Nachbericht Connect Ambassadors 2019 Amsterdam

ERP-Anbieter Unit4 beschleunigt auf der Cloud-Spur

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Nico Litzel

Erfahrungen und Kontakte im Cloud Business hat der neue Unit4-CEO Mike Ettling bei seinem früheren Arbeitgeber SuccessFactors gesammelt. Bei Unit4 strebt er nun einen Kulturwandel an.
Erfahrungen und Kontakte im Cloud Business hat der neue Unit4-CEO Mike Ettling bei seinem früheren Arbeitgeber SuccessFactors gesammelt. Bei Unit4 strebt er nun einen Kulturwandel an. (Bild: Unit4)

Mit dem Festpreis-Angeboten und einem Cloud-affinen neuen CEO lockt Unit4 Unternehmen aus ihren internen Rechenzentren. Eine digitale Assistentin lässt Manager in natürlicher Sprache mit ihren Daten reden. Die Informationen können dabei auch in SAP HANA und SAP BW liegen.

Cloud-Migrationsangebote zum Festpreis sind die Hauptmeldung der diesjährigen Anwenderkonferenz „Connect Ambassadors“ des Standardsoftwerkers (ERP/Enterprise Resource Planning) Unit 4: Das kleine Paket kostet 15.000 Euro und umfasst 20 Arbeitstage, das mittlere Paket für 35.000 Euro umfasst 40 Arbeitstage während das große Paket für 75.000 Euro 75 Arbeitstage abdeckt. Ein noch größeres Enterprise-Paket ist nach einer Bewertung zu individuell festgelegten Konditionen erhältlich. Das Migrationsangebot umfasst laut Unternehmensaussage eine Bedarfsanalyse des Kunden und sorge für Transparenz in Bezug auf die aktuelle IT-Umgebung und helfe dabei, individuelle Anpassungen und Schnittstellen zu anderen Systemen zu erkennen.

Neuer CEO will die Unternehmenskultur wandeln

Unit4 favorisiert die Cloud als Betriebsvariante. Trotzdem lässt man den Kunden die freie Wahl, wie schnell und in welchem Umfang sie ihre IT-Anwendungen dorthin migrieren. „Der generelle Trend in Richtung Cloud kommt daher, dass niemand mehr langwierige Implementierungen akzeptiert“, berichtet Mike Ettling, den Unit 4 vor vier Wochen zum CEO ernannt hat. „Unternehmen wollen vielmehr den internen IT-Aufwand, der durch den Aufbau und die Administration von Servern entsteht, so gering wie möglich halten.“ Ettling kommt von der SAP-Tochter SuccessFactors, die Cloud-basierte Lösungen zur Personalverwaltung anbietet. Er hat die Führungsposition von Stephan Sieber übernommen, der seit 2014 zum Führungsteam von Unit4 gehörte und 2016 zum CEO ernannt worden war. Der Wechsel an der Unternehmensspitze lässt sich als starkes Signal dafür werten, dass Unit4 seine Aktivitäten im Cloud-Geschäft deutlich erweitern will. „Unit4 arbeitet heute wie ein On-Premise-Anbieter, der Cloud-Produkte vertreibt“, erläutert Ettling. „Das werde ich ändern. Künftig treten wir als ein Cloud-Anbieter auf, der auch On-Premise-Produkte im Angebot hat.“

Herstellerstandard soll das Customizing ablösen

„Bevor Unternehmen ihre bestehenden Kernsysteme in Richtung Software as a Service aus der Cloud migrieren können, müssen sie sich vom Gedanken der starken Individualisierung lösen und stattdessen ihr ERP-System stärker am Herstellerstandard ausrichten“, erläutert erläutert Frank Niemann, Vice-President Enterprise Applications and Related Services in der Teknowlogy Group. „Nur dann lässt sich ein Cloud-System flexibel und kostengünstig betreiben.“
„Bevor Unternehmen ihre bestehenden Kernsysteme in Richtung Software as a Service aus der Cloud migrieren können, müssen sie sich vom Gedanken der starken Individualisierung lösen und stattdessen ihr ERP-System stärker am Herstellerstandard ausrichten“, erläutert erläutert Frank Niemann, Vice-President Enterprise Applications and Related Services in der Teknowlogy Group. „Nur dann lässt sich ein Cloud-System flexibel und kostengünstig betreiben.“ (Bild: Teknowlogy Group)

