AWS Summit Berlin 2019

KI und Edge Computing im Fokus des AWS Summit Berlin 2019

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Der AWS Summit lockte auch 2019 rund 7000 Besucher nach Berlin. Neben zahlreichen Keynotes und Sessions kam aber auch das Networking in entspannter Atmosphäre nicht zu kurz.
Der AWS Summit lockte auch 2019 rund 7000 Besucher nach Berlin. Neben zahlreichen Keynotes und Sessions kam aber auch das Networking in entspannter Atmosphäre nicht zu kurz. (Bild: © Amazon)

Auf dem AWS Summit Berlin 2019 informierten sich rund 7000 Besucher in über hundert Sessions über die Neuheiten, die Amazon letzten November auf der Weltkonferenz re:Invent 2018 angekündigt hatte. Über 70 Sponsoren-Partner aus dem Amazon Partner Network (APN) stellten sich den neugierigen Fragen der Expo-Besucher.

Schon frühmorgens um acht Uhr drängten sich Scharen von Besuchern durch die Zugänge zum Gelände der STATION Berlin, um zur Registrierung und den ersten Sessions zu eilen. Die Ausstellung der über 70 APN-Partner war bereits geöffnet, und glücklicherweise gab es noch Kaffee, um die Lebensgeister zu wecken.

Die erste, zweistündige Keynote fand bereits zwei Stunden später statt. Klaus Bürg, der Managing Director der DACH-Region, begrüßte das volle Auditorium mit der guten Nachricht, dass Amazon Aurora, eine NoSQL-Datenbank, der am schnellsten wachsende AWS-Service sei und Amazon SageMaker bereits über 10.000 Kunden vorweisen könne. Werner Vogels, der Chief Technology Officer von Amazon.com, gewohnt lässig im T-Shirt mit der Aufschrift FORTNITE, geleitete durch eine mehrteilige Präsentation, die alle Ankündigungen der re:Invent-Konferenz berücksichtigte.

AWS wird hybrid

Nachbericht AWS re:Invent in Las Vegas

AWS wird hybrid

03.12.18 - Die AWS-Fangemeinde versammelte sich Ende November zur weltweiten Kunden- und Partnertagung re:Invent in Las Vegas. Das Unternehmen hatte einen ganzen Sack voll Neuerungen im Gepäck. lesen

Kundenerfolge

Werner Vogels ließ am ersten Tag drei Kunden auftreten, die Erfolgsgeschichten zu bieten hatten. Elke Reichart, Chief Digital Officer bei der TUI Group, berichtete von der digitalen Transformation ihres Unternehmens und dem ambitionierten Plan, sämtliche 20 Rechenzentren bis 2023 in die AWS Cloud zu migrieren. Vier von fünf Kundeninteraktionen sollen künftig KI-unterstützt sein, was die generelle Aufmerksamkeit unterstreicht, die KI auf dem Summit zuteilwurde.

Dass der Sportartikelhersteller Adidas in der Cloud ist und mobil die Nase bereits ganz vorne hat, dürfte sich herumgesprochen haben, aber wer rastet, der rostet. Ebenso wie TUI hat es Adidas geschafft, die Geschwindigkeit seiner Webseiten zu erhöhen sowie die Verfügbarkeit und Skalierbarkeit zu maximieren, aber es sei noch Luft nach oben, gab Markus Rautert von Adidas Global IT zu verstehen.

Auch Transportlogistik und Fertigungsindustrie haben die Vorteile von AWS-Services erkannt. Siemens nutzt AWS bereits, um im Rahmen seines Railigent-Programms den Kunden entsprechende Anwendungen bereitzustellen. Echtzeit-Analytik soll Predictive Maintenance und ähnliche Anwendungsfälle ermöglichen.

Bewegung in der Hybrid Cloud

Werner Vogels erwähnte im Zusammenhang mit der Hybrid Cloud die VMware Cloud on AWS. Über den Erfolg der VMware Cloud kann natürlich der Anbieter selbst am besten Auskunft geben. „Sie verbindet On-Premises mit der Cloud-Welt und liefert das Beste aus beiden Welten, daher sehen wir für diese Lösung eine extrem hohe Nachfrage“, berichtet Robert Riemer, VMware Cloud on AWS Specialist. „Ob Automobil, Retail oder Fintech - uns erreichen Anfragen aus allen Branchen.“

VMware stehe dem Kunden bei der digitalen Transformation mit einem Full Managed IaaS Stack zur Seite. So könne sich der Kunde auf seine Applikationen konzentrieren, während VMware die Infrastruktur bereitstelle und verwalte. Dazu gehört auch der neue Service AWS Outposts, der in den Augen von Gartner Analyst Alexander Linden künftig eine besondere Rolle spielen dürfte.

