Möglichkeiten, „SAP S/4 HANA“ zu implementieren, gibt es sehr viele, denn sie sollen ja unterschiedliche Anforderungen abdecken. Die Verantwortlichen haben die Qual der Wahl.
Es gibt viele Möglichkeiten, SAP S/4HANA zu implementieren. Nicht immer ist die Wahl der richtigen Methode einfach.
SAP S/4HANA kann in einem von drei grundlegenden Modellen bereitgestellt werden: vor Ort, in der Cloud oder als eine Hybrid-Lösung. Die verschiedenen Modalitäten unterscheiden sich im Kleingedruckten. Eine On-Premise-Bereitstellung von SAP S/4 HANA umfasst traditionelle interne IT-Infrastrukturmodelle. In diesem Bereitstellungsmodell läuft SAP S/4 HANA physisch auf dem Gelände des Kunden auf seiner Hardware.
Die On-Premises-Variante bietet einen umfassenden Funktionsumfang, doch nicht alle Unternehmen haben die nötige Puste, um die Implementierung zum Erfolg zu führen. Die Lizenzkosten der On-Premises-Lösung stellen nur einen Bruchteil der Implementierungskosten dar – und diese sind aufgrund der hohen Variabilität der Anforderungen und der Vielfalt des Ökosystems nur schwer abzuschätzen. Eine On-Premises-Bereitstellung von SAP S/4 HANA verwaltet die implementierende Organisation. Eine reine On-Cloud-Bereitstellung verwaltet der Anbieter.
Zu den Cloud-Providern von SAP S/4 HANA gehören neben der SAP Cloud unter anderem die „Google Cloud Platform“, „IBM Cloud“, Amazon Web Services (AWS), Alibaba und „Microsoft Azure“. Die (Public-) Cloud-Bereitstellung von SAP S/4 HANA trägt die Bezeichnung „S/4 HANA Cloud“ (Public Edition). Es handelt sich dabei um eine SaaS-Option, die nur einen Teil der ERP-Kernfunktionen bietet. Zuvor trug sie den Namen „S/4 HANA Cloud Essentials Edition“.
Begriffsklärung
Davor war sie als „Multi-Tenant Edition“ bekannt. SAP provisioniert eine Instanz der Lösung auf einem virtualisierten Cloud-Server neben Arbeitslasten anderer Mandanten und verwaltet diese samt nicht-optionaler Upgrades. Der Funktionsumfang dieser Bereitstellung ist aufgrund des standardisierten Aufbaus stark begrenzt. Dennoch wissen sie viele Nutzer eben aufgrund dieser Besonderheiten zu schätzen. So haben etwa die Stadtwerke Velbert SAP S/4 HANA Cloud in der öffentlichen Wolke am Laufen.
Die häufigsten Anwendungsfälle für S/4 HANA Cloud sind Implementierungen neuer SAP-Kunden oder Tochtergesellschaften größerer Unternehmen, die selbst SAP einsetzen. Die Public-Cloud-Variante lässt sich vergleichsweise schnell implementieren, aber der resultierende Funktionsumfang ist in SAP-Maßstäben minimal. Unternehmen, die eine direkte Migration von einer älteren SAP-Instanz durchführen wollen, ist dieser Weg versperrt.
„SAP S/4 HANA Cloud Extended Edition“ (EX), früher bekannt als Single-Tenant Edition, bietet den gesamten Funktionsumfang der On-Premises-Edition sowie zusätzliche Hosting-Optionen und mehr Flexibilität im Hinblick auf die Konfiguration und den Upgrade-Zeitpunkt. Das Single-Tenant-Modell gewährt den Kunden mehr Kontrolle über verschiedene Aspekte der Bereitstellung.
Kaufen, mieten
Doch beim Kauf der EX-Edition müssen Anwender für eine Mindestanzahl von Benutzern zahlen, die SAP anhand einer Formel errechnet. Aufgrund dieser erforderlichen Mindestanzahl sowie der höheren Komplexität ist S/4 HANA EX vor allem für mittlere und große Unternehmen geeignet. Zudem ist auch diese Edition ausschließlich für neue Implementierungen geeignet; die Überführung von Daten und Prozessen aus SAP-Altlasten ist nicht möglich.
„S/4 HANA Cloud Private Edition“ kam erst im Jahr 2021 zum SAP-Portfolio hinzu. Sie baut auf EX auf und ergänzt sie um zusätzliche Flexibilität. Benutzer können gewisse Änderungen in Eigenregie vornehmen und Upgrades in ihrem eigenen Tempo durchführen. Anwender der Private Edition können eine Systemkonvertierung oder eine selektive Datenübernahme aus einer bereits bestehenden SAP-Umgebung wagen.
