Nachgefragt beim CTO von oneclick, Pascal Poschenrieder

Ist die Cloud wirklich in Deutschland angekommen?

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

„Künstliche Intelligenz wird für das Cloud Computing noch eine ganz entscheidende Rolle spielen“, so Pascal Poschenrieder, CTO, oneclick.
„Künstliche Intelligenz wird für das Cloud Computing noch eine ganz entscheidende Rolle spielen“, so Pascal Poschenrieder, CTO, oneclick. (Bild: gemeinfrei, geralt / Pixabay)

Jubel, Trubel, Heiterkeit – der neuste Cloud Monitor von Bitkom Research feiert den Durchbruch von Cloud Computing in Deutschland. In drei von vier Unternehmen werde mittlerweile die Cloud genutzt, der Multi Cloud gehöre die Zukunft. Wir haben bei den Experten da draußen nachgefragt: Ist das wirklich so?

„Die meisten Unternehmen können und wollen auf Cloud Computing nicht mehr verzichten. Cloud-Anwendungen sind nicht nur kosteneffizienter, sondern auch die Basis für zukunftsfähige Geschäftsmodelle“, so Dr. Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research, bei der Vorstellung der Studie im Juni.

„Auch ich bin überzeugt, dass die Cloud die Zukunft ist - und zwar nicht nur für Dateien“, bestätigt Pascal Poschenrieder, CTO, oneclick. „Besonders virtuelle Maschinen, also Rechenleistung aus der Cloud, werden in den nächsten Jahren die Unternehmens-IT grundlegend revolutionieren und Mitarbeiter freier und standortunabhängig machen. Zudem wird die Cloud die IT-Kosten für Unternehmen stark reduzieren.“

Poschenrieder kennt den Markt noch aus seiner Zeit als Redakteur bei CNET – und entschloss sich dann, nicht mehr nur zu beobachten, sondern aktiv die schöne, neue Cloud-Welt mitzugestalten, zunächst als Programmierer, nun als Technikchef. „Da wir mit oneclick ja selbst eine Multi-Cloud-Orchestrierungs-Plattform gebaut haben, setzen wir selbst auch stark auf die Cloud. Unsere gesamte Infrastruktur läuft in der Cloud.“

Zwar ist die Public Cloud laut Cloud Monitor im Vergleich noch nicht so weit verbreitet, die Public-Cloud-Anwender machen jedoch größtenteils positive Erfahrungen. Das kann auch CTO Poschenrieder bestätigen: „Wir nutzen Microsoft Azure und Google Cloud, wobei sich die Google Cloud als deutlich stabiler und schneller herausgestellt hat.“

Cloud macht Daten sicherer

Wer Cloud-Anwendungen nutzt oder damit plant, für den ist Datenschutz das Top-Kriterium, wenn es um die Auswahl eines Cloud-Dienstleisters geht. Fast alle für den Cloud Monitor des Bitkom befragten Unternehmen (90 Prozent) geben an, dass für sie die Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung bei Cloud-Lösungen unverzichtbar ist.

Zum Glück gibt mehr als die Hälfte (54 Prozent) der befragten Unternehmen im Cloud Monitor an, dass die Nutzung der Public Cloud die eigene Datensicherheit verbessert hat. „Auf die IT-Sicherheit hat die Cloud auch meiner Ansicht nach eher positive als negative Auswirkungen“, kommentiert Poschenrieder. „Ein Cloud-Anbieter weiß sehr viel besser, was tatsächlich auf seinen Rechnern und in seinem Netzwerk abläuft, als so mancher IT-Admin in großen Unternehmen.“

Für acht von zehn (79 Prozent) Firmen im Cloud Monitor ist daher eine transparente Sicherheitsarchitektur sehr wichtig, drei Viertel (76 Prozent) sehen die Integrationsfähigkeit der Lösungen als unverzichtbar an. Darauf hat Poschenrieder bereits reagiert: „Unsere Plattform ist eine reine Web-Applikation, die einen kompletten Arbeitsplatz bietet. Nach dem Login ist über einen Desktop der Zugriff auf Cloud-Native-Apps sowie Legacy-Apps auf eigener Infrastruktur möglich. Wir sind in der Lage, sowohl voll automatisiert Kundeninfrastruktur per VPN anzubinden als auch komplizierte Cloud-Provisionierungen über ein sehr einfaches und verständliches Interface abzubilden und durchzuführen.“

Wird KI wirklich wichtig?

Wie aber sieht es mit den Zukunftsthemen aus? Nur jedes neunte von Bitkom Research befragte Unternehmen benötigt die Public Could für Data-Management-Plattformen (11 Prozent), noch weniger setzen bereits auf Schlüsseltechnologien aus der Public Cloud wie Künstliche Intelligenz (KI; 2 Prozent) oder Blockchain (1 Prozent). „Überraschend ist, dass bislang nur sehr wenige Unternehmen auf KI-Lösungen aus der Cloud setzen. Dieses Marktsegment wird künftig deutlich zulegen“, zeigte sich Peter Heidkamp, Head of Technology bei KPMG, das die Studie in Auftrag gegeben hat, bei der Erstvorstellung im Juni überzeugt.

Pascal Poschenrieder, CTO, oneclick
Pascal Poschenrieder, CTO, oneclick (Bild: oneclick)

„Im Bereich KI ist die Cloud meiner Ansicht nach die richtige Lösung“, erklärt Poschenrieder. „Nur so wird es möglich, schnell, kostengünstig und nur für die benötigte Zeit auf nahezu unbegrenzte Ressourcen zuzugreifen - also genau das, was eine KI benötigt.“ Wie KI in Zukunft bezogen werden wird, sieht er heute bereits am Beispiel des Cloud-Gaming-Services Stadia von Google festgemacht: „An Beispielen wie Google Stadia sieht man, dass sogar private Nutzer immer mehr in den Genuss der hohen Leistung und der Wartungsfreiheit der Cloud kommen werden, und SaaS und PaaS mittelfristig auch Privatleuten die Nutzung ihrer Software erleichtern werden.“

Dabei sei die Bedeutung der KI nicht zu unterschätzen, so Poschenrieder: „KI wird in der Zukunft eine ganz entscheidende Rolle spielen und tut das heute schon.“ Er kann von eigenen Projekten berichten: „Bei oneclick entwickeln wir eine eigene KI. Sie soll in Zukunft besonders zur Automatisierung von systemübergreifenden Prozessen und Alltagsaufgaben dienen. So wäre es beispielsweise möglich, sich wiederholende Aufgaben eines Mitarbeiters plattformübergreifend zu erkennen und ihm ein Tool für die Automatisierung an die Hand zu geben.“

Aber auch bei der Provisionierung von Ressourcen könne KI helfen, so der CTO, „beispielsweise bei der Erkennung von aufkommenden Lastspitzen.“ Allerdings berge die Entwicklung künstlich intelligenter Systeme ihre Tücken: „Es wird sicherlich noch ein bis zwei Jahre dauern, bis unser System so ausgereift ist, dass wir es veröffentlichen. Wie lange genau, ist schwer zu sagen, da besonders bei der KI-Entwicklung so viele Unbekannte auftreten, dass es hier besonders schwer ist, die Entwicklungsdauer einzuschätzen.“

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