Studien belegen

Rechenzentren wehren sich tapfer gegen die Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

2019 zeichnete sich eine Bewegung zurück in die Rechenzentren ab – Anwendungen sollten aus der Public Cloud wieder zurück auf die eigene Infrastruktur geschoben werden.
2019 zeichnete sich eine Bewegung zurück in die Rechenzentren ab – Anwendungen sollten aus der Public Cloud wieder zurück auf die eigene Infrastruktur geschoben werden. (Bild: gemeinfrei, 9685995 / Pixabay)

Die Analysten dieser Welt sind sich einig: Der einflussreichste Trend in der IT ist Cloud Computing in seinen verschiedenen Formen. Gartner schlussfolgerte im vergangenen Jahr, dass damit das langsame, aber sichere Sterben lokaler Rechenzentren in Deutschland eingeläutet wurde. Doch jüngste Untersuchungen sprechen dagegen: Das kleine Rechenzentrum hält sich tapfer, IT-Verantwortliche agieren „in echt“ konservativer, als es ihre Statements vermuten lassen.

Vanson Bourne hat in seinem jüngsten Enterprise Cloud Index für Deutschland nachgewiesen, dass Enterprise Workloads nach wie vor hauptsächlich im hauseigenen Rechenzentrum abgelegt und verarbeitet werden. Das erklärten 2019 fast 60 Prozent aller befragten deutschen Firmen – und überraschten damit die Analysten. „Die Nutzung traditioneller, nicht Cloud-fähiger Rechenzentren stieg im Jahr 2019, anstatt um mehr als 20 Prozent zu sinken, wie die Daten es uns für 2018 angedeutet hatten“, so die Autoren der Studie. Für sie hat Vanson Bourne Mitte vergangenen Jahres im Auftrag von Nutanix weltweit 2.650 IT-Entscheider zu ihren Plänen befragt.

Gartner hatte sogar noch drastischere Prognosen bezüglich des Ablebens von kleinen Rechenzentren ausgegeben. Demnach haben sich bis 2025 rund 80 Prozent der Unternehmen weltweit von ihren lokalen Serverkapazitäten verabschiedet, den Job würden dann Co-Location-, Hosting- und Cloud-Rechenzentren übernehmen.

Was ist Cloud Repatriation?

Unclouding oder die Rückübertragung von Daten und Anwendungen aus der Cloud

Was ist Cloud Repatriation?

03.12.19 - Cloud Repatriation ist die Rückführung von Daten oder Anwendungen aus der Public Cloud in das eigene Rechenzentrum. Die Infrastruktur des On-Premises-Rechenzentrums ist ebenfalls Cloud-basiert organisiert. Es entstehen hybride Cloud-Umgebungen, in denen bestimmte Anwendungen in einer privaten oder in einer öffentlichen Cloud betrieben werden. lesen

De facto hat die Zahl der Rechenzentren aber zuletzt zugenommen. Überhaupt zeichnete sich 2019 eine Bewegung zurück in die Rechenzentren ab – Anwendungen sollten aus der Public Cloud wieder zurück auf die eigene Infrastruktur geschoben werden. Das überraschte die Marktforscher von Vanson Bourne, zumal die deutschen CIOs ihre dahingehenden Pläne „aggressiv“ verfolgten. Tatsächlich berichteten mehr als drei Viertel der deutschen Befragten, dass Sie in öffentlichen Clouds gehostete Apps wieder ins Rechenzentrum holen wollen.

Dies deckt sich mit der Beobachtung von IDC, wonach weltweit Investitionen in die Public Cloud sowohl im zweiten als auch dritten Quartal 2019 zurückgegangen sind, wenngleich nur um 3,7 Prozent im Vergleich zu Q2 und Q3 2018. Allgemein war jedoch ein deutliches Plus erwartet worden.

Späte Rache der Cloud?

Das Rechenzentrum hält sich also tapfer im Wolkensturm. Aber in naher Zukunft soll die Cloud-Revolution doch noch zuschlagen: Von 2018 auf 2019 legte das Multi Cloud Deployment in Deutschland um lediglich fünf Prozent zu, die von Vanson Bourne befragten deutsche CIOs kündigten jedoch an, dass man in den kommenden Monaten verstärkt Multi Cloud-Szenarien nutzen wollte.

Mittelfristig und global gesehen prognostiziert der Enterprise Cloud Index 2019, dass Unternehmen eine Menge Geld in die Hand nehmen wollen, um ihre Hybrid Cloud-Architekturen auszubauen. In fünf Jahren soll eine komplett andere IT-Architektur in den Firmen aufzufinden sein als heute noch. Für 2024 sehen die Analysten von Vanson Bourne gerade einmal noch in 12 Prozent der deutschen Unternehmen ein traditionelles Rechenzentrum im Einsatz.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass die Gründe für das verlangsamte Tempo der Hybrid Cloud-Adaption in einem branchenweit feststellbaren Bedarf an einer besseren App-Mobilität inklusive Cross-Cloud-Management-Tools sowie Security-Features liegen könnte. Was auch immer die Gründe sein mögen: die Pläne für die nächsten Jahre vieler im vergangenen Jahr Befragter, auch in deutschen Unternehmen, haben sich geändert. Aber ob es nun ein Jahr, fünf Jahre oder mehr dauert: Deutsche Unternehmen werden genau wie ihre internationalen Wettbewerber auf dem Hybridpfad bleiben“, so Vanson Bourne.

Deutsche Pläne vs. Realität

Reden wir also über Absichten. Laut Studie wird es in Deutschland rasant mit der Hybrid Cloud aufwärts gehen. 85 Prozent der von Vanson Bourne Befragten weltweit bezeichnete Mitte 2019 die Hybrid Cloud als die „ideale“ IT-Betriebsumgebung. In Deutschland war die Begeisterung dafür mit 87 Prozent sogar noch größer. Im Gegenzug soll die Alleinnutzung der Private Cloud bis 2024 um 17 Prozentpunkte zurückgehen.

Den Prognosen stehen allerdings die Tatsachen gegenüber. Lassen wir uns überraschen, ob das traditionelle Rechenzentrum wirklich verschwindet und die Cloud übernimmt.

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