In China gibt‘s noch reichlich Marktpotenzial

Trends vom OpenStack Summit in Shanghai

| Autor: Ludger Schmitz

Erstmals fand der Open Infrastructure Summit der OpenStack Foundation in China statt.
Erstmals fand der Open Infrastructure Summit der OpenStack Foundation in China statt. (Bild: OpenStack)

Der Hype, der früher Tausende auf OpenStack-Summits trieb, ist anscheinend vorbei – zumindest in Nordamerika und Europa. Zum 20. Event dieser Art ging es nach Shanghai und damit auf einen Zukunftsmarkt.

Gerade einmal 1.200 Besucher schafften es auf den „Open Infrastructure Summit“ der OpenStack Foundation (OSF) in Shanghai. Langjährige Beobachter der Entwicklung eines der aktivsten Open-Source-Projekte der Welt sind ganz andere Größenordnungen gewohnt. Gleichwohl zeigen sich die Leitungsgremien der Organisation – jedenfalls für die Öffentlichkeit – nicht einmal enttäuscht.

Es hätten sicherlich etliche Besucher mehr werden können. Die restriktiveren Einreisebestimmungen Chinas waren nicht eben förderlich. Gleichwohl durften mehr Teilnehmer erwartet werden. Denn auf den Summits der letzten Jahren war zu beobachten, dass immer mehr Besucher aus China anreisen – und immer häufiger bekamen chinesische Unternehmen dabei Gelegenheit, außergewöhnliche OpenStack-Implementierungen an prominenter Stelle zu präsentieren.

Die Perspektiven ließen mehr erwarten

Es sind die gleichen Umstände, die eine höhere Beteiligung am Summit hätten erwarten lassen und die Enttäuschung über deren Ausbleiben in Grenzen halten. So präsentierte Jonathan Bryce, Executive Director der OpenStack Foundation bei seiner Eröffnungsrede in Shanghai eine Markteinschätzung von 451 Research aus dem September dieses Jahres. Demnach soll der OpenStack-Markt im asiatisch-pazifischen Raum (APAC) in den nächsten vier Jahren um 36 Prozent wachsen.

Das wäre dann im Jahr 2013 ein Drittel des OpenStack-Weltmarkts von 7,7 Milliarden Dollar. Momentan schätzt 451 Research ihn auf 3,8 Milliarden Dollar, also global immer noch eine Verdoppelung innerhalb von vier Jahren. Dass OpenStack einen großen Teil seiner Dynamik aus China bezieht, zeigt sich auch in anderen Zahlen. Zum neuen OpenStack-Release „Train“ kamen fast 3.000 Code-Beiträge aus China. Damit stehen Entwickler aus der Volksrepublik an Platz 2, deutlich vor Indien und nur noch knapp hinter den USA, wo es die „Big Names“ der IT-Industrie sind, die viel in OpenStack investieren. Auch in puncto individueller Code-Beiträger steht China auf Platz 2.

Chinesische Firmen treiben OpenStack-Entwicklung voran

Die OSF hebt ferner die große Bedeutung der Beiträge chinesischer Unternehmen gerade zu den jüngeren OpenStack-Projekten hervor. Bei „Kata Containers“ sind es 99cloud, China Mobile, Easystack, Fibrehome, Huawei, Tencent, Unitedstack und ZTE. Besonders Baidu, eine auf AI spezialisierte Firma, macht auf die Integration von OpenStack, Kubernetes und Kata Containers für AI und Big Data in Cloud-Services aufmerksam und hat dazu ein Whitepaper vorgelegt. Baidu gewann damit den „Superuser Award“ der OSF.

Volvo Cars ist seit der Übernahme durch den chinesischen Automobilhersteller Geely auf deutlichem Open-Source-Kurs. Das Unternehmen verwendet „Zuul“ als System für Continuous Integration (CI). Ein ebenfalls zukunftsweisendes Projekt – nämlich in Richtung Edge Computing – ist „StarlingX“. Hier sind die Großbank China Unionpay sowie die Firmen 99cloud und Fiberhome besonders aktiv.

„China macht sich offene Infrastruktur zu eigen. Es verwendet sie, um Probleme in einer Größenordnung zu lösen, wie man es selten sonst irgendwo auf der Welt findet“, resümmiert OSF-Top-Mann Bryce. „Wir haben niemals zuvor einen Open Infrastructure Summit gehabt mit mehr Großanwendern als diese Woche in Shanghai. Und die Community lernt eine Menge von dem, was sie mitzuteilen haben.“

OpenStack wird Standard in China

OpenStack war bisher schon ein Quasi-Standard für Clouds in China, ab sofort ist es das auch offiziell. In Shanghai unterzeichneten die OSF und das China Electronics Standardization Institute (CESI) den Vertrag zu einer strategischen Partnerschaft.

Demzufolge werden beide Seiten Standards für Entwicklungsanforderungen, Testumgebungen, Interoperabilität und Anwendungsumgebungen definieren. Dabei wird es zwei Zertifizierungen für konforme Interfaces geben, eine für Entwicklungsumgebungen und eine für Kunden-gerichtete Cloud-Produkte und -Services.

Die Verschiebung des OpenStack-Fokus auf Fernost schlägt sich auch in der Finanzierung der OSF nieder. Tencent und Huawei sind bereits als Platin-Mitglieder gewichtige Finanziers. Mit dem Cloud Provider Troila Technology hat die OSF nach 99cloud, China Mobile, China Telecom, China Unicom, Easystack, Fiberhome, H3C, Inspur, Unitedstack und ZTE das 11. Gold Member gewonnen.

Suse geht neue Wege

Die Verlagerung könnte dem sich abschwächenden OpenStack-Hype in Nordamerika und Europa entgegen wirken. Erst Anfang Oktober hatte sich Suse von der bisher ausgeprägten OpenStack-Orientierung verabschiedet. Es soll laut einem Hintergrundbericht von „Techcrunch“ künftig keine OpenStack-Distribution und damit verwandte Produkte von Suse mehr geben. Stattdessen werde sich das Unternehmen auf seine „Cloud Application Platform“, die auf der OpenSource-Plattform von Cloud Foundry basiert, und die Kubernetes-basierende Container-Plattform orientieren.

Gleichwohl bleibt Suse als Platin-Sponsor einer der wichtigsten Finanziers der OpenStack Foundation. Ebenfalls bleibt Suse-Manager Alan Clark Vorsitzender des OSF-Aufsichtsrats. Ebenfalls sollten Suse-Entwickler weiterhin an OpenStack-Projekten beteiligt bleiben. Wie lange all das gilt, bleibt abzuwarten.

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