Cloud- und KI-Umgebungen absichern Datensouveränität: Kontrolle als Grundlage für Vertrauen

Ein Gastbeitrag von Florian Hartwig* 7 min Lesedauer

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Wer Daten souverän verwalten will, muss mehr kontrollieren als ihre geografische Speicherung. Entscheidend sind Zugriffsrechte, Verschlüsselung, Schlüsselverwaltung, Protokollierung und lokaler Support. Ein ganzheitlicher Ansatz zeigt, wie Unternehmen und Behörden digitale Kontrolle in der Cloud nachweisbar umsetzen können.

Datensouveränität in der Cloud bedeutet mehr als europäische Datenresidenz: Entscheidend sind kontrollierte Zugriffe, sichere Schlüsselverwaltung und transparente Prozesse.(Bild: ©  Sourithideth - stock.adobe.com / KI-generiert)
Datensouveränität in der Cloud bedeutet mehr als europäische Datenresidenz: Entscheidend sind kontrollierte Zugriffe, sichere Schlüsselverwaltung und transparente Prozesse.
(Bild: © Sourithideth - stock.adobe.com / KI-generiert)

Meist wird Datensouveränität lediglich auf den Speicherort von Daten reduziert. Viel wichtiger ist aber: Wer hat Zugriff? Wer steuert die Security? Und wie lässt sich das auch in Cloud-, Multicloud- und KI-Umgebungen überprüfen?

Eine Frage der Kontrolle

Im Zentrum der Technologie-Debatte steht die Souveränität von Daten. Zahlreiche Prozesse und Regulierungsvorhaben drehen sich um die Frage, welchen Plattformen und Partnern moderne Unternehmen vertrauen können. Doch die Herausforderung ist weitaus komplexer als der Speicherort der Daten. Souveränität muss ganzheitlich umgesetzt werden – im Sinne von „People, Process & Technology“.

Unternehmen sollten sich besonders genau anschauen, wer Zugriff auf sicherheitsrelevante Daten hat und wer die Steuerung der Sicherheitsmaßnahmen übernimmt. Regelwerke wie die Datenschutz-Grundverordnung, NIS2 und DORA verlangen von Organisationen zunehmend nachweisbare Kontrollen, die über die reine Datenresidenz hinausgehen.

Damit diese Vorgaben im Alltag greifen, empfiehlt sich ein strukturierter, dreistufiger Assessment-Prozess mit Dateninventur und Klassifizierung, Prüfung der Schlüsselverwaltung und Zugriffsrechte sowie der Auditierung und Prozessresilienz. Erst durch dieses systematische Vorgehen können Unternehmen und Behörden ihre Anforderungen an Technologieanbieter konkret formulieren und eine tragfähige Basis für echte digitale Autonomie schaffen.

Was Unternehmen heute von Cloud-Anbietern erwarten

In Gesprächen mit Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Betreibern kritischer Infrastrukturen zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Sie wollen immer öfter wissen, wer die Kontrolle in Bezug auf die gespeicherten Daten hat. Dazu gehören in diesem Zusammenhang auch die eingesetzten Verschlüsselungscodes. Hier erwarten Unternehmen auch, dass jeder Zugriff protokolliert und sichtbar gemacht wird. Und sie wollen, dass Betrieb und Support unter lokaler Rechtsprechung und lokalen Gesetzen erfolgen. Dabei ist Organisationen bewusst, dass strikte Souveränitätskontrollen in der Praxis mit pragmatischen Kompromissen einhergehen können, etwa bei Performance, Latenz, Funktionsumfang, Time-to-Deploy oder mögliche Komplexität.

Datensouveränität ist daher nicht starr, sondern eine gezielte Balance zwischen maximaler Kontrolle und betrieblicher Flexibilität, die je nach Schutzbedarf der Daten individuell austariert werden muss. Sicherheit muss absolute Priorität haben, denn Angreifer interessieren sich nicht für Souveränität, sondern suchen immer das schwächste Glied in der Kette. Souveränität und Sicherheit sollten deshalb nie gegeneinander ausgespielt werden.

Souveränität muss zum Schutzbedarf passen

Diese Anforderungen sind jedoch nicht universell für jeden Use Case. Ein Unternehmen, das nur mit typischen Software-Tools wie Office arbeitet, hat beispielsweise andere Bedürfnisse als ein Ministerium, das sensible nationale Daten verwaltet, oder ein Betreiber kritischer Infrastruktur, dessen Systeme die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen.

Im Zentrum dieser Betrachtung stehen deshalb die anspruchsvollsten Bereiche dieses Spektrums: der öffentliche Sektor und kritische nationale Infrastrukturen. Denn wenn die Antwort unter diesen verschärften Bedingungen richtig gestaltet wird, lässt sie sich auch auf andere Bereiche übertragen.

