Datenaufbewahrung Cloud, On-Premises oder Hybrid – wohin mit dem Unternehmensarchiv?

Ein Gastbeitrag von Marcel Etzel* 6 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Cloud ist für viele Unternehmen gesetzt – für das Unternehmensarchiv gilt das jedoch nicht automatisch. Steigende Kosten, neue KI-Anwendungen und wachsende Compliance-Anforderungen verlangen eine differenzierte Strategie, statt nur „Cloud only“. Doch welche Archivdaten eignen sich für die Cloud, wann bleibt On-Premises sinnvoll und warum bietet eine Hybrid-Cloud-Architektur häufig den größten Handlungsspielraum?

Cloud, On-Premises oder Hybrid? Beim Unternehmensarchiv müssen Aufbewahrung, Zugriff und Schutzbedarf zusammenpassen.(Bild: ©  mnirat - stock.adobe.com)
Cloud, On-Premises oder Hybrid? Beim Unternehmensarchiv müssen Aufbewahrung, Zugriff und Schutzbedarf zusammenpassen.
(Bild: © mnirat - stock.adobe.com)

Laut Bitkom Cloud Report 2025 nutzen inzwischen 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland Cloud-Anwendungen. ERP, HR, Buchhaltung oder Dokumentenmanagement: Kaum ein Geschäftsbereich kommt heute noch ohne cloudbasierte Anwendungen aus. Mit dem Boom rund um generative künstliche Intelligenz (KI) kommt ein weiterer Treiber hinzu. Denn semantische Suche, intelligente Dokumentenverarbeitung und automatisierte Workflows brauchen skalierbare Ressourcen und schnellen Zugriff auf relevante Informationen.

Gleichzeitig ziehen neue Wolken am Cloud-Himmel auf: digitale Souveränität, neue regulatorische Vorgaben, KI und vor allem steigende Kosten. In Sachen Cloud-Migration zeichnet sich daher eine Neuausrichtung ab: Nachdem Unternehmen jahrelang Anwendungen, Workloads und Services im Rekordtempo in die Cloud gehoben haben, wird heute strategischer gerechnet. Lohnt sich der Betrieb in der Public Cloud technisch, wirtschaftlich und regulatorisch? Lassen sich bestimmte Daten lokal besser steuern, günstiger speichern und zuverlässiger absichern?

Für Unternehmensarchive sind diese Abwägungen besonders relevant, weil hier langfristige Aufbewahrung, sensible Informationen und neue Automatisierungsszenarien aufeinandertreffen.

Das Unternehmensarchiv ist kein einheitlicher Datenbestand

Unternehmensarchivierung bedeutet nicht nur, Daten effizient zu speichern, sondern sie über lange Zeiträume nachvollziehbar, unverändert und regelkonform verfügbar zu halten. Zugleich sollen ausgewählte Bestände künftig für Suche, Automatisierung oder KI nutzbar sein. Unternehmen müssen deshalb genauer unterscheiden, mit welcher Art von Archivdaten sie es zu tun haben:

Pflicht- und Nachweisdaten
Dazu gehören Unterlagen, die Unternehmen vor allem aus gesetzlichen, steuerlichen oder regulatorischen Gründen aufbewahren müssen: etwa Buchungsbelege, Handelsbriefe, Jahresabschlüsse, Verträge oder revisionsrelevante Dokumente. Im Tagesgeschäft greifen Fachabteilungen auf diese „kalten Daten“ meist nur selten zu. Entscheidend sind Integrität, Unveränderbarkeit, Nachweisfähigkeit und eine kosteneffiziente Aufbewahrung.

Langzeitarchivdaten
Ein Teil der Archivbestände muss deutlich länger verfügbar bleiben als klassische Geschäftsunterlagen, teilweise über 20 oder 30 Jahre. Dazu können etwa Prozessakten, Patientenakten, Urteile oder Renten- und Pensionsunterlagen gehören. Hier geht es nicht nur um Speicherung, sondern um dauerhafte Lesbarkeit, Beweiswerterhalt und kontrollierte Formatmigration.