AWS sei ja sehr Cloud-lastig, was ein Problem für Unternehmen darstelle, die ihre Daten keinesfalls der Cloud anvertrauen wollen oder können. „AWS Outposts wird das Problem in Zukunft allerdings stark lindern, da sensitive Daten auf firmeninternen Computer bleiben können.“ Jedoch sei das Produkt noch brandneu, muss also wohl noch ausreifen und Verbreitung finden.

AWS Outposts bieten laut Amazon native AWS-Services, Infrastruktur und Betriebsmodelle für praktisch jedes Rechenzentrum, jeden Gemeinschaftsraum oder jede lokale Einrichtung. „Sie können die gleichen APIs, die gleichen Tools, die gleiche Hardware und die gleiche Funktionalität in lokalen Anwendungen und Cloud-Anwendungen verwenden, um ein wirklich konsistentes Hybrid-Erlebnis zu gewährleisten.“ Solche Außenposten könnten zur Unterstützung von Workloads verwendet werden, die aufgrund geringer Latenzzeiten oder lokaler Datenverarbeitungsanforderungen vor Ort bleiben müssen.

AWS Outposts gibt es demnach in zwei Varianten:

  • 1. VMware Cloud on AWS Outposts (s.o.) ermöglicht es, die gleiche VMware-Steuerungsebene und APIs zu verwenden, die der Kunde für den Betrieb seiner Infrastruktur verwendet.
  • 2. Die native AWS-Variante von AWS Outposts ermöglicht es, exakt die gleichen APIs und Steuerungsebenen zu verwenden, die der Kunde für den Betrieb in der AWS Cloud verwendet, jedoch vor Ort.

„Im Kontext des modernen Maschinellen Lernens, besonders im Deep Learning, ist die Cloud (im Vergleich zu On-premises) teuer im Betrieb und zudem häufig mit Latenzzeiten behaftet, also träge“, moniert Linden. „Deswegen liegt bei vielen großen Unternehmen das Schwergewicht beim Maschinellen Lernen immer noch auf dem On-premises-Betriebsmodell, denn für sie ist dann die TCO ihrer IT niedriger als im Cloud-Modell, wo sie per Minute bezahlen müssen.“ Zweitens hätten immer noch viele Unternehmen keine Fachleute für die Cloud-Angebote von AWS, denn sie bräuchten diese Fachleute für andere Aufgaben. „Auch hier wird AWS Outposts in Zukunft Linderung bringen.“ Mit dem „Outposts“-Service greife AWS Google an, weil es hier eine umfängliche On-Premises-Lösung offeriert, die Google so derzeit nicht anbiete.

Serverless Edge Computing

Am zweiten Tag präsentierten drei weitere Kunden ihre Projekte: die mobile Bank N26, die Münchner Leukämielabor GmbH und Heed, eine interaktive Infoplattform, die KI und IoT-Analytik kombiniert. CTO Werner Vogels strich in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Zusammenspiels von Analytik, Machine Learning und Serverless Edge Computing für innovative Lösungen heraus. Hier spielen AWS Services wie Lambda, Amazon SageMaker (KI), AWS IoT Greengrass und das Betriebssystem FreeRTOS eine Rolle.

„Amazon SageMaker ist Bestandteil unserer mehrschichtigen Angebotspalette in diesem Bereich“, sagte Lead Architect Glenn Gore. „Als Framework vereint SageMaker verschiedene Komponenten (etwa Modelle, s.u.) und gewährt Zugriff auf unterschiedliche verteilte Neuronale Netzwerke (DNNs) wie etwa TensorFlow.“ Für Nutzer ohne Programmierkenntnisse eigneten sich hingegen fertige Services wie Amazon Comprehend, Textract oder Translate. Während AWS hier weitere Dienste entwickeln will, so machte Gore doch deutlich, dass sich mit SageMaker individuelle und branchenorientierte KI-Dienste entwickeln lassen. „SageMaker Neo hilft beispielsweise dabei, ein Modell auf eine Zielplattform anzupassen, so etwa Raspberry Pi mit Arm-CPU.“

KI im Edge Computing

Wie sich KI-Technologie für endkundennahe Use Cases wie etwa Gesichtserkennung am Hauseingang oder autonomes Fahren einsetzen lässt, demonstrierten Glenn Gore und der Technical Evangelist Julien Simon anhand der Videokamera AWS DeepLens. Bei DeepLens handelt es sich um eine Deep-Learning-basierte Videokamera mit Objekterkennung. Das heißt, dass ein DNN die Rechenkapazität bereitstellt, um ein Modell auszuführen, das von Amazon SageMaker Ground Truth erstellt wurde. Naturgemäß handelt es sich um jene Bilder, die die Kamera aufgenommen hat.

