Rückübertragung von Daten oder Anwendungen aus der Cloud

Was ist Cloud Repatriation?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Florian Karlstetter

Unter „Cloud Repatriation“ versteht man die Rückübertragung von Daten oder Anwendungen aus der Cloud ins eigene Data Center.
Unter „Cloud Repatriation“ versteht man die Rückübertragung von Daten oder Anwendungen aus der Cloud ins eigene Data Center. (Bild: gemeinfrei © Gerd Altmann / Pixabay)

Cloud Repatriation ist die Rückübertragung von Daten oder Anwendungen aus der Public Cloud in das eigene Rechenzentrum. Die Infrastruktur des On-Premises-Rechenzentrums ist ebenfalls Cloud-basiert organisiert. Es entstehen hybride Cloud-Umgebungen, in denen bestimmte Anwendungen in einer privaten oder in einer öffentlichen Cloud betrieben werden.

Der englische Begriff „Repatriation“ lässt sich mit „Rückführung“ oder „Rückübertragung“ ins Deutsche übersetzen. Bei der Cloud Repatriation handelt es sich um die Rückführung von Anwendungen, Services oder Daten aus der öffentlichen Cloud (Public Cloud) in das eigene Rechenzentrum. Die Rückübertragung ist der gegensätzliche Vorgang zur Verlagerung von Daten und Anwendungen in die Public Cloud. Oft wird der Begriff „Unclouding“ als Alternative genutzt. Allerdings beschreibt die Bezeichnung Unclouding den Vorgang der Cloud Repatriation nicht gänzlich korrekt, da es sich beim On-Premises Data Center ebenfalls um eine cloud-basierte Infrastruktur handelt. Anwendungen, Daten oder Services werden quasi von einer öffentlichen in eine private Cloud verlagert. Es entsteht eine sogenannte Hybrid Cloud, bei der bestimmte Anwendungen in der Public Cloud und andere in der Private Cloud betrieben werden.

Diese „Mischkonfiguration“ bietet den Vorteil, dass für den jeweiligen Service das am besten geeignete Cloud-Modell wählbar ist und die Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter vermieden wird. Die Gründe für eine Cloud Repatriation sind sehr vielfältig. So können die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen, Kostenoptimierungen, Anforderungen an die Performance und Verfügbarkeit von Services, Sicherheitsaspekte, Flexibilisierungsbestrebungen oder Latenzanforderungen eine Cloud Repatriation erforderlich machen.

Die Hybrid Cloud als Voraussetzung für die Cloud Repatriation

Eine der Grundvoraussetzung für die Cloud Repatriation sind cloud-fähige Infrastrukturen auch außerhalb der öffentlichen Cloud. Die IT-Architektur im eigenen Rechenzentrum ist Cloud-ready und erlaubt die Rückverlagerung bestimmter Daten, Services oder Anwendungen ohne eine grundsätzliche Veränderung des Konzepts des Cloud Computings. Es entsteht eine hybride Infrastruktur (Hybrid Cloud), die es Unternehmen ermöglicht, Anwendungen dort zu betreiben oder Daten dort zu speichern, wo es für sie am sinnvollsten ist. Die Hybrid Cloud vereint die Vorteile der Public Cloud und Private Cloud in einem Mischkonzept und lässt Anwender von den Vorteilen beider Cloud-Modelle profitieren. Gleichzeitig reduziert die Hybrid Cloud den Aufwand für eine Cloud Repatriation, da die notwendigen Anpassungen bei der Rückführung minimiert sind.

Verwendung offener Standards zur Vermeidung des Vendor Lock-ins

Die Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter (Vendor Lock-in) kann die Cloud Repatriation erschweren oder im Extremfall unmöglich machen. Abhängigkeiten entstehen, wenn Cloud-Anbieter proprietäre Lösungen einsetzen, die sich bei der Rückführung von Anwendungen nur schwer in einer privaten Cloud realisieren lassen. Zur Vermeidung eines Vendor Lock-ins und zur Flexibilisierung der Auswahl des gewünschten privaten oder öffentlichen Cloud-Modells ist die Verwendung offener, hersteller- und anbieterübergreifender Standards zu bevorzugen.

Ein Versuch der Abgrenzung der Begriffe Unclouding und Cloud Repatriation

Die Begriffe Cloud Repatriation und Unclouding werden oft synonym verwendet, obwohl dies im eigentlichen Wortsinn nicht korrekt ist. Cloud Repatriation bedeutet die Rückführung von Daten, Services oder Anwendungen aus einer öffentlichen Cloud in eine private Cloud. Am Grundkonzept des Cloud Computings ändert sich bei dieser Rückführung nichts. Es handelt sich nach wie vor um eine cloud-basierte Infrastruktur, auf der Anwendungen ausgeführt oder Daten gespeichert werden. Der Begriff „Unclouding“ erweckt jedoch den Eindruck, dass Anwendungen und Daten auf herkömmliche, nicht cloud-basierte IT-Infrastrukturen verschoben werden. In der Regel ist dies bei der Verwendung des Begriffes Unclouding nicht gemeint. In den meisten Fällen verbirgt sich dahinter die Cloud Repatriation.

