Die „Cloud Deutschland“ mit T-Systems soll ein Ladenhüter sein

Warum Microsoft nun eigene Rechenzentren in Deutschland baut

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ludger Schmitz

Wenn es mit Cloud-Rechenzentren unter fremder Hoheit nicht so läuft, versucht es der Softwareriese halt mit eigenen.
Wenn es mit Cloud-Rechenzentren unter fremder Hoheit nicht so läuft, versucht es der Softwareriese halt mit eigenen. (Bild: gemeinfrei / efes / Pixabay / CC0)

Neue Microsoft-Rechenzentren in Deutschland sollen „zusätzlich zu den bereits existierenden Microsoft Cloud-Angeboten in Deutschland“ Azure, Office 365 und Dynamics 365 as a Service anbieten. Es geht also nicht um die „Cloud Deutschland“, die angeblich nicht gut ankommt.

Das Besondere an den 2015 anvisierten und 2017 gestartetenCloud Deutschland“-Angeboten von Microsoft ist ja, dass T-Systems als Treuhänder darüber wacht, dass Microsoft die in die Cloud verschobenen Daten nicht einsehen kann. Microsoft selbst erklärt: „Als Datentreuhänder überwacht und kontrolliert T-Systems jeden physischen und technischen Zugriff auf die Kundendaten, mit Ausnahme des Zugriffs durch den Kunden selbst. Der Treuhänder verpflichtet sich vertraglich direkt dem Kunden gegenüber und handelt nur in seinem Auftrag. Die Datenherausgabe an Drittparteien erfolgt nur, wenn der Kunde oder das deutsche Recht es verlangen.“

Cloud Deutschland - Nachfrage nur „gering“?

Microsoft hat also anders als bei den neu geplanten Rechenzentren grundsätzlich keinen Zugriff auf die Daten, die in der Microsoft Cloud Deutschland gespeichert sind. „Herausgabeverlangen ausländischer Behörden“ oder „richterlichen Anordnungen“ werde nicht nachgegeben. „Mit der Microsoft Cloud Deutschland mit deutscher Datentreuhand wirkt Microsoft den Bedenken vieler Kunden gegenüber Cloud-Computing entgegen und schafft das Vertrauen, das das Arbeiten mit der Cloud verlangt.“

Was bietet Microsoft Cloud Deutschland?

Azure IaaS-, PaaS- und IoT-Dienste aus deutschen RZ

Was bietet Microsoft Cloud Deutschland?

29.09.16 - Microsoft bietet ab sofort seine Public-Cloud-Infrastruktur-, Plattform- und IoT-Dienste aus deutschen Rechenzentren in Frankfurt/Main und Magdeburg an. Der Datenaustausch erfolgt über ein privates, vom Internet getrenntes Netzwerk, auch die Datenspeicherung selbst erfolgt ausschließlich in Deutschland. lesen

Diese Angebote werden laut „Handelsblatt“ aber nur wenig angenommen. Die Publikation berichtete diese Woche mit Berufung auf „gemeinsame Recherchen von Handelsblatt und Wirtschaftswoche im Unternehmensumfeld sowie in der IT-Branche“, dass die Nachfrage nach der Microsoft Cloud Deutschland (MCD) „gering“ sei. Laut „übereinstimmenden“ Aussagen „zahlreicher Branchenkenner“ sei MCD „zu teuer, zu rückständig“.

Weltweit entstehen neue MS-Rechenzentren

Die Nachfrage nach regulären Public-Cloud-Angeboten von Microsoft steige dagegen kontinuierlich und rasant an, der Konzern berichtet seit Jahren von steigenden Rechenzentrumsaktivitäten, um der Nachfrage Herr zu werden. Teil dieser Bemühungen seien die besagten neuen Rechenzentren, bei denen die Daten in Deutschland verbleiben, aber auf eine Absicherung durch einen Treuhänder verzichtet wird.

Vielmehr werde das Angebot an Microsofts weltweites Public-Cloud-Netzwerk angebunden, so Jason Zander, Corporate Vice President, Microsoft Azure. Das Unternehmen hat diese Woche auch neue Rechenzentrums-Regionen für die Schweiz und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie die generelle Verfügbarkeit von Azure und Office 365 aus Rechenzentren in Frankreich angekündigt.

Weitere Details zu den neuen Rechenzentren in Deutschland konnte Microsoft auf Nachfrage nicht mitteilen. Insgesamt könne man aber in Deutschland eine gesteigerte Nachfrage nach den Cloud-Diensten von Microsoft verzeichnen. „Deutschland erwacht derzeit in puncto Cloud“, ließ Oliver Gürtler, Business Group Lead Cloud & Enterprise, Microsoft Deutschland, verlauten.

Das deutsche Cloud-Angebot von Microsoft

Weltweit unterhält der Konzern deutlich über 100 Rechenzentren in 40 Ländern mit 34 Azure-Rechenzentrumsregionen. Azure stand hierzulande laufend in der Kritik der Datenschützer. Der Generalverdacht lautete, dass Daten von Kunden an Geheimdienste in den USA weitergegeben werden. Microsoft reagierte darauf, indem man Rechenzentren in Frankfurt am Main und nahe Magdeburg einrichtete und den internationalen Standard zum Datenschutz in der Cloud ISO 27018 übernahm. Zusätzlich wurde das Treuhändermodell installiert: Ohne Zustimmung von T-Systems International erhält Microsoft keinen Zugriff auf Kundendaten. Dieser erfolgt unter Aufsicht und zeitlich begrenzt.

Die deutschen Rechenzentren von Microsoft nutzen die gleichen Sicherheitsstandards wie die anderen Einrichtungen weltweit auch, die Microsofts Cloud-Angebote hosten. Unter anderem kommen Multi-Faktor-Authentifizierungen, biometrische Scans, Smartcards, Datenverschlüsselungen nach SSL/TLS-Protokollen, physische Sicherheitsmaßnahmen sowie Sicherungen gegen Naturkatastrophen und Stromausfälle zum Einsatz. In Deutschland kann zudem die Azure ExpressRoute zu den Rechenzentren genommen werden, es handelt sich um einen besonders sicheren Hochgeschwindigkeitszugang.

Big-Data-, Machine-Learning- und Industrie-4.0-Szenarien setzt Azure in Deutschland mittels der Azure IoT Suite um, die Dienste wie Azure IoT Hub, Stream Analytics, Machine Learning und Document DB umfasst. SAP-Anwender können ihre spezifischen Daten in SAP HANA für Microsoft Azure ablegen und bearbeiten.

* Dietmar Müller ist freiberuflicher Journalist in Abensberg.

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