Multi-Cloud-Management

Cloud-Dienste unterschiedlicher Anbieter integrieren

| Autor / Redakteur: Ulf Schitkowsky* / Elke Witmer-Goßner

Unternehmen bevorzugen hybride oder Multi-Cloud-Umgebungen – hinsichtlich Komplexität und Heterogenität eine große Herausforderung für die IT-Abteilungen.
Unternehmen bevorzugen hybride oder Multi-Cloud-Umgebungen – hinsichtlich Komplexität und Heterogenität eine große Herausforderung für die IT-Abteilungen. (Bild: Computacenter)

Viele Unternehmen nutzen bereits diverse Cloud-Services verschiedener Anbieter. Doch echtes Multi-Cloud-Management, bei dem Services und Workloads je nach Auslastung und individuellem Bedarf flexibel von einem Provider zu einem anderen verschoben werden, findet sich in der Praxis selten.

Genau das müssen IT-Abteilungen aber erreichen, wenn sie ihre Cloud-Umgebung effizient aufbauen und sich als Service-Anbieter im Unternehmen positionieren möchten. Anwender in Fachabteilungen wollen vor allem Dienste nutzen, die ihnen die tägliche Arbeit erleichtern. Dagegen möchten IT-Abteilungen die benötigten Services mit größtmöglicher Sicherheit und Compliance, Transparenz und Kostenkontrolle flexibel bereitstellen. Entsprechend müssen beide Seiten miteinander besprechen, wie sich welche Anforderungen optimal erfüllen lassen.

Was brauche ich?

Unternehmen sollten daher über eine detaillierte Bedarfsanalyse – unter Berücksichtigung der technischen Herausforderungen – geeignete, vertrauenswürdige Anbieter und Lösungen auswählen, die sowohl Security- als auch Compliance-Richtlinien einhalten. Dazu müssen Geschäftsführung und IT-Abteilung die Anforderungen der Fachbereiche sowie den Stand der Public-Cloud-Nutzung im Unternehmen ermitteln. Neben der Art der Dienste sind auch der Umfang und die Nutzungsdauer zu bestimmen. Dies geschieht in der Regel durch Analyse-Programme und gezielte Nachfragen.

Eine transparente Übersicht der Ergebnisse zeigt, welche Services wie häufig eingesetzt werden. Anschließend ist zu prüfen, für welche Anwendungen vergleichbare Dienste unterschiedlicher Anbieter zum Einsatz kommen. Diese sollten – wenn möglich – auf einen Service reduziert werden, um Kosten zu optimieren.

Optimale Lösungen finden

Eine Analyse der Ergebnisse kann durchaus ergeben, dass nicht die optimalen Dienste für die jeweiligen Anforderungen und Einsatzszenarien des Unternehmens genutzt werden. Entsprechend ist zu klären, welcher Aufwand nötig wäre, um den Service intern zu erbringen. Dieser sollte mit den Kosten und Funktionen externer Angebote verglichen werden, die zwar oft günstiger sind, sich aber nicht immer sicher und Compliance-konform integrieren lassen.

Zudem sind bei der Wahl der Erbringungsform die Zuständigkeiten und Verantwortungen zu berücksichtigen. Aktuell bieten viele Public-Cloud-Provider zwar die Bereitstellung von Anwendungen (SaaS) und Kapazitäten (IaaS), aber keine Zusatzservices wie Monitoring oder Backup und Recovery. Diese und ähnliche Betriebsaufgaben müssen die IT-Abteilungen dann selbst übernehmen. Bei der Bedarfsanalyse sowie der Ermittlung der optimalen Lösungen kann ein unabhängiges Beratungsunternehmen unterstützen.

Wie sich Dienste intelligent verknüpfen lassen

Falls verschiedene Services unterschiedlicher Anbieter genutzt werden sollen, ist zunächst deren Kompatibilität zu prüfen. Die Integration verschiedener Public Cloud-Services in eine übergreifende Infrastruktur bietet zwar eine höchstmögliche Flexibilität, ist in der Praxis jedoch alles andere als einfach.

Public Cloud Provider wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure oder Google Cloud nutzen nämlich verschiedene APIs und Management-Systeme, die nur teilweise miteinander kompatibel sind. Dadurch lassen sich auch virtuelle Instanzen im eigenen Rechenzentrum nicht einfach in diese Cloud-Dienste verschieben. Zudem können die bei Cloud-Services gespeicherten Daten nicht problemlos mit Diensten anderer Provider synchronisiert werden. Damit Unternehmen Daten und Dienste reibungslos verschieben können und damit echtes Multi-Cloud-Management erreichen, gibt es aus technischer Sicht im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

  • Cold-Stand-by-Lösung: Die Anwendung ist nur in einem Dienst aktiv geschaltet, läuft im Hintergrund aber in mehreren Cloud-Services. Beim Umschalten der Dienste führt dies jedoch zu einem hohen Aufwand und Ausfallzeiten.
  • Streaming-Verfahren: Das Format einer virtuellen Maschine lässt sich beim Bewegen von einer Umgebung in eine andere mit der entsprechenden Software verändern. Eine solche Konvertierung „on the fly“ kann aber zu Performance-Einbußen führen.
  • Container-System: Lösungen wie Docker laufen auf allen Virtualisierungsplattformen. Sie eignen sich gut für neue Anwendungen, die damit kompatibel sind. Bei bestehenden Applikationen kann jedoch ein erheblicher Anpassungsaufwand entstehen.