Betriebsnahe Archivdaten
Daneben archivieren Unternehmen Daten, auf die Mitarbeitende weiterhin regelmäßig zugreifen müssen. Beispiele sind Rechnungen, Personalunterlagen, Lieferantendokumente oder projektbezogene Nachweise. Fachabteilungen benötigen diese Unterlagen etwa für Workflows, Auswertungen, Prüfungen oder Self-Service-Anwendungen. Im Unterschied zu klassischen „kalten“ Archivdaten bleiben diese „heißen“ Daten nah am Tagesgeschäft.

Archivdaten lassen sich nicht immer eindeutig einer Kategorie zuordnen. Ein und dasselbe Dokument kann gesetzlich aufbewahrungspflichtig sein, geschäftliches Wissen enthalten und in bestimmten Prozessen weiterhin gebraucht werden. Für die Cloud-Frage hilft die Unterscheidung trotzdem: Sie macht sichtbar, welche Anforderungen ein Datenbestand an Speicherort, Zugriff, Schutzbedarf und langfristige Verfügbarkeit stellt.

KI macht das Unternehmensarchiv zum strategischen Wissensspeicher

Für KI steckt im Archiv ein wertvoller Datenschatz. Dort liegen über Jahre gesammelte Unternehmensdaten: Verträge, technische Dokumentationen, Projektunterlagen und fachliche Zusammenhänge. Für KI-Anwendungen sind genau diese Informationen Gold wert, weil sie zeigen, wie ein Unternehmen in der Vergangenheit gearbeitet, entschieden, geprüft und dokumentiert hat.

Der größte Vorteil: Archivdaten folgen idealerweise bereits klassifiziert, mit Metadaten versehen und in vielen Fällen revisionssicher abgelegt. Damit bieten sie genau den Kontext, den KI-Anwendungen benötigen, um Informationen nicht nur zu finden, sondern auch richtig einzuordnen. Aus einer Vertragsakte kann so eine Quelle für Risikoanalysen entstehen. Alte Rechnungen liefern Muster für automatisierte Buchungsprozesse und Projektunterlagen einen Wissensfundus für neue Angebote.

Damit Archivdaten für KI nutzbar sind, braucht es klare Regeln: Welche Daten dürfen ausgewertet werden, welche bleiben tabu und wer darf die Ergebnisse abrufen? Statt vollständige Archivbestände pauschal für KI freizugeben, braucht es kontrollierten Zugriff auf ausgewählte, gut beschriebene und freigegebene Datenbestände. Genau damit wird die Speicherortfrage zentral. Bleiben Archivdaten vollständig abgeschottet, lassen sie sich kaum für Suche, Auto­ma­tisierung oder KI nutzen. Werden sie zu weit angebunden, steigen Risiken für Datenschutz, Compliance und Zugriffskontrolle.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Cloud Computing

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Cloud oder On-Premises? Vier Fragen geben Orientierung

Der Speicherort von Archivdaten hängt von mehreren Faktoren ab: etwa von Unternehmensgröße, Branche, KRITIS-Anforderungen, Schutzbedarf und geplanter Nutzung. Unternehmen sollten ihre Archivbestände deshalb anhand nachfolgender Fragen bewerten:

1. Wie sensibel sind die Archivdaten?
Nicht alle Archivdaten haben denselben Schutzbedarf. Personaldaten, Gesundheitsdaten, Patientenakten oder kritische Geschäftsgeheimnisse stellen hohe Anforderungen an Zugriff, Speicherung und Verarbeitung. Allgemeine Eingangsrechnungen oder standardisierte Belege sind meist weniger sensibel. Besonders in regulierten Branchen oder KRITIS-Umgebungen müssen Unternehmen zudem prüfen, ob zusätzliche Compliance-, Sicherheits- oder Nachweispflichten gelten.

2. Wie häufig werden die Dokumente benötigt?
Je regelmäßiger Archivdaten in Workflows, Audits, Auswertungen, Suchprozessen oder Self-Service-Anwendungen auftauchen, desto wichtiger sind schnelle Verfügbarkeit und gute technische Anbindung. In solchen Fällen sprechen viele Argumente für cloudnahe Modelle. Werden Dokumente allerdings nur im Ausnahmefall benötigt, kann eine stärker abgeschottete Umgebung sinnvoller sein.

