Elektrifizierung der IT

Was Strom und Cloud gemeinsam haben

| Autor / Redakteur: Alex Fürst * / Elke Witmer-Goßner

Das Modell der arbeitsteiligen Gesellschaft mit Spezialisierung auf bestimmte Leistungen funktioniert schon seit der Steinzeit.
Das Modell der arbeitsteiligen Gesellschaft mit Spezialisierung auf bestimmte Leistungen funktioniert schon seit der Steinzeit. (Bild: )

Zu Beginn der Geschichte der Elektrizitätsversorgung in Deutschland Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts haben die meisten deutschen Unternehmen in privaten Kleinkraftwerken selbst Strom für ihre Fabriken oder Zechenanlagen erzeugt. Denn genauso wie sie sich zum Transport von Rohstoffen und ihrer Produkte in der Nähe der Bahntrassen und Wasserwege ansiedeln mussten, waren sie auf ihre eigene Energiequelle angewiesen. Weil Strom aus dem Netz zu teuer, instabil oder schlicht noch nicht vorhanden war.

Erst mit der zunehmenden Elektrifizierung legten die Firmen ihre Kraftwerke still und gingen ans Netz – ein sinnvoller Schritt, durch den Ressourcen frei wurden und die Unternehmen sich stärker auf ihr Kerngeschäft fokussieren konnten. Genau wie es heute sinnvoll ist, IT-Infrastrukturen aus dem eigenen Rechenzentrum in die Cloud zu verlagern. Aus technischer Sicht gilt es dabei jedoch einige Punkte zu beachten, um den Umstieg sicher zu meistern, gleichzeitig die Kontinuität des laufenden Business sicherzustellen und künftiges Wachstum zu ermöglichen. Lange Zeit gab es gute Gründe dafür, IT-Landschaften auf eigenen Servern in On-Premise-Rechenzentren aufzubauen: Kosten, Leistung und Verfügbarkeit – und damit ganz ähnliche Argumente, die einst für eigene Stromkraftwerke sprachen. Doch wie die Energieerzeugung binden die Betreuung und Instandhaltung eigener Rechenzentren Ressourcen, ohne zum Kerngeschäft beizutragen.

Smarte Vernetzung statt Selbstversorgung

Als die ersten Unternehmen vor rund 20 Jahren Rechenzentren bauten, gab es noch keine Cloud Provider. Doch die Verbreitung der Cloud ist – wie die Elektrifizierung im frühen 20. Jahrhundert – seit zehn bis 15 Jahren unaufhaltsam und verändert IT und Unternehmen massiv. Der damalige Wechsel ans öffentliche Stromnetz ist für Betriebe ebenso wichtig wie der Schritt in die Cloud: Damals wurde das eigene Kraftwerk stillgelegt; heute werden Workloads, Anwendungen und Prozesse ausgelagert. Dies erfordert verlässliche Partner, die über umfangreiches Expertenwissen und Erfahrungen im Management der verschiedenen Cloud-Formen verfügen. Unternehmensinterne Ressourcen, die bislang für das Rechenzentrum gebunden wurden, stehen nun für das Kerngeschäft zur Verfügung. Und die Unternehmen profitieren von einer stabilen, spezialisierten und gewarteten IT-Landschaft.

Sicher gab es vor diesem gewaltigen Schritt Zweifel. Auch wenn der Wettbewerb längst öffentlichen Strom bezog. Bei der eigenen Stromerzeugung konnten sie Kosten und Stabilität selbst steuern, dachten die Skeptiker. Warum diese Kontrolle in fremde Hände legen? Viele überzeugten erst die günstigeren Strompreise und die zunehmende Stabilität des öffentlichen Netzes. Die Vorbehalte gegenüber der Cloud lassen sich heute kaum auf diesen einfachen Nenner bringen. Kosten und Verfügbarkeit spielen eine untergeordnete Rolle. Hauptargument gegen die Cloud ist die vermeintlich fehlende Sicherheit – die allerdings beim Wechsel ins Stromnetz keine Hürde war. Dafür wiegen die Vorteile der Cloud-Nutzung heute wesentlich stärker als damals der Nutzen des öffentlichen Stroms.