Multi-Cloud-Umgebungen effizient verwalten

Das Management von Multi-Cloud-Umgebungen stellt Unternehmen ebenfalls vor neue Herausforderungen. Denn je mehr Anbieter sie nutzen, desto mehr Dashboards und APIs müssen sie bedienen, was für entsprechend steigenden Aufwand sorgt. Mitunter stellt die größte technische Herausforderung aber die Verwaltung der Zugriffsrechte dar. Dazu verwenden die Unternehmen meist den Microsoft Active Directory Service. Sie übertragen die hier abgelegten Rechte mit Konnektoren auf mehrere Cloud-Anbieter und Anwendungen. Entsprechend steigt die Komplexität der Synchronisationsprozesse mit der Anzahl der Cloud-Dienste.

Zudem werden Cloud-Services meist nicht nur von eigenen Mitarbeitern, sondern auch von Kunden oder Partnern genutzt. Zur einfacheren Identifizierung und Rechtevergabe für externe Anwender lassen sich die Authentifizierungsdienste von Anbietern wie Facebook und Google oder Lösungen zur Identity Federation wie ADFS einsetzen. Die optimale Lösung muss jedoch auf die jeweilige Kundenanforderung zugeschnitten werden.

Die neue IT-Abteilung

Cloud- und erst recht Multi-Cloud-Management erfordert auch organisatorische Anpassungen. So muss die IT-Abteilung neue Skills aufbauen und das Silodenken überwinden. Mit einer entsprechenden Umorganisation kann sich die IT im Unternehmen aber auch nachhaltig als Service-Anbieter mit umfassendem Wissen zu Technologie, Anwendungen und Prozessen positionieren. Dafür muss sie sich jedoch entsprechend aufstellen und Service-Kataloge anbieten, aus denen Mitarbeiter ihre aktuell benötigten Dienste per Mausklick auswählen können.

Interne Experten einbinden

Damit IT-Abteilungen über die notwendigen Fähigkeiten für das Multi-Cloud-Management verfügen, müssen sich die Fachkräfte neues Wissen aneignen. Nur dann können sie eine reibungslose Bereitstellung von multiplen Clouds gewährleisten. Natürlich bleibt auch das bestehende Know-how z.B. eines Server-Administrators weiterhin wichtig. Zwar werden die Server eventuell nicht mehr im eigenen Rechenzentrum betrieben. Aber auch wenn sie als IaaS bezogen werden, müssen sie nach den Betriebsregeln des eigenen Unternehmens funktionieren. Unternehmen müssen Wege finden, ihren Mitarbeitern diesen Wandel verständlich zu erklären, ihnen etwaige Existenzängste zu nehmen und sie zu ermutigen, neue Skills zu erlernen. Entsprechend sollten die Fachkräfte bereits frühzeitig in die Planungen von Multi-Cloud-Diensten integriert werden. Denn nicht nur ihre Praxiserfahrungen aus dem Betrieb bieten wertvolle Informationen, sie können auch besser den tatsächlichen Aufwand für das tägliche Management von Cloud-Umgebungen abschätzen.

Aufgabe und Chance

In Multi-Cloud-Umgebungen erhält die IT-Abteilung zahlreiche neue Aufgaben. Sie muss entsprechend der eigenen Unternehmensregeln das Netzwerk zu den unterschiedlichen Providern knüpfen, die Kompatibilität der Services gewährleisten, Sicherheitsmaßnahmen implementieren und aktualisieren, die Cloud-Dienste integrieren, Zusatzleistungen bereitstellen und die dadurch entstehende Komplexität bewältigen. Zudem stellt sie aus den Angeboten verschiedener Provider Service-Kataloge für die Mitarbeiter zusammen. Dabei sollte aber für jeden Dienst nur ein Angebot zur Verfügung stehen. Denn nur dann lassen sich Compliance und einfaches Management gewährleisten.

Ulf Schitkowsky, Computacenter.
Ulf Schitkowsky, Computacenter. (Bild: Bernd Arnold)

Ohnehin möchten sich die meisten Mitarbeiter nicht mit allen verfügbaren Angeboten auseinandersetzen. Sie wollen nur die Anwendung möglichst einfach und effizient nutzen, unabhängig vom Provider oder der Art der Bereitstellung. Dabei ist aber ein kontinuierlicher Dialog zwischen IT und Fachabteilungen erforderlich, um die Anforderungen der Anwender zu erfüllen. Sind diese Aufgaben jedoch erledigt und sorgfältig umgesetzt, profitiert das Unternehmen von zufriedenen Anwendern, einer hochflexiblen Infrastruktur und einer IT-Abteilung als Service-Anbieter und Business-Unterstützer.

* Der Autor Ulf Schitkowsky ist Solution Manager Dynamic Datacenter bei Computacenter.

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