Die größte Abhängigkeit vieler Unternehmen entsteht nicht bei ihren Daten, sondern bei ihrem ERP-System. Denn wenn wichtige Anpassungen, regulatorische Anforderungen oder neue Geschäftsmodelle von den Entscheidungen eines Software-Anbieters abhängen, wird digitale Souveränität schnell zur strategischen Frage.
Digitale Souveränität hat drei Dimensionen: Datensouveränität, Software-Souveränität und Steuerungsfähigkeit eines Unternehmens.
(Bild: Step Ahead)
Wenn Unternehmen über digitale Souveränität sprechen, landet die Diskussion schnell beim Thema Datenspeicherung. Wo liegen die Daten? Wer hat darauf Zugriff? In welchem Rechtsrahmen werden sie verarbeitet? Diese Fragen erfassen aber nur einen Teil der tatsächlichen Abhängigkeit, in der viele Unternehmen heute stecken.
Digitale Souveränität hat drei Dimensionen. Neben der Datensouveränität steht die Software-Souveränität: die Sicherheit, dass eine Anwendung fachliche, regulatorische und branchenspezifische Anforderungen auch langfristig zuverlässig erfüllt und entsprechend weiterentwickelt wird. Hinzu kommt die Steuerungsfähigkeit eines Unternehmens. Sie beschreibt die Fähigkeit, IT-Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen und Einfluss auf geschäftskritische Systeme zu behalten.
Software-Souveränität und Steuerungsfähigkeit werden in der Praxis häufig unterschätzt. Dabei entscheiden sie darüber, wie schnell Unternehmen auf neue Marktbedingungen, regulatorische Anforderungen oder veränderte Kundenbedürfnisse reagieren können. Fehlt dieser Einfluss, entstehen Abhängigkeiten, die die unternehmerische Handlungsfähigkeit zunehmend einschränken.
Das ERP-System ist nicht irgendeine Unternehmensanwendung. Es bildet die zentralen Geschäftsprozesse ab und entscheidet damit wesentlich darüber, wie handlungsfähig ein Unternehmen im Alltag bleibt. Im B2B-Großhandel beispielsweise lassen sich ohne ein verlässliches ERP weder Bestände steuern noch Lieferfähigkeit, Preisfindung und Auftragsabwicklung stabil sichern. Bei IT-Systemhäusern hängen Projektsteuerung, Ressourcenplanung und wiederkehrende Abrechnungen unmittelbar daran.
Was viele Unternehmen erst im laufenden Betrieb bemerken: Die eigentliche Abhängigkeit entsteht schleichend. Prozesse werden an das ERP-System angepasst, statt dass die Software die Geschäftsrealität abbildet. Neue gesetzliche Vorgaben kommen, aber die nötigen Updates in der ERP-Software lassen auf sich warten. Anpassungswünsche verschwinden im Support-Ticket, weil sie für den ERP-Anbieter keine Priorität haben. Dann wird aus einem strategischen Werkzeug ein Engpass: Das Unternehmen kann notwendige Veränderungen nicht mehr schnell genug umsetzen.
Genau deshalb ist die Anbieterwahl eine strategische Entscheidung. Ein ERP-System läuft über viele Jahre und Jahrzehnte. In dieser Zeit verändern sich Märkte, Regulatorik und Geschäftsmodelle. Die entscheidende Frage ist daher nicht, welches System heute den größten Funktionsumfang bietet, sondern welcher Anbieter in der Lage und willens ist, die eigene Unternehmensrealität langfristig zu verstehen und abzubilden.
Nähe als Souveränitätsmerkmal
Große, international aufgestellte ERP-Hersteller orientieren ihre Produktentwicklung an einer weltweiten Kundenbasis. Die spezifischen Anforderungen von KMU in der DACH-Region spielen dabei häufig eine untergeordnete Rolle. Das bedeutet nicht, dass solche Lösungen grundsätzlich ungeeignet sind. Für Unternehmen mit internationalen Standorten, mehreren Gesellschaften oder globalem Wachstumskurs bieten sie Vorteile. Die Frage ist, ob diese Stärken zur eigenen Unternehmenssituation passen.
