Strategie für die Hybrid Cloud

Multi-Cloud-Management richtig gemacht

| Autor / Redakteur: Maximilian Ahrens* / Elke Witmer-Goßner

Ein End-to-End-Ansatz ermöglicht es, Managed Services auf mehreren Clouds bereitzustellen.
Ein End-to-End-Ansatz ermöglicht es, Managed Services auf mehreren Clouds bereitzustellen. (Bild: gemeinfrei © Gerd Altmann - Pixabay / Pixabay)

In unserer Branche ist „Multi Cloud is the New Normal" längst ein geflügeltes Wort. Denn bereits heute nutzen 85 Prozent der Unternehmen Multi-Cloud-Umgebungen. In naher Zukunft wird diese Zahl auf nahezu 100 Prozent steigen.

Den meisten dieser Unternehmen fehlt es jedoch noch immer an einem ordentlichen Management über die verschiedenen Clouds hinweg. Klar, Service Provider können Multi- oder Hybrid-Clouds auf Projektebene managen. Es fehlt aber ein standardisiertes Vorgehen, es fehlt eine Strategie, um von der möglichen Effizienz und Effektivität der Cloud wirklich zu profitieren.

Dies ist keine Strategie

Um die hybride Cloud-Strategie zu verstehen, sollte man zunächst klären, was sie nicht ist. Der Markt für Hybrid Cloud Management hat eine lange Geschichte von Produkten und Lösungen, die sich in der Regel nicht sehr gut verkauft haben, wie zum Beispiel RightScale. Forrester betrachtet es als die beste Lösung für Hybrid Cloud Management (HCM). Zweifellos war RightScale als einer der ersten auf dem Markt. Aber wenn man sich die tatsächlichen Zahlen betrachtet, sehen wir ein immer noch kleines Unternehmen (100-200 Mitarbeiter) mit begrenztem Umsatz (ca.13,6 Mio. US-Dollar). Und von diesem Umsatz stammt ein beträchtlicher Teil aus klassischen IT-Dienstleistungen.

Doch warum ist das so? Traditionelles HCM versucht, die Unterschiede der zugrunde liegenden Plattformen zu abstrahieren. Sie setzt quasi eine durchgehende Glasscheibe über die Plattformen, darauf die Möglichkeit, einheitliche Services zu bauen, um so – zumindest aus Sicht der verantwortlichen Produktmanager – die Arbeitslasten von einer Cloud in die andere verschieben zu können.

Verlust an Leistung oder Vendor Lock-in

Tatsächlich sind Cloud-Plattformen nicht alle gleich, und dies aus gutem Grund. Abstraktion und Vereinheitlichung aber nivellieren einen großen Teil der differenzierenden Faktoren. Womit viele Vorteile, mehrere Clouds zu verwenden, verloren gehen. Ein gutes Beispiel sind die so genannten Service Builder, ein Werkzeugkasten zum Programmieren von Services. Sie ermöglichen es, Managed Services zu bauen und diese über ein Portal bereitzustellen und zu verwalten. Dies erfolgt allerdings entweder abstrahiert oder mittels Integration von nativen Features der jeweiligen Cloud.

Im ersten Falle verzichtet das Unternehmen auf die nativen Features – und ihre individuellen Vorteile – und hält nur den Gemeinsamkeiten der Plattformen fest. Im zweiten Falle kreiert das HCM-Tool eine unnötige Abstraktionsschicht, die hinter die ursprüngliche Leistungsfähigkeit der cloud-nativen Services zurückfällt. Darüber hinaus verlangen diese Service Builder nach ihrer eigenen Sprache, was letztlich zu dem berüchtigten Vendor Lock-in führt.

Portal? Welches Portal?

Aber will der Kunde nicht ein einziges Portal, auf dem er alle seine Dienste bestellen kann? Das ist sicherlich richtig. Welches Portal sollte das sein, und ist es das gleiche Portal für alle Benutzer innerhalb eines Unternehmens? Verschiedene Benutzer wünschen sich unterschiedliche Einstiegspunkte, je nach ihren Aufgaben und ihrem genauen Anwendungsfall. Jemand, der häufig AWS nutzt, möchte seine Dienste in der AWS-Konsole samt CLI und API integriert sehen. Ein ServiceNow-Benutzer möchte neue Dienste über SNOW bestellen. Das Bereitstellen eines einzigen Portals ist also immer eine Frage der Integration in das, was der Kunde nutzt. Aus diesem Grund bieten alle wichtigen HCM-Tools jetzt APIs für die Integration an. Gleichwohl ist es offensichtlich, dass sie aus einer frontend-fokussierten Historie stammen und nicht mit dem Fokus auf Integration aufgebaut sind.

