Auf seinem Partner Network Summit 2026 in Köln bringt der europäische Cloud-Marktführer OVHcloud seine strategische Botschaft auf den Punkt: In einer Zeit wachsender geopolitischer Unsicherheit wird technologische Eigenständigkeit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Durch raue See in sichere Gewässer: Die Einladung OVHclouds zum Partner Network Summit 2026 auf ein Rheinschiff ist programmatisch.
(Bild: Vogel IT-Medien / ewg)
An Bord des Rheinschiffs MS RheinDiamond diskutierten rund 200 IT-Entscheider, Cloud-Anwender, KI-Unternehmen und Startups über die Zukunft der digitalen Souveränität in Europa – begleitet von einer ambitionierten Produkt-Roadmap, die genau dieses Versprechen technisch untermauern soll.
Souveränität als DNA, nicht als Marketing
Der Ort war programmatisch gewählt: Ein Schiff, so die neue Managing Director Corporate Germany & Poland, Helen Wohlfarth-Kuhn, sei dafür gebaut, vorwärts zu kommen – ein Bild für Aufbruch und Kurswechsel. In ihrer Begrüßungsrede machte sie deutlich, warum sie jetzt gerne Steuerfrau bei OVHcloud sei: Das Unternehmen verfüge über viele Voraussetzungen, die Europa heute brauche, um im digitalen Zeitalter stärker, unabhängiger und wettbewerbsfähiger zu werden. Technologie sei längst kein bloßer Business-Enabler mehr, sondern eine strategische Fähigkeit, die über Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Resilienz und Souveränität entscheide.
Zentral ist dabei die Positionierung des Unternehmens: Digitale Souveränität sei bei OVHcloud kein Marketing-Slogan, sondern tief in der DNA verankert – ablesbar an offenen Standards, der Kontrolle der Kunden über ihre Daten sowie an einer Innovation, die Freiheit statt Abhängigkeit schaffe.
Helen Wohlfahrt-Kuhn, die erst seit kurzem den deutschen und polnischen Markt für OVHcloud verantwortet, eröffnete den 2026er Partner Network Summit.
(Bild: Patrick Hess)
Der strategische Anspruch ist unmissverständlich formuliert: OVHcloud will Europas digitale Transformation nicht nur begleiten, sondern anführen. Dazu setzt das Unternehmen auf eine ambitionierte Wachstumsagenda für Deutschland und weitere europäische Schlüsselmärkte, den Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten sowie den Fokus auf stark regulierte Branchen – öffentlicher Sektor, Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen, in denen Vertrauen, Transparenz, Compliance und Kontrolle den Ausschlag geben. Die Erfolgs- und Innovationsdynamik aus Frankreich soll dabei gezielt nach Deutschland übertragen werden.
Cloud unter Druck: Die geopolitische Analyse
Wie ernst die Lage ist, zeichnete Maximilian Meißner, Cloud- und Data-Experte bei PwC Deutschland, in seiner Keynote nach. Sein Befund: Cloud-Abhängigkeit ist längst keine Frage der Kosteneffizienz mehr, sondern eine Frage von Macht, Kontrolle und strategischer Autonomie. Meißner untermauerte dies mit konkreten „Warnschüssen“ wie dem Angriff auf ein AWS-Rechenzentrum im Kontext des Iran-Israel-US-Konflikts, dem US-Druck zur Sperrung des Kontos der Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs sowie der kurzfristigen Exportsperre eines Anthropic-Modells für Nicht-US-Bürger. Datenzentren würden zunehmend als strategische Vermögenswerte betrachtet.
Die Zahlen aus dem aktuellen Bitkom Cloud-Report verschärfen das Bild: 85 Prozent der befragten deutschen Unternehmen halten sich für zu abhängig von US-Cloud-Anbietern, während 71 Prozent ihre Cloud-Leistungen weiterhin ausschließlich aus den USA beziehen. Ein zentraler Grund für das Zögern: 43 Prozent sehen keine europäischen Alternativen, die ihre Anforderungen erfüllten. Genau hier setzt OVHcloud an – als „Europas führender Cloud-Plattform“, flankiert von Anbietern wie Exoscale, SAP oder Secunet, deren Zusammenspiel Meißner als notwendiges und zugleich funktionierendes Ökosystem beschrieb.
Kritisch beleuchtete Meißner die „Sovereign“-Angebote der US-Hyperscaler: Souveränes Branding bedeute nicht automatisch souveräne Kontrolle. Schließlich seien diese Entitäten weiterhin US-amerikanisch kontrolliert. Auf politischer Ebene registrierte er hingegen deutliche Bewegung: das deutsch-französische Souveränitätspapier, eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität ; das EU Cloud Sovereignty Framework mit seinen vier SEAL-Leveln (bei dem kein Bewerber aber bisher die höchste Stufe erreichte), das Tech Sovereignty Package mit dem Cloud and AI Development Act (CAIDA) sowie den Chips Act 2.0. OVHcloud gehörte zudem zu den Gewinnern der EU-Ausschreibung über 180 Millionen Euro. Sein Fazit: Souveränität sei kein Slogan mehr, sondern messbar geworden – doch Politik allein löse das Problem nicht. Notwendig seien offene Standards, Portabilität, ein offenes Ökosystem und Transparenz.
Stand: 08.12.2025
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Studie: Datenkontrolle treibt das Umdenken
Dass das Umdenken auch in der Breite ankommt, belegt das „B2Best Barometer 2026: Fokusthema Digitale Resilienz“, eine gemeinsame Studie des ECC Köln, von Synaigy und OVHcloud. Bei der digitalen Souveränität stehen Datenkontrolle (58 %) und technologische Eigenständigkeit (44 %) im Vordergrund. Zugleich bleibt die Realität hybrid: 61 Prozent setzen auf eine Mischung aus europäischen und nicht-europäischen Lösungen, ein Drittel speichert Daten in deutschen Rechenzentren. Die größten Risiken nicht-europäischer Anbieter verorten die Befragten in der geopolitischen Lage (47 %) und den rechtlichen Rahmenbedingungen (40 %).
