Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Microsoft Azure versus Amazon Web Services

| Autor / Redakteur: Thomas Joos / Florian Karlstetter

Der Weg ist das Ziel: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Microsoft Azure und Amazon Web Services.
Der Weg ist das Ziel: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Microsoft Azure und Amazon Web Services. (Bild: gemeinfrei (Free-Photos / pixabay) / CC0)

Microsoft Azure und Amazon Web Services gehören zu den meistverbreiteten öffentlichen Cloud-Plattformen. Beide Anbieter stellen ähnliche Funktionen bereit, unterscheiden sich aber auch voneinander. Wir zeigen einige Unterschiede.

Amazon Web Services (AWS) ist der unangefochtene Marktführer, wenn es um Public Cloud-Angebote geht, Microsoft Azure folgt an zweiter Stelle, Google Cloud belegt Platz 3. Alle drei Anbieter kommen zusammen auf eine überwältigende Marktmacht im Public Cloud-Sektor. Die WirtschaftsWoche spricht sogar von einem Big Bang im Cloud Computing und rasant steigenden Wachstumsraten von AWS, Microsoft & Google. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der aktuelle State of the Cloud Report von Rightscale.

Während Google und Amazon ihren Schwerpunkt vor allem im Aufbau von öffentlichen Clouds setzen, bietet Microsoft mit Azure auch eine Vielzahl an hybriden Technologien an. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen setzt dabei aber auf eine Multi-Vendor-Strategie, nutzt also die Cloud-Angebote – sowohl Public als auch Private – verschiedener Anbieter

Microsoft hat den Vorteil, dass es auch seine anderen Produkte in die Cloud integrieren kann. Dazu gehören zum Beispiel Exchange, SharePoint oder SQL-Server. Auch Active Directory (AD) ist in Microsoft Azure verfügbar und kann mit lokalen AD-Gesamtstrukturen verbunden werden. Auch Dienste wie Microsoft Office 365 und Intune arbeiten mit Azure-Technologien. Dadurch können Unternehmen Team-Funktionen für Anwender umsetzen, die mit AWS kaum oder nur schwer nutzbar sind. Seinen Schwerpunkt hat Microsoft Azure vor allem im Bereich Windows. Unternehmen, die mit Windows arbeiten können einfacher in die Cloud einsteigen, wenn sie auf Azure setzen.

Während Azure seinen Schwerpunkt auf Windows setzt, Linux aber durchaus unterstützt, kann AWS vor allem mit Linux optimal umgehen. Natürlich kann auch in AWS mit Windows gearbeitet werden: so arbeitet AWS gemeinsam mit Microsoft an den Windows-Server AMIs (Amazon Machine Images) und SQL-Angeboten. Auch lassen sich viele AWS-Ressourcen mit dem Microsoft System Center Operations Manager (SCOM) überwachen.

Hilfestellung für das Management von Windows-Applikationen auf AWS erhalten Anwender auch in einem Windows Study-Guide

Gemeinsamkeiten von AWS und Azure

Zu den Gemeinsamkeiten von Azure und AWS gehören sicher die Standardfunktionen zum Aufbau von Cloud-Strukturen. Virtuelle Computer, Netzwerke, Datenbanken und andere Cloud-Funktionen stellen beide bereit. Als Marktführer reagieren die beiden Anbieter Microsoft und Amazon oft am schnellsten, wenn es um neue Funktionen oder Anpassungen in der Cloud geht.

Beide Anbieter erweitern ständig das Portfolio oder ändern Funktionen, um sich an den Markt schneller anpassen zu können. Die Verwaltung erfolgt über CLIs und Webportale. Die Verwaltung von Azure ist oftmals etwas leichter verständlich. In den meisten Fällen benötigen Unternehmen aber die Hilfe von externen Beratern bei der Umsetzung von Cloud-Projekten.

Platzhirsch AWS weniger stark bei hybriden Angeboten

Amazon Web Services sind sehr stark, wenn es um den Funktionsumfang für öffentliche Cloud-Angebote geht. Weniger umfangreich sind die Möglichkeiten hybride Clouds zu betreiben, also Public Cloud-Angebote mit dem eigenen Rechenzentrum (on-premises) zu verbinden. Hier ist Microsoft Azure vorbildlich, da sich nahezu alle Funktionen in Microsoft Azure mit lokalen Rechenzentren verbinden lassen. Dazu kommen spezielle Connectoren, die zum Beispiel lokale Active Directory-Strukturen mit der Cloud verbinden.

Zur Verbindung von AWS-Ressourcen mit On-Prem-Ressourcen steht bei AWS das Amazon VPC VPN Gateway zur Verfügung. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Services, um Hybrid-Cloud-Architekturen mit AWS zu betreiben.

