Die Cloud im Griff

Unkontrollierte Verbreitung von Cloud-Instanzen vermeiden

| Autor / Redakteur: Anton Hofmeier* / Florian Karlstetter

Eine unkontrollierte Ausbreitung von Cloud-Instanzen gilt es zu verhindern.
Eine unkontrollierte Ausbreitung von Cloud-Instanzen gilt es zu verhindern. (Bild: geralt / pixabay / CC0)

Die Argumente für Cloud-Services sind vielseitig: Höhere Agilität, niedrigere Kosten und ein direkter Zugriff auf Rechenleistung, Speicherkapazität und Datenbankdienste ohne selbst ein Rechenzentrum betreiben zu müssen. Der Weg in die Cloud macht das Management der Ressourcen jedoch nicht überflüssig. Zu hoch ist das Risiko, zu viel Geld in eine Cloud-Instanz und Infrastruktur zu stecken, die möglicherweise gar nicht genutzt wird.

Cloud-Services sind nicht die Zukunft – sie sind die Gegenwart. Nach einer Bitkom-Umfrage unter 554 deutschen Unternehmen aller Branchen, stieg die Zahl der Cloud-Nutzer allein in einem Jahr von 54 Prozent in 2015 auf 65 Prozent in 2016. Dabei schmilzt der Abstand zwischen großen und mittelständischen Unternehmen immer weiter. Bei 83 Prozent aller neuen Softwarebeschaffungen wird sich laut Constellation Research für die Cloud entschieden. Zudem planen 77 Prozent der befragten Unternehmen auf Computerleistungen in der Cloud zuzugreifen.

Diese Zahlen verdeutlichen die Stellung der Cloud aus der Sicht einzelner Unternehmen. Doch wie sieht es mit dem Gesamtmarkt aus? Laut IDC zeigt das Marktwachstum deutlich wohin sich die Branche bewegt – nämlich weiter aufwärts. Die Cloud-IT wächst jährlich um mehr als 11,7 Prozent und wird bis zum Jahr 2021 ein Volumen von 47,2 Milliarden Dollar erreichen. Ausgaben für traditionelle IT schrumpfen hingegen auf 46,9 Prozent des gesamten Infrastrukturmarktes, 53,1 Prozent entfällt dann auf die Cloud-Infrastruktur.

Eine Frage der Bereitstellung: Cloud oder eigenes Rechenzentrum?

Wie wirken sich diese Cloud-Markttrends nun auf Unternehmen aus? In vielen IT-Abteilungen wird mit der Entscheidung gerungen, wie die Bereitstellung von Services gehandhabt werden soll. Wählen sie den herkömmlichen Weg und nutzen ein eigenes Rechenzentrum, ist der Kauf teurer Hardware- und Netzwerkkomponenten erforderlich. Da es sich dabei meist um Investitionsausgaben handelt, hat das auch Auswirkungen auf Steuer und Finanzberichterstattung. Darüber hinaus bedeuten wachsende Services in der Regel einen zusätzlichen Arbeitsaufwand für bereits stark ausgelastete IT-Mitarbeiter.

Cloud bietet hier eine verheißungsvolle Alternative. Im Unterschied zu Investitionsaufwendungen werden Cloud-Dienste meist als Betriebsausgaben behandelt – und sind so ohne oder zumindest mit geringen steuerlichen Implikationen verbunden.

Die Entscheidung, ob Cloud oder eigenes Rechenzentrum ist nicht neu. Meist richtet sich die Entscheidung danach, welche Form der Bereitstellung kostengünstiger ist und eine höhere Rendite verspricht. Eine derartige Kosten-Nutzen-Analyse lässt sich jedoch nur aufstellen, wenn die richtigen Daten vorliegen. Erfahrung mit dem Betrieb eines Rechenzentrums haben auf die eine oder andere Weise die meisten Unternehmen. Bei der Implementierung von Enterprise-Clouds sieht das anders aus. So kann es schwierig sein, die tatsächlichen Cloud-Kosten richtig zu bewerten.

