Checkliste für das Ausgabenmanagement

Vier Kostenfallen in der Cloud

| Autor / Redakteur: Thomas Reiber* / Florian Karlstetter

Vier Tipps zur Orientierungshilfe, um mögliche Kostenfallen im eigenen Unternehmen auszumachen und zu beseitigen.
Vier Tipps zur Orientierungshilfe, um mögliche Kostenfallen im eigenen Unternehmen auszumachen und zu beseitigen. (Bild: gemeinfrei (TheDigitalArtist / pixabay))

Eine IT-Infrastruktur ohne Cloud? Heute kaum noch vorstellbar. Vor allem die deutlich niedrigeren Kosten sprechen für den Einsatz von „Infrastructure as a Service“. Doch dieses Argument gilt nur, wenn Unternehmen tatsächlich den maximalen Nutzen aus ihren Services ziehen und ihre Cloud-Ausgaben entsprechend optimieren.

Die Cloud ist nicht nur kostengünstig, sie ermöglicht Entwicklern und IT-Teams auch einen einfachen, schnellen und flexiblen Zugriff auf Ressourcen – auch dann, wenn diese kurzfristig gebraucht werden (On-Demand Instanzen). Für das IT-Procurement gilt dabei, die verschiedenen Verträge mit unterschiedlichsten Preis- und Nutzungsmodellen unter einen Hut zu bringen und ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis sicherzustellen. In der Realität ist das jedoch nicht immer der Fall. Tatsächlich fallen nach einer Studie von Flexera 35 Prozent der Cloud-Ausgaben für Leistungen an, die vom Unternehmen gar nicht im vollen Umfang in Anspruch genommen werden. Allein die drei führenden Cloud-Anbietern AWS, Azure und Google können sich so über „Mehr“-Einnahmen von insgesamt rund 13 Milliarden Euro pro Jahr freuen.

Es ist einfach, die Gründe für solche unnötigen Ausgaben in der dezentralen Nutzung der Cloud und einer mangelnden Übersicht aller Cloud-Assets im Unternehmen zu finden. Das Problem geht jedoch tiefer:

Neue Preismodelle, neue Komplexität

Über Kreditkarte und E-Mail-Adresse lassen sich Cloud-Services zwar ohne Probleme einrichten und je nach Bedarf ändern und ausbauen. Die hohe Flexibilität der Cloud hat jedoch auch ihren Preis, denn mit jeder neuen Cloud-Anwendung im Unternehmen steigt die Komplexität in Bezug auf Abrechnung und Kosten. Cloud-Dienstleister bieten eine Vielzahl an Preismodellen an, die den Zugang und die Nutzung von Cloud-Ressourcen auf unterschiedliche Weise berechnen. Die Kosten für den Zugriff auf virtuelle Maschinen und Instanzen beispielsweise können sich je nach Region, Betriebsstunden und anderen Faktoren stark voneinander unterscheiden. Gleiches gilt für Cloud-Storage-Lösungen. Der vermeintliche Kostenvorteil eines nutzungsbasierten Service ist zudem schnell hinfällig, wenn die tatsächliche Nutzung nicht kontinuierlich überprüft wird. So lässt sich nur schwer entscheiden, ob die die Cloud tatsächlich kostengünstiger ist oder eine Bereitstellung vor Ort den Bedarf ebenso gut, wenn nicht sogar effizienter abdecken könnte.

Überdimensionierte Instanzen

Besonders deutlich wird das Ausmaß der unnötigen Ausgaben bei Cloud-Instanzen. Hier schießen Unternehmen gerne über das Ziel hinaus und bestücken virtuelle Maschinen mit reichlich RAM und CPU-Kernen. Die Folge sind überdimensionierte Instanzen, die den Bedarf bei weitem übersteigen. Mehr als ein Drittel (39 Prozent) der Ausgaben für Cloud-Instanzen entfallen auf VMs, die lediglich bis zu 40 Prozent und damit weit unter ihrer verfügbaren CPU- und Speicherauslastung genutzt werden. Bei der Mehrheit erreicht die Auslastung noch nicht einmal 20 Prozent.

Die Wahl der richtigen virtuellen Maschinen kann daher viel zur Kosteneinsparung beitragen. Statt groben Bedarfsprognosen zu folgen, sollten Unternehmen alle zentralen Fragen vorab klären. Welche Instanzen werden wo benötigt? Wie groß ist die Instanz zu ihrem Äquivalent in der Cloud? Gleichen sich die Leistungsmerkmale? Und welches Preis-Leistungs-Verhältnis macht letztendlich Sinn?

