Open Telekom Cloud - strategischer Ausblick

T-Systems: Eine Public Cloud startet durch

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Ein strategischer Ausblick über die Open Telekom Cloud, dem Public Cloud-Angebot von T-Systems.
Ein strategischer Ausblick über die Open Telekom Cloud, dem Public Cloud-Angebot von T-Systems. (Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

Frank Strecker verantwortet als Senior Vice President das Cloud-Geschäft von T-Systems, dem Tochterunternehmen des Konzerns Deutsche Telekom. Er verfolgt eine neue Strategie und will das Thema Public Cloud weiter forcieren. CloudComputing-Insider sprach mit ihm über die konkreten Pläne.

In den Jahren 2015 und 2016 haben die Deutsche Telekom und ihre Geschäftskundensparte T-Systems ihre Angebote rund um die Public Cloud massiv ausgeweitet, T-Systems ließ sich als europäischer Marktführer im Segment Private Cloud feiern und hob an, auch in Sachen Public Cloud massiv zu wachsen. Ist Ihnen das gelungen?

Frank Strecker: Wir verzeichnen im Segment Public Cloud ein stetiges Wachstum, im letzten Jahr von etwa 70 Prozent. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Wir wollen unseren Kunden ein umfassendes Ökosystem aus Infrastruktur, Plattformen und Anwendungen bieten, unabhängig von der Basis-Technologie. Deswegen bauen wir dieses Ökosystem immer weiter aus, gerade aktuell mit der Public-Cloud-Partnerschaft mit Microsoft. Gleichzeitig bieten wir unseren Kunden an, die entstehenden Multi-Cloud-Landschaften zu managen.

Ebenfalls um 2015/16 herum prognostizierten Sie, dass Automobilhersteller künftig viele Ihrer IoT-Daten, die in und um Autos generiert werden, in die Public Cloud verschieben werden. Hochskalierbare Clouds wie die von Cisco hätten daher enorme Potentiale. Hat sich das bewahrheitet? Schieben Audi und Co. massiv Daten in die Public Cloud?

Strecker: Ich komme gerade von der Hannover Messe, wo ich unter anderem mit Vertretern der Autoindustrie gesprochen habe. Fakt ist: Die Cloud ist für die Commodity.

Um zum Beispiel SmartCar-Lösungen umzusetzen, zerlegen Autohersteller ihre monolithischen Systeme in Microservices, um schneller auf Marktveränderungen reagieren zu können. Einer unserer Kunden hat eine globale Plattform auf Basis von RedHat Openshift konzipiert und aufgebaut, die als zentrale Lösung für Entwicklung, Tests und Produktion fast aller Applikationen dient. Die eigene Plattform liegt on premises beim Unternehmen, der PaaS-Layer wird von T-Systems betrieben und gemanagt. Die Microservices stehen den rund 2.000 internationalen Entwicklern rund um die Uhr zur Verfügung, so dass sie jederzeit flexibel arbeiten können.

Ein anderer Kunde aus der Automobilbranche nutzt eine SaaS-Lösung aus unserer Open Telekom Cloud, um die internen Server-Bereitstellungsprozesse in seinen Data Center qualitativ zu verbessern und zu beschleunigen. Seine Ziele hat er damit erreicht: mehr Innovationskraft, höhere Geschwindigkeit und geringere Kosten.

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Wie wird die Open Telekom Cloud bisher nachgefragt? Ihre Ansage war es, mit der Cloud auf der Basis von Huawei-Technik Amazon und Google Paroli bieten zu wollen.

Strecker: Wir haben 2017 rund 800 neue Kunden für die Open Telekom Cloud gewonnen. Diese Kunden kommen aus allen Segmenten und aus allen Branchen. Das Angebot wird also angenommen. Aber unser Ziel lautet nicht, gegen die Hyperscaler zu arbeiten. Es geht vielmehr darum, unsere Kunden auf ihrem Weg in die Cloud zu begleiten und ihnen die für sie richtige Cloud zu bieten, dabei nutzen wir die Public-Plattformen der Hyperscaler auch für unsere Services. Auf der Hannover Messe haben wir gerade unsere Partnerschaft mit Microsoft bekanntgegeben.

Wir unterstützen unsere Kunden dabei, das enorme Potenzial dieser Cloud-Plattformen erst richtig nutzbar zu machen, wir bieten ihnen gemanagte Services, um der Komplexität Herr zu werden. Und im Unterschied zu den hoch standardisiert arbeitenden Hyperscalern kennen wir unsere Kunden, deren Entwicklung, die Strukturen und Zusammenhänge in den Unternehmen, in den Branchen.