„Unit 4 hat eine gute Technologie, aber das Unternehmen muss nun wachsen, um sich gegen Konkurrenten wie Workday und Netsuite, Sage oder Microsoft zu behaupten“, erläutert Frank Niemann, Vice-President Enterprise Applications and Related Services in der Teknowlogy Group. Die Akzeptanz der Betriebsform Cloud ist laut Niemann auch in Deutschland gewachsen: „Software aus der Cloud ist inzwischen vielerorts gelebte Realität. Den Einstieg finden Unternehmen über Office 365, über Kundenmanagement-Applikationen wie Salesforce oder über Personalmanagement-Lösungen.“ Auch bei Neuimplementierungen betriebswirtschaftlicher Software komme die Cloud inzwischen häufig zum Tragen. Bevor allerdings die Unternehmen ihre bestehenden Kernsysteme in Richtung Software as a Service aus der Cloud migrieren könnten, müssten sie sich vom Gedanken der starken Individualisierung lösen und stattdessen ihr ERP-System stärker am Herstellerstandard ausrichten. Nur dann lasse sich ein Cloud-System flexibel und kostengünstig betreiben. Erforderliche Erweiterungen könnten über entsprechende Cloud-Werkzeuge entwickelt und mit der Anwendung verbunden werden.

Unit4 ist ein international aktiver Standardsoftwerker, der ERP-Lösungen sowie Anwendungen für Performance Management im Portfolio hat. Die Kunden kommen aus der Dienstleistungsbranche, aus dem öffentlichen Sektor, oder sie sind Non-Profit-Organisationen, Bildungsträger und Finanzdienstleister. Die IT-Architektur von Unit4 basiert auf Microsoft-Technologie. Über das Extension Kit lässt sich die Kernanwendung Unit4 Business World um Cloud-Services erweitern, mit deren Hilfe Kunden und Partner die Lösung branchenspezifisch zuschneiden. Die People Platform integriert sämtliche Komponenten und Services.

Vom Urlaubsassistenten bis zur Analyse von Quartalsergebnissen

Ein elektronischer Assistent für das Beschaffen von Büromaterial war eine der ersten Anwendungen des Chatbots Wanda. Inzwischen können sich Manager von Wanda und dem Performance-Management-Werkzeug Prevero auf Abweichungen im Monatsabschluss hinweisen lassen.
Ein elektronischer Assistent für das Beschaffen von Büromaterial war eine der ersten Anwendungen des Chatbots Wanda. Inzwischen können sich Manager von Wanda und dem Performance-Management-Werkzeug Prevero auf Abweichungen im Monatsabschluss hinweisen lassen. (Bild: Unit4)

Zwei Jahre alt geworden ist der Chatbot Wanda, ein Cloud-Service, der Anwendern Zugang zu Daten aus dem hauseigenen ERP-System verschafft. Wanda basiert auf Microsoft Azure und nutzt die dort verfügbaren Funktionen für Analyse und maschinelles Lernen. Die ersten Funktionen waren im vergangenen Jahr Assistenten für Urlaubsanträge, Anfragen zur Lohnabrechnung, Bestellanträge und für Genehmigungen durch den Vorgesetzten. Inzwischen ist Wanda in der Lizenzgebühr ohne Aufschlag enthalten, gleichzeitig hat der Funktionsumfang zugelegt: Inzwischen hat der Funktionsumfang zugelegt: Manager können jetzt darüber in natürlicher Sprache mit ihren Daten kommunizieren. Sie chatten mit Wanda beispielsweise per Mobiltelefon und lassen die Performance-Management-Applikation Prevero die Plan- und die Istwerte aus dem jüngsten Geschäftsabschluss vergleichen und in einer Grafik den Umsatz nach Regionen darstellen.

