SAP-Auffrischung mit der Cloud und Hololens

Cloud-Konsilium auf DSAG-Frühjahrstreffen

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Stephan Augsten

„Dank der Augmented-Reality-Brille Hololens können SAP-Anwender den Digital Boardroom künftig mit auf Reisen nehmen“, schwärmt SAP-CIO Ralf Saueressig. Bislang läuft die Demo mit einem Prototyp, der noch nicht marktreif ist.
„Dank der Augmented-Reality-Brille Hololens können SAP-Anwender den Digital Boardroom künftig mit auf Reisen nehmen“, schwärmt SAP-CIO Ralf Saueressig. Bislang läuft die Demo mit einem Prototyp, der noch nicht marktreif ist. (Bild: Jürgen Frisch)

Die Cloud als Innovationstreiber und gleichzeitig als Hürde bei der Integration und bei Lizenzverhandlungen – so lautete das zentrale Thema beim Frühjahrstreffen der SAP-Anwendergruppe DSAG.

„Zukünftige IT-Lösungen laufen vor allem heterogen“, prognostizierte DSAG-Technologievorstand Ralf Peters anlässlich des Frühjahrstreffens der SAP-Anwendergruppe in Mannheim, bei dem 2200 Teilnehmer die jüngsten Trends diskutierten: „Die Zeit, in der ein zentrales SAP-System im Unternehmen den Ton angegeben hat, neigen sich dem Ende zu.“

Andererseits biete die HANA-Cloud-Plattform viel Potenzial für Anwendungen, die bislang gar nicht möglich gewesen seien. Der DSAG-Vorstand betrachtet die Cloud als Innovationshebel. Die Mitglieder folgen ihm hier allerdings nur teilweise und agieren eher zurückhaltend.

In der diesjährigen Investitionsumfrage haben die Unternehmen kaum Hauptinvestitionen in der Cloud benannt. Allenfalls im Bereich der mittleren Investitionen stehen Module wie Success Factors, Hybris, die HANA Cloud Platform, Ariba und Concur im Focus. „Kein Unternehmen wird sein komplettes ERP-System in die Cloud verschieben“ entgegnet Peters. „Vielmehr ermöglicht es die HANA Cloud Plattform, dass die Anwender sich die Rosinen herauspicken und mit kleinen Cloud-Lösungen starten, während der Hauptteil des SAP-Systems weiter inhouse läuft.“

Orchestrieren statt administrieren in der IT

Cloud-Module bringen Vorteile in Sachen Agilität. Allerdings handeln sich Unternehmen mit dieser Technologie auch Hürden ein. An oberster Stelle benennt Peters hier das geänderte Rollenverständnis der IT. Wo ein Administrator bislang ein In-house-System konfiguriert hat, gehe es künftig um das Orchestrieren von Anwendungen, die einerseits im hauseigenen Rechenzentrum und andererseits in verschiedenen Cloud laufen.

Diese Vielfalt gelte es zu managen. Konnten Entwickler bislang ihren Schwerpunkt auf ABAP legen, so sei in Zukunft ein Multi Development an der Tagesordnung. „Die Dokumentation, Stabilität und die Support-Qualität der HANA Cloud- Plattform sollte weiter verbessert und die Konsolidierung der Entwicklungswerkzeuge vorangetrieben werden“, referiert Peters ein Ergebnis aus dem DSAG-Arbeitskreis Development.

Auch für SAP-Partner wird sich laut Peters durch die Cloud künftig einiges ändern: Durch S/4HANA und die HANA Cloud Platform werde der ‚ERP-Kuchen‘ für die Partner kleiner, und diese müssen den Ausfall durch neue Services kompensieren.

„Bislang haben SAP-Partner Add-Ons für SAP-Lösungen verkauft“, erläutert Peters. „Künftig werden sie Microservices auf der HANA Cloud Plattform entwickeln, welche die SAP-Produkte funktional erweitern oder an bestimmte Branchen anpassen.“ Da sich nicht alle SAP-Partner den Umstieg auf die Hana Cloud Plattform leisten könnten, erwarte die DSAG, dass SAP diesen Umstieg unterstützt, um die Vielfalt des Ökosystems zu erhalten.

SAP-Lizenzmodelle sind nicht immer Cloud-tauglich

Ein Zielszenario der Hybrid-Cloud besteht darin, Anwendungen zu vernetzen, die an verschiedenen Orten laufen und die typischerweise auch von unterschiedlichen Anbietern kommen. „Es gibt praktisch kein Szenario in dem die ERP-Landschaft nicht involviert ist“, erläutert Peters.

