Die Cloud bewegt die Gemüter. KI treibt die Kosten in schwindelerregende Höhen. Multicloud, Hybrid-IT und SaaS erhöhen die Komplexität. Und mit der Frage nach digitaler Souveränität bekommt die IT-Infrastruktur nun auch eine politische Dimension. Wie steht es also tatsächlich um die Cloud? Der „Flexera State of the Cloud Report 2026“ zeichnet ein Bild der aktuellen Lage.
Der Erfolg von Cloud-Landschaften misst sich nicht mehr allein an Kosteneinsparungen, sondern am geschaffenen Geschäftswert, an Governance und an der Fähigkeit, Komplexität zu beherrschen.
Die jährliche Umfrage zur Lage der Cloud geht 2026 in ihre 15. Ausgabe und bündelt die Einschätzungen von über 750 Technologieexperten und Cloud-Verantwortlichen weltweit zu den aktuellen Herausforderungen und Initiativen der IT. Aus Europa nahmen rund 170 Entscheider teil, vor allem aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich.
Hybrid-Cloud: Pragmatismus statt Strategie
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Grundarchitektur der IT. Hybrid-Cloud dominiert inzwischen unabhängig von der Unternehmensgröße: 73 Prozent kombinieren Public und Private Cloud — drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Auch Multicloud — also der parallele Einsatz mehrerer Anbieter — nimmt weiter zu und erreicht 88 Prozent. Vollständig auf eine eigene Cloud-Infrastruktur zu verzichten, bleibt jedoch die Ausnahme: Nur 14 Prozent setzen ausschließlich auf Public-Cloud-Anbieter und betreiben keine Private Cloud.
Cloud Repatriation — also die Rückführung von Anwendungen, Workloads und Daten aus der Cloud ins eigene Rechenzentrum — bleibt mit 23 Prozent nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (2025: 21 %). Statt eines generellen Rückzugs aus der Cloud deutet vieles auf eine gezieltere Steuerung hin: Unternehmen platzieren ihre Workloads dort, wo sie technisch, wirtschaftlich oder regulatorisch am sinnvollsten laufen.
Zumal der Anteil der Workloads in der Public Cloud weiterwächst. In großen Unternehmen stieg er auf 54 Prozent, im Mittelstand sogar deutlich von 55 Prozent auf 63 Prozent innerhalb eines Jahres. Bei der Datenhaltung hat sich ebenfalls wenig verändert: Mehr als die Hälfte speichert weiterhin Daten in der Public Cloud (Mittelstand: 61 %, Konzerne: 51 %). Selbst sensible Daten werden zunehmend zu Cloud- und SaaS-Anbietern verlagert — ein Trend, der sich seit vier Jahren kontinuierlich verstärkt.
Eine Frage der digitalen Souveränität?
In Europa kreist die Cloud-Debatte stark um Kontrolle und Unabhängigkeit. In der Praxis unterscheidet sich die Cloud-Architektur jedoch kaum vom globalen Durchschnitt. Hybrid-Cloud-Modelle dominieren sowohl weltweit als auch in Europa (jeweils 73 %), auch Multicloud-Strategien liegen nahezu gleichauf. Mit 20 Prozent liegt die Rückführung von Cloud-Workloads in Europa sogar leicht unter dem weltweiten Durchschnitt (23 %). Eine klar definierte Zielarchitektur oder ein breiter Trend hin zu digitaler Souveränität lässt sich daraus nicht ableiten. Vielmehr scheinen komplexe Cloud-Umgebungen häufig schlicht aus organisch gewachsenen IT-Strukturen zu entstehen.
In großen Unternehmen beispielsweise ist Hybrid-IT häufig das Ergebnis von Fusionen und Übernahmen. Nutzt ein Unternehmen AWS und übernimmt eine Organisation, die auf Google Cloud setzt, entsteht zwangsläufig eine gemischte Umgebung. Auch wenn neue Produkte oder Geschäftsbereiche hinzukommen, bleiben Private Cloud-Infrastrukturen häufig einfach bestehen.
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Andere Organisationen wählen Hybrid- oder Multicloud bewusst, um unterschiedliche Anforderungen parallel abdecken zu können. Auffällig ist zudem: Die Art der Multicloud-Architekturen hat sich kaum verändert. Am häufigsten entstehen sie weiterhin, weil Anwendungen isoliert in getrennten Umgebungen laufen. Strategische Ansätze wie gezielte Workload-Platzierung oder Cloud Bursting — also das kurzfristige Auslagern zusätzlicher Last — bleiben dagegen die Ausnahme.
Cloud-Anbieter: Azure vor AWS
Dass die Cloud-Realität stärker von gewachsenen Enterprise-IT-Landschaften geprägt ist als von einer ausgeklügelten Souveränitätsstrategie, zeigt die Wahl der Cloud-Anbieter. Weltweit liegen AWS und Azure nahezu gleichauf, wobei AWS bei den tatsächlich betriebenen Workloads mit 83 Prozent knapp vor Azure mit 79 Prozent rangiert. In Europa ist die Verteilung anders: 52 Prozent der europäischen Befragten betreiben signifikante Workloads auf Azure, aber nur 41 Prozent auf AWS. Dahinter folgen Google Cloud Platform (17 %), Oracle Cloud Infrastructure (9 %) und IBM Cloud (4 %).
Daraus lässt sich allerdings weniger eine politische Absetzbewegung von US-Hyperscalern herauslesen als eine pragmatische Präferenz für den Anbieter, der sich am besten in bestehende Governance-, Compliance- und Betriebsmodelle einfügt. Gerade in Europa sind viele Unternehmen seit Jahren stark auf Microsoft-Technologien standardisiert — von Windows Server und Active Directory bis hin zu Microsoft 365. Wo Microsoft am Arbeitsplatz stark ist, fällt auch der Schritt in die Azure-Welt oft leichter. Migrationsaufwand und Integrationsrisiken sinken und Betrieb und Governance lassen sich konsolidieren.