Eine Private-Cloud-Bereitstellung von SAP S/4 HANA stellt dem Kunden die Funktionalität der Suite als einen Dienst bereit, ohne dass der Kunde das technische Backend pflegen muss. Dieser Ansatz eignet sich am besten für jene Unternehmen, die bereits über eine Private Cloud und die nötige Expertise verfügen.
Die Kombination
Eine hybride Bereitstellung von SAP S/4 HANA bietet eine Kombination aus On-Premises- und Cloud-Implementierungen. Dieser Ansatz kann helfen, die Machbarkeit verschiedener Implementierungen zu testen oder verschiedene Standorte mit den benötigten Diensten zu versorgen.
Hybride Optionen umfassen IaaS und PaaS. Hier ist geteilte Verantwortung die Devise: Einige Ressourcen laufen vor Ort auf kundeneigener Infrastruktur, andere beim IaaS/ PaaS-Dienstleister. Bei IaaS verwaltet das Unternehmen selbst seine Anwendungen, Daten, Runtime, Middleware und Betriebssysteme, während der Cloud-Provider die Virtualisierung, Server und Storage verantwortet. Bei PaaS werden nur Anwendungen und Daten vom Unternehmen gehandhabt, während sich der Anbieter um alles andere kümmert.
Stand: 08.12.2025
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SAP HANA Enterprise Cloud
„SAP Hana Enterprise Cloud“ (HEC) ist ein vollständig gemanagter, abonnement-basierter Cloud-Service. Der allgemeine Betrieb des Systems erfolgt durch das HEC-Team von SAP.
Der Gedanke dabei: SAP nimmt die On-Premise-Umgebung und bringt sie in die eigene Infrastruktur oder in die Cloud eines Hyperscalers. Bei HEC handelt es sich um ein IaaS-Angebot (Infrastructure as a Service), das die Bereitstellung und Verwaltung einer kompletten SAP-Landschaft vereinfachen soll.
Mit „S/4 HANA Any Premise managed by SAP on HANA Enterprise Cloud (HEC)“ kombinierte SAP sein ERP-Flaggschiff mit der HANA Enterprise Cloud und SAP-Managed-Services für die Private Cloud. Beim Einsatz der Edition „Any Premise“ können HEC-Anwender S/4 HANA auf ihrer eigenen Hardware im eigenen Rechenzentrum oder in einem von SAP betriebenen Rechenzentrum ausführen. Alternativ können sie auch einen Hyperscaler wie Google Cloud, Amazon Web Services oder Microsoft Azure einspannen. Das Management der Umgebung verantwortet in jedem Fall SAP selbst.
Verwirrung ist möglich
Mit diesem Angebot nimmt SAP vorrangig die ganz Großen ins Visier. Der Anbieter zeigt sich sehr flexibel und zuvorkommend; Unternehmen können ihre eigene Lizenz mitbringen oder ein Abonnement erwerben, über Upgrades entscheiden und kommen auch in den Genuss zusätzlicher Erweiterbarkeit.
Eine Variante dieser Lösung kann der Kunde auch selbst verwalten oder einen Drittanbieter beauftragen. Der Anwender kann auch hier seine SAP-Umgebung in seinem eigenen Rechenzentrum ausführen oder bei einem Cloud-Hyperscaler hosten.
Die Vielfalt möglicher Optionen hat bei den Anwendern für große Verwirrung gesorgt. Viele Organisationen wünschen sich vor allem eine bessere Kostentransparenz, um ihre Ausgaben vorhersehen zu können. Denn viele der Verantwortlichen können oft nicht abschätzen, ob etwa das Hinzufügen neuer Benutzerlizenzen zur aktuellen Umgebung zwangsweise mit dem Ausbau der Infrastruktur einhergehen muss. Folglich ist für sie nicht klar, wie viel eine solche Modifikation tatsächlich kosten würde.
Ein weiteres Problem stellt die geteilte Verantwortung für die Betriebsbereitschaft der Plattform dar. In seinen Verträgen will sich SAP vor der Haftung für mögliche Fehlentscheidungen des Kunden absichern, da man nur das liefern könne, was der Nutzer angefordert habe. In der Vergangenheit, wenn die Bereitstellung nicht funktionierte, mussten die betreffenden Kunden in einigen Fällen für die erneute Instandsetzung zahlen, die Reparatur der Umgebung selbst vornehmen oder zusätzliche Infrastruktur erwerben, um die SLAs auf den ursprünglich erwarteten Stand zu bringen.
Technische Herausforderungen gibt es insbesondere bei der Integration mit bestehenden Lösungen zuhauf. SAP HEC stützt sich zum Beispiel auf „SAP Focused Run“. Unternehmen, die ihre Bereitstellung von SAP HANA Enterprise Cloud mit dem SAP Solution Manager ihrer On-Premises-Bereitstellung verbinden wollen, lassen sich dadurch auf die standardmäßige Koexistenz von SAP Solution Manager und SAP Focused Run ein. In diesem Szenario muss der SAP-Nutzer auch eine korrekte „SLD DS Payload Distribution“ gewährleisten.
