CRM und ERP intelligent verbunden

Dynamische Roadmap für MS Dynamics 365

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Microsoft Dynamics 365 umfasst die Hauptkomponenten der früheren Dynamics-Produkte CRM, AX und – demnächst – auch NAV. Sie lassen sich mit Office 365 und der Cortana Intelligence Suite sowie mit Partnerlösungen aus dem App-Store AppSource erweitern.
Microsoft Dynamics 365 umfasst die Hauptkomponenten der früheren Dynamics-Produkte CRM, AX und – demnächst – auch NAV. Sie lassen sich mit Office 365 und der Cortana Intelligence Suite sowie mit Partnerlösungen aus dem App-Store AppSource erweitern. (Bild: Microsoft)

Microsoft hat kürzlich in Köln seine Produktstrategie im Hinblick auf die Einführung von MS Dynamics 365 erläutert. Was aus den Kunden und Partnern wird, die bislang auf MS NAV und AX gesetzt haben, war zu klären. Nur eines ist klar: Microsoft will in der Cloud schneller wachsen als der Rest des Marktes.

In der großen ERP-Plattform Microsoft Dynamics 365 haben sich die Produktgrenzen wie auch die -namen aufgelöst. Es gibt zwar noch Schwerpunkte wie AX, CRM und NAV, aber sie sind in ihre funktionalen Komponenten aufgebrochen worden. CRM heißt nun "Sales", AX künftig "Operations". Künftig soll der Kunde, zumal in der Cloud, solche Funktionsmodule individuell zu "intelligenten" Business-Applikationen zusammenzusetzen, die online mit Office 365 und der Cortana Intelligence Suite (Power BI etc.) zusammenarbeiten. Ralf Korb, Berater beim Würzburger BARC-Institut, nennt diesen Trend "Appisierung".

„Microsoft geht mit Dynamics 365 den Weg der Plattform-Zerlegung aktuell am radikalsten und will ab 2018 dem Anwender unterschiedliche Preise je nach Nutzung der Software anbieten“, erläutert Korb. „Je umfangreicher die Funktionalitäten etwa im Bereich CRM genutzt werden, desto teurer wird es. Es sei denn, der Kunde nimmt das Komplettpaket und hat ähnlich einer Flatrate Zugriff auf die gesamte Funktionalität.“

Was Dynamics 365 aus der Cloud so erfolgreich macht

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13.06.17 - Dynamics 365 zieht mehr Cloud-Anwender an als Microsoft geplant hat. Produzierende Unternehmen bestehen jedoch darauf, zumindest die wichtigen Systemteile inhouse zu betreiben. Das berichtet die Anwendervereinigung mbuf auf dem Jahreskongress in Stuttgart. lesen

Das schon seit letztem Jahr angebotene Abo-Modell soll Korbs Informationen zufolge künftig noch granularer werden, doch am liebsten scheint Microsoft der Verkauf der Flatrate zu sein. So kostet etwa das Sales-Modul einzeln 95 US-Dollar pro Monat und User, das Paket aus Sales, Customer Service, Field Service, Project Service Automation und Power Apps gibt es für 115 US-Dollar/Monat. Für 210 US-Dollar offeriert Microsoft unter dem Namen Dynamics 365 Plan das Komplettpaket und packt zur gesamten CRM-Funktionalität noch ERP in Form des AX-Nachfolgers "Dynamics 365 for Finance and Operations" in die Tüte.

Alte und neue Betriebsmodelle

Microsoft will nach den Worten von Christian Geckeis, dem Leiter Partnerentwicklung bei Microsoft Deutschland, dem Kunden nach wie vor die Wahlfreiheit hinsichtlich seiner Produkte lassen. Deshalb sollen möglichst alle "Produkte" nicht nur modular aufgebaut sein, sondern auch weiterhin sowohl in der Cloud als auch on-premises bereitgestellt werden. Das gilt allerdings nicht für originäre Cloud Services – die kann man natürlich nur in einer Cloud-Infrastruktur betreiben.

Als jüngste Option bietet Microsoft hierfür den Azure Stack an, eine Version der Azure Cloud Plattform, die sich auf Bare Metal Servern und ähnlicher Hardware in der Private Cloud installieren lässt. Das hat VMware ja mit VMware Cloud Foundation (VCF) erfolgreich vorexerziert. Microsoft betrachtet den Azure Stack allerdings als "Zwischentechnologie", das heißt als Sprungbrett in die Public oder Managed Cloud.