Fünf Bausteine für nachweisbare Datenhoheit

Aus zahlreichen Gesprächen mit europäischen Organisationen hat Palo Alto Networks einen praxisorientierten Ansatz entwickelt, der zeigt, wie sich verifizierbare Kontrolle rund um das Thema Souveränität in der Praxis gestalten lässt. Den Ausgangspunkt bilden die Daten und die zugrundeliegende Infrastruktur.

Um echte Datenhoheit zu gewährleisten, stützt sich dieses Konzept auf die folgenden fünf zentralen technischen Bausteine:

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  • Product Services: Alle Services müssen in der gleichen Region verfügbar sein. Palo Alto Networks hat beispielsweise dafür den gesamten SaaS-Stack in Europa repliziert. So wird sichergestellt, dass keine Dienste außerhalb der EU benötigt werden und folglich auch keine Daten die EU verlassen.
  • Infrastruktur: Es wird konsequent auf die Verwendung von Cloud-Diensten gesetzt, die über integrierte souveräne Kontrollen verfügen.
  • Datenverschlüsselung und Schlüsselverwaltung (Key Management): Die kryptografischen Schlüssel verwahrt und verwaltet ein vertrauenswürdiger Partner außerhalb der Provider-Infrastruktur, etwa über GCP External Key Management. Die Kontrolle liegt somit direkt beim Kunden.
  • Datenresidenz und Zugriff: Jeder administrative Zugriff auf Daten und die SaaS-Infrastruktur wird lückenlos protokolliert und ist unabhängig überprüfbar.
  • Support-Mitarbeiter: Betrieb und Betreuung der Services übernehmen ausschließlich Mitarbeiter mit Sitz in der EU.

Erst im Zusammenspiel dieser fünf Bausteine erlangen Kunden die uneingeschränkte Hoheit über ihre Daten. Kunden- und Systemdaten, einschließlich Telemetriedaten, werden konsequent lokal in Europa gespeichert, verarbeitet und von regionalem Personal (wie etwa Site Reliability Engineers) verwaltet.

Externe Schlüsselverwaltung schafft echte Kontrolle

Die externe Schlüsselverwaltung (EKM) erlaubt es Unternehmen zudem, ihre Schlüssel jederzeit eigenständig zu rotieren. Sie schafft damiteine klare Exit-Strategie: Wenn ein Kunde sich trennt, wird der Cloud Tenant gelöscht. Gleichzeitig kann der Kunde seinen Encryption Key (Bring-Your-Own-Key) löschen. Dadurch gelten die Daten in der Cloud als anonymisiert, weil das ‘Entschlüsselungs-Geheimnis’ gelöscht wurde.

Damit die Nachvollziehbarkeit jederzeit sichergestellt ist, lässt sich jeder Datenzugriff durch die strengen Protokollierungsrichtlinien auditieren. Neben diesen technischen und operativen Maßnahmen ist es ebenso wichtig, die rechtliche Ebene zu berücksichtigen. Dabei geht es beispielsweise um die Unterzeichnung der Verträge in striktem Bezug auf europäisches Recht.

Dadurch ist eine Lösung entstanden, die sich auch im Arbeitsalltag umsetzen lässt, nicht zuletzt, weil europäische Organisationen an ihrer Ausgestaltung mitgewirkt haben.

Ein möglicher Lösungsansatz für regulierte Branchen

Organisationen, die diesen Anforderungen gerecht werden wollen, benötigen eine Lösung, die mehrere Ebenen zugleich abdeckt: Daten, Verschlüsselung, Zugriffsprotokolle, Support und die vertragliche Grundlage. Einzelne Maßnahmen genügen hier nicht. Verschlüsselung ohne auditierbare Zugriffe schließt die Lücke ebenso wenig wie lokale Datenhaltung ohne lokal verankerten Support. Erst wenn diese Ebenen zusammenspielen, lässt sich Datensouveränität tatsächlich nachweisen statt nur zusichern.

Ein Beispiel dafür ist die Sovereign Cortex mit T-Security von Palo Alto Networks und der Deutschen Telekom.

Sovereign Cortex mit T Security

Die Lösung nutzt die Cortex-Plattform für KI-gestützte Sicherheits­operationen und macht sie für Europas regulierte Branchen verfügbar – mit Souveränitätskontrollen auf jeder Ebene der Umgebung, unabhängig gesteuert durch die Deutsche Telekom als europäischem Vertrauenspartner.