Einige Unternehmen kommen mit der Enterprise-Ausbaustufe von S/4 HANA auch deswegen nicht klar, weil sie nicht alle erforderlichen Änderungen eindeutig nachvollziehen und intern begründen können. Dies trifft insbesondere auf Organisationen zu, die noch nicht über eine adäquat ausgeprägte Inhouse-Expertise verfügen. Dieser empfundene Mangel an Vorhersehbarkeit führte in einigen Firmen zu Frustrationen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, führte SAP das Bereitstellungsmodell RISE ein.
Rise with SAP
Die Umstellung von ECC auf S/4 HANA gingen Unternehmen bisher typischerweise in vier Schritten an: Zuerst wählten sie ihre SAP-Software, dann den Implementierungspartner, dann den Hosting-/Hyperscale-Anbieter und zu guter Letzt den Support-Partner für den übrigen Anwendungslebenszyklus. Mit der Einführung von „RISE“ hat SAP den Markt auf gebündelte Lösungen ausgerichtet und diesen Ansatz überflüssig gemacht.
Bei „Rise with SAP“ handelt es sich um eine Suite von Tools und Services, die Kunden bei der Einführung von S/4 HANA in der Cloud-Variante und dem dazugehörigen Ökosystem helfen soll. Das Paket beinhaltet die Software SAP S/4 HANA Cloud, ein Starterpaket mit Geschäftsnetzwerklösungen wie „Ariba Procurement“, Asset Management, Logistik, Unternehmens-Support und Services für den Übergang des Kunden in die Cloud.
„Rise with SAP“ in der Edition Private Cloud lässt sich im kundeneigenen Rechenzentrum ausführen; das ist der bevorzugte Weg für KRITIS-Implementierungen.
(Bild: SAP)
Bei der Implementierung von „Rise with SAP“ wählt der Kunde als Erstes die Art der Cloud-Bereitstellung: Public oder Private. Diese Entscheidung bestimmt nicht nur den Funktionsumfang, sondern unter anderem auch die Enablement-Ressourcen für den Übergang.
Die Public-Cloud-Edition trägt die Bezeichnung „Rise with SAP S/4 HANA Cloud“. Mit „Rise with SAP S/4 HANA Cloud Private Edition“ und SAP S/4 HANA Cloud Extended Edition bietet SAP zwei Ausbaustufen der Suite für die Private Cloud. In der Extended Edition kann S/4 HANA mit zusätzlichen Funktionen, Erweiterungen und Konfigurationsmöglichkeiten aufwarten. Diese Variante adressiert Kunden mit höheren Ansprüchen.
In der Private-Cloud-Edition läuft S4/HANA in einem privaten Netzwerk, das durch eine Firewall geschützt ist. So können Unternehmen eine private Cloud in dem eigenen Rechenzentrum aufbauen. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Software auf der IaaS-Plattform eines Hyperscalers auszuführen (also in einem virtuellen privaten Netzwerk von AWS, Azure, GCP, Alibaba Cloud).
Zwischen Rise und On-Premises
„Rise“ mit einer SAP-Lizenz bietet Zugang zu einer SAP S/4 HANA Cloud oder zu SAP S/4 HANA, das in einer privaten Cloud gehostet wird. Mit SAP S/4 HANA On Premise hat ein Kunde – im Gegensatz zu der Cloud-Bereitstellung „Rise with SAP“ – mehrere separate Verträge. Mit dem Abschluss dieser Verträge geht die Notwendigkeit einher, die Vereinbarungen zu verwalten und ihre Erfüllung zu überwachen. Der Kunde muss selbst den eigenen Übergang von SAP ECC oder einem Nicht-SAP-ERP zu S/4 HANA planen und die Umsetzung koordinieren.
„Rise with SAP“ ist im Gegensatz dazu ein Rundumglücklich-Paket, bei dem die Simplizität der Transformation in den Vordergrund tritt. Die Unternehmen verlieren jedoch – der Vereinfachung zuliebe – einen Großteil der Kontrolle über ihre Kosten. Sie müssen sich zudem mit einer geringeren Granularität der Entscheidungen abfinden und sind langfristig an noch unbekannte Modalitäten gebunden, die SAP erst im Laufe der Zeit formulieren mag. Zu den Implementierungspartnern gehören Capgemini, Deloitte, EY, IBM und PwC. Alle Dienste sind zur Vereinfachung in einem einzigen Vertrag zusammengefasst.