Welche Betriebsform und Ausbaustufe für welchen Kunden geeignet ist, entscheidet Microsoft anhand einer Matrix von Kriterien für den Reifegrad des Kunden in Sachen Digitalisierung. Daran lässt sich bereits ablesen, dass Microsoft voll auf die Digitalisierungsbestrebungen der Wirtschaft setzt. Da liegen die Redmonder sicher nicht ganz falsch. Für sie entwickelt sich der deutsche Jahresumsatz von geschätzten 4,5 Mrd. US-Dollar in 2017 auf stattliche 32 Mrd. US-Dollar in 2020 – ein nicht unbeträchtlicher Anteil am geschätzten Gesamtmarkt für digitale Transformation in Höhe von 194 Mrd. US-Dollar in 2020.

Diese optimistisch wirkenden Microsoft-Zahlen bestätigen indes IDC (siehe Bild 13) und PAC. "Das Marktvolumen für ERP-SaaS in DE im Mittelstand (also Firmen bis 1500 Mitarbeiter) umfasst 2017 rund 400 Mio. Euro", berichtet PAC-Analyst Frank Niemann, "das durchschnittliche jährliche Wachstum (CAGR) liegt von 2017 bis 21 bei über 22 Prozent."

Prozessmodellierung

Bei der Unterstützung von Prozessen handelt es sich prinzipiell um Business Process Modeling (BPM) auf der Grundlage von Hauptkomponenten und Zusatzmodulen, ja, sogar von Microservices. Eine Form des Workflows ließe sich, so Microsoft, mit "Business Process Flow" und sogenannten Action Steps bewerkstelligen, etwa um Mails weiterzuleiten (siehe Dynamics 365 Roadmap). Business Process Flow dient bislang der Orchestrierung von sogenannten Power Apps, es gibt aber auch deren großen Bruder Logic Apps. Die Microservices und Power Apps etc. greifen in der Azure Cloud alle auf die gemeinsame Datenbasis Common Data Service (CDS) zu. Als Alternative stehen die BizTalk Integration Services des SQL Servers zur Verfügung. Mithilfe der Lifecycle Services sollen rund 8.000 Prozesse direkt zur Auswahl stehen. Ob Container künftig eine Rolle spielen, blieb vorerst offen.

Datenschicht

Um eine derart flexible Plattform als Grundlage der Transformation bereitzustellen, setzt Microsoft das Common Data Model in den Mittelpunkt von MS Dynamics 365. Auf dieser Datenschicht setzen die Kern-Komponenten und die Zusatzmodule auf – ein von SAP vertrautes Konzept. So ließe sich beispielsweise die Kern-Komponente HCM um das Analysemodul "Talent Insights" zwecks Rekrutierung erweitern. Es ist mit dem Datenbestand aus LinkedIn verknüpft, weil dort die Nutzer ihre Adress- und beruflichen Daten selbst aktuell halten – ein großer Pluspunkt hinsichtlich der Datenqualität. Diese lässt sich durch Werkzeuge wie DataFinder von Versium noch erhöhen, bislang allerdings nur in den USA. Schon bald soll der LinkedIn Sales Navigator MS Dynamics 365 erweitern.

Schlaue Assistenten

Im CRM-Kernprodukt "Sales" des erst im Oktober freigegebenen Juli-2017-Updates kommt das neue Modul "Relationship Insights" hinzu. Die Analyse-Anwendung soll jeden Mitarbeiter durch "intelligente" Assistenten in die Lage versetzen, aufgrund der Antworten zu handeln. Datenvisualisierung und Business Intelligence sind ebenso wie Machine Learning bereits integriert. "Es handelt sich um eine Marktanforderung des Weltmarktes, und Microsoft muss liefern", erläutert Ralf Korb.

„Das Zusammenwachsen der ERP- und BI-Systeme“, meint Ralf Korb, „wird durch den Weg in die Cloud beschleunigt, denn die alten on-premises ERP-Architekturen sind nicht auf schnelles Reporting ausgelegt, ohne die Leistung der transaktionalen Datenbank zu verringern.“ Business Intelligence bewege sich daher nicht nur in die Kernaufgaben des ERP-Systems und werde dort leichter zugänglich für mehr Anwender, sondern zusätzlich würden die Fachabteilungen oder branchenspezifische Anwendungen immer BI-bereiter und ausgereifter. Nun kommt auch noch KI hinzu: „In Kombination mit ERP-Systemen“, so Korb, „lässt sich mit Machine Learning jeder einzelne Schritt der Geschäftsprozesse optimieren, wenn nicht sogar komplett automatisieren.“

