Ohne eine starke Cloud-Infrastruktur geht der Rechenpower neuer Services und Tools schnell die Luft aus. Daher befindet sich die Cloud-Strategie von Unternehmen im Umbruch. Der „Flexera 2025 State of the Cloud Report“ beleuchtet Trends – und wirft einen Blick auf die Cloud in Europa.
In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an die Cloud verändert. Zu beobachten: Die europäischen Anforderungen unterscheiden sich von den globalen.
(Bild: Starmarpro - stock.adobe.com)
Die jährliche Umfrage zur Lage der Cloud holt die Expertise von Technologieexperten weltweit ein und gibt damit einen Einblick in die dringlichsten Herausforderungen und Initiativen der IT. Aus Europa nahmen diesmal 170 Cloud-Verantwortliche teil. Mehr als ein Drittel (35 %) arbeitet in Organisationen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden, weitere 21 Prozent managen die Cloud im Mittelstand (bis zu 1.000 Mitarbeitenden). Der Großteil der Befragten stammt aus Großbritannien (46 %), Deutschland (24 %) und Frankreich (12 %).
Cloud in der Krise?
Ein Krisenzustand der Cloud lässt sich aus den Antworten der IT-Verantwortlichen nicht ablesen. Wachsende Komplexität und explodierende Kosten haben Unternehmen in den letzten Jahren etwas Cloud-müde gestimmt. Falsch ist, dass sie deshalb im großen Stil den Rückzug aus der Cloud antreten, Workloads verstärkt auf On-Premises durchführen und vermehrt Daten im eigenen Rechenzentrum speichern (Stichwort: Cloud Repatriation). Gerade einmal 21 Prozent aller befragten Teilnehmer gaben im Bericht an, dass sie „teilweise“ und in bestimmten Fällen diesen Weg einschlagen. Das Wachstum hält also weiter an – auch weil Unternehmen neue Workloads und Daten schneller in die Cloud migrieren als sie bestehende Workloads und Daten zurückführen.
Das gilt auch in Europa. Während der Anteil der Unternehmen mit „intensiver” Cloud-Nutzung im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen ist (von 73 % auf 63 %), stieg der Anteil der moderaten Nutzung von 15 Prozent im Vorjahr auf 24 Prozent. Es scheint, dass Unternehmen angefangen haben, sehr viel genauer über ihre Cloud-Nutzung nachzudenken: Rechnet sich die Migration? Was können und was müssen wir uns leisten? Und wo und wie können wir Optimierungspotential umsetzen?
Europa im Vergelich zu Nordamerika in Sachen Cloud-Nutzung.
(Bild: Flexera)
Die Cloud bleibt – gerade im Zusammenhang mit KI – oft alternativlos. Gleichzeitig steht sie wie nie zuvor auf dem Prüfstand und muss ihren ROI unter Beweis stellen. Daher ist es nur logisch, dass mittlerweile mehr als zwei Drittel (68 %) der europäischen Unternehmen über ein Cloud Center of Excellence (CCOEs) oder ein dediziertes Cloud-Team verfügen, das sich Cloud-Richtlinien, -Best Practices und der Kostenoptimierung widmet. Weitere 14 Prozent planen im nächsten Jahr ein solches Team aufzustellen.
FinOps-Lücke schließt sich
Der interne Aufbau von Cloud-Experten unterstreicht einen weiteren Shift in der strategischen Ausrichtung von Unternehmen. FinOps etabliert sich als operatives Framework und ändert das Denken und die Verantwortlichkeiten rund um Cloud Computing. Die Zahl der europäischen Unternehmen, die mittlerweile ein FinOps-Team einsetzen stieg auf 56 Prozent. Im nächsten Jahr wollen weitere 18 Prozent entsprechende Teams implementieren. Für Europa ist das durchaus beachtlich, da in den vergangenen Jahren FinOps-Praktiken vor allem in den USA Fuß fassten und es seitdem dort zu einem hohen Reifegrad geschafft haben. Hier scheint sich die Lücke zwischen dem alten und neuen Kontinent schneller zu schließen als gedacht.
Interessant ist dabei auch der Blick auf die Position und das Aufgabengebiet der europäischen Teilnehmer: Im letzten Jahr waren gerade einmal 3 Prozent der Befragten in einem FinOps-Team angesiedelt. In der diesjährigen Umfrage stieg der Anteil auf 16 Prozent.