Für viele mittelständische Unternehmen hingegen ist die Nähe zum Anbieter ein entscheidender Faktor, nicht als weicher Komfortaspekt, sondern als handfestes Souveränitätsmerkmal. ERP-Anbieter, die branchenspezifische Prozesse aus eigener Erfahrung kennen, regulatorische Anforderungen des europäischen Markts mit hoher Priorität umsetzen und deren Kunden in der Produktentwicklung tatsächlich Gehör finden, bieten eine andere Qualität von Verlässlichkeit.
Diese Verlässlichkeit zeigt sich vor allem dann, wenn sich Anforderungen ändern. Unternehmen können notwendige Anpassungen schneller umsetzen und bleiben auch bei neuen regulatorischen oder geschäftlichen Anforderungen handlungsfähig.
Bildquelle: Vogel-IT Medien
Neue Sonderpublikation
Digitale Souveränität
Grundlagen, Strategien und Umsetzung
Daten, Anwendungen, Infrastrukturen: Wer die Kontrolle behält, sichert Innovation und Handlungsfähigkeit. Unsere neue Sonderpublikation zeigt, welche Strategien, Technologien und Lösungen Unternehmen auf dem Weg zu mehr digitaler Selbstbestimmung unterstützen – und wie realistisch das Ziel einer souveränen digitalen Zukunft für Europa wirklich ist.
Neben der Anbieterwahl bestimmt das Betriebsmodell, wie viel Handlungsfreiheit ein Unternehmen tatsächlich behält. SaaS-Lösungen reduzieren den operativen Aufwand erheblich, gehen jedoch mit einer stärkeren Bindung an Anbieter, Betriebsmodell und Release-Zyklen einher. On-Premises-Deployments oder der Private-Cloud-Betrieb geben mehr Kontrolle zurück, erfordern dafür eigene Ressourcen. Für Unternehmen, die beides verbinden wollen, sind europäische Sovereign-Cloud-Angebote eine zunehmend realistische Option.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Deshalb lohnt es sich, beim Vertragsabschluss genau hinzusehen: Sind die eigenen Daten jederzeit exportierbar? Gibt es offene Schnittstellen, die eine Migration oder Anbindung an Drittsysteme ermöglichen? Lässt sich das Betriebsmodell wechseln, ohne das gesamte System neu aufzusetzen? Diese Fragen klingen technisch, sind aber im Kern unternehmerisch.
Resilienz als Haltung
Digitale Souveränität ist kein einmaliges Vorhaben, das sich mit einer Softwareentscheidung abschließen lässt. Sie bedeutet, die eigene IT-Strategie konsequent an der Frage auszurichten, welche Abhängigkeiten bewusst eingegangen werden und welche nicht. Abhängigkeiten lassen sich nie vollständig vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, ob sie transparent und steuerbar bleiben.
Das ERP steht dabei im Mittelpunkt, weil hier die zentralen Geschäftsprozesse eines Unternehmens zusammenlaufen. Wer es als strategisches Fundament begreift und nicht als austauschbares Werkzeug, schafft die Voraussetzung, auch bei veränderten Marktbedingungen, neuen regulatorischen Anforderungen oder technologischem Wandel handlungsfähig zu bleiben.
Zusammenfassung
• Viele Unternehmen diskutieren über Datensouveränität. Die entscheidende Abhängigkeit entsteht jedoch häufig im ERP-System. • Digitale Souveränität bedeutet, auch bei neuen regulatorischen Anforderungen, Marktveränderungen oder Wachstum handlungsfähig zu bleiben. • Anbieterwahl und Betriebsmodell sind Souveränitätsentscheidungen. Offene Schnittstellen, Portierbarkeit und die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, entscheiden darüber, wie flexibel Unternehmen auf Veränderungen reagieren können.
* Der Autor Andreas Fresi ist Geschäftsführer der Step Ahead GmbH. Der erfahrene Vertriebs- und Serviceexperte verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der ITK- und Softwarebranche. Zuletzt verantwortete er als Director Sales & Marketing bei der Vimata Group die gruppenweite Vertriebs- und Marketingstrategie. Sein Fokus liegt auf nachhaltigen Kundenbeziehungen, erfolgreichen Vertriebsstrategien und innovativen Softwarelösungen für mittelständische Unternehmen.