Im Rahmen von Rise müssen die Unternehmen ihre unbefristete Lizenzvereinbarung zugunsten eines abonnement-basierten Modells aufgeben. Doch damit nicht genug. Das abonnement-basierte Modell sieht für den SAP-Kunden keine Möglichkeit vor, von einem Teil der Vereinbarung zurückzutreten. Wer aufhört, zu zahlen, verliert ganz einfach das Recht, die Plattform zu nutzen.
Unternehmen wären daher gut beraten, ihre Umstellung auf eine abonnement-basierte Lizenz im Rahmen von RISE mit dem offiziellen Segen von SAP ausführlich zu dokumentieren, um bei Bedarf diese Integration rückgängig machen zu können, sollte Rise den geschäftlichen Anforderungen, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr genügen. So können die Verantwortlichen sich den Weg zum Rückzug auf On-Premises-Systeme offenhalten.
Das Pro und Contra
Fehlende Planungssicherheit schafft Potenzial für eine große Unzufriedenheit. Ungewisse Roadmaps und hohe Migrationskosten drohen, die unbestrittenen Vorteile technischer Innovationen zunichte zu machen. Viele fürchten insbesondere um den weiterführenden Support für SAP HCM (Human Capital Management) for S/4 HANA und die Zukunft des CX-Portfolios (Customer Experience, also Marketing, E-Commerce, Sales und Service). Das Schreckgespenst einer möglichen Zwangsumstellung auf andere Produkte bereitet den Verantwortlichen einige Sorgen.
Wenn es nach SAP geht, würden die Wartungsgebühren für Cloud-Dienste jährlich pauschal um einen definierten Prozentsatz steigen. SAP begründet diese planmäßigen Preiserhöhungen mit dem Zuwachs an internen und externen Aufwänden, von den Energie- über Arbeitskosten bis hin zu den zugekauften Dienstleistungen. Anwender sehen das anders.
Die Deutschsprachige SAP Anwendergruppe e.V. (DSAG) fordert übersichtlichere Lizenzmodelle mit überschaubaren Kosten und einem angemessenen Gegenwert für die Wartungsgebühren. Die Kunden wünschen flexiblere, „atmende“ Lizenzmodelle, die das Nutzungsverhalten widerspiegeln. Sie lehnen automatische Preiserhöhungen ab und fordern automatisierte Migrationsmöglichkeiten, um die eigenen Aufwendungen im Rahmen zu halten.
Die Cloud-Lösungen von SAP lassen aus Sicht einiger Kunden die Flexibilität und Planungssicherheit einer traditionellen On-Premises-Bereitstellung vermissen. Insbesondere die einseitige Abhängigkeit von der Preis- und Produktpolitik des Anbieters macht den Unternehmen zu schaffen. Die vertraglichen Verpflichtungen der Lizenznehmer sind eng umrissen, die Gegenleistung erscheint auf lange Sicht etwas ungewiss.
Wer sich auf die Cloud-Varianten einlässt, muss nicht nur mit technischen Neuerungen Schritt halten, sondern verliert auch Freiheitsgrade im Hinblick auf die Lizenzkosten und muss gegebenenfalls laufende Preiserhöhungen in Kauf nehmen. Zum Teil hängt die Verwirrung mit neuen Lizenzmodalitäten zusammen. Wer seine SAP-User bisher anhand der tatsächlich genutzten Transaktionen lizenzierte, muss sich von diesem Gedanken schnell verabschieden.
SAP berechnet Lizenzgebühren auf der Basis von User-Berechtigungen. Wer die Bestandsrollen aus einem alten System einfach nach S/4 HANA migrieren wollte, sollte deswegen Zugriffsmöglichkeiten auf ihre Notwendigkeit hin überprüfen. Denn bereits wenige falsch gesetzte Berechtigungen können erhebliche Nachzahlungen verursachen. Beim Festlegen von S/4 HANA-Berechtigungen sind die Unternehmen mit dem Greenfield-Ansatz am besten bedient. Ein durchdachtes Lizenzoptimierungsprojekt kann bares Geld sparen.
Fazit
Konfrontiert mit den verschiedenen Möglichkeiten der Bereitstellung von SAP S/4 HANA stehen die Verantwortlichen vor einer schwierigen Entscheidung. Kompetente Berater können hier Klarheit schaffen. Denn Optionen gibt es mehr als genug. Für Organisationen, die eine einfache und damit kostengünstige Implementierung und Verwaltung wünschen, will SAP mit Lösungen wie S/4 HANA Cloud EX trumpfen. Unternehmen mit gehobenen Ansprüchen und jene, die von einer bereits gut eingespielten älteren SAP-Umgebung aufrüsten wollen und nicht willens sind, die Kontrolle über ihre Daten aus der Hand zu geben, sind mit Lösungen wie der Private Edition und HEC im eigenen Rechenzentrum am besten bedient.
* Das Autorenduo Anna Kobylinska und Filipe Pereia Martins arbeitet für McKinley Denali, Inc., USA.