Ein erster Schritt zum selbststeuernden System: Die Anwendung Smart Resource Planning plant Serviceaufträge automatisch und soll für eine optimale Nutzung von Arbeitszeit und Ressourcen sorgen.
Ein erster Schritt zum selbststeuernden System: Die Anwendung Smart Resource Planning plant Serviceaufträge automatisch und soll für eine optimale Nutzung von Arbeitszeit und Ressourcen sorgen. (Bild: Unit4)

„Die Anwender können sich mit Wanda in einem Datenwürfel bis auf die unterste Ebene bewegen und einzelne Datensätze ansehen“, erklärt Matthias Thurner, Chief Product Officer bei Unit4. Aktuell führe Wanda den Anwender zu den relevanten Daten hin und zeige Abweichungen auf. In einer künftigen Version soll der Chatbot die Abweichungen auch erklären. Dann starte in Prevero automatisch eine Analyse, die auf Basis Künstlicher Intelligenz mögliche Gründe für die Abweichungen nennt. Damit so etwas möglich wird, ist noch jede Menge Training erforderlich: „Der Bot erkennt bislang ausschließlich Zusammenhänge, die man ihm vorher erklärt hat“, berichtet Thurner. „Er kann über Themen reden, wo man mögliche Fragen und die dazugehörigen Antworten definiert hat.“

Die Vorstellung eines selbstlernenden Assistenten, der eigenständig Zusammenhänge erkennt und Antworten findet, liegt demnach noch in der Zukunft. In der Performance-Management-Anwendung Prevero sind die ersten Bausteine Künstlicher Intelligenz seit dem vergangenen Jahr verfügbar. Sie umfassen Forecasts, die mittels Deep Learning Ist-Zahlen und andere Informationen analysieren, um künftige Ergebnisse vorherzusagen. Eine weitere Funktion ist das automatische Erkennen von Anomalien bei Datenangaben für die Budgetierung. Das System analysiert die Eingaben des Anwenders und schlägt Korrekturen vor, wenn es einen Widerspruch feststellt.

Erste Anwendungen für das selbststeuerndes IT-System

Wanda interagiert mit Slack, Skype, Microsoft Teams und Facebook Messenger. Aktuell beherrscht der Chatbot fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch, Norwegisch und Schwedisch. Mittels Machine Learning soll die digitale Assistentin eines Tages dafür sorgen, dass das IT-System sich selbst steuert. Den Plan für das Entwickeln derartiger IT-Systeme hat Unit4 2015 angekündigt. 2017 kam die People Platform auf den Markt, welche die Selbststeuerung anhand von Prognosen, Ereignissen und Mustererkennung ermöglicht. Aktuell sind zwei Dienste verfügbar: Smart Resource Planning plant Serviceaufträge automatisch und soll für eine optimale Nutzung von Arbeitszeit und Ressourcen sorgen. Der automatisierte Rechnungsservice Smart Invoice Processing wendet Buchhaltungsinformationen auf Rechnungen an und verteilt diese automatisch zur Zahlungsfreigabe. Unit4 ist nicht der einzige ERP-Anbieter, der Funktionen automatisiert. SAP verfolgt ähnliche Bestrebungen unter dem Banner SAP Autopilot.

In Deutschland ist Prevero besser bekannt als die anderen Teile des Portfolios von Unit4. „Die Business-Intelligence-Anwendung wird daher weiterhin auch als Standalone-Produkt verkauft, und zwar auch an Unternehmen, die keine betriebswirtschaftliche Lösung von Unit4 im Einsatz haben“, berichtet Tom Dehouck, Global Head of Prevero. So können auch Anwender von SAP HANA oder SAP BW ihre Daten über Prevero analysieren und dann über Wanda mit ihnen reden.

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