Microsoft bietet mit Azure Stack eine Lösung an, mit der Azure-Technologien komplett im eigenen Rechenzentrum betrieben werden können. Kaum ein Cloud-Anbieter stellt so viele Technologien und Funktionen zur Verfügung, um lokale Rechenzentren mit der Cloud zu verbinden als Microsoft mit Azure. Auch Funktionen wie SQL lassen sich lokal und mit der Cloud betreiben.

Microsoft integriert in seine Technologien für Rechenzentren (zum Beispiel Windows-Server, SQL oder Exchange) Funktionen, die direkt mit Azure zusammenarbeiten. Selbst Windows-10-Rechner lassen sich direkt an Microsoft Azure anbinden und gemeinsam mit Cloud-Ressourcen betreiben. Über StorSimple bietet Microsoft Speichertechnologien mit Partnern an, die lokale Datenspeicherung mit Cloud Storage verbinden.

Softwareentwickler und die Cloud

Microsoft Azure bietet verschiedene Technologien an, von denen auch Softwareentwickler profitieren. Diese können Funktionen aus der Cloud für eigene Apps nutzen. Ein Beispiel für diese Technologien ist Microsoft Azure DevOps Projects, das zusammen mit Visual Studio Team Services genutzt werden kann. Microsoft bietet mit dem Azure-Dienst die Möglichkeit Anwendungen in Microsoft Azure bereitzustellen, und dabei eine DevOps-Pipeline zu nutzen. Auch CI/CD sind mit dem neuen Dienst möglich.

Infrastructure as a Service und Platform as a Service mit Azure und AWS

Die Grundlage von Microsoft Azure stellen sicherlich die Dienste rund um Infrastructure-as-a-Service (IaaS) dar. Dazu gehören Infrastrukturdienste wie virtuelle Computer, virtuelle Netzwerke, Loadbalancer und alle Dienste, die mit diesen zusammen funktionieren. Die Infrastrukturdienste sorgen nicht nur für die Verbindung zwischen den verschiedenen Cloud-Diensten in Microsoft Azure, sondern können auch eine Verbindung zu anderen Cloud-Diensten herstellen, aber auch Verbindungen zu lokalen Netzwerken.

AWS bietet eine Vielzahl an Features, die oft über die Funktionen in Azure hinausgehen. Diese sind oftmals für Public-Cloud-Infrastrukturen ausgerichtet. Die Verwaltung der tiefgehenden Funktionen erfordern einiges an Know-how und in vielen Fällen auch externe Beratung von Experten.

Web-Apps und Skalierung

AWS ist vor allem dann im Einsatz, wenn Web-Anwendungen hochskalierbar betrieben werden müssen. Netflix setzt zum Beispiel auf AWS und nutzt EC2 als Cloud-Container-Plattform.

Unterschiedliche Preisstrukturen und Support

Die Preise und Lizenzen von AWS und Microsoft Azure lassen sich nur schwer miteinander vergleichen. Azure bietet oft mehr Transparenz und mehr Speicherkapazität zum gleichen Preis. Allerdings ist das Preisgefüge wesentlich unflexibler. Wer sich mit AWS auseinandersetzt, kann die Preise effektiver planen und besser an die eigenen Anforderungen umsetzen. Die Kosten und Lizenzen werden von Zeit zu Zeit angepasst - in aller Regel zu Gunsten des Kunden. AWS spricht in diesem Zusammenhang von über 60 Preissenkungen. Bei der Optimierung der Kosten unterstützt beispielsweise der AWS Trusted Advisor oder auch das AWS Well Architected Programm, mit dem sich nach bewährten Vorgehensweisen Architekturen messen und erstellen lassen. Individuelle Analysen unterstützen auch bei der Kostenoptimierung und der Vermeidung unnötiger Kosten.

Sowohl AWS also auch Azure bieten umfassenden Support, der getrennt gebucht werden kann. Er hängt von der Anzahl der genutzten Ressourcen ab. Um die Kosten im Blick zu behalten helfen Tools wie Spiceworks Cloud Cost Monitor. Das Tool überwacht die Kosten von Cloud-Lösungen.

Fazit

AWS und Azure bieten beide umfassende Cloud-Technologien. Welcher Anbieter besser für ein Cloud-Projekt geeignet ist, lässt sich schwer feststellen. Sollen Microsoft-lastige Rechenzentren in die Cloud angebunden werden, ist Microsoft Azure sicher besser geeignet.

Unternehmen, die vor allem auf Public-Cloud-Funktionen und hochskalierbare Webanwendungen setzen, oder intern im Rechenzentrum auf Linux, sollten sich eher AWS ansehen. Allerdings sind das auch nur Anhaltspunkte. Generell rechnet es sich, die Testversionen für beide Cloud-Anbieter anzusehen. Welcher Anbieter am besten geeignet ist hängt also vom jeweiligen Projekt ab.

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