Auch die Cloud braucht Management

Zudem verleitet die einfache und flexible Handhabung der Cloud dazu, das Management von Cloud-Ressourcen zu vernachlässigen. Cloud-Services sind attraktiv, weil sie einfach zu beschaffen und einzurichten sind. Bei vielen Anbietern von Public Clouds, wie Amazon Web Services (AWS) und Microsoft® Azure, kann der Kunde einfach und schnell mit seiner Kreditkarte und E-Mail-Adresse ein Konto anlegen und eine Cloud-Instanz einrichten.

Agile und dynamische Geschäftsbereiche, Abteilungen und Projektteams erhalten so eine Cloud-Instanz, die genau ihren jeweiligen Anforderungen entspricht und die ihnen den Umweg über IT-Abteilung oder den Einkauf erspart. Zudem lässt sich der Verwaltungsaufwand und die Bereitstellungszeit reduzieren. Zusätzliche Cloud-Instanzen und Kapazitäten können bei Bedarf problemlos hinzugefügt werden, z. B. virtuelle Maschinen, Speicher, Datenbanken. Anders als bei Hardwarekomponenten im Rechenzentrum entfallen dabei die üblichen und oftmals langwierigen Prozesse für Investitionsausgaben.

Genau diese Flexibilität und Einfachheit ist aber auch eine Herausforderung für die IT. Denn was passiert, wenn mehr und mehr Geschäftseinheiten, Abteilungen und Projektteams weitere Cloud-Instanzen hinzufügen – oftmals im Alleingang und ohne eine unternehmensweite Absprache?

Cloud Sprawl verhindern

Anton Hofmeier, Regional Vice President DACH bei Flexera.
Anton Hofmeier, Regional Vice President DACH bei Flexera. (Bild: Flexera)

Die Antwort: „Cloud Sprawl“ – eine unkontrollierte Ausbreitung von Cloud-Instanzen. Vor allem wenn Möglichkeiten zur Einsichtnahme oder Kontrolle in Bezug auf Kauf und Nutzung von Cloud-Diensten fehlen kann es zu einem solchen IT-Wildwuchs kommen. Wer über kein effektives Management der Cloud-Ressourcen verfügt, kann die Investitionsrendite nicht berechnen und keine fundierte Entscheidung darüber treffen, ob die Bereitstellung vor Ort oder über die Cloud kostengünstiger ist.

Um die gesamte Cloud-Infrastruktur eines Unternehmens verwalten und steuern zu können braucht es daher effektive Tools und Prozesse. Ansonsten besteht das Risiko, zu viel Geld in Cloud-Instanzen zu stecken und für eine Infrastruktur zu zahlen, die nur teilweise oder gar nicht genutzt wird. Das Management von Cloud-Ressourcen ist zudem unverzichtbar, wenn Prozesse zur Rückvergütung eingesetzt werden sollen. Denn nur damit lassen sich die Kosten anhand des tatsächlichen Ressourcenverbrauchs den jeweiligen Kostenstellen genau zuweisen.

Cloud-Management umfasst den gesamten Cloud-Lebenszyklus – von der Anschaffung über Nutzungsanalyse und -monitoring bis hin zur Abonnementverwaltung. Richtig eingesetzt unterstützt es die IT-Abteilung wichtige Fragen zu klären:

  • Welche Art von Cloud-Instanz ist am kostengünstigsten – On-Demand oder Reserved?
  • Wann steht die Verlängerung der Cloud-Dienste oder -Abonnements an?
  • Werden die Cloud-Instanzen zur Kostenoptimierung voll genutzt?
  • Lassen sich unbenutzte oder nicht genutzte Ressourcen identifizieren, damit unnötige Ausgaben entfallen?

Führt der erste Schritt in die Cloud, sollte als zweiter Schritt die Implementierung einer Managementplattform für die unternehmensweite Cloud-Infrastruktur folgen. Nur so wird die Cloud nicht zur Kostenfalle, sondern zu einem echten strategischen Asset.

* Anton Hofmeier, Regional Vice President DACH bei Flexera

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