AWS zeigt Dienste, Instanzen und Kamera

Maschine Learning, VR, PrivateLink, GuardDuty und Bare Metal

AWS zeigt Dienste, Instanzen und Kamera

11.12.17 - Neben einer speziell für maschinelles Lernen gerüsteten Kamera hat AWS auf der re:Invent 2017 mehr als 50 Dienste, Funktionen und Preismodelle präsentiert. Die Angebote umfassen unter anderem AR, IoT sowie Sicherheitsdienste und Bare-Metal-Instanzen. lesen

Mit Ground Truth lässt sich eine Bildmenge erstellen, annotieren und verwalten. Ground Truth benötigt nur etwa 2000 bis 3000 Fotos für ein Modell, was sehr wenig ist, lernt aber laut Gore sehr schnell. Danach kann man damit experimentieren und Modelle trainieren, denn die Kamera und Ground Truth verfügen über 17 fertige Algorithmen, davon drei zur Bilderkennung, sowie mehrere anpassbare, vortrainierte Modelle.

Der Nutzer kann aber auch vortrainierte Modelle importieren und eigene erstellen. Die Kamera lässt sich programmieren und anpassen, das Programm (Python etc.) wird im RAM und auf der CPU ausgeführt. „Es ist nur etwa 100 Codezeilen für die Lambda-Funktion groß“, sagte Simon. „Die Modellausführung (Inferenz) kostet nur 0,30 $/min., und bei einer Dauer von nur 8 min. kommt man auf einen Betrag von 2,4 Dollar.“

„Die Nutzungskosten für Machine Learning in der Cloud sind keineswegs niedrig“, gibt Alexander Linden zu bedenken. „Machine Learning und Deep Learning in der Cloud zu betreiben, verursacht jede Minute bestimmte Kosten, so etwa beim Erstellen der Modelle, aber auch beim Nutzen der Modelle durch aufwändige Berechnungen.“ Aus diesem Grund ermöglicht es AWS Outposts, firmeninterne Ressourcen für diese Zwecke zu nutzen.

Beratungs- und Technologie-Expertise gebündelt

AWS machte auf und während des Summit zwei große Ankündigungen. Die Boston Consulting Group (BCG) und AWS bündeln Beratungs- und Technologie-Expertise. Sie wollen ein Angebot für Dienste rund um die digitale Transformation etablieren, dazu gehört in erster Linie der „Digital Builders Showroom“. In diesem Rahmen können Kunden und Interessenten von der Verbindung strategischen Fachwissens aus der Beratung mit dem technologischen Know-how von AWS profitieren. Der Showroom soll komplexe Digitalthemen für Unternehmen greifbar machen und etwa Mitte 2019 im Zentrum von München eröffnen.

SAP S/4HANA on AWS

Laut der zweiten Ankündigung erweitert AWS seine Unterstützung für sehr große In-memory-Datenbanken für SAP-Systeme in der Cloud. Im November 2018 kündigte AWS bereits High-Memory-Support von 6, 9 und 12 Terabyte für SAP HANA EC2-Instanzen an. Für S4/HANA Workloads werden künftig EC2-Instanzen möglich sein, die noch größer sind. Dieses Scale-out-Modell wurde soeben von SAP zertifiziert. Das verlautbarte Steven Jones, der Technical Director der AWS Partner Organisation in einem Blog.

Demnach lassen sich auf der Grundlage des AWS Nitro Systems vier Knoten koppeln, um High Memory im Umfang von 48 TB bereitzustellen. Nitro ist eine Kombination aus dedizierter Hardware und den nötigen Softwarebausteinen.

Mehrfach verwiesen die Sprecher und Interviewpartner auf den neuen Service AWS Lake Formation, doch dieser Dienst wurde ebenso bereits auf der re:Invent angekündigt wie der neue Chip AWS Inferentia. Eine eingehendere Würdigung erübrigt sich daher. Beide Angebote sollen sowohl Kosten senken als auch schneller zu Ergebnissen führen.

Neue Sicherheits-Features für AWS

AWS-Security

Neue Sicherheits-Features für AWS

06.12.18 - Mit neuen Sicherheits- und Management-Services wie Control Tower, Security Hub und Lake Formation will AWS seinen Kunden ermöglichen, die genutzten Dienste einfacher zu schützen und zu überwachen. Auch für Blockchain-Interessenten hat AWS jetzt zwei Service-Varianten angekündigt. lesen

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45793091 / Technologien)