Interview mit Jens Puhle, Sales Director Germany bei Rackspace

„Eine agile IT-Infrastruktur ist Grundlage für innovative Geschäftsmodelle“

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

„In jeder Branche kann die Public Cloud für bestimmte Anwendungen sinnvoller sein“, so Jens Puhle, Sales Director Germany bei Rackspace.
„In jeder Branche kann die Public Cloud für bestimmte Anwendungen sinnvoller sein“, so Jens Puhle, Sales Director Germany bei Rackspace. (Bild: gemeinfrei, Wortley / Pixabay)

Deutsche Unternehmen liegen im weltweiten Vergleich, unabhängig von Branche und Größe, mit Blick auf die Cloud-Nutzung immer noch deutlich zurück – so die Erfahrung von Rackspace. Nahezu jedes Unternehmen verfügt noch über sein eigenes Datacenter.

Gerade im Mittelstand zeige sich meist ein noch größerer Aufholbedarf, hier sei die Offenheit gegenüber des Cloud-Einsatzes dazu deutlich personenabhängig. Übergreifend behinderten dazu immer noch praktische unternehmensinterne Prozesse in einzelnen Abteilungen wie dem Einkauf den Wechsel in die Cloud, so Jens Puhle, Sales Director Germany bei Rackspace. Ihn haben wir dazu eingehend befragt.

Herr Puhle, was ist so schlimm an einem Rechenzentrum in jedem Unternehmen? Halten Sie es wirklich für ratsam, wenn Mittelständler – also der Großteil der Deutschen Industrie – ihre IT komplett in die Cloud auslagern?

Jens Puhle: Wenn deutsche Unternehmen, insbesondere im Fertigungsbereich marktführend bleiben wollen, müssen sie sich mit der digitalen Transformation und der Cloud als treibender Kraft auseinandersetzen. In jeder Branche kann die Public Cloud für bestimmte Anwendungen sinnvoller sein. Und für andere passt tatsächlich ein eigenes Rechenzentrum – eine Standardantwort gibt es hier nicht.

Private Rechenzentren bieten hohe Verfügbarkeit und Kontrolle und erfüllen strenge Anforderungen an Sicherheit und Compliance. Sie eignen sich vor allem für Eigenentwicklungen und Legacy-Anwendungen. Aufbau, Wartung und Skalierung der Infrastruktur erfordern in den meisten Fällen jedoch hohe Personal-, Investitions- und Betriebskosten.

Wichtig ist, je Einzelfall zu entscheiden und dabei erfahrene unabhängige Partner einzubinden, die die spezifischen Geschäftsanforderungen und Zielsetzungen bewerten und beim Erstellen der individuell passenden Cloud-Strategie sowie bei der Wahl der richtigen Plattform für jeden Workload helfen. Möglichkeiten gibt es viele: Die Public Cloud als Single-Vendor-Strategie oder mit einem Multi-Cloud-Ansatz; die hybride Cloud-Bereitstellung bis hin zur Private Cloud – im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Managed Service Provider.

Verstehen Sie die Sicherheitsbedenken des Mittelstandes?

Jens Puhle: Dass es Bedenken gibt, kann ich durchaus nachvollziehen, denn hinsichtlich der Public-Cloud-Sicherheit gibt es immer noch viele Fragen. Der Einstieg in die Cloud bringt tatsächlich ganz neue Herausforderungen mit sich und jeder Cloud-Anbieter setzt eigene Sicherheitsstandards. Eine einzige Sicherheitslösung deckt also nicht alle Plattformen ab.

Wollen Unternehmen das nötige Wissen intern aufbauen, bedeutet das aber hohe Kosten und Zeitaufwand für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Grundsätzlich gilt, dass der Wechsel in die Cloud nicht zwangsläufig die Sicherheitsstrategie eines Unternehmens verändert. Es sollte diese aber auf jeden Fall überprüfen, bevor es den Wandel vollzieht.

Dazu ist auch festzulegen, an welchem Punkt die Sicherheitsverantwortlichkeiten vom Cloud-Anbieter zum Unternehmen übergehen. Das hilft, die Risiken im Blick zu behalten, die Sicherheitsstrategie zu definieren und die notwendigen Maßnahmen durchzuführen – entweder selbst oder mit einem Managed Security Services-Partner an der Seite.

Wie begegnen Sie denn den erwähnten Sicherheitsbedenken?

Jens Puhle: Unternehmen sollten verstehen, dass die Cloud tatsächlich sicherer sein kann als die Speicherung von Daten on-premise, insbesondere bei Multi-Cloud-Lösungen. Denn Daten in verschiedenen Umgebungen zu verteilen, kann einen Hackerangriff erschweren. Darüber hinaus bauen Cloud-Anbieter Plattformen mit Blick auf die Sicherheit, während bei Legacy-Umgebungen Sicherheitsfunktionen typischerweise nachträglich eingesetzt werden.

Die Unsicherheit resultiert aus der Paranoia, dass Daten auf Systemen gespeichert werden, die wir nicht kontrollieren. Kontrolle bedeutet jedoch nicht zwangsläufig Sicherheit. Bei all den jüngsten schwerwiegenden Angriffen war der physische Standort nicht das Problem; Angriffsmethoden und Zugriffsmöglichkeiten sind plattformunabhängig.

