SAP-Transformation und Testing So beschleunigt Quality Engineering die S/4HANA-Migration

Ein Gastbeitrag von Viktoria Praschl* 4 min Lesedauer

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Der SAP-ECC-Support endet 2027, gleichzeitig werden S/4HANA-Migrationen durch hybride Systemlandschaften, Cloud-Updates und zahlreiche Schnittstellen immer komplexer. Wer Quality Engineering (QE) früh in den Transformations­prozess einbindet, kann Risiken reduzieren und das Projekt spürbar beschleunigen.

Mit Quality Engineering und KI-gestützter Testautomatisierung können Unternehmen ihre SAP-S/4HANA-Transformation sicherer und schneller vorantreiben.(Bild: ©  warmtail - stock.adobe.com)
Mit Quality Engineering und KI-gestützter Testautomatisierung können Unternehmen ihre SAP-S/4HANA-Transformation sicherer und schneller vorantreiben.
(Bild: © warmtail - stock.adobe.com)

Die Uhr tickt. Zum 31. Dezember 2027 stellt SAP den regulären Mainstream-Support für ECC ein. Danach ist kostenpflichtiger erweiterter Support bis 2030 möglich – doch das kauft allenfalls Zeit, keine Lösung. SAP-Transformationen sind keine Projekte, die sich in wenigen Monaten abschließen lassen. Historisch gewachsene Systemlandschaften, umfangreiche Eigenentwicklungen und ein dichtes Geflecht aus Drittsystem-Integrationen machen den Umstieg auf S/4HANA zu einem der komplexesten IT-Vorhaben überhaupt. Zehn Jahre Projektlaufzeit sind bei großen Landschaften keine Seltenheit. Wer noch nicht mit der Planung begonnen hat, sollte genau das jetzt tun.

Qualitätssicherung als entscheidender Kostenfaktor

Wer ein SAP-Transformationsprojekt budgetiert, denkt zuerst an Lizenzen, Infrastruktur und Beratung. Quality Assurance (QA) wird dabei oft als nachgelagerte Pflichtübung behandelt. Dabei macht sie laut Analystenerhebungen rund ein Drittel der gesamten Transformationskosten aus.

Der Grund liegt vor allem im unvermeidlichen Parallelbetrieb: Da große SAP-Landschaften nicht über Nacht migriert werden können, laufen Alt- und Neusystem über Jahre hinweg gleichzeitig. Jede Änderung an einem der Systeme erfordert Regressionstests, Vergleichstests zwischen beiden Umgebungen und Datenintegritätsprüfungen – und das kontinuierlich, über den gesamten Projektzeitraum hinweg. Das alles manuell abzuwickeln, ist weder personell noch wirtschaftlich zu stemmen.

SAP-Cloud-Transformation erhöht den Testaufwand

Für die meisten Unternehmen ist der Wechsel auf S/4HANA zudem keine reine Systemablösung, sondern gleichzeitig ein Schritt in die Cloud. SAP liefert regelmäßig Updates und neue Funktionen. Unternehmen müssen dieses Tempo mitgehen und neue Releases schnell validieren.

Parallel setzt SAP auf den Clean-Core-Ansatz: Der ERP-Kern bleibt schlank und standardnah, während kundenspezifische Erweiterungen über die SAP Business Technology Platform realisiert werden. Das verlagert Testing-Aufwände in die Peripherie. Ein durchschnittliches SAP-Core-System verfügt über 100 oder mehr Schnittstellen zu umliegenden Systemen – jede davon ein potenzieller Fehlerherd. End-to-End-Integrationstests sind deshalb keine Kür, sondern Pflicht.

Was die SAP Agent-Led Toolchain leistet

Um Unternehmen bei diesem Kraftakt zu unterstützen, stellt SAP im Rahmen der RISE-with-SAP-Journey die Agent-Led Toolchain (vormals Integrated Toolchain) bereit. Sie vernetzt SAP-eigene Werkzeuge und zertifizierte Partner-Lösungen zu einer durchgängigen Umgebung, die alle Phasen der SAP Activate Methodology abdeckt. SAP LeanIX übernimmt das Enterprise Architecture Management, SAP Signavio ermöglicht Prozessanalyse und -optimierung, SAP Cloud ALM fungiert als Steuerungszentrale.

Ergänzt wird die Toolchain durch zwei strategisch positionierte Partner-Lösungen: Tricentis für KI-gestützte Testautomatisierung und Quality Engineering sowie Syniti für die Datenmigration. Alle Komponenten sind bidirektional integriert, Silos werden aufgebrochen, Medienbrüche vermieden.