Für Strom und IT sind Fachleute gefragt

Der Schritt vor hundert Jahren war ein Eins-zu-Eins-Ersatz: Industriebetriebe erhielten mehr oder weniger denselben Strom aus dem Netz, den sie vorher selbst produziert hatten. Unternehmen, die heute mit Cloud Providern arbeiten, hingegen erhalten direkt Zugang zu mehr Rechenpower und mehr Ressourcen als in ihrer eigenen Infrastruktur. Zudem profitieren sie davon, dass jemand die Cloud-Rechenzentren managt, Server patcht und Investitionen tätigt, damit genug Rechenpower zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird. Der Schritt in die Cloud ist kein Ersatz, sondern ein Upgrade, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Ressourcen, die frei werden und sich anstelle von „Stromerzeugung“ – oder heute eher „IT-Management“ – auf die Unternehmensziele fokussieren können

Trotz all dieser Vorteile gibt es nach wie vor Cloud-Skeptiker. Zu hohe Kosten, kein Vertrauen in externe Partner sind Vorbehalte, die sie vorbringen. Doch um den Cloud-Stromnetz-Vergleich ein letztes Mal zu bemühen: Wer würde sich selbst zutrauen, die Elektrik im eigenen Haus zu installieren? Vermutlich nur wenige. Denn es gibt gute Gründe, warum man solche kritischen Aufgaben Experten überträgt. Mit Blick auf die Sicherheit zeigen jüngste Untersuchungen sogar, dass die Cloud sicherer ist als die Rechenzentren vieler Unternehmen. Kein Wunder, führt man sich vor Augen, dass Hyperscaler wie Rackspace in einem Jahr mehr in die IT-Sicherheit investieren, als einige Unternehmen überhaupt an Umsatz generieren. Und in die Kosten müssen auch immer die Ausgaben für Personal, Rekrutierung und Ausbildung der Mitarbeiter eingerechnet werden, die das Rechenzentrum warten und betreuen.

Rechenzentrum aus, Cloud an?

Anders als bei der Elektrifizierung vollzieht sich der Wechsel in die Cloud jedoch nicht in einem Schritt. Hier enden die Gemeinsamkeiten von Cloud und Stromnetz: Eine Migration in die Cloud ist bei weitem nicht so einfach wie ein Schalter, der hier aus- und dort angeschaltet werden muss. Unternehmen, vor allem solche, die über ältere IT-Infrastrukturen verfügen, werden sich eher für eine Kombination aus Cloud und eigener Hardware oder eine Hybrid Cloud entscheiden. Einige werden Clouds von unterschiedlichen Anbietern also eine Multi-Cloud nutzen. Zudem entwickeln sich die Cloud-Technologien in einem rasanten Tempo.

Aufgrund der Komplexität der verschiedenen Lösungen und der hohen Innovationsgeschwindigkeit wird es immer wichtiger einen kompetenten und vertrauenswürdigen Partner an der Seite zu haben, der die verschiedenen Cloud-Systemen im Sinne des Unternehmens effizient managt, optimiert und sicher hält. Daher empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Managed Service Provider, im Idealfall mit einem erfahrenen und unabhängigen Anbieter, der sich mit allen Clouds auskennt und eine reibungslos funktionierende Lösung anbietet, die exakt zu den Anforderungen des Unternehmens passt.

Alex Fürst, Rackspace Deutschland GmbH.
Alex Fürst, Rackspace Deutschland GmbH. (Bild: Rackspace)

Viele Vorbehalte gegenüber der Cloud wie beispielsweise ein Vendor-Lock-in können so von einem Managed Cloud Provider entschärft werden. Warum sollten Unternehmen diesen Weg alleine gehen, wenn sie von der Erfahrung und Expertise eines Partners profitieren können, der ihn in- und auswendig kennt? Für viele Unternehmen ist die Entscheidung so glasklar wie der Schritt vor hundert Jahren, als die Industrie ihre eigene Energieerzeugung eingestellt hat und ins Stromnetz gewechselt ist.

* Der Autor Alex Fürst ist Vice President DACH der Rackspace Deutschland GmbH.

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