlin statt.

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