Stand: 08.12.2025
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Mehrwert statt reiner Kostenlogik
Eine solche Konsolidierung und durchgängige Governance ist auch dringend nötig, denn die Cloud-Ausgaben steigen weiter. Besonders große Unternehmen investieren massiv: Bei 76 Prozent der Konzerne fließen monatlich mehr als 5 Millionen US-Dollar in die Public Cloud. Unabhängig von der Unternehmensgröße betragen die monatlichen Ausgaben allein für SaaS bei den meisten zwischen 200.000 und 500.000 Dollar. KI-Workloads treiben den Ressourcenbedarf zusätzlich nach oben. Gleichzeitig fehlt vielen Organisationen der Überblick: 8 Prozent erfassen ihre SaaS-Ausgaben nicht einmal — ein deutlicher Hinweis auf Shadow-IT und mangelnde Transparenz.
Trotz dieser Kostenentwicklung verändert sich die strategische Perspektive. Die Cloud ist in eine „Wert-Ära“ übergegangen: Der Anteil der Organisationen, die den geschaffenen Mehrwert für Fachbereiche als zentrale Kennzahl nutzen, stieg um 12 Prozentpunkte auf 64 Prozent Gleichzeitig verlor die reine Kosteneffizienz an Bedeutung. Zwar bleibt Kostenoptimierung mit 68 Prozent weiterhin die wichtigste Initiative, doch der Fokus verschiebt sich klar in Richtung Ergebnisse statt Einsparungen. Für viele Unternehmen steht heute im Vordergrund, welche neuen Fähigkeiten — etwa im Bereich KI, Datenanalyse oder Skalierung digitaler Services — sich durch die Cloud erschließen lassen.
Unterschiede zwischen Europa und dem globalen Durchschnitt zeigen sich noch in weiteren Themenpunkten:
Governance: Klare organisatorische Strukturen Beim Einsatz zentraler Cloud-Teams oder CCOEs unterscheidet sich Europa kaum von Nordamerika: Die Mehrheit verfügt bereits über ein solches Team, weitere 13 Prozent planen den Aufbau innerhalb eines Jahres. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei FinOps. 65 Prozent der europäischen Befragten verfügen inzwischen über ein FinOps-Team — ein Anstieg um 9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr (56 %). Europa nutzt die Cloud damit nicht grundsätzlich anders als andere Regionen, investiert aber sichtbar in organisatorische Kontrolle und Kostensteuerung.
MSP: Vertrauen in die Partner Europas Cloud-Kurs ist trotz aller Debatten nicht von Isolation geprägt. Managed Service Provider spielen weiter eine wichtige Rolle im europäischen Cloud-Betrieb. 58 % der Unternehmen nutzen MSPs für das Management ihrer Public-Cloud-Umgebungen — nahezu unverändert gegenüber 57 Prozent im Vorjahr. Der Aufbau interner Kompetenzen führt also nicht zu einem Rückzug von externen Dienstleistern. Stattdessen kombinieren viele Organisationen zentrale Governance mit spezialisierter Unterstützung durch Partner.
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Nachhaltigkeit auch ohne regulatorischen Druck
Beim Thema Nachhaltigkeit übertrifft Europa weiterhin den globalen Durchschnitt. 47 Prozent der europäischen Unternehmen verfügen über eine definierte Initiative zur Erfassung des CO₂-Fußabdrucks ihrer Cloud-Nutzung. Weltweit liegt der Anteil bei 38 Prozent Insgesamt haben oder planen 59 Prozent der Organisationen entsprechende Programme.
EU-Regulierungen dürften hierfür wichtige Impulse gesetzt haben. Zwar wurden viele Vorgaben zuletzt verschoben, abgeschwächt oder gelten derzeit vor allem für große Unternehmen. Dennoch steigt der Anteil entsprechender Initiativen in Europa weiter — in diesem Jahr um 4 Prozentpunkte. Es scheint, dass Nachhaltigkeit institutionell bereits tiefer verankert ist. Wie sich diese Entwicklung angesichts politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen fortsetzt, bleibt abzuwarten. Ein Blick auf die Prioritäten relativiert das Bild: Global bewerten 56 Prozent der Unternehmen Kostenoptimierung höher als Nachhaltigkeit, nur 30 Prozent gewichten beides gleich.
Fazit
Insgesamt zeigt der State of the Cloud Report eine Cloud-Landschaft im Übergang: Erfolg misst sich nicht mehr allein an Kosteneinsparungen, sondern zunehmend am geschaffenen Geschäftswert, an Governance und an der Fähigkeit, Komplexität zu beherrschen. Für Unternehmen wird damit entscheidend, die Cloud nicht nur auszubauen, sondern sie auch organisatorisch und wirtschaftlich unter Kontrolle zu halten.
* Der Autor Brian Shannon leitet als Chief Technology Officer das globale IT-Team von Flexera. Bevor er zu Flexera kam, leitete Shannon das Platform Engineering bei ServiceNow und setzte viele internationale, strategische Initiativen für ein großes globales Engineering-Team erfolgreich um. Zuvor war er als Teamleiter in der Entwicklung von Software für die Personaleinsatzplanung für einige der weltweit größten Gesundheitssysteme bei GE Healthcare tätig. Brian Shannon studierte Informatik an der University of California San Diego, wo er sein Studium cum laude abschloss.