Als Beispiel nennt er eine Maschine, die einen bevorstehenden Ausfall ans SAP-System meldet und dort einen Wartungsauftrag auslöst. „Aktuell haben es Systemarchitekten sehr schwer, die Komponenten und die dazugehörigen Lizenzen zusammenzustellen“, kritisiert der DSAG-Technologievorstand. „Um den Nutzen eines digitalisierten Prozesses zu heben, brauchen wir kalkulierbare und bezahlbare Lizenzmodelle.“

Wie schnell sich unklare Preismodelle zu einer Falle entwickeln können, zeigt das Beispiel des britischen Getränkeherstellers Diageo, dem bis zu 55 Millionen Pfund nachträgliche Lizenzkosten drohen, weil seine Mitarbeiter über ein Salesforce-System und die SAP Exchange Infrastructure auf ein SAP-System zugreifen. Laut SAP sind für solche Zugriffe Named-User-Lizenzen nötig. „Wir sind in solchen Fragen seit langem mit der SAP in Gesprächen“, erläutert Peters.

Die Verhandlungen seien aufgrund der vielen Detailfragen sehr komplex, und man stehe in einigen Punkten erst am Anfang. So gebe es bislang beispielsweise noch keine gemeinsame Definition, was unter einem kostenpflichtigen Zugriff von externer Seite zu verstehen ist. Immerhin ist das Ziel definiert: Wir müssen zu einem Kalkulationsschema kommen, aus dem man genau entnehmen kann, welche Kosten entstehen, wenn Anwendungen mit einer bestimmten Technologie vernetzt werden.“

Hololens als Frontend für SAP-Systeme

Ein weiteres Thema auf den Technologietagen ist die Generation Z, die sich bislang nur sehr verhalten für die Welt der SAP-Lösungen zu interessieren scheint. „Dieser Skepsis sollte die SAP mit modernen Oberflächen und innovativen Technologien entgegenwirken“, fordert Peters.

Wie eine moderne und zugleich innovative Benutzeroberfläche aussehen kann, zeigte Thomas Saueressig, der seit Mai 2016 CIO bei der SAP ist, als er in einer Produktvorführung mit der Augmented-Reality-Brille Hololens ein SAP-System steuert.Hololens blendet dem Benutzer eine dreidimensionale Darstellung ein, bei der sich die Menüs über Gesten, Kopfbewegungen und Sprachbefehle steuern lassen.

In der Demo nahm Saueressig über die Augmented-Reality-Brille Kontakt zu seiner virtuellen Assistentin auf, die ihm Mails zeigt und Informationen aus den Geschäftssystemen herbeiholt. „Mit Hilfe der Hololens können Manager eines Tages den Digital Boardroom auf Reisen mitnehmen“, schwärmt Saueressig und verweist gleichzeitig darauf, dass es sich bei der Demo um einen Prototyp handelt, der noch nicht marktreif ist. Der Digital Boardroom ist eine Ansammlung von Dashboards, die sich aus SAP-Systemen speisen, und die das Management über die Performance ihres Unternehmens informieren.

Ähnlich wie SAP hat auch der Microsoft-Partner Yaveon in einem Pilotprojekt die Hololens mit betriebswirtschaftlicher Software verbunden. Die Chemiearbeiter beim Lackhersteller Bergolin lassen sich von der Hololens die Arbeitsschritte bei der Lackherstellung zeigen und melden jeden Schritt direkt nach dem Abschluss ins ERP-System zurück.

Der Lackhersteller freut sich über die deutlich gestiegene Transparenz und kann sich weitere Einsatzfelder der Augmented-Reality-Brille in Produktion und Logistik vorstellen. „Unternehmen müssen bei allen Digitalisierungsschritten ihre Mitarbeiter mitnehmen“, erläutert Saueressig. „Nur wenn sie produktiver werden, hat eine neue Technologie langfristig Erfolg.“

S/4HANA soll künftig als stabiler Kern fungieren

Abseits vom Prototyp der Augmented Reality präsentiert Saueressig auf der DSAG-Tagung ein Architekturmodell, das es SAP-Anwendern ermöglichen soll, Innovationen schneller als bisher umzusetzen. Der R/3-Nachfolger SAP Business Suite 4 SAP HANA, kurz S/4HANA, übernimmt dabei die Rolle des stabilen Kerns.

In der HANA Cloud Plattform hingegen werden Anwendungen mit Zusatzfunktion ausgerollt, die beispielsweise mit Maschine Learning arbeiten. „Verlagern Unternehmen Standardapplikationen, mit denen sie sich nicht vom Wettbewerb absetzen können, in die Cloud, dann setzen sie dadurch Ressourcen frei, die sie für Innovation nutzen können“, gibt der SAP-CIO den DSAG-Mitgliedern als Ratschlag mit auf den Weg.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44544685 / Verbände und Initiativen)