Nachhaltigkeit als globales Thema
Überhaupt scheint es in Sachen Cloud und Cloud-Strategie nur minimale globale Unterschiede zu geben. An den Orten, an denen es sie gibt, scheinen die Regionen schnell aufzuschließen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema Nachhaltigkeit. Lange Zeit galt eine verantwortungsvolle und ressourcenschonende IT-Infrastruktur – angetrieben von der Umweltpolitik der EU – als typisch „europäisch“. Mit der bereits 2022 verabschiedeten Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks für Unternehmen eine regulatorische Pflicht. Im ESG-Reporting darf dabei auch die IT – und mit ihr die Frage nach der Energieeffizienz von IT-Assets und dem CO2-Fußabdruck der Cloud – nicht fehlen. Das Nachhaltigkeitsmodell GreenOps dürfte daher für die meisten europäischen Unternehmen kein Neuland sein.
Europa und die Frage nach Nachhaltigkeit und Cloud.
(Bild: Flexera)
Das unterstreicht auch die Flexera-Umfrage: Demnach haben in Europa bereits 43 Prozent der Unternehmen klar definierte Initiativen zur Nachhaltigkeit der IT und der Cloud definiert. Nordamerika liegt mit 32 Prozent hier ein gutes Stück dahinter. Die gute Nachricht: Blickt man weiter zurück lässt sich auf globaler Ebene ein Aufwärtstrend beobachten. Lag Europa im vergangenen Jahr noch um 8 Prozentpunkte vor den Unternehmen im Rest der Welt, beträgt der Abstand in diesem Jahr nur noch 6 Prozentpunkte. Ob dieser Trend weiter anhält, ist angesichts der weltweiten politischen und wirtschaftlichen Lage abzuwarten.
Stand: 08.12.2025
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Same, Same but Different
Auch in anderen Cloud-Fragen nähern sich europäische Unternehmen den globalen Entwicklungen an – bleiben aber in einigen Punkten doch eigenständig.
Mehr Channel: In den vergangenen Jahren waren europäische Unternehmen weniger geneigt, das Cloud-Management in externe Hände zu geben. Doch mittlerweile ist die Unterstützung durch Managed Service Providers (MSPs) wieder gefragt. Das entspricht dem globalen Trend: In Europa vertrauen so 57 Prozent der Unternehmen auf einen Partner, im Rest der Welt liegt der Anteil bei 60 Prozent. Ein Grund für die engere Zusammenarbeit mit IT-Dienstleistern mag die zunehmende Komplexität von Cloud-Umgebungen sein – die insbesondere durch die Einführung von FinOps und SaaS-Management im Alleingang oft nicht mehr zu stemmen ist.
Hürden bei der Cloud Migration: Es ist schon erstaunlich, aber die drei größten Herausforderungen bei der Cloud-Migration in Europa sind seit Jahren die gleichen. Den Unternehmen fehlt ein effektives Application Dependency Mapping, (59 %), um ihr IT-Estate vollständig und mit allen Anwendungen sowie deren Abhängigkeiten abzubilden. Sie tun sich schwer, das Kosten-Nutzen-Verhältnis nach abgeschlossener Cloud Migration richtig zu bewerten (52 %). Und sie hadern bei der technischen Machbarkeitsprüfung (41 %). Wenn es eine positive Erkenntnis gibt, dann diese: Anderen Unternehmen geht es nicht viel anders. Im weltweiten Vergleich ändert sich lediglich die Reihenfolge, die Herausforderungen bleiben jedoch im Grunde die gleichen.
Lieblings Cloud-Anbieter: Den Cloud-Markt teilen sich auch in Europa die üblichen Tech-Konzerne – mit zwei kleineren Ausnahmen. Während die Hälfte (53 %) der internationalen Unternehmen signifikante Workloads in Amazon Web Services (AWS) betreibt, liegt der Anteil in Europa bei 48 Prozent. Umgekehrt nutzen europäische Unternehmen Microsoft Azure deutlich häufiger für geschäftskritische Workloads als der globale Durchschnitt. Hier liegt der Anteil ganze 12 Prozentpunkte höher (58 % in Europa gegenüber 46 % weltweit). Oder anders gesagt: In Europa hat Microsoft die Nase weiter vorn. Das Ergebnis deckt sich mit anderen Flexera-Berichten, die sowohl ein höheres Investitionsvolumen als auch häufigere Audit-Besuche von Microsoft in europäischen Unternehmen verzeichnen.