Vom Prozessmodell zum automatisierten Testfall

Dass die Toolchain wirklich als Einheit funktioniert und nicht als loses Werkzeugbündel, zeigt sich am Zusammenspiel zwischen Signavio, Cloud ALM und Tricentis besonders deutlich. Sobald ein Geschäftsprozess in SAP Signavio modelliert ist, gehen die relevanten Informationen automatisch an SAP Cloud ALM. Von dort lässt sich die Tricentis-Lösung per Klick aufrufen und generiert auf Basis der Prozessdaten automatisiert Test Cases.

QA-Teams starten also nicht auf der grünen Wiese, sondern mit einem vorstrukturierten Grundgerüst, das den manuellen Aufwand von Beginn an reduziert. Testergebnisse fließen bidirektional zurück ins Cloud ALM, sodass Projektverantwortliche jederzeit den aktuellen Qualitätsstatus im Blick haben. Ändert sich ein Prozess, werden betroffene Testfälle automatisch angepasst. Die klassische Kostenfalle veralteter Testsuiten, die niemand mehr wartet, weil es zu aufwendig ist, lässt sich so zuverlässig vermeiden.

Die Qualitätssicherung mit KI skalieren

Testautomatisierung ist längst mehr als ein Werkzeug zur Beschleunigung. Durch den Einsatz von KI wird sie zum strategischen Steuerungsinstrument. Eine KI-gestützte Change-Impact-Analyse ermittelt automatisiert, welche Tests nach einer Änderung tatsächlich erforderlich sind – unnötiges Durchtesten entfällt, Testsuiten bleiben schlank. Self-Healing-Mechanismen erkennen gebrochene Bezüge in Testfällen und reparieren sie selbstständig. LLM-basierte Copiloten ermöglichen es außerdem, in natürlicher Sprache mit dem QA-System zu interagieren, Ergebnisse zusammenzufassen oder passende Test Cases vorzuschlagen.

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Noch einen Schritt weiter gehen KI-Agenten, die weitgehend autonom testen. Über den offenen Standard MCP (Model Context Protocol) lassen sich mehrere spezialisierte Agenten zu einem durchgängigen Workflow verbinden: Ein Agent strukturiert Anforderungen in Testfälle, ein zweiter erzeugt Testdaten, ein dritter führt die Tests aus, ein vierter bewertet die Ergebnisse und erstellt einen Management-Report. Die Kommunikation läuft über eine standardisierte Schnittstelle – ohne Scripting, ohne manuelle Integration. Da die Agenten in einem in der Cloud gehosteten AI Workspace zusammenarbeiten, lassen sich neue Funktionen schnell und ohne Installationsaufwand bereitstellen.

Grundlegende KI-Funktionen wie Change-Impact-Analyse, Self-Healing und Copiloten sind bereits seit Längerem Teil der Tricentis-Lösung in der SAP Agent-Led Toolchain. Seit Mai 2026 stehen SAP-Kunden auch Agentic-AI-Funktionen zur Verfügung wie die KI-gestützte Testfallerstellung. Mit dieser können Kunden Testfälle mittels Natural-Language-Prompts direkt innerhalb ihrer SAP-Workflows generieren.

Quality Engineering schafft das Fundament für die S/4HANA-Migration

Die SAP S/4HANA-Transformation ist kein reines Technikprojekt. Sie entscheidet darüber, auf welchem Fundament ein Unternehmen die nächsten Jahre operiert. Umso wichtiger ist es, Qualitätssicherung nicht als nachgelagerte Kontrollinstanz zu behandeln, sondern als integralen Bestandteil des Vorhabens von Beginn an. Wer KI-gestützte Testautomatisierung früh einbindet und die Möglichkeiten der SAP Agent-Led Toolchain konsequent nutzt, adressiert Risiken, bevor sie eskalieren, und schafft eine Basis, die auch im späteren Betrieb trägt.

Angesichts der Komplexität solcher Projekte empfiehlt es sich, mit erfahrenen Partnern zusammenzuarbeiten, die das SAP-Ökosystem und moderne Quality-Engineering-Ansätze aus der Praxis kennen. Denn eines zeigen SAP-Transformationsprojekte regelmäßig: Qualitätsprobleme, die früh erkannt werden, sind beherrschbar. Solche, die spät auffallen, werden teuer.


* Die Autorin Viktoria Praschl leitet bei Tricentis den Bereich Strategic Sales and Partnerships SAP für Europa. Die studierte Softwareingenieurin ist seit 2009 im Unternehmen tätig und hatte dort bereits regionale und globale Führungspositionen inne. Heute arbeitet sie an der Weiterentwicklung des SAP-Ökosystems sowie an internationalen Go-to-Market-Strategien. Zudem engagiert sie sich als Mentorin und für mehr Chancengleichheit von Frauen in der IT.

Bildquelle: Tricentis

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