Microsoft Trusted German Cloud gegen Aufschlag

Die Assistenten unterbreiten bislang rund 40 Aktionsangebote. Sie stehen auch auf Mobilgeräten (iOS, Android) zur Verfügung. Zu den Tipps gehört unter anderem, die Reaktion des Kunden etwa auf eine E-Mail abzuhören: Hat er sie geöffnet und sie sogar durch Link-Öffnen beantwortet? Die Überwachung des Kunden ist mit moderner Internettechnik problemlos möglich. Wer übrigens die überaus sichere Microsoft Trusted German Cloud nutzen möchte, zahlt einen Aufschlag von 25 Prozent, wurde auf der Produktpräsentation bekannt.

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25.10.17 - Mit den KI-Assistenten, die Microsoft in Dynamics 365 AI anbietet, greifen die Redmonder die Stellung von IBM Watson und ähnlichen schlauen Helfern an. lesen

Machine Learning

Mit MS Dynamics 365 AI führt Microsoft bereits im eigenen Haus, bei HP und bei der Kaufhauskette Macy's eine neue KI-Plattform ein. Der erste Chatbot werde sich um Service Ticketing kümmern, sagte Geckeis, doch die in einem Blogpost verlautbarten Pläne ((https://blogs.msdn.microsoft.com/stevengu/2017/09/25/introducing-dynamics-365-ai-solutions/)) sehen eine Ersetzung von Kundendienstmitarbeitern in vielen Bereichen vor. Die geschäftsorientierte Anwendung von Machine Learning (AI) soll laut Microsoft den Kunden entgegenkommen, um ihren geschäftlichen Erfolg zu erhöhen.

Perspektiven für AX 2009 und NAV

Die Dynamics-Roadmap enthält für ISV-Partner und Entwickler, aber auch für Kunden viele interessante Details. Im Frühjahr 2018 will Microsoft NAV als SaaS einführen – der Deckname lautet derzeit "Projekt Tenerife". Das bedeutet, dass NAV erst zu diesem Zeitpunkt unter die Dachmarke MS Dynamics 365 kommt. Momentan lassen sich daher AX- und NAV-Komponenten noch nicht mischen. Der Haupt-Support für AX 2009 wird 2018 auslaufen; der Kunde muss dann den erweiterten Support lizenzieren. Kunden sollten sich frühzeitig nach Alternativen umsehen.

Was die Migration von alten auf neue und künftige Versionen angeht, so will Microsoft entsprechende Tools bereitstellen. Das gleiche Problem hat auch SAP gelöst, wo derzeit alle Applikationen auf HANA und Cloud migriert werden. Dieses Migrationsproblem dürfte nicht nur Kunden betreffen, sondern vor allem die Partner der Redmonder, ohne die im Vertrieb praktisch nichts geht. Im App-Store "AppSource" sollen derzeit über 600 Partnerlösungen im Angebot sein.

Nichtsdestotrotz soll es Anfang Dezember 2017 eine neue On-premises-Version von NAV geben. „Für Microsoft hat die DACH-Region immer eine On Premises-Priorität und erhält diese auch, aber die Welt wünscht Cloud.“ Die neue NAV-Version soll zahlreiche Neuerungen liefern. Was AX betrifft, so werde es laut Geckeis hierzulande die in USA verfügbare Business Edition weiterhin nicht geben, sondern nur die Enterprise Edition.

IoT und Industrie 4.0

Dass Microsoft mit seinen Partnern auch Richtung IoT und Industrie 4.0 drängt, belegte das Lösungshaus Alnamic aus Ulm. Es setzt AX erfolgreich bei kleinen und großen Unternehmen wie etwa dem Heiztechnik-Hersteller Viessmann ein.

„Der geschäftskritische Einfluss von IoT auf die Unternehmen wird immens sein“, sagt Ralf Korb voraus. „Dabei wird der Einfluss von ERP-Systemen, die IoT können, auf den ersten Blick überhaupt nicht sichtbar sein.“ Vielmehr drücke sich dies in einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit für diese Unternehmen aus. Umgekehrt werde das Ignorieren des Zusammenhangs von IoT und ERP-Systemen sich auf den geschäftlichen Erfolg verheerend auswirken. „Dies zeigt sich heute schon in den Bereichen Analytics, Fertigungsüberwachung, Maschinenwartung und in den kundengerichteten Anwendungen im Handel.“

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