Ergänzendes zum Thema
 
Checkliste – Cloud-Ausgaben im Griff

Schatten-IT auch in der Cloud

Im Rahmen agiler Entwicklungsabläufe handeln Teams zunehmend schneller, projektorientierter und oft auf eigene Faust. Sind in der Entwicklung oder in der Qualitätssicherung zusätzliche Cloud-Instanzen nötig, werden sie einfach eingerichtet – oft ohne Absprache mit IT und Procurement. Die Kosten dafür sind mit nur wenigen Cents pro Stunde zwar relativ gering. Bei Hunderten oder Tausenden virtueller Maschinen im Unternehmen schlagen jedoch auch diese kleinen Beiträge schnell ins Gewicht, vor allem wenn nach Durchführen von Test-Workloads die Instanzen ungenutzt weiterlaufen und so Woche für Woche und Monat für Monat unnötige Kosten verursachen.

Cloud Sprawl“, die unkontrollierte Ausbreitung von Cloud-Instanzen, ist für Unternehmen hochproblematisch. Entgehen der IT aufschlussreiche Analysen über den Einsatz und die Nutzung der Cloud im Unternehmen, kann sie kaum Bedarfsprognosen für die Zukunft abgeben, Kapazitäten anpassen und ein IT-Budget planen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass letztendlich mehr Geld ausgegeben wird als ursprünglich budgetiert. Zumal Mitarbeiter, die Anwendungen eigenmächtig beziehen, nur selten mit den gleichen Preisvorteilen rechnen können wie IT-Abteilungen, die über größeren Verhandlungsspielraum verfügen. Von Compliance- und Sicherheitsrisiken der unautorisierten Anwendungen soll gar nicht die Rede sein.

Unkontrollierte Verbreitung von Cloud-Instanzen vermeiden

Die Cloud im Griff

Unkontrollierte Verbreitung von Cloud-Instanzen vermeiden

21.09.17 - Die Argumente für Cloud-Services sind vielseitig: Höhere Agilität, niedrigere Kosten und ein direkter Zugriff auf Rechenleistung, Speicherkapazität und Datenbankdienste ohne selbst ein Rechenzentrum betreiben zu müssen. Der Weg in die Cloud macht das Management der Ressourcen jedoch nicht überflüssig. Zu hoch ist das Risiko, zu viel Geld in eine Cloud-Instanz und Infrastruktur zu stecken, die möglicherweise gar nicht genutzt wird. lesen

Fehlende Automation zur Optimierung von Workloads

Viele Unternehmen vertreten die Auffassung, dass eine einmalige Optimierung der Cloud-Ausgaben eines Unternehmens vollkommen ausreicht, um auch über einen längeren Zeitraum kosteneffizient zu arbeiten. Das Gegenteil ist der Fall. Wie in jedem Bereich des IT-Managements gilt es auch in der Cloud, jedes Asset zu identifizieren und kontinuierlich auf Nutzung, Compliance und Sicherheit zu überprüfen, um Risiken sowie Kosten über das ganze Unternehmen hinweg zu reduzieren.

Automatisierte Tools zu Optimierung von Multi-Cloud-Kosten, die einen genauen Einblick in die Ausgaben liefern, Schatten-IT aufdecken und entsprechende Einsparungsmaßnahmen ermöglichen, gewinnt damit an Bedeutung. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, auf Basis der tatsächlichen Cloud-Nutzung ungenutzte oder nicht ausgeschöpfte Cloud-Instanzen automatisch zu beseitigen oder umzuverteilen. Gleichzeitig lassen sich datengestützte Preisvorteile ausmachen, zum Beispiel bei der Verlagerung einer Cloud-Instanz in eine andere Region. Ein hoher Automatisierungsgrad der Lösungen ist dabei entscheidend, um die hybride und ständig wachsende IT-Landschaft in den Griff zu bekommen.

Thomas Reiber, Regional Vice President DACH, bei Flexera.
Thomas Reiber, Regional Vice President DACH, bei Flexera. (Bild: Flexera)

Bei allen Vorteilen der Cloud, erleben Unternehmen häufig, dass die Kosten für die Cloud-Anwendungen stärker steigen als ursprünglich erwartet. Eine hohe Komplexität beim Multi-Cloud-Management ist die Regel – nicht die Ausnahme. Doch was bedeutet das für die Praxis? Bei der Optimierung ihrer Cloud-Ausgaben lohnt sich für Unternehmen ein Blick auf die folgende Checkliste als Orientierungshilfe, um mögliche Kostenfallen im eigenen Unternehmen auszumachen und zu beseitigen.

Der Autor: Thomas Reiber, Regional Vice President DACH, Flexera.

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