Die Cloud muss zum Unternehmen passen

In dubio pro Cloud – aber mit Integration

| Autor / Redakteur: Michael Morton* / Florian Karlstetter

Wie sich mit „Integration Platform-as-a-Service“ IaaS oder SaaS-Services und On-Premises-Altsysteme nahtlos anbinden lassen.
Wie sich mit „Integration Platform-as-a-Service“ IaaS oder SaaS-Services und On-Premises-Altsysteme nahtlos anbinden lassen. (© sdecoret - stock.adobe.com)

Im Grunde ist das Rennen gelaufen. Cloud Computing ist Mainstream. Im Jahr 2021 sollen nach Schätzungen von PwC bereits 95 Prozent des Datenverkehrs in Rechenzentren aus der Cloud kommen. Die Herausforderung besteht darin, wie CIOs ihre Legacy-IT ertüchtigen oder gleich mit einer Multi Cloud-Strategie modernisieren und integrieren.

Unternehmen haben vielfältige Gründe, um im Rahmen ihrer Digitalisierung die veralteten IT-Systeme in die Cloud zu migrieren. Kostengründe und der Wunsch nach Flexibilisierung der Workflows hin zu kollaborativen und agileren Strukturen sind häufige Motive. Viele CIOs wollen die Vorteile wie höhere Sicherheitsniveaus, schnellere Updates und größere Performance in der Cloud nutzen.

Ein zunehmendes Motiv der Cloud-Nutzung ist zudem die Etablierung neuer Geschäftsmodelle, die mit den Altsystemen häufig überhaupt nicht realisierbar sind. So ist es kein Wunder, dass die Cloud-Nutzung weiterhin boomt. Forrester Research prognostiziert in einer Untersuchung, dass 2018 mehr als die Hälfte aller Unternehmen weltweit eine Public Cloud-Plattform nutzen. In Deutschland waren laut Bitkom schon 2016 zwei Drittel aller Unternehmen mit mindestens einer Cloud-Lösung im Einsatz. Dementsprechend rasant steigen die Umsätze mit der Cloud. Laut Forrester sollen sie von 146 Milliarden Dollar in 2017 auf 178 Milliarden Dollar im laufenden Jahr klettern. Und auch wenn die Cloud nun bald der neue Standard ist, sollten CIOs und CSOs beim Umzug ihrer Altsysteme (Legacy-IT) jetzt für die Integration aller Teillösungen in ein integriertes Multi Cloud-System sorgen.

Keine neuen Silos in der Cloud errichten

Ein Umzug in die Cloud kann auch schiefgehen. Vor allem, wenn geschäftskritische Anwendungen wie Enterprise Resource Planning-Systeme (ERP) nicht mit Cloud-Anwendungen interagieren oder aufgrund veralteter Strukturen, Schnittstellen und Protokolle nur schwer zu integrieren sind. Dann ist es immer sinnvoller, statt auf die Integration von Altsystemen gleich auf Modernisierung beziehungsweise eine neue Lösung in der Cloud zu setzen. Denn wenn alle Systeme wie ERP, Vertrieb (CRM), Personal (HR) oder Marketing-Automation geschmeidig miteinander interagieren und eine gemeinsame konsistente Datenhaltung garantieren können, profitieren nicht nur die Fachabteilungen, sondern das gesamte Unternehmen.

Vor allem Business Analytics (BA) lässt sich mit einer durchgehenden und integrierten Multi Cloud-Strategie effektiver aufsetzen. Aber wie so oft in der Vergangenheit starteten viele Fachabteilungen mit einzelnen Cloud-Lösungen. Eine SaaS-Lösung ist schnell produktiv gesetzt und ausgerollt. Und selbst wenn die IT gefragt wurde, entstand und entsteht weiterhin ein heterogenes und ungeplantes Cloud-Ökosystem, das mehr nebeneinander als miteinander arbeitet. Diesen Cloud-Wildwuchs gilt es nun aufzufangen, denn sonst läuft die IT Gefahr, dass sie neuen Anwendungs- und Daten-Silos gegenübersteht. In der Folge steigt damit auch wieder der interne Aufwand für Wartung und Pflege einer hybriden Cloud-Landschaft.