• Partner: Palo Alto Networks und Deutsche Telekom.
• Rolle der Deutschen Telekom: unabhängiger europäischer Vertrauenspartner für Souveränitätskontrollen.
• Zielbranchen (initial): Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor, Finanzdienstleistungen, kritische nationale Infrastruktur.
• Regulatorischer Bezug: DSGVO, NIS2, DORA, KRITIS.
• Kontrollen: Kunden- und Systemdaten (Telemetrie), Ver­schlüsselungs­codes, unabhängig auditierte Zugriffsprotokolle, Support ausschließlich in Europa, Verträge nach europäischem Recht.

Die Lösung richtet sich zunächst an Organisationen aus dem Gesundheitswesen, dem öffentlichen Sektor, der Finanz­dienstleistungs­branche und kritischen nationalen Infrastrukturen. Eine breitere Verfügbarkeit ist geplant. Das konkrete Angebot steht bereits zur Verfügung.

Verlässliche Exit-Prozesse und Datenportabilität ohne Vendor-Lock-in

Ein zentraler, aber häufig vernachlässigter Baustein digitaler Souveränität ist die geplante Vertragsbeendigung. Eine verlässliche Exit-Strategie stellt sicher, dass Unternehmen nicht in eine Abhängigkeit (Vendor-Lock-in) geraten und die volle Kontrolle über ihre historischen Sicherheits- und Log-Daten behalten. Am Beispiel der Referenz-Architektur Sovereign Cortex lässt sich zeigen, wie dieser Prozess standardisiert abläuft:

  • Standardisierte Datenportabilität: Nach Vertragsende können Kunden sämtliche Rohdaten, Log-Dateien und Telemetriedaten über offene APIs und standardisierte Exportformate (wie JSON, Syslog oder CEFF via S3/Blob Storage) nahtlos in eigene SIEM- oder Data-Lake-Systeme übertragen.
  • Transparente Fristen & Bereinigung: Nach offiziellem Vertragsende gilt eine klare Frist (in der Regel 30 bis 90 Tage), in der der Zugriff zur Datenmigration aufrechterhalten wird. Nach Ablauf dieser Karenzzeit wird der gesamte Cloud Tenant unwiderruflich gelöscht.
  • Sicheres Crypto-Shredding: Über das Bring-Your-Own-Key-Modell (BYOK) kann der Kunde seinen zentralen Verschlüsselungs-Schlüssel (Encryption Key) im eigenen HSM jederzeit selbst löschen oder widerrufen. Dadurch werden sämtliche in der Cloud verbleibenden Daten augenblicklich und mathematisch unumkehrbar anonymisiert, da das Entschlüsselungs-Geheimnis nicht mehr existiert.

Unternehmen sollten bei der Auswahl ihrer Anbieter darauf achten, dass diese Exportmechanismen und Löschroutinen nicht erst im Ernstfall verhandelt werden, sondern von Beginn an vertraglich und technisch fest verankert sind.

Vertrauen entsteht durch Transparenz und überprüfbare Kontrollen

Daten sind das Fundament vieler moderner Prozesse. Unternehmen müssen sie schützen und verantwortungsvoll damit umgehen. Daher ist Vertrauen in eine sichere und zuverlässige Infrastruktur unerlässlich. Auf diesem Weg wurde bereits einiges erreicht, aber es muss noch mehr in diesem Bereich geschehen. Wer europäische Institutionen, Behörden und Infrastrukturbetreiber als Partner ernst nimmt, sollte das offen anerkennen.

Souveränität wird damit für Technologieanbieter zu einer grundsätzlichen Frage der Haltung. Das bedeutet, Kontrolle an einen vertrauenswürdigen europäischen Partner zu übergeben, transparent zu benennen, was zugesichert werden kann und was nicht, und Souveränität als Gestaltungsprinzip zu behandeln statt als Compliance-Übung. Zugesicherte Verpflichtungen allein bedeuten jedoch nicht bedingungsloses Vertrauen. Und dieses Vertrauen muss, wie alles von Wert, jeden Tag neu verdient werden. Das gelingt nur durch überprüfbare Kontrollen und Transparenz.


* Der Autor Florian Hartwig ist Vice President DACH bei Palo Alto Networks, einem weltweit führenden Anbieter im Bereich Cybersicherheit. Er ist verantwortlich für das Geschäft mit Firmenkunden von kleinen und mittelständischen Unternehmen bis hin zu DAX 40, sowie für die öffentliche Hand, um deren digitale Transformation abzusichern und langfristig krisenfest aufzustellen. Florian verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der IT-Branche und war vor seinem Wechsel zu Palo Alto Networks Geschäftsführer bei Amazon Web Services (AWS) Deutschland.

Bildquelle: Palo Alto Networks

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