Meshcloud setzt auf OpenStack und Cloud Foundry

Mit Open Source die Kontrolle über die Cloud behalten

| Autor / Redakteur: Wulf Schiemann / Florian Karlstetter

Meshcloud setzt auf OpenStack und Cloud Foundry und nutzt Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland.
Meshcloud setzt auf OpenStack und Cloud Foundry und nutzt Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland. (Bild: Meshcloud.io)

Cloud-Technologien sind die Grundlage der Digitalisierung in der modernen Wirtschaft. Unternehmen, die in ihre Zukunftsfähigkeit investieren sind darauf angewiesen – und begeben sich oft in Abhängigkeiten. Der Open Source-Ansatz eröffnet die Chance Kosten und Risiken in der Cloud zu reduzieren und dabei unabhängiger zu werden.

Die Zukunft findet in der Cloud statt und dort läuft vieles automatisiert: Skripte ersetzen manuelle Tätigkeiten – “Infrastructure as a Code” spart so Zeit und Kosten. Unternehmen schaffen sich damit eine Bibliothek von IT-Bausteinen, auf die im regulären Betrieb immer wieder zurückgegriffen werden kann. Dabei führt die Automatisierung von Routine-Aufgaben nicht nur zu einer drastischen Zeitersparnis, sondern erhöht auch die Konsistenz innerhalb der Infrastruktur. Neue Instanzen werden mit einheitlicher und kontrollierter Konfiguration erstellt. Spätere Anpassungen, können dadurch systemübergreifend implementiert werden, ohne Einzelfälle berücksichtigen zu müssen. Alle vorgenommen Änderungen sind dabei zu jedem Zeitpunkt transparent und dokumentiert.

Um die Investitionen in diese Art von Infrastruktur nachhaltig zu schützen, muss die zugrundeliegende Plattform sorgfältig ausgewählt werden. Anwender riskieren sonst in Abhängigkeit eines Anbieters zu geraten und die Kontrolle über wichtige Infrastruktur aus der Hand zu geben – zumal der Cloud-Computing-Markt zu großen Teilen von amerikanischen Anbietern dominiert wird, also einer ausländischen Gesetzgebung unterliegt.

Open-Source-Plattformen bieten hier eine interessante Alternative. Durch eine große Community von Beitragenden erfolgt die Weiterentwicklung anwenderorientiert und deckt oft eine große Zahl von Einsatzszenarien ab. Neue Features oder Bugfixes können schnell integriert werden. Doch gerade bei komplexeren Systemen sind Installation und Betrieb oft kompliziert, was die Zeit bis zum Einsatz verlängert und die Kosten erhöht. Ressourcen fließen dann in den Aufbau von Basisinfrastruktur anstatt in die Weiterentwicklung wichtiger Unternehmensanwendungen. Verlassen Mitarbeiter das Unternehmen, besteht das Risiko, dass die aufgebaute Kompetenz in diesem Bereich wieder verloren geht.

Das junge Unternehmen Meshcloud tritt an, diese Problematik zu lösen. „Mit Meshcloud möchten wir eine europäische Alternative zu den amerikanischen Clouds bieten – vom Funktionsumfang absolut vergleichbar, aber mit freier Technologie und einfach zu nutzen”, sagt der Geschäftsführer Dr. Jörg Gottschlich. Dazu bietet das Unternehmen zum einen eine Public-Cloud-Lösung in deutschen Rechenzentren an, die man direkt nach Registrierung im Self-Service nutzen kann. Größere Unternehmen, die eine eigene Cloud betreiben wollen, können die Meshcloud-Lösung davon unabhängig auch im eigenen Rechenzentrum einsetzen, um ihren Mitarbeitern über das Meshportal Cloud-Ressourcen einfach bereitzustellen. Ein DAX-Konzern nutzt die Software bereits erfolgreich in diesem Szenario. Unternehmen müssen also ihre Anwendungen nur einmal aufsetzen und können dann flexibel entscheiden, ob sie diese in der Public Cloud oder in der eigenen Cloud betreiben wollen.

Begeben sich die Unternehmen damit nicht wieder in eine Abhängigkeit, wenn auch von einem deutschen Anbieter?„Nein“, sagt Gottschlich, „bei Meshcloud setzen wir auf die weit verbreiteten Open-Source-Plattformen OpenStack und das containerbasierte Cloud Foundry. So decken wir Infrastructure- und Platform-as-a-Service-Dienste ab.“ Damit geht es mit zwei weit verbreiteten und von großen Communities unterstützten Technologien an den Start. Der besondere Dreh: Meshcloud entwickelt einen Federation Layer, der diese Plattformen integriert und auch standortübergreifend miteinander verbindet – damit ist die Plattform ein ‘Mesh’ aus Cloudtechnologien und Standorten. Ein Nutzer kann sich mit seinem Account frei über die Plattformen und Standorte hinweg bewegen, um seine Anwendung aufzubauen. Weitere Cloudtechnologien wie etwa Kubernetes können ebenfalls integriert und eingebunden werden.

Dies hat einen großen Vorteil: Wird eine neue Cloud-Technologie eingeführt, müssen bestehende Anwendungen auf die neue Plattform migriert werden, was Aufwand verursacht. Möchte ein Unternehmen nun auf eine Hybrid-Cloud-Lösung setzen – also bei Bedarf Anwendungen in die Public Cloud verschieben – laufen sie Gefahr diese Investitionen mehrfach tätigen zu müssen, um die Plattform des jeweiligen Public-Cloud-Anbieters nutzen zu können.

Eine einheitliche Plattform in Private und Public Cloud schützt genau davor. Ein einmal erstelltes Deployment kann damit jederzeit an einem beliebigen Standort hochgefahren werden. „Wir nennen diesen Ansatz ‘Seamless Hybrid Cloud’“, sagt Gottschlich, „er ermöglicht die Steuerung von Private- und Public Cloud-Ressourcen über unser einheitliches User Interface.“ Für diese Lösung wurde Meshcloud vom Bundeswirtschaftsministerium mit einem Hauptpreis im Gründerwettbewerb Digitale Innovationen auszeichnet.

Das Angebot richte sich laut Gottschlich nicht nur an Software-Entwickler und große IT-Abteilungen: „Wir wollen auch dem deutschen Mittelstand den Weg in die Cloud erleichtern“, so Gottschlich. Seine Pläne für Meshcloud und die Open-Source-Cloud sind klar: „Unsere Vision ist ein partnerschaftliches Ökosystem von Rechenzentren, Systemhäusern und Lösungsanbietern, das dem deutschen Mittelstand Cloudlösungen auf Basis einer offenen Technologieplattform zur Verfügung stellt. Daher enthält unsere Plattform ganz bewusst Funktionen, die sich an VARs (Value-added resellers) oder Systemhäuser richten.”

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