Die Roadmap: Souveränität, die man buchen kann
Den technischen Beleg für den strategischen Anspruch lieferte Marketing Developmenet Manager Eike Vomberg mit der Vorstellung der Produktroadmap. Ausgangspunkt ist ein Portfolio von über 100 Services in 46 Rechenzentren – im Public-Cloud-Bereich wuchs es binnen eines Jahres von rund 40 auf über 60 Produkte. Bemerkenswert ist die durchgängige Ausrichtung auf souveränitätsrelevante Merkmale: offene Standards, Datenkontrolle, Verschlüsselung und Portabilität.
Private Cloud und Multicloud-Freiheit: Für VMware on OVHcloud wurden Advanced Packs mit erweiterten Sicherheitsfunktionen eingeführt; die Managed „Private VCF as a Service“ (VCF 9) startet auf Stretched Clustern in der 3-AZ-Region Paris, gefolgt von Mailand und bald auch Deutschland. Souveränität zeigt sich hier auch als Wahlfreiheit: OVHcloud ist der erste Nicht-US-Hyperscaler im Nutanix-NC2-Programm. Kunden können den Anbieter direkt aus ihrem Portal für Multicloud-Architekturen auswählen. Die gesamte Roadmap ist offen auf GitHub einsehbar und für Kunden kommentierbar.
Eike Vomberg, Product Marketing Lead der Region Zentraleuropa, stellte die Produktroadmap von OVHcloud detailliert vor.
(Bild: Patrick Hess)
Public Cloud, Storage und Kostentransparenz: Neu ist der lange erwartete File-Storage-as-a-Service, den OVHcloud preislich deutlich unter den US-Hyperscalern positioniert (laut Cloud-Mercato-Projektion um ein Vielfaches günstiger als Azure oder AWS). Beim Object Storage entfallen API-, Ingress- und Egress-Gebühren – ein souveränitätspolitisch relevanter Punkt, da so kostenfreie Datenreplikation und geringere Wechselhürden möglich werden.
Sovereign AI als Kernstück: Die AI Endpoints umfassen einen Katalog von über 40 LLMs, die konsumiert werden können, ohne dass Nutzerdaten in das Modelltraining fließen: Neu hinzugekommen sind Anbindungen an Hugging Face und Mistral AI. Für die kommenden Monate sind eine Batch API sowie eine latenzarme Fast API angekündigt; die garantierte Verfügbarkeit liegt bei 99,8 Prozent. Die Data Platform als No-Code-Plattform für den gesamten Datenlebenszyklus wurde um Auditierbarkeit und Alerting erweitert, demonstriert im Anwenderbericht: Wie souveräne KI konkret Wirkung entfaltet, zeigte das KI-Unternehmen Lector gemeinsam mit ITSC am Beispiel des Gesundheitswesens.
Sicherheit und Verschlüsselung: Die Roadmap adressiert Cybersecurity als Souveränitätsvoraussetzung durch Confidential Computing, VPN-as-a-Service, eine relaunchte Web Application Firewall (ab November) sowie KMS-Verschlüsselung für Block- und File Storage. Neue GPUs (Nvidia H200, RTX-4K/6K-Serie, Blackwell B200) stärken die KI-Infrastruktur. Konsequent souverän ist auch die neue 360-Grad-KI-Collaboration-Suite (Mail, Onlyoffice, Drive, Kalender, Video), die vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ermöglicht – untermauert durch die Übernahme eines auf Verschlüsselung spezialisierten Unternehmens. Denn, so das klare Bekenntnis: Ohne Verschlüsselung bleibe Souveränität unvollständig.
Infrastruktur in Deutschland: Als künftigen Standard etabliert OVHcloud die 3-AZ-Architektur mit strikter Rack-Verteilung („strict rack awareness“): Die Cluster-Knoten werden bewusst über verschiedene Racks und sogar Räume verteilt, sodass der Ausfall eines Racks die Verfügbarkeit nicht gefährdet. Nach Paris und Mailand entsteht derzeit die 3-AZ-Region Berlin, deren Start für das erste bis zweite Quartal 2027 vorgesehen ist, zunächst mit Public-Cloud-, Datenbank- und KI-Diensten.
Ausgezeichnete Champions und ein Ökosystem-Appell
Den partnerschaftlichen Charakter des Summits unterstrich die Verleihung der OVHcloud Partner Network Awards 2026 an fünf deutsche Tech-Champions: Codesphere (ISV of the Year), FlyPix AI (Scale Up of the Year), Qvest Group (New Partner of the Year), PwC (Business Excellence Partner of the Year) und Auctores (Partner of the Year).
Der Partner Network Summit 2026 verdeutlichte, wie OVHcloud digitale Souveränität vom politischen Schlagwort in ein konkretes, buchbares Leistungsversprechen überführen will und kann. Die Botschaft an IT-Entscheider: Der geopolitische Druck macht Eigenständigkeit zur strategischen Notwendigkeit, aber die Roadmap zeigt auch, dass europäische Alternativen technisch aufholen. Entscheidend bleibt, wie PWC, OVHcloud sowie die beteiligten Partnerunternehmen betonten, der Aufbau eines offenen Ökosystems über alle Ebenen hinweg. Souveränität, so das Leitmotiv des Tages, entstehe nicht durch Abschottung, sondern durch Wahlfreiheit, Transparenz und Zusammenarbeit.