Und, dieser Hinweis sei auch gestattet: Nicht alle Daten gehören in die Public Cloud. Weil unsere Kunden danach fragen, haben wir die Open Telekom Cloud übrigens gerade um ein Hybrid-Angebot erweitert. Das geht sogar so weit, dass wir Unternehmen dedizierte Hardware für die Open Telekom Cloud ins kunden-eigene Rechenzentrum stellen, wenn sie dies wünschen.

Vor kurzem ließ Microsoft mit der kolportierten Aussage aufhorchen, dass die Nachfrage nach der Microsoft Cloud Deutschland (MCD) und damit nach einer Public Cloud, die mit deutschen Datenschutzrechtsverständnis konform geht und bei der T-Systems als Treuhänder fungiert, nur wenig nachgefragt würde. Sehen Sie einen Hang der Anwender zur Public Cloud OHNE deutschen Datenschutz?

Strecker: Nein. Es geht darum, welche Daten in der Public Cloud verarbeitet werden sollen. Nehmen wir als Beispiel sensible Patientendaten. Das Start-up Teleclinic.com, das Sprechstunden aus der Cloud anbietet, setzt auf unsere Public Cloud aus einem deutschen Rechenzentrum. Mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung werden viele Unternehmen jetzt zusätzlich sensibilisiert, auf Compliance-Regeln zu achten. Aber natürlich ist auch so, dass am Ende auch der Preis eine Rolle spielt.

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Die Open Telekom Cloud ist eine skalierbare IaaS-Lösung (Infrastructure as a Service), die auf OpenStack basiert. Letzteres betont Ihr Unternehmen gerne und oft, nicht zuletzt wegen der Offenheit des Standards. Es gibt aber auch Kritik, sogar von Großkunden: OpenStack sei zu kompliziert, es „stelle zu hohe Anforderungen an das Knowhow der Anwender“ - welches Feedback haben Sie dazu von Kunden bekommen?

Strecker: Um noch einmal auf die Automobilbranche zurückzukommen: Ein großer Autobauer setzt explizit auf OpenStack, damit er Daten nicht herausgeben muss, sondern sozusagen in der internen Cloud bearbeiten kann. Das heißt, OpenStack ermöglicht es den Anwendern nicht nur, technologisch unabhängig zu bleiben, einen so genannten Vendor Lock-in zu vermeiden, sondern auch eigenes Know-how aufzubauen und die Plattform weiterzuentwickeln. Mit der Open Telekom Cloud haben wir OpenStack massenmarkt-tauglich gemacht. Jeder Geschäftskunde, ob groß oder klein, kann unabhängig von seinem IT-Know-how von den Vorteilen unserer Cloud profitieren. Das haben uns Kunden auf unseren letzten OpenStack Summits bestätigt.

Die einzelnen Cloud-Services der Open Telekom Cloud können über ein Self-Service-Portal und programmierbare Schnittstellen (APIs) individuell konfiguriert werden. Verraten Sie uns, welche Dienste am meisten nachgefragt werden?

Frank Strecker ist als Senior Vice President Cloud Partner Products & Ecosystems bei T-Systems verantwortlich für das weltweite Cloud-Geschäft der Deutschen Telekom.
Frank Strecker ist als Senior Vice President Cloud Partner Products & Ecosystems bei T-Systems verantwortlich für das weltweite Cloud-Geschäft der Deutschen Telekom. (Bild: T-Systems)

Strecker: Kunden wollen in erster Linie Rechenleistung, also virtuelle Maschinen (Elastic Cloud Server). Sie suchen außerdem nach günstigem und performantem Speicher (Object Storage Service). Zusätzlich nutzen sie verschiedene Services, die die Cloud-Nutzung vereinfachen, etwa kostenstellen-bezogene Services, über die eine direkte Zuordnung von Speicherkapazitäten möglich ist. Weitere beliebte Anwendungen sind unsere verschiedenen Datenbank-Angebote sowie Services rund um Big-Data-Analysen (MapReduce Service).

Die Vita von Frank Strecker: Frank Strecker ist als Senior Vice President Cloud Partner Products & Ecosystems verantwortlich für das weltweite Cloud-Geschäft im Konzern Deutsche Telekom. Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen im Auf- und Ausbau dieses strategischen Geschäftsfelds und der Integration aller Geschäftsbereiche der Telekom beim Thema Cloud Computing und Partner Sales. Frank Strecker ist technisch-orientierter Diplom-Kaufmann und studierte an der Universität Stuttgart. Er hat mehr als 17 Jahre Erfahrung im ICT-Geschäft. So hielt er unter anderem zahlreiche nationale und internationale Führungsaufgaben bei der IBM inne.

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