3. Wie lange müssen die Daten lesbar und beweissicher bleiben?
Bei langen Aufbewahrungsfristen reicht Speicherplatz allein nicht aus. Das gilt etwa für Prozessakten, Patientenakten oder Renten- und Pensionsunterlagen. Sie müssen auch nach 10, 20 oder 30 Jahren vollständig, lesbar, unverändert und nachvollziehbar bleiben. Je länger der Zeitraum, desto größer das Risiko: Plattformen, Anbieter und Dateiformate können sich verändern oder verschwinden. Langzeitarchivierung braucht stabile Formate, kontrollierte Migrationen, Integritätsprüfungen und Audit-Trails.

4. Welche Archivdaten sollen für Suche, Automatisierung oder KI nutzbar werden?
Archivdaten, die für semantische Suche, intelligente Dokumenten­verarbeitung oder KI-gestützte Assistenzsysteme relevant sind, müssen technisch erreichbar und sauber kontextualisiert sein. Das können etwa Vertragsunterlagen, technische Dokumentationen oder wiederkehrende Belege sein. Zugleich braucht es klare Regeln, welche Daten KI-Anwendungen auswerten dürfen, zu welchem Zweck und mit welchen Zugriffsrechten. Genau diese Nachvollziehbarkeit wird mit Blick auf den EU AI Act noch wichtiger: Für viele KI-Anwendungen greifen ab August 2026 strengere Anforderungen an Transparenz, Dokumentation und Kontrolle.

5. Gibt es Daten, die nicht in die Cloud gehören?
Bestimmte Archivdaten können so sensibel, reguliert oder geschäfts­kritisch sein, dass eine Cloud-Ablage nur eingeschränkt oder gar nicht sinnvoll ist. Dazu zählen etwa Gesundheits- und Personaldaten, Geschäftsgeheimnisse oder Unterlagen aus regulierten Bereichen wie KRITIS, Finanzwesen oder Gesundheitswesen.

Hybrid statt Grundsatzentscheidung

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage nach dem richtigen Betriebsmodell gibt es nicht. Je nach Schutzbedarf, Zugriffshäufigkeit und Nutzungsszenario sprechen unterschiedliche Argumente für Public Cloud, Private Cloud oder On-Premises. Die Public Cloud bietet Skalierbarkeit, flexible Ressourcen und die schnelle Anbindung moderner Dienste, etwa für Suche, Automatisierung, Analytics oder KI-Anwendungen. Private Cloud und On-Premises-Modelle bieten hingegen mehr Kontrolle über besonders sensible, regulierte oder geschäftskritische Daten.

In der Praxis entscheiden sich viele Unternehmen deshalb für eine Kombination verschiedener Betriebsmodelle. Laut Flexera State of the Cloud Report 2026 nutzen bereits 73 Prozent der Unternehmen hybride Cloud-Umgebungen. Dadurch verbinden sie Kontrolle, Compliance und Datensouveränität mit Skalierbarkeit, Innovationsgeschwindigkeit und flexiblen Ressourcen. Entscheidend ist eine einheitliche Steuerung: Unternehmen müssen Daten, Anwendungen, Identitäten und Zugriffs­rechte über alle Betriebsmodelle hinweg konsistent verwalten können.

Gelingt das, entsteht mehr Handlungsspielraum. Bestehende On-Premises-Strukturen bleiben im Einsatz, während die IT neue Cloud-Funktionen schrittweise ergänzt. Bei Bedarf stehen Managed Services zur Verfügung, um Betrieb, Wartung und Sicherheit zu entlasten.

Fazit: Das Archiv braucht einen datenbezogenen Cloud-Fahrplan

Wohin also mit dem Unternehmensarchiv? Die passende Antwort hängt von den jeweiligen Daten und ihrem Nutzungskontext ab. Moderne DMS- und Archivlösungen schaffen dafür die Grundlage: Sie ermöglichen flexible Betriebsmodelle, steuern Zugriffe und halten Informationen langfristig nachvollziehbar verfügbar. So müssen sich Unternehmen nicht pauschal zwischen Cloud und On-Premises entscheiden, sondern können Archivdaten so verwalten, wie es zum eigenen Bedarf passt.


* Der Autor Marcel Etzel ist seit 2018 bei easy und seit Januar 2022 Produkt- und Entwicklungsleiter (CPTO). Als ehemaliger Gründer und Experte für Innovation im Bereich der B2B-Software steuert er das easy Produktportfolio in Richtung Zukunft mit Hilfe neuer Technologien wie Cloud und KI.

Bildquelle: Easy Software

(ID:50907388)