Diese Bausteine braucht eine gute Hybrid-Cloud-Strategie

Kostenkontrolle
Das Natürlichste, was einem in den Sinn kommt, wenn man von Cross-Cloud-Diensten spricht, ist das Kosten-Management – die erste Säule der HCM-Strategie. Eine Cloud-Rechnung kann leicht Tausende von Positionen enthalten. Dies zu verstehen und zu verarbeiten ist eine Herausforderung. Unternehmen bzw. ihre IT-Abteilungen wollen ein zentrales Reporting und Dashboarding der Kosten über alle Clouds hinweg. Tools, die sich auf das Kosten-Management konzentrieren, sind im Vergleich zu traditionellen HCM-Tools eher neu, haben aber bereits eine große Traktion im Markt (z.B. CloudHealth). Das Implementieren ist im Vergleich zu einer vollständigen HCM-Lösung viel einfacher und schneller und bringt dem Unternehmen fast sofortigen Nutzen. Ein wesentlicher Bestandteil dabei ist einer klarer und einheitlicher Tagging-Prozess. Hier kommt das Kostenmanagement mit anderen Cloud-Governance-Themen in Berührung. Koordiniertes Tagging von Cloud-Ressourcen dient nicht nur dem Kosten-Management, sie wird auch für Cloud-Governance im weiteren Sinne eingesetzt.

Cloud Governance
Die zweite Säule der Hybrid-Cloud-Strategie ist daher Cloud Governance. Mit dem Aufkommen der Public Cloud nutzten Entwickler und Anwendungsteams die Möglichkeit, innerhalb weniger Minuten auf Infrastrukturressourcen zuzugreifen. Dies erhöht den Umfang der so genannten Schatten-IT drastisch. Um dieser Entwicklung Herr zu werden, brauchen IT-Abteilungen eine cloud-native Governance, die Inventarisierung, Provisionierung, Betrieb und Sicherheit berücksichtigt. Mit der Inventarisierung werden die genutzten Cloud-Ressourcen transparent. Die zentrale Bereitstellung stellt sicher, dass Cloud-Nutzer einerseits ein reibungsloses Self-Service-Erlebnis bekommen, anderseits die Compliance neuer Services automatisiert ist.
Die operative Governance bietet: Multi-Cloud-Tools zum Ausführen von Skripten und zum Automatisieren von Prozessen; eine einzige „Glasscheibe“ zum Überwachen der Workloads; einfache Möglichkeiten zum Sicherstellen von Patches und Updates von Cloud-Systemen. Die einzelnen Cloud-Anbieter bieten jeweils Funktionen für Identitäts- und Zugriffsmanagement, Schlüsselmanagement und Auditierungsprotokolle. Da IT-Organisationen mehrere Cloud-Services für ihre Benutzer vermitteln, benötigen sie einen zentralen Kontrollpunkt für den Cloud-Zugang. Um sicherzustellen, dass die Anforderungen für jeden Bereich erfüllt werden, benötigen IT-Teams zudem eine Plattform zum Zentralisieren von Richtlinien und zum Einbetten der Governance im gesamten Cloud-Bereitstellungs- und Managementprozess.

Managed Cloud Services
Damit kommen wir zum dritten Pfeiler. Jedes Unternehmen benötigt einen anderen Satz von Managed Services, die es über einen Katalog bestellen kann. Diese Managed Services können sehr vielfältig sein. Angefangen bei einfachen Dingen wie einem verwalteten Betriebssystem bis hin zu komplexeren Services wie einer großen, verteilten Splunk-Umgebung oder einer kundenspezifischen Geschäftsanwendung. Aber auch Dienste, die sich mehr auf die Plattformebene als auf die Anwendungsebene konzentrieren, können Managed Services sein. Wie etwa eine neue Cloud-Landezone für Software-Entwickler, um Proof of Concepts auszuführen.
Aufgrund der großen Vielfalt und der Tatsache, dass die meisten dieser Managed Services für jeden Kunden maßgeschneidert sind, sind die eigentlichen Managed Services selbst nicht Teil der HCM-Strategie. Es geht vielmehr um eine Workbench für Entwickler, um Managed Services auf standardisierte Weise zu erstellen. Dies ermöglicht ein konsistentes Kundenerlebnis unabhängig von der zugrunde liegenden Cloud-Plattform und dem jeweiligen Service, ohne verschiedene Cloud-Plattformen zu vereinheitlichen. Anstatt die Cloud-Plattform zu abstrahieren, setzen die Workbench und die angeschlossenen Betriebsprozesse stark auf cloud-basierte Dienste. Die Managed Services selbst werden für jede Plattform optimiert, um so effizient wie möglich zu arbeiten.

Fazit

Maximilian Ahrens, CTO T-Systems.
Maximilian Ahrens, CTO T-Systems. (Bild: T-Systems)

Es ist offensichtlich, dass es nicht möglich ist, die Komplexität der beschriebenen Strategie mit einem tool-basierten Ansatz zu erreichen. Ein einzelnes HCM-Tool weiterzuverkaufen, mag für einen bestimmten Kunden ausreichend sein, ist aber weit von differenzierenden Hybrid-Cloud-Strategie entfernt. Daher ist die Strategie von T-Systems ein End-to-End-Ansatz, der es ermöglicht, Managed Services auf mehreren Clouds bereitzustellen.

* Der Autor Maximilian Ahrens ist Chief Technology Officer bei T-Systems.

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