Cloud-Provider haben definitiv massiv in sehr gute Sicherheitsfunktionen investiert, dies entbindet die Unternehmen jedoch nicht ihrer Verantwortung. Unternehmen müssen die Entwicklung von Sicherheitskultur und -bewusstsein in den Mittelpunkt ihrer Strategie stellen. Auch ein spezialisierter Managed Security Service Provider (MSSP)-Partner kann bei der Datensicherheit unterstützen.

Sie sehen eine Notwendigkeit für deutsche Firmen in die Cloud zu migrieren – was genau treibt den Mittelstand in die Cloud?

Jens Puhle: Der Anlass, sich konkret mit der Cloud zu beschäftigen, ist bei den meisten hiesigen Unternehmen ein „AHA-Effekt“, ausgelöst durch einen konkreten Bedarf. Vorrangig geht es dabei darum, Legacy-Applikationen in der Cloud agiler zu gestalten. Dass dieser Bedarf im Zuge immer größerer Kosteneinsparungen und Produktivität sowie einer reibungslosen Customer Experience auftritt, ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Denn nur eine agile IT-Infrastruktur kann die Grundlage für neue, innovative Geschäftsmodelle, Services und Produkte schaffen, um im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Was ist Ihrer Erfahrung nach beim Gang in die Cloud die größte Herausforderung für die Anwender?

Jens Puhle: Wie kaum ein anderes Change-Projekt steht und fällt die digitale Transformation mit abteilungsübergreifender Zusammenarbeit. Bei der Cloud-Einführung scheitern viele Unternehmen daran, die Anforderungen der Technologie und die Grenzen des eigenen Unternehmens richtig einzuschätzen.

Wenn Menschen, Prozesse und neue Technologien zusammenkommen, entstehen Herausforderungen. Für den Erfolg des Cloud-Projekts ist es unbedingt notwendig, hier die Kluft zwischen Erwartung und Wirklichkeit zu schließen. Unternehmen sollten deshalb sowohl ihren technologischen Status quo als auch ihre Einstellung zum Wandel kritisch überprüfen, und Prozesse und Fachabteilungen miteinbeziehen. Nur dann lassen sich Kosten und Komplexität der Cloud-Migration zuverlässig prognostizieren. Um aber die Herausforderungen einer Cloud-Migration überwinden zu können, braucht es Investitionen in Cloud-Skills sowie auch die Bereitschaft, die Expertise von Partnern in Anspruch zu nehmen.

Wie und bei welchen Schritten mit Blick auf die Nutzung der Public Cloud können externe Partner unterstützen? Und was wünschen sich deutsche Unternehmen von ihnen?

Jens Puhle: Um die volle Kraft und den Wert der Cloud ausschöpfen zu können, müssen Unternehmen mit einem sehr hohen Level an Komplexität zurechtkommen. Grundsätzlich braucht es hier einen erfahrenen Partner, der eng mit dem Kunden zusammenarbeitet, um dessen individuelle Anforderungen und neue Herausforderungen an die Cloud zu verstehen sowie dessen fehlende Cloud Skills auszugleichen.

Ein Next-Gen-Cloud-Service Provider bietet herstellerunabhängiges Fachwissen, ein breites Portfolio an Cloud-Diensten und stellt IT-Services flexibel nach individuellem Bedarf bereit. Rackspace zum Beispiel begleitet Unternehmen während des gesamten Cloud-Lebenszyklus und unterstützt sie mit Expertise, Tools und neuen Technologien dabei, die passgenauen Entscheidungen für ihre Geschäftsanforderungen zu treffen.

Wie ändern sich die Anforderungen der Unternehmen mit Blick auf die Nutzung von Managed Cloud Services?

Jens Puhle: Die Art und Weise, wie Unternehmen die Cloud nutzen, ändert sich rasant. Im Vordergrund stehen heute individuelle Cloud-Lösungen, auch wenn dies den Management-Aufwand möglicherweise erhöht. Multi-Cloud-Lösungen dürften dabei in Zukunft das Gros der Betriebsmodi ausmachen. Laut IDC werden 2020 schon mehr als 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland Multi-Clouds haben. Dieses Konzept lässt Anwender flexibel und unabhängig von nur einem Cloud-Anbieter agieren und bietet Spielraum für Skalierung.

Den meisten Unternehmen fehlen jedoch Ressourcen und Know-how, um die Komplexität und Steuerung maßgeschneiderter Multi-Cloud-Lösungen mit ihren bestehenden Teams zu meistern. Dazu stehen CIOs heute unter dem Druck, die Cloud-Einführung zu beschleunigen und dabei von Vorteilen wie Flexibilität, Agilität und Kosteneinsparungen zu profitieren. Über abobasierte Modelle für Cloud Services wie die Rackspace Service Blocks können Unternehmen diesem sich ständig ändernden Druck begegnen und nach Bedarf die Cloud-Services auswählen und kombinieren, und so maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die den individuellen und sich im Laufe der Zeit ständig ändernden Geschäfts- und Projektanforderungen entsprechen.

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