Mögliche Gründe für eine Cloud Repatriation

Nach wie vor existiert der Trend, Daten und Anwendungen in öffentliche Clouds zu verlagern. Gleichzeitig machen unter bestimmten Umständen verschiedene Gründe eine Rückführung verlagerter Applikationen und Daten in eine On-Premises-Umgebung erforderlich. Im Folgenden einige der wichtigsten Gründe für eine Cloud Repatriation:

Einhaltung von Datenschutzrichtlinien und Rückgewinnung der Datenhoheit

Über die letzten Jahre hat sich die Gesetzgebung hinsichtlich der Speicherung und Verarbeitung von Daten verändert. In Europa wurden beispielsweise im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) Richtlinien und Vorgaben im Umgang mit personenbezogenen Daten geschaffen, die eine Rückholung der Daten erforderlich machen können. Sehen sich Cloud-Anbieter nicht verpflichtet, die strengen Datenschutzrichtlinien einzuhalten, bleibt dem Nutzer keine andere Wahl, als seine Daten auf eine gesetzeskonforme Umgebung zu verlagern. Die beste Kontrolle und komplette Datenhoheit erhält er, wenn er die Daten in sein eigenes Rechenzentrum überführt.

Sicherheitsaspekte

Öffentliche Clouds sind ein beliebtes Ziel von Cyberkriminellen. Sie sind über das öffentliche Internet erreichbar und bieten, sollte es den Angreifern gelingen Sicherheitsbarrieren zu überwinden, ein riesiges Missbrauchspotenzial. Vernachlässigt ein Cloud-Provider die Absicherung seiner Services oder hat die eingesetzte Lösung offene Schwachstellen und Sicherheitslücken, haben Angreifer unter Umständen unbefugten Zugriff auf Anwendungen oder Daten. Bestehen hohe Anforderungen an die Sicherheit der Systeme, kann eine Cloud Repatriation sinnvoll sein. Es lassen sich in der privaten Cloud mit entsprechendem Aufwand beliebige Sicherheitslevel realisieren. Dies reicht bis zu einer kompletten Abschottung des Zugriffs von öffentlichen Netzen aus. Eine Abhängigkeit vom Cloud-Anbieter hinsichtlich der Cybersecurity besteht nicht mehr.

Höhere Flexibilität

Wer Services in einer öffentlichen Cloud betreibt oder Daten dort ablegt, ist vom Produktportfolio des Anbieters abhängig. Ändern sich Anforderungen oder sollen neue Konzepte schnell umgesetzt werden, bieten die vorhandenen Cloud-Produkte des Providers unter Umständen nicht die gewünschten Lösungen. Mehr Flexibilität ergibt sich durch eine Cloud Repatriation. Im eigenen Data Center lassen sich die Anforderungen ohne Abhängigkeit vom Anbieter selbst umsetzen.

Vermeidung eines Vendor Lock-ins

Setzt ein Anbieter bestimmte Technologien ein oder verwendet proprietäre Lösungen, kann schnell eine Abhängigkeit vom Provider entstehen. Dieser Vendor Lock-in ist sehr nachteilig, erhöht der Anbieter beispielsweise seine Preise oder verändert den Funktionsumfang seiner Leistungen. Für den Nutzer kann das zu komplett unwirtschaftlichen Lösungen führen. Sind Services oder Daten in das eigene Data Center verlagert, hat der Betreiber selbst die Kontrolle, welche Lösungen und Technologien welchen Herstellers er einsetzt. Nutzt er beispielsweise Lösungen wie OpenStack, profitiert er von einer anbieterübergreifenden Kompatibilität, indem er Wahlfreiheit bei der Nutzung von Cloud-Anwendungen erhält und den Vendor Lock-in verhindert.

Minimierung von Latenzzeiten

Anwendungen wie automatisierte Prozesse der Industrie 4.0 oder autonomes Fahren müssen Daten mit minimaler Latenz verarbeiten. Nicht immer bieten die in einer öffentlichen Cloud gehosteten Services die geforderte Latenzzeit, Bandbreite oder Datenverarbeitungsgeschwindigkeit. Die Verlagerung der Services in die Nähe der Datenentstehung durch Cloud Repatriation reduziert die Latenzzeiten und kann für eine vorhersagbare Performance sorgen.

Senkung der Kosten bei der Speicherung und Übertragung großer Datenmengen

Services einer Public Cloud sind nicht immer die kostengünstigste Lösung. Geht es beispielsweise um die Speicherung riesiger Datenmengen, können lokale Speicherlösungen wesentlich effizienter und kostengünstiger sein. Cloud Repatriation ermöglicht es, Daten auf On-Premises-Equipment zu speichern und Kosten zu senken. In diesem Fall entfällt die Notwendigkeit, die Daten über die in ihrer Bandbreite beschränkten Netzwerkverbindungen zu übertragen. Oft halten die Datenübertragungsraten der Netzwerkverbindungen nicht mit dem schnellen Wachstum der zu verarbeitenden oder zu speichernden Datenmengen Schritt.

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05.06.19 - Unternehmen, die bereits personenbezogene Daten in der Cloud gespeichert haben, wollen diese aus Sicherheitsgründen wieder vor Ort platzieren. Diesen Schritt des „Unclouding“ erwägt fast die Hälfte der Unternehmen weltweit, die private oder öffentliche Cloud-Dienste zur Speicherung ihrer Daten nutzen. lesen

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