Um einen optimalen Nutzen aus der Cloud zu ziehen, müssen CIOs darauf bestehen, dass alle Teilsysteme aus der Cloud für eine hohe Performance nahtlos miteinander interagieren. Denn wichtiger als eine vielfältige Cloud-Landschaft für alle denkbaren Anwendungen der Fachabteilungen ist eine sorgfältige Integration aller Cloud-Lösungen zu einer integrierten Multi Cloud-Landschaft. Der Schlüssel dazu ist “Integration Platform-as-a-Service“ (iPaaS). Mit diesen Cloud-basierten Integrationslösungen erstellt die IT-Abteilung Integrations-Workflows innerhalb und zwischen verschiedenen Cloud-Anwendungen in Private oder Public-Cloud-Umfeldern oder Restbeständen der On-Premise-IT. iPaaS erweitern oder ersetzen so traditionelle Middleware-Systeme für ETL-Prozesse (extract, transform and load) sowie Enterprise Service Bus (ESB) und machen Sie gerade für BA-Anwendungen auch effektiver. Da diese ohnehin oft veraltet sind und Schwierigkeiten bereiten Verbindungen mit Cloud-Anwendungen und Daten herzustellen, sollten sie durch iPaaS ersetzt werden.

Multi Cloud-Landschaften mit iPaaS harmonisieren

Cloud-basierte iPaaS-Lösungen sind vergleichbar mit traditionellen On-Premises Integrationssuiten. Als „Cloud-Middleware“ ermöglichen sie eine durchgängige Integration verschiedener Cloud- und On-Premises-Anwendungen. Allerdings bieten iPaaS Tools, die speziell für die Cloud-Integration entwickelt wurden. Sie enthalten beispielsweise vordefinierte Konnektoren für die schnelle Integration von IaaS oder SaaS-Services und On-Premises-Altsystemen. Solche Konnektoren stehen praktisch für alle gängigen Cloud-Anbieter wie Azur, Salesforce, AWS oder Microsoft zu Verfügung. Je nach den Anforderungen lassen sich in den gängigen iPaaS-Lösungen weitere Konnektoren programmieren.

So unterstützen viele iPaaS-Produkte die heute gängigen Standardprotokolle wie File, FTP, JDBC, JMS, HTTP, REST/JSON und Web Services. Die Implementierung von iPaaS erfolgt ohne Software, rein webbasiert und ohne Programmieraufwand. Und selbstverständlich enthalten Konnektoren protokoll-spezifische Security-Lösungen, die die Kommunikation zwischen XaaS- und On-Premise-Anwendungen „State of the Art“ schützen. So erfolgt der Datenfluss auf der Transportebene verschlüsselt. Der Datenaustausch selber läuft direkt über die verbundenen Cloud-Anwendungen oder On-Premise-Systeme und nicht über die iPaaS selber. Je nach Geschäftsmodell lassen sich in iPaaS komplexe Integrationsabläufe und unternehmensspezifische Regeln mit Daten-Mappings, Enrichment, Orchestrierung oder Routing aufstellen. iPaaS sind zudem in der Regel mandantenfähig und bieten Schnittstellen für die Entwicklung eigener Apps.

Mit iPaaS alle Vorteile von Cloud-Lösungen nutzen

Vor dem Hintergrund der einfachen Integration praktisch aller XaaS-Produkte mit iPaaS sollten Unternehmen daher alle Altsysteme jetzt in eine Cloud überführen, um die eingangs erwähnten Vorteile für ihre Fachabteilungen zu nutzen und Wettbewerbsvorteile zu generieren. Die Hardware-Anforderungen sind minimal, hohe Investitionen entfallen, der Zeitaufwand ist überschaubar.

Michael Morton, CTO bei Dell Boomi.
Michael Morton, CTO bei Dell Boomi. (Bild: Dell Boomi)

Im Vergleich zu neuen On-Premises-Lösungen, die Wochen, Monate oder Jahre brauchen, bis sie produktiv geschaltet sind, bieten Cloud-Lösungen mit iPaaS-Integration weitere Vorteile. Die IT kann innerhalb von kurzer Zeit ermitteln, welche Cloud-Services die Anforderungen des Unternehmens erfüllen und diese den Fachabteilungen zur Auswahl anbieten. Damit dämmen sie den Cloud-Wildwuchs ein, ohne die Flexibilität der Fachabteilungen zu begrenzen. Die Cloud ermöglicht effizientere und schlankere Geschäftsmodelle als On-Premises-Systeme.

Und wenn geschäftskritische Daten in einer eigenen Anwendung liegen sollen, bietet die Private Cloud ohnehin ein höheres Schutzniveau als eigene Rechenzentren mit dem bekannt hohen Wartungsaufwand. iPaaS versetzen Unternehmen in die Lage, flexible Geschäftsstrategien zu verfolgen, neue Geschäftsmodelle schneller aufzusetzen und in ihre Multi Cloud-Landschaften zu integrieren.

Der Autor: Michael Morton ist CTO bei Dell Boomi.

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